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Im Selbstverständnis des Faches L-E-R stehen Fragen und Probleme der Lebensgestaltung junger Menschen. Dabei werden die Jugendlichen mit menschlichen Grunderfahrungen konfrontiert, die den Menschen auf sich selbst zurückwerfen und verunsichern. Gleichzeitig bewegen diese Erfahrungen dazu, über den Sinn des Seins und des eigenen Lebens nachzudenken. Als Option für die eigene Lebensgestaltung begegnen dem Menschen Handlungsstrategien anderer Personen. Gleichzeitig trifft er auf historische und moderne Vorstellungen vom Menschen und der Welt. Die/der Einzelne sieht sich dadurch vor die Aufgabe gestellt, auf diese Weise erfahrene Handlungsmöglichkeiten aufgrund persönlicher, aber auch kulturell-weltanschaulich-religiöser und gesellschaftlicher Wertsetzungen in ihren Folgen abzuschätzen. Dadurch öffnet sich der Blick für das Leben des Menschen im Spannungsfeld von Natur und Kultur.

Durch diese Bedingungen wird das Abwägen von Entscheidungskonsequenzen zu einer zentralen Handlung für die persönliche Lebensgestaltung.

Die in diesem Kapitel dargestellten Inhalte thematisieren das Fragen des Menschen nach sich selbst und die Beziehung des Menschen zu anderen in sechs Themenfeldern. Sie gelten für alle Bildungsgänge und können auf verschiedenen Niveaustufen bearbeitet werden. Jedem Themenfeld sind Inhaltsformulierungen und Konkretisierungen der Inhalte zugeordnet. Sie werden abhängig von der Entwicklung und der Kompetenz der Lernenden im Unterricht erarbeitet und vertieft.

Die Inhalte eines jeden Themenfeldes besitzen eine innere Progression. Sie werden ausgehend von der Bedeutung der Thematik für die Einzelne/den Einzelnen bis hin zu globalen Fragestellungen inhaltlich komplexer. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Inhalte der Themenfelder in aufsteigender Reihenfolge zu bearbeiten sind. Vielmehr sind für die Auswahl der Inhalte die Jahrgangsstufe, der Bildungsgang und auch das Interesse der Schülerinnen und Schüler ausschlaggebend. Aus diesem Grunde bilden sich in jedem Inhalt ein sozialwissenschaftlich-anthropologischer (L-Dimension), philosophisch-ethischer und moralpsychologischer (E-Dimension) sowie religionskundlicher (R-Dimension) Kosmos ab, der durch eine exemplarische Auswahl von Inhalten unterschiedlich komplex zur Sprache kommen kann. Dies wird durch die in den Konkretisierungen genannten Begriffe transparent, wie z. B. Glück, Freiheit, Selbst, Bewusstsein, Wahrheit etc. Hinter jedem dieser Begriffe stehen umfassende fachrelevante Theorien, Konzeptionen und Vorstellungen, die im Themenfeld aus den für L-E-R relevanten Dimensionen L, E und R heraus entfaltet werden. Dies bedeutet auch, dass in jedem Themenfeld die großen Weltreligionen Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus angemessen und differenziert zur Sprache kommen.

Die Themenfelder und ihre Inhalte bieten zudem zahlreiche Möglichkeiten, Bezüge zu anderen Fächern und zu übergreifenden Themen herzustellen. Die übergreifenden Themen Bildung zur Akzeptanz von Vielfalt (Diversity), Interkulturelle Bildung und Erziehung, Gleichstellung und Gleichberechtigung der Geschlechter (Gender-Mainstreaming) sowie Nachhaltige Entwicklung/Lernen in globalen Zusammenhängen werden insbesondere im L-E-R-Unterricht berücksichtigt. Auf unterschiedlichen Niveaus können einzelne Aspekte erneut aufgegriffen und vertieft werden.

Die einzelnen Fachlehrkräfte und die Fachkonferenzen erhalten einen thematischen Rah-men sowie verbindliche Inhalte, die sie je nach Niveaustufe und Schulprofil bei der Planung des Unterrichts und bei der Erstellung des schulinternen Curriculums berücksichtigen. Es ist Aufgabe der schulinternen Planung, die Inhalte der Themenfelder unter Berücksichtigung bildungsgangspezifischer Aspekte und den Erfordernissen der Inklusion zu konkretisieren.

