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Was ist Sexuelle Vielfalt?
junges Frauenpaar am Strand

Lesbisch, schwul, bi, trans- und intergeschlechtlich - alles ganz normal?

Von wegen! Am Arbeitsplatz ausgegrenzt, von Mitschüler_innen verlacht, in der Familie unterdrückt – sexuelle und geschlechtliche Minderheiten sind noch längst nicht akzeptiert.

 

Mindestens 5 % (manche Studien sprechen von 7-12 %) aller jungen Menschen entwickeln eine gleichgeschlechtliche Lebensweise, ein weitaus größerer Anteil macht gleichgeschlechtliche sexuell-emotionale Erfahrungen oder ist bisexuell.


Die Lebenssituationen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Intergeschlechtlichen Personen sind von verschiedenen gesellschaftlichen Faktoren bestimmt. Junge Menschen haben anderen Fragen als ältere, Migrant_innen und Trans- bzw. Intergeschlechtliche Personen machen jeweils spezifische Erfahrungen. Dies gilt entsprechend für andere gesellschaftliche Gruppen.

 

Aufgrund von Tabuisierung, überholten Wertevorstellungen und früherer Kriminalisierung bestehen Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern, die zu Abwertung und Diskriminierung bis hin zu physischen Gewalttaten führen. Über 50 % der schwulen und lesbischen Jugendlichen in Deutschland haben üble Nachrede und Mobbing erlebt. Etwa 40  % sind in der Öffentlichkeit beschimpft worden, knapp ein Drittel in der Schule. Das Suizidrisiko von Lesben und Schwulen zwischen 12 und 25 Jahren ist vier- bis siebenmal höher als das von Jugendlichen im Allgemeinen.

2 junge Männer am Brunnen
2 junge Männer am Brunnen

Sexuelle Vielfalt in der pädagogischen Arbeit

Lehrerkräfte sind dazu aufgerufen, konsequent gegen homophobe und transphobe Äußerungen und derartiges Verhalten vorzugehen und dieses innerhalb und außerhalb des Unterrichts zu thematisieren.

 

Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt soll im Unterricht an geeigneten Stellen thematisiert werden um Vorurteile und Stereotypen abzubauen, aber auch Wissen zu vermitteln. In der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen sexuellen Lebensweisen besteht die Chance, die eigene Sexualität und die anderer zu reflektieren und eine eigene sexuelle Identität zu finden. Auch in diesem Zusammenhang bietet es sich an, starre Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit zu hinterfragen, die sexuelle Identität der Kinder und Jugendlichen zu stärken, gegenüber  anderen Geschlechtern zu sensibilisieren und zur Gleichberechtigung in der Gesellschaft beizutragen.

 

Die Gesellschaft gibt bisher überwiegend heterosexuelle Leitbilder vor. Die Entwicklung der sexuellen Identität von Kindern und Jugendlichen, die sich lesbisch, schwul oder bisexuell entwickeln, wird dadurch erschwert. Deshalb ist es wichtig, gleichgeschlechtliche Lebensweisen in ihrer Vielfalt darzustellen und altersgemäß zu vermitteln. Lehrkräfte müssen Jugendliche in ihrer Identitätsfindung und ggf. in ihrem Coming-out unterstützen und dafür sorgen, dass eine diskriminierungsfreie Atmosphäre herrscht.

 

Für ihre sexuelle Entwicklung brauchen Kinder und Jugendliche ein (Schul-)Klima, das die Vielfalt sexueller Möglichkeiten achtet. Vorurteilsfreie Information kann nicht nur junge Lesben, Schwule, Bisexuelle,  sowie Trans- und Intergeschlechtliche Personen in ihrer Identitätsentwicklung fördern. Gerade in der Zeit, in der die Heranwachsenden sich über ihre sexuelle Orientierung oder ihre Trans- oder Intergeschlechtlichkeit klar werden und dies auch nach außen deutlich machen, benötigen sie ein anerkennendes Umfeld, Informationen und Ansprechpartner_innen. Wichtig sind persönliche Vertrauensbeziehungen und Vorbilder, so tragen beispielsweise offen homosexuell lebende Lehrkräfte und deren Akzeptanz im Kollegium sowie Lehrkräfte, die sexuelle Vielfalt immer wieder thematisieren zu einer schulischen Atmosphäre bei, die die sexuelle Identitätsentwicklung von Schüler_innen erleichtert.