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Unterricht

Geschichte

"Zeugen der Shoah": Schüler arbeiten mit Videointerviews an der Freien Universität Berlin

Mit dem von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin geförderten Projekt "Zeugen der Shoah. Das Visual History Archive in der schulischen Bildung" macht die Freie Universität Berlin die lebensgeschichtlichen Interviews mit Überlebenden und Zeugen des Holocaust für Schülerinnen und Schüler ab der 9. Jahrgangsstufe zugänglich.
"The Holocaust (Shoah) fundamentally challenged the foundations of civilization. The unprecedented character of the Holocaust will always hold universal meaning."
Declaration of the Stockholm International Forum on the Holocaust, 26.-28 Januar 2000

Die Arbeitsgruppe "Erziehung" der Task Force hat unter der Beteiligung von Vertretern aus Großbritannien, Italien, Israel, den Niederlanden, Österreich, Polen, Schweden, den Vereinigten Staaten und Deutschland folgende übernationalen Richtlinien zur Erziehung über den Holocaust bzw. die Shoah veröffentlicht. Auch wenn die Erziehung über den Holocaust in Deutschland den ganz spezifischen Bedingungen der Tätergesellschaft Rechnung tragen muss, erachtet der BBS es dennoch für sinnvoll, zur allgemeinen Orientierung diese Richtlinien hier in deutscher Übersetzung wiederzugeben (englischsprachiges Original):

"Insgesamt soll die Erziehung über den Holocaust ...

  1. den Kenntnistand über diesen einzigartigen Akt der Vernichtung erhöhen,
  2. das Gedenken der Opfer erhalten,
  3. Lehrer und Schüler ermutigen, mit Bezug zur Gegenwart über die ethisch-moralischen und geistigen Fragen, die der Holocaust aufgeworfen hat, nachzudenken.

Die Ziele können deutlich aus folgenden Definitionen des Holocaust abgelesen werden:

  • 'Unter dem Mantel des Zweiten Weltkriegs und zum Nutzen ihrer "neuen Ordnung" versuchten die Nazis die Juden Europas zu ermorden. Zum ersten Mal in der Geschichte wurden industrielle Methoden zur Massenvernichtung eines ganzen Volkes angewandt. Sechs Millionen Menschen wurden ermordet, unter ihnen 1.500.00 Kinder. Dieses Ereignis wird der Holocaust genannt.
    Die Nazis versklavten und ermordeten auch Millionen anderer Menschen. Sinti und Roma, geistig und körperlich Behinderte, Polen, sowjetische Kriegsgefangene, Gewerkschaftler, politische Gegner, Häftlinge aus Gewissensgründen, Homosexuelle und Andere wurden in großen Zahlen ermordet.'
    Imperial War Museum, London (Großbirtannien)
  • 'Der Begriff 'Holocaust' bezieht sich auf einen besonderen Akt des Völkermords in der Geschichte des 20. Jahrhunderts: die staatlich unterstützte, systematische Verfolgung und Vernichtung des europäischen Judentums durch Nazi-Deutschland und seine Kollaborateure zwischen 1933 und 1945. Juden waren die zentralen Opfer - sechs Millionen wurden ermordet; Sinti und Roma, Behinderte und Polen waren ebenfalls das Ziel von Vernichtung und Dezimierung aus rassischen, ethnischen oder nationalpolitischen Gründen. Millionen weitere Menschen - darunter Homosexuelle, Zeugen Jehovas, sowjetische Kriegsgefangene und politische Dissidenten - erlitten schmerzhafte Unterdrückung und Tod unter der Nazi-Gewaltherrschaft.'
    United States Holocaust Memorial Museum, Washington, D.C. (USA)
  • 'Der Holocaust war die Ermordung von ungefähr sechs Millionen Juden durch die Nazis und ihre Kollaborateure. Zwischen dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Sommer 1941 und dem Kriegsende in Europa im Mai 1945 bemühten sich Nazi-Deutschland und seine Verbündeten, jeden Juden in ihrem Herrschaftsbereich zu ermorden. Weil die nationalsozialistische Diskriminierung der Juden mit der sog. 'Machtergreifung' im Januar 1933 begann, erachten viele Historiker dieses Datum als Beginn der Ära des Holocaust. Die Juden waren mitnichten die einzigen Opfer von Hitlers Regime, aber sie waren die einzige Gruppe, die die Nazis in Gänze auslöschen wollten.'
    Yad Vashem, Jerusalem (Israel)

Die Erziehung über den Holocaust kann und muss unterscheiden zwischen verschiedenen Kontexten. Um die Unterschiede zwischen dem Holocaust und anderen Völkermorden zu erkennen, sollten Vergleichsmöglichkeiten sorgfältig ausgewählt und erst dann Ähnlichkeiten benannt werden.

Beim Unterrichten über den Holocaust ist es hilfreich, drei grundlegende Fragen zu stellen:

  1. Warum unterrichte ich über den Holocaust ?
  2. Was unterrichte ich über den Holocaust ?
  3. Wie unterrichte ich über den Holocaust ?

Die erste Frage beinhaltet grundlegende Aspekte. Die zweite Frage beinhaltet die Auswahl der Informationen, während die dritte Frage um den angemessenen pädagogischen Ansatz der jeweiligen Lerngruppe kreist. Diese Richtlinien berühren weder die erste noch die dritte Frage. Diese Fragen werden von anderen Richtlinien behandelt.

