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Fachtag Schulanfangsphase 2014

Dokumentation des Berliner Fachtags Schulanfangsphase 2014

Kompetenzen aller Kinder fördern

 

29. September 2014
im Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg

Knapp 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher und Schulleitungen der Berliner Grundschulen) waren auch in diesem Jahr der Einladung mit großem Interesse gefolgt. Diesmal stand die Erweiterung der Kompetenzen aller Kinder im Fokus des Fachtags.

 

Flyer zum Fachtag Schulanfangsphase 2014 (pdf - 200 KB)

 

 

In diesem Jahr begleitete ein Tagungs-Logbuch die Teilnehmenden durch den Fachtag.

 

 

Dr. Gisela Beste, stellvertretende Institutsdirektorin, eröffnete den Fachtag, begrüßte die Gäste. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten die Gelegenheit, sich anhand ihrer Notizen auf einer Karte darüber auszutauschen, wie sie den Kompetenzerwerb der Kinder unterstützen.

 

 

 

Oberschulrätin Dagmar Wilde (SenBJF) richtete ein Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

 

 

 

Prof. Dr. Thomas Trautmann (Universität Hamburg) hielt einen Vortrag zum Thema „Kompetenzen? aller? Kinder? fördern?“ (pdf - 710 KB).

 

Zwei Workshop-Phasen boten zahlreiche Impulse für die Praxis.

Workshop 1: Schulanfangsphase - eine pädagogische Chance?! Wenn ja, aber wie?

Gabriela Anders-Neufang (Leiterin der Wilhelm-von Humboldt-Gemeinschaftsschule, Berlin)

 

In diesem Workshop, welcher sich insbesondere an Schulleitungsmitglieder richtete, wurden die pädagogischen und organisatorischen Chancen der Schulanfangsphase, die Gelingensbedingungen des  Übergangs von der Schulanfangsphase in die folgenden Jahrgangsstufen sowie ein Beispiel der Umsetzung vorgestellt, erörtert und diskutiert.

Workshop 2: Anschlussfähiges Lernen in der SAPH: Die Übergabe der Lerndokumentation von der Kita an die Schule

Annette Hautumm-Grünberg (SenBJF), Doris Lerner (Leiterin der Maria-Montessori Grundschule, Berlin), Christina Giese (Maria-Montessori-Grundschule, Berlin)

 

Beleuchtet wurden bisherige Erfahrungen mit der Lerndokumentation und Chancen, die sich aus der verbindlichen Weitergabe für die durchgängige Sprachbildung und die Kooperation am Übergang von der Kita in die Grundschule vor dem Hintergrund des Bemühens um eine anschlussfähige Förderung ergeben. Vorgestellt wurden Beispiele aus der Kita- und Schulpraxis, und im Gespräch konnten Erfahrungen und Anregungen aus dem Kreis der Teilnehmenden ausgetauscht werden.  

Workshop 3: Auf dem Weg zur Leseflüssigkeit

Irene Hoppe (LISUM), Jutta Schwenke (SenBJF) 

 

Um flüssig zu lesen, müssen Schülerinnen und Schüler Wörter und Sätze korrekt und in angemessener Geschwindigkeit dekodieren können. Bei geübten Leserinnen und Lesern vollziehen sich diese Prozesse automatisch. Erst durch die Automatisierung werden kognitive Ressourcen für die Verarbeitung der Textinhalte frei.
Im Umkehrschluss bedeutet das: Mangelnde Leseflüssigkeit behindert das Verstehen von Texten. Deshalb ist es bereits in der Schulanfangsphase sinnvoll, Kindern, die das Prinzip der Synthese verstanden haben, Lernarrangements anzubieten, in denen sie gezielt die Leseflüssigkeit ausbilden können. Im Workshop wurden auf der Grundlage der LISUM-Handreichung „Auf den Anfang kommt es an – Basale Lesefähigkeiten in der SAPH sicher erwerben“ sowohl in der Praxis erprobte Übungen zum Aufbau eines Sichtwortschatzes als auch empfehlenswerte Lautlese-Verfahren vorgestellt.

Workshop 4: Bewegtes Lernen: Rhythmik im Unterricht der SAPH

Andrea von Kiedrowski (Pestalozzi-Schule, Berlin)

 

Im Workshop wurden vielfältige Anregungen und Beispiele zur rhythmisch-musikalischen Arbeit mit Musik, Sprache, Bewegung und Material gegeben, die im Unterricht der Schulanfangsphase eingesetzt werden können und in diesem Workshop praktisch erarbeitet wurden.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer griffen in die „musikalische Wundertüte“ und entdeckten Bewegungslieder und Sprechverse, Ideen und Anregungen für einen „bewegten“ Deutsch- und Mathematikunterricht, Spielimpulse zur Wahrnehmungsförderung und Rhythmusspiele. 

Workshop 5: Forschen in KITA und Grundschule - Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Johannes Koska (Haus der kleinen Forscher)

 

Kinder sind von klein auf neugierig und wollen ihre Umwelt erforschen und entdecken. Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ entwickelt Konzepte und Materialien zum Forschen mit Kindern im KITA- und Grundschulalter. Im Workshop wurde gezeigt, wie herausfordernd es ist, Raum für Situationen zu schaffen, in denen Mädchen und Jungen anschlussfähige Vorstellungen entwickeln können. Anhand von Videobeispielen zum Themenfeld „Schwimmen und Sinken“ wurde herausgearbeitet, welche Fragen Kinder bei der Beschäftigung mit dem Phänomen stellen. Wie gehe ich als pädagogische Fach- oder Lehrkraft mit den unterschiedlichen Vorerfahrungen der Kinder um? Wie begleite ich Kinder beim naturwissenschaftlichen Forschen? Inwieweit nehmen gestellte Materialien Einfluss auf die Fragen und Vorstellungen der Kinder?