Die ausgewiesenen Themenfelder werden für Schülerinnen und Schüler, die wegen einer erheblichen und langandauernden Beeinträchtigung ihres Lern- und Leistungsverhaltens sonderpädagogische Förderung erhalten oder für die sonderpädagogischer Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen1 festgestellt wurde, schülerbezogen berücksichtigt. Sie werden entsprechend der Lebensbedeutsamkeit für die Schülerinnen und Schüler ausgewählt.

Die Inhalte der Themenfelder schlüsselt die Lehrkraft für ihren L-E-R-Unterricht so auf, dass ausgehend von einer exemplarisch-lebensweltlichen Situation unter Beachtung der Dimensionen des Faches der Kompetenzzuwachs der Schülerinnen und Schüler gefördert wird.

Innerhalb einer Jahrgangsstufe werden alle sechs Themenfelder in den Unterricht einbezogen. Dabei kann es jedoch in Breite, Tiefe und zeitlichem Volumen zu Unterschieden kommen. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern entscheidet die Lehrkraft darüber, an welchem Themenfeld, und darin wiederum an welchen Inhalten, über einen längeren Zeitraum hinweg vertiefend gearbeitet wird. Damit wird gewährleistet, dass Schülerinnen und Schüler lebensweltliche Fragestellungen in ihrer Komplexität entfalten und Antwortmöglichkeiten mit philosophischen, religionskundlichen und soziologisch/psychologischen Theorien, Modellen und Methoden entdecken können. Zugleich ist es so möglich, präziser an Überschneidungen der Themenfelder zu arbeiten, ihren Zusammenhang und ihre Verschränkung in der Welt und im Leben herauszuarbeiten, den Unterricht zu öffnen und durch selbstgesteuertes Lernen Schülerinnen und Schülern den Raum zu geben, individuelle Antworten auf gemeinsam gestellte Fragen zu erhalten.

Die individuelle Vielfalt der Lernenden im Hinblick auf persönliche, soziokulturelle und ethnische Hintergründe sowie unterschiedliche Lebensformen ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die Planung des Unterrichts. Diese knüpft konsequent an die Realität der Schülerinnen und Schüler an und bezieht dabei die kulturellen Erfahrungen von Lernenden ein. Damit fördert der Unterricht die Stärken unterschiedlicher Persönlichkeiten und nutzt diese für das individuelle Lernen ebenso wie für die Demokratiebildung in einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft. Die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, unabhängig von ethnischer und kultureller Herkunft, sozialem und wirtschaftlichem Status, Geschlecht und sexueller Orientierung, Alter und Behinderung sowie Religion und Weltanschauung, bildet sowohl die Basis für die Unterrichtspraxis als auch einen zentralen Inhalt im Sinne des inklusiven Lernens.


1In Brandenburg sind diese Schülerinnen und Schüler dem Bildungsgang Förderschule Lernen gemäß §30 BbgSchulG zugeordnet.

Unterrichtsleitende Prinzipien

Lebensweltlicher Zugang als Türöffner des L-E-R-Unterrichts: Fragen und Probleme gegenwärtiger und zukünftiger Lebensgestaltung von jungen Menschen bilden den Gegenstand des Faches. Daher stellen jugendrelevante Ereignisse und Erfahrungen aus der Lebenswelt der Lernenden den Ausgangspunkt jeglichen Lernens in Fach L-E-R dar. Von einem exemplarischen, realen oder fiktivenlebensweltlichen Ereignis aus werden die Fragen, Probleme und Widersprüchlichkeiten gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern entwickelt und erst in einem zweiten Schritt mögliche Inhalte abgeleitet, anhand derer eine Entwicklung der Partizipationskompetenz ermöglicht werden soll.

Pluralität: Die bestehende Vielfalt und der tatsächliche Widerstreit von Deutungen, Positionen und Überzeugungen im Rahmen eines Themas müssen in der unterrichtlichen Bearbeitung exemplarisch ihren Niederschlag finden und der Analyse und Bewertung durch die Schülerinnen und Schüler zugänglich gemacht werden. Lernsituationen sind daher so zu gestalten, dass die Pluralität der Interessen und die handlungsleitenden Motive deutlich werden, die einander durchaus widersprechen können. Die entstehenden entscheidungsoffenen Situationen müssen ausgehalten werden. Das ist von einer wertneutralen Beliebigkeit oder grenzenlosen Toleranz klar zu unterscheiden. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, relevanten Fragen der Lebensgestaltung nicht gleichgültig gegenüberzustehen und unter der Annahme eigener Erfahrungen, wissenschaftlicher Erkenntnisse und in Auseinandersetzung mit ethisch-moralischen Kriterien und sinnstiftenden Überzeugungen allmählich zu einer eigenen begründeten Position zu den einzelnen Fragen und Problemen finden.

