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Inklusion

Inklusion

 
Inklusion bezeichnet einen Zustand der selbstverständlichen Zugehörigkeit aller Menschen zur Gesellschaft. Damit verbunden ist die Möglichkeit aller zur uneingeschränkten Teilhabe in allen Bereichen der Gesellschaft. Das Konzept der Inklusion wendet sich damit gegen die Diskriminierung oder das "an den Rand drängen" (Marginalisierung) von Menschen aufgrund zuschreibbarer Merkmale wie z.B. religiöse und weltanschauliche Überzeugungen, Geschlecht, Soziallage, Alter, kulturelle Hintergründe, Hautfarbe, sexuelle Orientierung und körperliche oder geistige Behinderungen. Verschiedenheit wird als Normalität betrachtet.

Entstehung des Begriffs "Inklusion"

Das Wort Inklusion stammt ursprünglichen aus dem Lateinischen und bedeutet "Einschluss" oder auch "Enthaltensein".
Die Entstehung des Inklusionsbegriffs ist gekennzeichnet durch das Engagement von Menschen mit Behinderungen und ihren Angehörigen in den Vereinigten Staaten, die sich Anfang der 70er Jahre für die volle gesellschaftliche Teilhabe einsetzten. Weniger die wissenschaftliche und sozialpolitische Diskussion von Fachleuten war begriffsbildend, als vielmehr die Initiative und die Aktivitäten einer Bürgerrechtsbewegung. Als eine Folge dieser Bewegung wurde bereits 1975 in den Vereinigten Staaten die Gesetzgebung zur sonderpädagogischen Förderung verändert. Unter dem Titel "The Americans with Disabilities Act"  (ADA) wurde ein Gesetz verabschiedet, das Diskriminierung sowohl in öffentlichen Einrichtungen als auch in privaten Dienstleistungs- und Arbeitsbereichen untersagt. (S.19 Kornherr: Inklusion als Utopie der offenen Behindertenarbeit. Norderstedt 2008)

Im Bildungsbereich nahm der Begriff "Inklusion" insbesondere seit der UNESCO-Weltkonferenz im spanischen Salamanca im Jahr 1994 einen immer größeren Stellenwert ein. Regierungsvertreterinnen und -vertreter aus fast 200 Staaten der Welt und zahlreiche Behindertenverbände trafen auf Einladung der Vereinten Nationen zusammen und beschlossen ein Programm einer Schule für alle.
 
Inklusion wurde als wichtigstes Ziel der internationalen Bildungspolitik festgehalten. Gleichzeitig wurde ein Rahmen für deren Umsetzung aufgezeigt. (vgl. Heimlich,U: Inklusion und Sonderpädagogik, in: Zeitschrift  für Heilpädagogik 2/2011) Die sogenannte "Salamanca-Erklärung" finden Sie in deutscher Übersetzung unter www.unesco.at/bildung/basisdokumente/salamanca_erklaerung.pdf.

Bedeutung "Inklusion" weltweit

Weltweit betrachtet geht die Forderung nach inklusiver Bildung weit über Fragen, die uns im deutschsprachigen Raum beschäftigen, hinaus. In vielen Ländern geht es (noch) nicht um die Frage, ob Kinder und Jugendliche mit Behinderungen am Gemeinsamen Unterricht teilnehmen können, sondern vielmehr darum, überhaupt erst einmal allen Kindern den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Dabei stellen Armut, kulturelle Vorurteile und Behinderungen die größten Barrieren dar. (Vgl. Hinz, Andreas: Inklusive Pädagogik in der Schule. In: Zeitschrift für Heilpädagogik 5/2009)

Mit dem Programm "Education for all" (EFA) und dem dazu jährlich erscheinenden Weltbildungsbericht arbeitet die UNESCO an dem gemeinsamen Ziel, Bildungsgerechtigkeit weltweit für alle Menschen zu schaffen, um den Kreislauf von Armut und mangelhafter oder fehlender Bildung, der sich über Generationen fortsetzt, zu durchbrechen.