Workshop 6: Rechnen geht doch ohne Sprache!? - Mathematisches Lernen in der SAPH sprachfördernd begleiten

Gundula Meiering (LISUM)

 

Fachsprache und  Bildungssprache erwerben Kinder nicht spontan. Deren Beherrschung ist aber Voraussetzung für den Bildungserfolg. Durch gezielte Sprachförderung im Bereich des mathematischen Lernens werden bessere Leistungen ermöglicht. Wenn der außermathematische Wortschatz nicht bekannt ist, können Kinder häufig nicht damit beginnen, mathematische Denkprozesse nachzuvollziehen. Wie es gelingen kann, die mathematische Fachsprache und die für die jeweilige Lernsituation notwendigen Redemittel gezielt im Mathematikunterricht der Schulanfangsphase zu fördern, wurde im Workshop erarbeitet.

Workshop 7: Kunst trifft Sprache

Regina Pols, Marion Gutzmann (LISUM)

 

Die „Sache mit der Farbe“ ist nicht nur für den Kunstunterricht bedeutsam, sondern spielt in allen Lebensbereichen eine Rolle. Das Thema „Farbe“ greifen viele neuere, aber auch klassische Kinderbücher auf. Dabei rückt jedes Buch einen anderen Aspekt in den Mittelpunkt: wie Farben sich mischen, welche Charaktere sie haben und sogar, wie man sie hören, schmecken, riechen und fühlen kann. Angeregt von solchen Kinderbüchern lassen sich Aktivitäten entwickeln, die sprachliches und künstlerisch-ästhetisches Handeln miteinander verbinden. Mithilfe von Sprachgerüsten, d. h. Redemitteln und Textbausteinen, gestalten Kinder individuelle Produkte an der Schnittstelle von Kunst und Sprache wie zum Beispiel ein Tischtheater, ein Farbenlexikon oder ein Farbenmuseum. Im Workshop setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv mit einer Fülle an Anregungen auseinander, die besonders für die Schulanfangsphase geeignet sind.

Workshop 8: Wörterwasserfälle und Einsiedlerkrebse – Heterogenität am Schulanfang produktiv denken

Prof. Dr. Thomas Trautmann (Universität Hamburg)

 

Nachdem die Teilnehmenden sich „bildlich“ einen Eindruck von Heterogenität in Anfangsklassen (und darüber hinaus) gemacht hatten, versuchten sie, diese potenziell entwicklungsfördernd zu denken. Mittels eines von der Gruppe erzeugten Modells konnten der kindliche Status quo, Entwicklungsverzögerungen oder -sprünge erklärt und gedeutet werden (auch z.B. den Eltern). Anhand von Beispielen wurden das Potential sowie die unterschiedlichen Begabungskonturen von Schulanfängern untersucht. Eine Reihe von Interaktionen probierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst aus.

Workshop 9: Spielen früher und heute – Zeitvorstellung im Sachunterricht der SAPH entwickeln

Dr. Birgit Wenzel (LISUM)

 

Spielen und Spielzeug gehören zur Kindheit wie das Salz zur Suppe. Das Thema birgt Anknüpfungspunkte zur Lebens- und Erfahrungswelt der Kinder in Hülle und Fülle. Hier setzte der Workshop an. Die Auseinandersetzung mit Spielen und Spielzeug in verschiedenen Zeiten oder auch in anderen Kulturen fördert Sprache, Sprechen und vielfältiges Ausprobieren sowie erneutes Versprachlichen der Erfahrung. Historisches Lernen findet im wahrsten Sinne des Wortes spielend statt und Kinder erfahren die Andersartigkeit von Geschichte sowie etwas über Dauer und Wandel im gemeinsamen Forschen und Erproben.

Workshop 10: Individuelle Lernwege beim Rechtschreiblernen in der SAPH

 

Claudia Wenzel (Johann-Peter-Hebel-Schule)

 

Im Workshop wurde gezeigt, wie die Organisation und die Unterstützung individueller Lernwege beim Rechtschreiblernen in der Schulanfangsphase gestaltet werden können. Dabei wurde herausgearbeitet, welche Bedeutung in diesem Zusammenhang Rechtschreibgespräche, Lernstandsfeststellungen durch Referenzaufgaben, Lerngespräche und Selbsteinschätzungen haben.

Abschließender Vortrag

Oberschulrätin Dagmar Wilde hatte als kritische Freundin alle zehn Workshops besucht und fasste die inhaltlichen Schwerpunkte zusammen. Weiter informierte sie in einem Vortrag:  „Rückblick, Einblick, Vorausblick – rund um den Schulanfang“ (pdf - 900 KB) über Befunde und Entwicklungen der Berliner Schulanfangsphase.

Tolle Sachbücher-Show

Zum Abschluss des Fachtags präsentierte die Literaturvermittlerin und Sprechwissenschaftlerin Tina Kemnitz (www.tollesbuch.de) auf äußerst kurzweilige Weise zehn aktuelle Sachbücher, die für Kitakinder wie Schülerinnen und Schüler der Schulanfangsphase interessant und empfehlenswert sind.

Bilanz

 

Insgesamt wurde die Tagung von den Teilnehmenden als anregend für ihre Tätigkeit in der Schulanfangsphase eingeschätzt. Es besteht der ausdrückliche Wunsch, dass auch 2015/2016 wieder ein Fachtag Schulanfangsphase angeboten werden sollte.