Kontroversität: Fragen der Lebensgestaltung und ihrer ethisch-moralischen Beurteilung, die Bewertung der Folgen menschlichen Denkens und Handelns und religiöse bzw. weltanschauliche Überzeugungen können in der Realität zu kontroversen Positionen führen. Diese Kontroversität muss sich im L-E-R-Unterricht im Zusammenhang mit konkreten Themen und unter Berücksichtigung der entwicklungspsychologischen Situation der Schülerinnen und Schüler ausdrücken und darf auch aus pädagogischen und lernpsychologischen Gründen nicht einfach ignoriert werden. Das bezieht sich sowohl auf gesellschaftliche und individuelle Fragen und Probleme der Gegenwart und Zukunft als auch auf grundlegende Wertvorstellungen. Es umfasst auch Triebkräfte menschlichen Handelns und religiöse bzw. weltanschauliche Entscheidungen. Was in der Realität kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen. Ihre Grenzen haben Pluralität und Kontroversität dort, wo die Würde des Menschen, die demokratischen Grundlagen der Bundesrepublik Deutschland oder die Menschenrechte verletzt werden.

Authentizität: Die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und anderweitig am Unterricht beteiligte Personen sollen ihre persönlichen Überzeugungen und Werthaltungen nicht verbergen, sondern klar zum Ausdruck bringen. Lehrkräfte und eingeladene Personen sollten die Relativität ihrer Positionen deutlich machen und klarstellen, dass es zur gleichen Frage andere Positionen geben kann. Eigene Meinungen gehören zum jeweiligen Menschen und sind Ausdruck seiner Glaubwürdigkeit und Einmaligkeit. Unter der Wahrung strikter Freiwilligkeit haben sie einen wichtigen Platz im L-E-R-Unterricht. Authentizität verstanden als originale Begegnung fordert auf zur Eindrücklichkeit und unmittelbaren Konfrontation mit Orten, an denen Erfahrungen möglich sind, die für das Lernen im L-E-R-Unterricht notwendig und förderlich sind. Dazu gehören Erkundungsgänge an religiöse Orte ebenso wie der Besuch sozialer und kommunaler Einrichtungen und die Begegnung mit Repräsentanten verschiedener Einrichtungen.

Drei Dimensionen: Dem Fach L-E-R liegen grundlegende Strukturen in den drei Dimensionen Lebensgestaltung, Ethik und Religionskunde zugrunde. In jeder der Dimensionen werden Begriffe, Theorien und Modelle in der Sprache der jeweiligen Basisstruktur und ihrer Bezugsdisziplin(en) verwendet, wodurch der Gegenstand des Unterrichts unter einem jeweils anderen Blickwinkel erscheint. In jeder Dimension gibt es somit jeweils etwas anderes zu lernen. Daraus ergibt sich die Mehrperspektivität des Faches.

Analyse der Perspektiven: Die Schülerinnen und Schüler lernen, die den Dimensionen eigenen Sprachspiele, Begriffe, Modelle und Theorien bzw. das in den Dimensionen unterschiedliche Verständnis von auf den ersten Blick gleich scheinenden Begriffen zu differenzieren und bei der Analyse lebensweltlicher Situationen korrekt zu anzuwenden. Zugleich verstehen sie, dass ein und derselbe Unterrichtsgegenstand aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden und somit unterschiedliche inhaltliche Aspekte offenbaren kann.

Drei Zugangsweisen: Unter Beachtung der drei Dimensionen ergibt sich die Möglichkeit, eine lebensweltliche Situation und deren Gehalt entsprechend einer der drei hier aufgezeigten Zugangsweisen aufzuschlüsseln:

  • Ein Thema wird aus der Perspektive einer jeweils anderen Basisstruktur beleuchtet: Die ungewollte Schwangerschaft einer 14-Jährigen zum Beispiel  kann unter lebensweltlicher Perspektive betrachtet werden, indem die Veränderungen in den sozialen Beziehungen oder die Konsequenzen auf ihre eigene Lebensgestaltung (Berufsfindung etc.) analysiert werden. Die Frage, ob die Jugendliche durch eine Abtreibung schuldig für den Tod des Kindes ist, fällt in den Bereich der Ethik und der Blick auf religiöse Autoritäten und Gebote, die das Handeln leiten können, in den Bereich der Religionskunde. Jede Dimension schafft mit dem ihr eigenen Sprachspiel einen Zugang zu den Unterrichtsinhalten, obwohl die Sprachspiele zugleich ineinander verwoben sind. Die Durchdringung und die Entflechtung der Dimensionen wechseln sich bei diesem Zugang, je nach Intention, ab. Somit kann ein Kompetenzerwerb in allen drei bereichsspezifischen Partizipationskompetenzen erfolgen, aber auch der Schwerpunkt auf einen der Bereiche gelegt werden.
  • Das zweite Zugangsmodell kommt ohne eine Überschneidung der Dimension aus. So kann das Thema Religiöse Feste als Beispiel allein in der R-Dimension, das Thema Dürfen wir Tiere essen? in der E-Dimension und das Thema Sehn-Süchte in der L-Dimension bearbeitet werden. Dann wird auch der Kompetenzerwerb in der jeweils entsprechenden Partizipationskompetenz überschneidungsfrei bleiben. Die Lehrkraft sollte sich vor der Entscheidung für diese Zugangsweise fragen, ob der thematische Schwerpunkt, wenn er nur durch eine Dimension erschlossen wird, hinreichend sachgemäß bearbeitet werden kann. 
  • Das dynamischste Modell ist das der Überschneidung der drei Dimensionen. So kann das Thema Erwachsenwerden gleichzeitig unter der sozialwissenschaftlich-anthropolo­gischen L-Dimension, der E-Dimension und der R-Dimension behandelt werden. Dabei kommt es zu einer gegenseitigen Anziehung und zugleich Abstoßung der Begriffe, Konzepte und Zugänge, zu deren Ergänzung und Ineinandergreifen. An diesem Modell wird besonders deutlich, wie präzise die jeweiligen Begriffe im Kontext der Bezugswissenschaften der Dimensionen zu gebrauchen sind. Ein Kompetenzerwerb kann mit diesem Zugang in allen drei Bereichen der Partizipationskompetenz ermöglicht werden. Das Thema kann nur dann fachgerecht bearbeitet werden, wenn alle drei Dimensionen ­berücksichtigt, in ihrer Spezifik wahrgenommen und die gemeinsame Schnittmenge herausgearbeitet und deutlich gemacht werden.

In diesem Themenfeld erfolgt eine Annäherung an die Frage nach dem Selbst und der personalen Identität, die sich in der Entwicklung eines Menschen in jedem Lebensabschnitt für ihn neu stellt. Dabei können sich für den Menschen immer wieder neue Antworten auf die Frage nach dem ICH ergeben. Zugleich ist er als soziales Wesen eingebettet in die Welt als Ganzes. Daraus ergibt sich, dass die Fragen nach der eigenen Identität im Mittelpunkt des ersten Themenfeldes stehen und gleichzeitig alle anderen Themenfelder inhaltliche Verknüpfungen zu diesem Themenfeld aufweisen. 

InhalteMögliche Konkretisierungen

ICH werden

  • Was macht mein Ich aus?
  • Wer will ich sein?
  • meine Stärken und Schwächen
  • was mir wichtig ist
  • Identität und Selbst: Seele, Bewusstsein, Innenperspektive versus ICH in den Augen der Anderen

Mein Lebensweg

  • von der Kindheit lösen
  • Erwachsenwerden
  • Initiationsriten
  • biografisches Lernen
  • Verantwortung übernehmen für den eigenen Lebensweg

Woran orientiere ich mich?

  • Religion, Glaube, Weltanschauung als Orientierungsrahmen auf dem Lebensweg
  • Zukunftsvorstellungen für mein Leben
  • Menschen auf meinem Lebensweg – (religiöse) Vorbilder, Stars, Idole und Helden des Alltags
  • mein Glück suchen

Selbstverwirklichung

  • Lebenssinn
  • Arbeit und Tätigsein
  • Freizeit
  • Autonomie und Freiheit

In diesem Themenfeld setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Individuum im Kontext der Anderen auseinander. Dem Lebensweg folgend, werden die sozialen Beziehungen von der primären Sozialisation in der Familie über frei gewählte soziale Beziehungen bis zum kulturellen und religiösen Miteinander in zunehmender Komplexität entfaltet. Aus verschiedenen Blickwinkeln und unter unterschiedlichem Fokus werden Chancen und Möglichkeiten menschlichen Miteinanders sichtbar (Verbindung zu Themenfeld 3.1) und Lösungsansätze für gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen (Verbindung zu den Themenfeldern 3.5 und 3.6) diskutiert.