Die Leitlinien für die Bildungspolitik der UNESCO-Kommission finden Sie unter www.unesco.de/4162.html.
 

UN - Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen

Im Dezember 2006 wurde von den Vereinten Nationen die sogenannte Behindertenrechtskonvention (Originaltitel:  "Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen") verabschiedet. Dem Motto folgend "Nichts über uns ohne uns" waren am Entstehungsprozess dieser Übereinkunft Menschen mit Behinderungen und ihre Interessenverbände maßgeblich beteiligt. Durch das Unterzeichnen dieser Konvention verpflichten sich die Vertragsstaaten, in allen gesellschaftlichen Bereichen Bedingungen zu schaffen oder weiterzuentwickeln, die die Interessen und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen berücksichtigen.
 
Dabei stellt die sogenannte Behindertenrechtskonvention in sofern kein "Sonderrecht" für Menschen mit Behinderungen dar, als dass sie ausschließlich die selbstverständliche Umsetzung aller anerkannten Menschenrechte auch für Menschen mit körperlichen, seelischen oder geistigen Einschränkungen fordert. Die Unterzeichner verpflichten sich dabei, die Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen in ihrem Land so zu verändern, dass folgende Aspekte Berücksichtigung finden:
  • Rechte hinsichtlich allgemeiner Barrierefreiheit
  • Rechte im Kampf gegen Freiheitsentzug, Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch
  • Rechte bezüglich einer unabhängigen Lebensführung
  • Rechte auf die gleiche Anerkennung vor Recht und Gesetz
  • Rechte auf Gesundheit, Rehabilitation und Arbeit
  • Rechte auf Bildung und Erziehung
In dem der Konvention zugrunde liegenden Verständnis von Behinderung dokumentiert sich ein Perspektivwechsel, denn man geht davon aus,…
"...dass Behinderung aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen
und einstellungs- und umweltbedingten Barrieren entsteht, die sie an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern."
Behinderung wird in diesem Sinne nicht mehr als zuschreibbares Merkmal der Person verstanden, sondern entsteht vielmehr durch das Vorhandensein von Hindernissen oder Barrieren, die Menschen die gesellschaftliche Teilhabe erschweren oder gar unmöglich machen. Der Fokus der Handlung verschiebt sich somit von der "Hilfe" oder "Fürsorge" für den betroffenen Menschen hin zur Veränderung der Bedingungen zur Ermöglichung eines selbstständigen und selbstbestimmten Lebens.

Ein wichtiges inklusiv zu gestaltendes Recht behinderter Menschen ist das Recht auf Bildung. Dazu heißt es in Artikel 24:
"Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen..."

Im Originaltext heißt es "...inclusive education system..." . Im Artikel 50 der Konvention wird darauf verwiesen, dass die englische Übersetzung rechtsverbindlich ist, nicht aber die deutsche.

