ein fächerübergreifendes Angebot für Schulklassen und Kurse (ab Klasse 7) - auch in Ihrer Schule
- historischer Zeitabschnitt 1945-1952:
Günter Polster wurde im März 1946 im Alter von 17 Jahren wegen des Verdachtes auf Werwolfzugehörigkeit vom NKWD verhaftet und in das Speziallager Mühlberg/ Elbe gebracht. Von dort transportierte man ihn ohne Gerichtsurteil nach Westsibirien, wo er in Bergwerken Zwangsarbeit leistete. Im April 1950 gelangte er nach Deutschland zurück.
Herr Polster zeigt den Film "Wir waren schon halbe Russen ...", der eine Reise zu den Leidensstätten mit zwei weiteren ehemaligen Gefangenen dokumentiert.
Lothar Scholz wurde vom sowjetischen Geheimdienst mit 18 Jahren für Spitzeldienste angeworben, die er ablehnte. Daraufhin folgten Verhaftung und Deportation nach Workuta, wo er unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten musste. Herr Scholz überlebte den Gefangenenaufstand von 1948 und kehrte 1955 nach Deutschland zurück. Er zeigt seine Tjelo Greka (Wattejacke) mit der Gefangenennummer und den in Haft gefertigten Koffer für die Heimreise.
Aus seinem Buch: "Im Namen von Marx, Engels, Lenin, Stalin ..." (damalige Losung in der SU) liest Herr Scholz einzelne Passagen vor.
Peter Seele gelangte aufgrund einer Denunziation 1951 mit 23 Jahren in die Fänge des NKWD, da er nicht für diesen als Spitzel arbeiten wollte. Er wurde in der Leistikowstraße Potsdam inhaftiert und von dort nach Verurteilung durch ein Militärtribunal zu 25 Jahren Haft nach Workuta verschleppt, wo er bis 1955 Zwangsarbeit leisten musste.
Herr Seele erklärt Schülern vor Ort die Haftbedingungen in Potsdam.
Hermann Schlüter wurde 1945 mit 15 Jahren aufgrund seiner Weigerung am Russischunterricht teilzunehmen mit weiteren Schülern verhaftet und wegen angeblicher Werwolftätigkeit zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Während seine Kameraden hingerichtet wurden, kam er aufgrund seiner schlechten körperlichen Verfassung in die Festung Torgau und nicht in die Sowjetunion. 1950 kehrte er nach Potsdam zurück.
Margot Jann wurde 1945 im Alter von 19 Jahren mit weiteren Jugendlichen aus ihrem Heimatort vom sowjetischen Geheimdienst wegen angeblicher Bildung einer faschistischen Untergrundorganisation zum Tode verurteilt. 1946 erhielt sie die Begnadigung zu 10 Jahren Haft. Diese verbrachte sie bis 1950 unter unmenschlichen Bedingungen in Bautzen, Sachsenhausen und Hoheneck. 1996 erfolgte ihre Rehabilitierung.
- Kinder in Speziallagern nach 1945:
Alexander Latotzky wird 1948 im Lager Bautzen geboren, in dem seine Mutter seit 1945 inhaftiert war. Sie hatte den Mord an ihrer Mutter durch sowjetische Soldaten angezeigt und wurde 5 Wochen später im Alter von 21 Jahren verhaftet.
Zunächst kommt sie nach Torgau, wo sie von einem Wachsoldaten namens Wladimir umworben wird. Als ihre Schwangerschaft sichtbar wird, bringt man sie nach Bautzen. Nach der Geburt von Alexander verlegt man beide nach Sachsenhausen. Dort kämpfen etliche Mütter um das Überleben ihrer Kinder. Nach der Auflösung des Lagers kommt Alexander mit seiner Mutter in das Frauengefängnis Hoheneck. Aufgrund von Überfüllung nimmt man ihnen die Kinder weg. Sie werden zu „Kindern der Landesregierung“ erklärt. Alexander muss in vier Kinderheimen leben.
1956 wird seine Muttter entlassen. Sie geht nach Westberlin und holt ihren Sohn zu sich. Da ist er 9 Jahre alt. Sein Vater meldete sich, als er schon erwachsen ist und trifft sich einige Male mit ihm.
- historischer Zeitabschnitt 1952-1989 (Verfolgung Andersdenkender durch die Staatssicherheit der DDR):
Dieter Drewitz schrieb 1966 als Student zwei Briefe an den RIAS und wurde daraufhin vom MfS verhaftet. Seine Untersuchungshaft verbrachte er in der Lindenstraße 54 Potsdam. Nach seiner Verurteilung zu 18 Monaten Haft wurde er in das Gefängnis Cottbus gebracht, wo er bei schwerer Arbeit die Strafe bis zum letzten Tag verbüßen musste. Herr Drewitz siedelte 1988 nach Berlin- West über.
Manfred Bahra protestierte gegen den Einmarsch der sowjetischen Truppen 1968 in Prag und wurde daraufhin vom MfS in Potsdam inhaftiert. Nach der Verurteilung brachte man ihn in die Haftanstalt Cottbus. Herr Bahra wurde auch nach seiner Entlassung noch jahrelang bespitzelt. Er liest Auszüge aus seiner Stasiakte.
Anne Klar wurde 1980 nach einem vereitelten Fluchtversuch von der Staatssicherheit verhaftet und zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt. Ihre Haftzeit in Cottbus und Hoheneck beschreibt sie in dem Buch“ Eingesperrt und kein Entkommen“. Frau Klar wurde von der BRD freigekauft.
Friedrich Donepp wurde 1961 im Alter von 22 Jahren in Potsdam vom MfS verhaftet, weil er sich auf einer Paddeltour mit einem Vertreter der amerikanischen Militärmission in Nedlitz
unterhalten hatte. Wegen angeblicher Vorbereitung zur Republikflucht wurde er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, das er im Kalibergbau ableisten musste. Herr Donepp lebte danach weiter in der DDR.