Über das Fach Geschichte hinaus kann der Holocaust u.a. auch im Rahmen des Fachunterrichts Literatur (Anm. = Deutsch), Psychologie, Religion (Anm. bzw. LER) thematisiert werden.

Da nationale und lokale Gedenkaktivitäten als wichtig erachtet werden, ist es sinnvoll, diese von Bildungsseite aus zu unterstützen.

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust sollte auch im Kontext einer gesamteuropäischen Geschichtsperspektive thematisiert werden. Wir ermutigen deshalb Lehrkräfte, die lokale Ebene einer solchen Geschichtsperspektive zu erforschen. Lehrkräfte sollten als Bezugsrahmen für die Ereignisse des Holocaust folgende Themenfelder mit behandeln:

  • Antisemitismus
  • Jüdisches Leben in Europa vor dem Holocaust
  • Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs
  • Der Aufstieg der Nationalsozialisten zur Macht

Bei der Behandlung des Holocaust aus geschichtlicher Perspektive sollten Lehrkräfte bei der Unterrichtsvorbereitung u. a. folgende Aspekte berücksichtigen. Dabei sollten sie im zeitgeschichtlichen Kontext die spezifischen Blickwinkel von

  • Opfern,
  • Tätern,
  • Kollaborateuren,
  • Zuschauern
  • und Rettern

mit problematisieren.

1933-1939

  • Diktatur im nationalsozialistischen Deutschland
  • Judentum im sog. 'Dritten Reich"
  • Frühe Formen der Verfolgung
  • Die ersten Konzentrationslager
  • Die Reaktion der Weltgemeinschaft

1939-1945

  • Der Zweite Weltkrieg in Deutschland
  • Die nationalsozialistische Rassenideologie und -politik
  • Das "Euthanasie"-Programm
  • Verfolgung und Ermordung der Juden
  • Verfolgung und Ermordung nicht-jüdischer Opfer
  • Jüdische Reaktionen auf die Nazi-Politik
  • Ghettos
  • Mobile Einsatztruppen (= Todeskommandos)
  • Die Ausweitung des Lagersystems
  • Vernichtungslager
  • Kollaboration
  • Widerstand
  • Flucht
  • Die Reaktion der Weltgemeinschaft
  • Todesmärsche
  • Befreiung

Auswirkungen

  • Nachkriegsprozesse
  • DP-Camps (DP = Displaced Persons) und Emigration

Sinn und Zweck dieser Richtlinien ist es, die Erziehung über den Holocaust zu unterstützen. Die Art und Weise der Erziehung wird sich von Land zu Land, von Schule zu Schule und mit Bezug auf die jeweiligen Zeitumstände unterscheiden. Deshalb herrscht Einvernehmen darüber, dass es wichtig ist, die Notwendigkeit der unterrichtlichen Selbstevaluation durch die Lehrkräfte zu unterstreichen."

Redaktionell verantwortlich: Sabine Wähling, LISUM
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Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Task Force for International Cooperation on Holocaust Education

Der Task Force gehören Vertreter von Regierungen sowie staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen an. Die Website der Task Force enthält u.a. eine internationale Linkliste von Organisationen, die in der Erziehung über den Holocaust und in der Gedenk- und Erinnerungskultur tätig sind, einen Veranstaltungskalender und ein Verzeichnis der Archive.

KMK-Material

"Die Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland stimmen in der Auffassung überein, dass eine intensive und gründliche Befassung mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu den verpflichtenden Aufgaben der Schule gehört. Dabei steht die Erinnerung an den Holocaust an zentraler Stelle." [Vorbemerkung des KMK-Papiers "Zur Auseinandersetzung mit dem Holocaust in der Schule", 1997 (pdf - 564 KB]

Lernsoftware für Brandenburg

Im Rahmen der Medienoffensive m.a.u.s. wurde die von der Shoah-Stiftung von Steven Spielberg herausgegebene CD-ROM "Erinnern für Gegenwart und Zukunft" an die Schulen des Landes Brandenburg verteilt. Auf der CD berichten Überlebende des Holocaust als Zeitzeugen authentisch über die Schreckensherrschaft des nationalsozialistischen Regimes. Diese Berichte stellen unwiederbringliche Dokumente für den Geschichts- und Politikunterricht (und darüber hinaus) dar. Der Vorzug der CD-ROM besteht in der Vielfalt der abrufbaren Dokumente und Informationsmöglichkeiten (Video, Bilder, Glossar, Zeitleisten). Der Unterricht mit der erworbenen Landeslizenz ist bereits Bestandteil der fachdidaktischen Fortbildung im Rahmen von m.a.u.s.

Film "Die Kinder kamen nicht zurück"

Der Film von Hannes Gellner und Thomas Draschan behandelt das Schicksal jüdischer Kinder unter dem Vichy-Regime, auf dessen Initiative mehr als 11.400 jüdische Kinder aus Frankreich nach Auschwitz deportiert wurden. Serge und Beate Klarsfeld präsentieren Materialien aus Jahrzehnte langer Recherche, in denen jedes Einzelschicksal dokumentiert ist. Mehr Informationen
 
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