Auswirkungen der UN - Konvention auf die Politik Deutschlands

Die UN-Konvention ist seit dem 26. März 2009 für alle Bundesländer in Deutschland gültig. Die Umsetzung der Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention stellt eine große Herausforderung für die Bildungspolitik der Länder dar. Da auch der Bundesrat, also die Vertreter der deutschen Bundesländer, die Konvention unterschrieben hat, stellt sie trotz der Bildungshoheit der Länder den verbindlichen Rahmen für die rechtlichen Regelungen des Bildungssystems dar.
Nach Artikel 4 haben sich damit Bund und Länder verpflichtet,
  • die Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen sicherzustellen,
  • Benachteiligungen zu verhindern und
  • zweckentsprechende Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und sonstige Maßnahmen zu  treffen.
Darüber hinaus haben sich die Vertragsstaaten, die wie Deutschland außerdem das sogenannte Fakultativprotokoll ratifiziert haben, verpflichtet, auf nationaler Ebene eine unabhängige Stelle zur Förderung und Überwachung der nationalen Umsetzung des Übereinkommens zu schaffen (Monitoring-Stelle). In Deutschland wurde das Deutsche Institut für Menschenrechte e.V. in Berlin mit dieser Aufgabe betraut.
Für den Bereich der Bildung bedeutet dies eine Verbesserung der Zugangsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern an allgemeine Schulen. Deutschlandweit betrug im Jahr 2008 der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf ca. 6%. Davon besuchten knapp 82% Förder- bzw. Sonderschulen. (vgl.: Friedrich Ebert Stiftung (Hrsg.): Inklusive Bildung. Die UN-Konvention und ihre Folgen. Berlin 2010) Im europaweiten Vergleich steht Deutschland damit weit hinter dem Anteil integrativ beschulter Kinder und Jugendlicher in anderen Ländern zurück.

Im Juni 2011 stellte die Bundesregierung den "Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention" vor. Weitere Informationen und aktuelle Initiativen zum Thema finden Sie auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.

Was ist eine inklusive Schule?

Die inklusive Schule ist vom Grundsatz her eine Schule, die allen Kindern und Jugendlichen, ungeachtet ihrer individuellen Voraussetzungen oder ihrer aktuellen Lebenslagen, gleiche Bildungschancen eröffnet. Dies erfordert ein ausreichendes Maß an Individualisierung. Immer mehr Schulen nehmen die Heterogenität ihrer Schülerschaft inzwischen bewusst wahr und reagieren darauf mit veränderten Lernarrangements. Schulen, die in den letzten Jahren Schulpreise erhielten sind zu einem überwiegenden Teil integrative Schulen mit einem bemerkenswert hohen Anteil behinderter Kinder und Jugendlicher bzw. sehr stark heterogenen Lerngruppen.

Eine inklusive Schule ist - kurz gesagt - nichts anderes als eine gute Schule für alle Kinder! (Vgl. Christine Demmer. Schule anders denken, gestalten und evaluieren. Eine Vergleichsstudie. Montag Stiftung >Jugend und Gesellschaft 2011) Insofern ist die Forderung nach inklusiver Schulentwicklung keine neue Herausforderung, sondern vielmehr eine Präzisierung des gemeinsamen Anliegens von Lehrkräften, Erziehern, Eltern und Bildungspolitikern: nämlich, die Schule kontinuierlich besser zu machen - für alle Kinder.

Der Schulverbund "Blick über den Zaun" benennt in seinem Leitbild einer guten Schule vier Eckpfeiler einer guten Schule (Vgl. http://www.blickueberdenzaun.de/blick-ueber-den-zaun/das-leitbild-des-blick-ueber-den-zaun.html):

  • Den Einzelnen gerecht werden - individuelle Förderung und Herausforderung
  • ‚Das andere Lernen‘ - erziehender Unterricht, Wissensvermittlung, Bildung
  • Schule als Gemeinschaft - Demokratie lernen und leben
  • Schule als lernende Institution - Reformen ‚von innen‘ und ‚von unten‘

Index für Inklusion

Einen nützlichen Kriterienkatalog für eine in diesem Sinne "inklusive Schule" stellt der "Index für Inklusion" dar. Dieser Fragenkatalog wird als Selbstevaluationsinstrument zur Unterstützung oder Initiierung von Schulentwicklungsprozessen in vielen Ländern der Welt genutzt.

Die deutsche Übersetzung des in Großbritannien von T. Booth und M. Ainscow entwickelten Materials stammt von Ines Boban und Andreas Hinz (Universität Halle). Den Index für Inklusion finden Sie unter www.inklusionspaedagogik.de.

Beispiele inklusiver Schulentwicklung

Auf der Internetseite des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen (www.behindertenbeauftragter.de) finden Sie die "Landkarte der inklusiven Beispiele" mit dem Motto: Die UN-Behindertenrechtskonvention umsetzen - Leuchttürme zeigen den Weg.