InhalteMögliche Konkretisierungen

Das Zusammenleben in verschiedenen primären Lebensformen

  • historisches, traditionelles und gegenwärtiges Verständnis von Familie und anderen Lebensformen
  • Lebensgemeinschaften in einer globalisierten Welt (kulturelle, inter- und transkulturelle Formen des Zusammenlebens, z. B. Fernfamilien, Weltfamilien)
  • Distanz versus Nähe – Chancen und Probleme des Lebens in Fernbeziehungen

Das Miteinander in Gruppe und Peergroup

  • miteinander reden können – Kommunikation und Interaktion
  • Freundschaft
  • Mobbing und Cybermobbing

Das Miteinander von Erwachsenen und Kindern in der Gesellschaft

  • Rechte und Pflichten der/des Einzelnen
  • Menschenrechte,Kinderrechte
  • Miteinander der Generationen, Generationenvertrag
  • Verantwortung für die Nachwelt
  • soziales Handeln und soziale Identität
  • Fairness und Gerechtigkeit

Das Miteinander in Partnerschaften

  • Was ist Liebe? - Facetten der Liebe
  • Sexualität und Verantwortung
  • Gender und Queer
  • Vorstellung von Partnerschaft, Liebe und Sexualität in Religionen und Weltanschauungen

Das Miteinander in kultureller Vielfalt

  • gelebter Glaube: Feste , Rituale, Symbole
  • narrative Texte aus Religionen und Kulturen (z. B. Geschichten aus den Religionen und autobiografisches Erzählen)
  • Religion als Teil der Kultur (z. B. Architektur, Kunst, Musik)
  • Vorurteile, Toleranz, Respekt
  • das Miteinander verschiedener religiöser und kultureller Lebenswelten
  • Multikulturalität, Inter- und Transkulturalität

Vielfalt als Bereicherung

  • jeder ist anders – jeder ist Mensch
  • Verschiedenheit als Chance im Zusammenleben
  • Lebenswelten inklusiv gestalten

In diesem Themenfeld stehen Situationen im Mittelpunkt, in denen der Mensch zum Philosophieren angestoßen wird. In solchen Augenblicken erfährt der Mensch seine Abhängigkeit vom Sein und von seiner faktischen Existenz. Er erlebt, dass die Versuche, die Wirklichkeit mit seinem Denken zu erfassen und zu verstehen, an Grenzen stoßen. Durch die Beschäftigung mit diesem Themenfeld werden Ausnahmesituationen des Lebens in den Fokus genommen, in denen dem einzelnen Menschen die allgemeinen Strukturen des Daseins bewusst werden. Widersprüche zwischen subjektiven Wahrheiten (siehe Themenfeld 3.1) und Erklärungsversuchen für das Ganze (Themenfelder 3.2 und 3.4) bilden den analytischen Kern des Themenfeldes.

InhalteMögliche Konkretisierungen

Erfahrungen machen

  • eigene (auch religiöse) Erlebnisse und Erfahrungen
  • sich selbst und andere in Situationen erleben und erfahren
  • Selbst- und Fremdwahrnehmung

Gefühle und Erfahrungen

  • Gefühle, Emotionen, Affekte etc., verbunden mit demissen um die Verschiedenheit kultureller und religiöser Ausdrucksweisen
  • Zustände von Glück, Angst, Sorge, Freude, Ungewissheit, Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit, Isolation, Schmerz ... und deren Bedingungen und Folgen
  • Ausdrucksverhalten von Gefühlen und affektiven Zuständen
  • religiöse Gefühle (Gefühle der Zugehörigkeit, der Verbun­denheit, des Vertrauens, des Aufgehobenseins etc. im Zusammenhang mit Transzendenz)

Existenzielle Erfahrungen

  • Erfahrungen, in denen wir mit unseren Erklärungen der Wirk­lichkeit und unserer Existenz an Grenzen stoßen: Erfah­rungen von Glück, Liebe, Freundschaft, Trauer, Sterben, Tod
  • Erzählungen biografischer Erfahrungen
  • Lebensgeschichten als philosophisches Problem
  • narratives Philosophieren
  • Einfluss von Religiosität auf den Umgang mit Grenz­erfahrungen (z. B. Trost, Krankheit, Trauer)
  • Glauben und Wissen

