Literarische Texte sind schriftliche Texte, in denen sprachliche Mittel gezielt eingesetzt werden. Dabei bedeutet die literarische Verwendung von Sprache häufig auch eine Abweichung von der Norm. Zu besonderen Strukturmerkmalen literarischer Texte gehören u. a. Mehrdeutigkeit, Symbolik und literarische Formensprache, z.B. Bildhaftigkeit, Metaphorik ...
Literarische Texte wie eine Erzählung, einen Roman, ein Gedicht ... liest man anders als einen Sachtext. Das ist zwar allgemein bekannt, aber dennoch gehen Schülerinnen und Schüler verschiedene Textsorten im Unterricht zumeist mit derselben Vorgehensweise an:
Sie beginnen am Anfang und lesen den Text Wort für Wort durch bis zum Ende, mit dem Ziel, in kürzester Zeit ohne größeren Aufwand alles verstehen zu wollen. Um diesen häufig enttäuschenden Erfahrungen vorzubeugen, ist zu verdeutlichen, dass nicht nur die Textsorte, sondern auch die Leseabsicht Lesestile bestimmt und prägt. Lesetraining ist dann Training der Arbeit am und mit dem literarischen Text. Dazu bedarf es unterschiedlicher Lern- und Lesestrategien. Nicht die Absichten des Autors sind wichtig, sondern die Möglichkeit des Lesers, zielgerichtet am Text zu arbeiten.
Insgesamt ist dem Umgang mit literarischen Texten im Unterricht ein zentraler Platz einzuräumen. Schließlich ermöglicht dieser Schülerinnen und Schülern auf eine besondere Art und Weise zu erfahren, welche Bedeutung Traditionen und ästhetische Vorstellungen verschiedene Kulturen haben. Gleichzeitig werden sie angeregt, sich mit zeitgenössischen und historischen Erscheinungsformen von Literatur auseinanderzusetzen. Aus diesen Gründen muss der Kompetenzerwerb bezüglich des Lesens literarischer Texte auch dahin führen, Leseerlebnis und -genuss sowie die Bereitschaft zu einem "Nicht-so-schnell-Verstehen" zu entwickeln.