Auch in Berlin und Brandenburg gibt es Schulen, die in der Vergangenheit bereits entscheidende Schritte auf dem Weg zu einer inklusiven Schule unternommen haben. Einige dieser Schulen wurden dafür sogar ausgezeichnet.

Informationen über den Deutschen Schulpreis der Robert-Bosch-Stiftung finden Sie unter
http://schulpreis.bosch-stiftung.de

Informationen über den Jakob-Muth-Preis der Bertelsmann-Stiftung finden Sie unter
www.bertelsmannstiftung.de

Weiterführende Informationen

Bücher

  • Horst Bartnitzky / Ulrich Hecker (Hrsg.): Allen Kindern gerecht werden, Aufgabe und Wege. Beiträge zur Reform der Grundschule Heft 129. Frankfurt am Main 2010
  • Alois Bürli / Urs Strasser / Anne-Dore Stein: Integration / Inklusion aus internationaler Sicht.
    Bad Heilbrunn 2009
  • Hans Eberwein / Johannes Mand: Integration konkret. Bad Heilbrunn 2008
  • Europäische Agentur für Entwicklungen in der sonderpädagogischen Förderung (Hrsg.):
    - Multikulturelle Vielfalt und sonderpädagogische Förderung. Odense 2009
    - Integrative und inklusive Unterrichtspraxis im Sekundarschulbereich. Middelfart 2005
    - Integrative Schulbildung und Unterrichtspraxis. Middelfart 2003
  • Klaus Metzger / Erich Weigl: Inklusion - eine Schule für alle. Berlin 2010
  • Jutta Schöler: Alle sind verschieden. Weinheim und Basel 2009
  • Reinhard Stähling: Du gehörst zu uns. Baltmannsweiler 2009
  • Marianne Wilhelm / Rosa Eggertsdóttir / Gretar L. Marinósson (Hrsg.): Inklusive Schulentwicklung.
    Weinheim und Basel 2006
  • Marianne Wilhelm: Integration in der Sek. I und II. Weinheim und Basel 2009
  • Hans Wocken: Das Haus der inklusiven Schule. Hamburg 2011

Filme

  • Reinhard Kahl: Individualisierung - das Geheimnis guter Schulen. Hamburg 2011
  • Mittendrin e. V. (Hrsg.): Eine Schule für alle - Kinospots. Köln
  • streese.film.produktion. Basic: integratives Lernen und Arbeiten. 2003
  • Florian Westerholt: Ein Mann, ein Dorf - Uwe geht zu Fuß. Hamburg

Broschüren / Zeitschriften

  • Prof. Dr. Klaus Klemm: Sonderweg Förderschulen: Hoher Einsatz, wenig Perspektiven. Gütersloh 2009; zu finden unter: www.bertelsmann-stiftung.de
  • GSV (Hrsg.): Grundschule aktuell. Heft 111. Wege zur inklusiven Schule. Frankfurt am Main 2010
  • Dr. Dietlinde Heckl & Verlag (Hrsg.): Grundschule - Magazin für Aus- und Weiterbildung. Heft 1.
    Braunschweig 2009
  • Sonderpädagogische Förderung heute 04/2008. Inklusion macht Schule. Weinheim
Redaktionell verantwortlich: Ralf Dietrich, LISUM
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Webportal www.inklusion-brandenburg.de

Im Webportal können sich Interessierte, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sowie Fachleute umfassend über die "Schule für alle" informieren.
www.inklusion-brandenburg.de

Inklusive Schule in Berlin - Empfehlungen des Beirats

Brandenburgisches Pilotprojekt zur "Schule für alle"

Im Schuljahr 2012/13 werden im Land Brandenburg insgesamt 84 Schulen am Pilotprojekt "Inklusive Grundschule" teilnehmen.
Zur Presseinformation des MBJS

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