Subjektive und objektive Wahrheiten

  • Was ist Wahrheit?
  • meine Wahrheiten und die der Anderen
  • Heuristik und Empirie: Ist Wahrheit wahr oder richtig?
  • Glauben, Wissen und existenzielle Erfahrungen

Das Leben gestalten - am Leben scheitern

  • Handlungsmöglichkeiten in existenziellen Erfahrungen
  • das moralisch Gute im Wandel der Zeit
  • zwischen Haben und Sein (z. B. Markenartikel)
  • existenzielle Erfahrungen in Konflikten (z. B. Schwanger­schaftsabbruch, Sterbehilfe, Organtransplantation)
  • ­ Argumentieren und Entscheiden in ethischen Konfliktsituationen (z. B. Pflichtenethik, Folgenethik, auch aus religiös-weltanschaulichen Wertsetzungen)
  • ­ Dilemma-Situationen

Dem Leben Sinn geben

  • Bedeutung versus Sinn
  • Verneinung des Lebenssinns, der Erkennbarkeit der Welt und moralischer Verbindlichkeiten (Nihilismus)
  • meinem Leben einen Sinn geben
  • Sinn durch Glauben, z. B. Rituale und Gebete als Kommunikation mit der religiösen Welt

Der Mensch wird in seinem Leben nicht nur mit der Weltsicht anderer Menschen konfrontiert, sondern auch mit historischen und gegenwärtigen Vorstellungen und Erklärungen von Mensch und Welt. Die Frage nach dem Menschen, der Abgrenzung zu anderen Lebewesen und seinem Platz in der Welt bilden den Kern dieses Themenfeldes. Zentral ist dabei die Frage, wie der Mensch die Welt wahrnimmt, wie er sie und seinen Platz in ihr erklärt und welche Konsequenzen sich daraus für die Gestaltung menschlichen Lebens und der Welt insgesamt ergeben. Der Auseinandersetzung mit den großen Weltreligionen kommt in diesem Themenfeld eine besondere Rolle zu. Somit steht das Themenfeld in engem Zusammenhang mit den Themenfeldern 3.2, 3.5 und 3.6.

InhalteMögliche Konkretisierungen

Menschenbilder

  • Was macht den Menschen zum Menschen? Was sind zentrale Aspekte des menschlichen Seins? Was ist die Natur des Menschen? usw.
  • Darwins Vorstellung vom Menschen
  • Aufklärung und Vernunft
  • Humanismus und Begriff des Individuums

Der Mensch - (nur) ein Lebewesen(?)

  • Beginn und Ende menschlichen Lebens (unterschiedliche Annahmen in den Religionen, der Biologie …)
  • Vorstellungen von der Seele, z. B. bei Platon, Aristoteles, Augustinus, Descartes, Damasio
  • der Mensch als rationales, soziales und moralisches Wesen
  • Ist der Mensch von Natur aus böse oder gut (religiöse und philosophische Auffassungen)?
  • Ent-Menschlichung (Sklaverei, Folter, Euthanasie, Brutalität, Todesstrafe)
  • Begriff der Würde, Menschenwürde

Weltbilder, Pluralität und Wandel

  • kosmologische Weltbilder (z. B. Himmelsscheibe von Nebra, babylonisches Weltbild, geozentrisches und heliozentrisches Weltbild)
  • religiöse Weltbilder (z. B. Mythen und Schöpfungs-geschichten, Verhältnis Gottheit-Mensch-Welt)
  • naturwissenschaftliche Weltbilder (z. B. Urknalltheorie, Evolutionstheorie, Kreationismusstreit)
  • Logos und Mythos
  • menschliche Hoffnungen und Ängste (Paradies- und Endzeitvorstellungen)
  • virtuelle Welten zwischen Fiktion und Wirklichkeit

Weltverständnis und Gottesvorstellungen

  • Transzendenz und Immanenz
  • Gottes Gegenwart in der Welt – als Schöpfer, Weltgesetz, Energie
  • Gerechtigkeit und Barmherzigkeit (Theodizee-Problem)
  • Säkularisierung, Religionskritik, Atheismus und religiöse Indifferenz
  • heilige Schriften, ihre Bedeutung und Auslegungstradition

