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Schuldistanz

DSA – Deine Stärken aktivieren - Diagnose Schulambulanz

Seit Einführung der Schulpflicht in Preußen (1717) scheint „Schuldistanz“ ein gesellschaftliches Thema ohne Verfallsdatum zu sein.

Schuldistanz vollzieht sich in aller Regel im Rahmen eines Prozesses ansteigender Intensität: fehlende Mitarbeit; Fernbleiben oder Abhängen von bestimmten Unterrichtsstunden, das unentschuldigte Fehlen von einzelnen Schultagen bis hin zum anhaltenden Fehlen über Wochen oder sogar Monate.

Sie kann als Symptom für ein dahinter liegendes individuelles Entwicklungsproblem verstanden werden. Aber auch als individueller - wenngleich dysfunktionaler - Lösungsversuch über die Herstellung von Öffentlichkeit einen Handlungsbedarf sichtbar zu machen.

Die Gefahr einer sich beständig verfestigenden Fehlentwicklung wächst in dem Maße, wie das soziale Umfeld der Schüler/innen nicht mehr in der Lage ist, sich dem Problem des Kindes oder Jugendlichen anzunehmen, nach Hilfen zur Problembewältigung zu suchen und diese gemeinsam umzusetzen.

Je früher interveniert werden kann, desto früher darf der Schulbesuch wieder kontinuierlich werden. Über den subjektiven Lösungsversuch, die Schule fortgesetzt nicht zu besuchen, werden die Schwierigkeiten größer, Handlungsmöglichkeiten kleiner und der Teufelskreis nimmt Fahrt auf.

Zudem will die durch das Fernbleiben entstandene „freie Zeit“ gefüllt werden. Dabei dienen anforderungsfreies Herumhängen im Kaufhäusern, PC-Spiele sowie TV-Konsum als lustbetonte, wenn auch in Sackgassen führende Tagesstrukturierungshilfen. Der Rückweg ist für alle Betroffenen ein beschwerlicher.

Ohne Eltern geht es nicht! Gerade und vielleicht auch besonders in sozialen Brennpunkten brauchen Schüler/innen ein ungetrübtes Bewusstsein darüber, dass Erwartungen (von Eltern, Lehrkräften, hinschauenden und handelnden Erwachsenen) an sie gestellt werden: die Schule zu besuchen, ihre Entwicklung zu betreiben und sich eine Perspektive zu erarbeiten.

Die Diagnose-Schulambulanz (D S A; Deine Stärken aktivieren) ermöglicht über eine Schulhilfekonferenz Schüler/inne/n der Sekundarstufe I in Steglitz-Zehlendorf einen schnellen Zugang zu dem schulischen Hilfsangebot. In der Regel durchlaufen 40 – 50 Schüler/innen pro Schuljahr die Einrichtung. Neben der Unterrichtung wird eine individuelle Perspektive erarbeitet, wie es künftig förderlich weitergehen kann.

Zurzeit wird nach neuen Formen der Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe gesucht. Ziel ist eine enge Verzahnung von formaler Bildung (Unterricht) mit informeller Bildung (Jugendhilfeangebote) an der Schnittstelle von Unterricht und Freizeit. Den Jugendlichen wieder zu einer Perspektive zu verhelfen, statt sie eine aktuelle Krise durch Schuldistanz im Sinne eines dysfunktionalen individuellen Lösungsversuches verschlimmern zu lassen, ist dabei das Anliegen.

Lothar vom Hofe, 06 I P, Schulpsychologisches Beratungszentrum Steglitz-Zehlendorf