Der Mensch als leiblich-seelisch-geistiges Wesen ist in der Lage, die ihn umgebende Natur und sich selbst in einer Weise zu verändern, dass etwas geschaffen wird, was es ohne den Menschen nicht geben würde – und gleichzeitig bleibt er immer Teil der Natur. Somit lebt der Mensch inmitten von Natur und Kultur, indem er sich entwickelt und neue kulturelle Güter schafft, dabei aber seine natürliche Umwelt und somit seine Lebensgrundlagen verändert. Ohne ein Nachdenken über Wertsetzungen läuft der Mensch Gefahr, seine eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören. Das Themenfeld ist damit inhaltlich besonders eng verschränkt mit den Themenfeldern 3.4 und 3.6.

InhalteMögliche Konkretisierungen
Mensch und Natur
  • natürliche Lebensgrundlagen, moderne Lebensweise und Bevölkerungswachstum (Klima, Boden, Ressourcen)
  • Tierethik, z. B. Massentierhaltung, Tierversuche, Vegetarismus
  • religiöse Auffassungen zur Nutzung und Bewahrung der Natur
Mensch und Kultur
  • Was ist Kultur? (Kultur als Gegensatz zur Natur?, aber auch Kulturgüter, kulturvolles Leben, Musik, Kunst …)
  • Kultur: Entfremdung von der Natur des Menschen (Nietzsche), Kompensation des menschlichen Mängelwesens (Gehlen)
  • religiös-rituelles Handeln (heilige Orte, Feste, Kleidung, Jahreskreis) und der Vergleich mit nichtreligiösen Ritualen)
Der optimierte Mensch
  • Ideale von Körper, Sein und Selbst (z. B. Schönheitsideale, Identitätskonstruktionen durch die Gestaltung des Körpers mit Schmuck, Tatoo, Piercing …)
  • der Mensch verbessert seine Natur (z. B. Brille, Herzschrittmacher, Medikamente, vorgeburtliche Diagnostik und Eingriffe …)
  • ethische Reflexion über die Grenzen der Machbarkeit

Der einzelne Mensch sieht sich nicht nur mit den Chancen und Möglichkeiten der eigenen Lebensgestaltung konfrontiert. Seine Existenz ist geprägt von vergangenen Ereignissen menschlicher Geschichte und zugleich beeinflusst er mit seinem Handeln im Heute und
seinen Visionen von morgen das Leben zukünftiger Generationen. Im Themenfeld wird
verantwortliches Handeln anhand von (individuellen, utopischen, historischen und gegenwärtigen) Zukunftsvorstellungen in Gedanken erprobt. Damit steht es wie das erste
Themenfeld mit allen anderen Themenfeldern in enger Beziehung.

InhalteMögliche Konkretisierungen

Meine Vorstellungen von morge

  • eigene Vorstellungen von der Zukunft (z. B. Wie will ich leben? Wer will ich sein? Was will ich tun?)
  • eigene und fremde Vorstellungen von der Welt in der Zukunft – Hoffnungen und Ängste (z. B. als wissenschaftliche Zukunftsprognosen, philosophische Ideen oder religiöse Vorstellungen wie Glück, Heil, Apokalypse)
  • Zukunftsvorstellungen weiterdenken: mögliche Konsequenzen für das Handeln der Menschen

Gesellschaften von morgen denken

  • Vorstellungen von einer gerechten und friedlichen Welt
  • philosophische Diskurse über das Leben der Menschen in der Vergangenheit und der Zukunft
  • Gesellschaftsutopien vergangener Zeiten (z. B. Atlantis, Utopia) und Dystopien
  • Werte und Normen, Rechte und Pflichten in der Verantwortung für zukünftige Generationen
  • Ansätze für ein gelingendes Zusammenleben in der Welt, z. B. Völkerbund, UNO,  Internationaler Gerichtshof für Menschenrechte
  • Vorstellung vom gelingenden Zusammenleben in der Welt, z. B. Weltethos

Der Wahlpflichtunterricht stellt ein Angebot dar, das über den Regelunterricht hinausgeht und ihn thematisch erweitert. Er dient der Vertiefung von Fachinhalten und schafft die Möglichkeit, Fachliches und Überfachliches zu verbinden.

Grundlage für den Unterricht im Wahlpflichtfach sind die fachlichen Kompetenzbereiche. Werden weitere Fächer hinzugezogen, gilt dies für die Kompetenzbereiche aller beteiligten Fächer.

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