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Fachtag Schulanfangsphase 2012 (BE)

Dokumentation des Berliner Fachtags „Schulanfangsphase“ am 24. September 2012 in der Humboldt-Universität zu Berlin

Seit 2005 wird die Schulanfangsphase in Berlin als eine pädagogische Einheit der Jahrgangsstufen 1 und 2 betrachtet. Eine große Herausforderung stellt dabei die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler in den Lerngruppen dar. Diese Heterogenität als Chance zu betrachten und individuelles Lernen in allen Organisationsformen der Schulanfangsphase umzusetzen und dabei einem kompetenzorientierten Lernbegriff zu folgen, stand im Fokus der Tagung. 
Über 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer - Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Schulleitungen und Eltern der Berliner Grundschulen - waren der Einladung mit großem Interesse gefolgt.

 

Impressionen vom Fachtag

Hannelore Kern, Referatsleiterin in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, und Mark Rackles, Staatssekretär für Bildung, begrüßten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtags und lauschten anschließend interessiert dem Vortrag von Frau Prof. Dr.  Speck-Hamdan.

 

Prof. Dr. Angelika Speck-Hamdan, Ludwig-Maximilians-Universität München, hielt einen Vortrag zum Themenschwerpunkt „Individuelles Lernen in der Schulanfangsphase“.

  

Vortrag "Individuelles Lernen in der Schulanfangsphase" (pdf - 0,9 MB)

Prof. Dr. Erika Brinkmann, Pädagogische Hochschule Schwäbisch-Gmünd, hielt einen Vortrag zum Themenschwerpunkt „Es ist normal verschieden zu sein – über den Umgang mit Heterogenität am Schulanfang“. Anschließend tauschte sie sich mit Hannelore Kern und Prof. Dr. Angelika Speck-Hamdan fachlich aus.

 

Vortrag „Es ist normal verschieden zu sein“ (pdf – 1,7 MB)

 

Zwei Workshop-Phasen boten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zahlreiche theoriegeleitete Anregungen für die Praxis.

 

Workshop: Rechenschwäche/Rechenstörungen – Früherkennung und Förderung

Manuela Höhn (Rosa-Parks-Grundschule)

 

Nicht allen Kindern gelingt es, problemlos Mathematik zu lernen. Worauf müssen wir achten, damit wir alle Kinder, auch die mit ungünstigen Lernvoraussetzungen, bestmöglich beim Lernen von Mathematik unterstützen können?
Die Inhalte des Workshops gliederten sich in zwei Hauptabschnitte. Es wurden Maßnahmen zur Früherkennung und die allgemeinen Fördermöglichkeiten vorgestellt. Im zweiten Abschnitt wurden die verschiedenen Aspekte des diagnostischen Vorgehens bei einer Rechenschwäche beschrieben und ihre spezielle Förderung  durch Fallbeispiele erarbeitet.

Workshop: Gesund bleiben und erfolgreich arbeiten - dank kollegialer Hospitation

Jutta Schwenke (SenBJF) 


Wie gelingt es mir, trotz der hohen Arbeitsbelastungen gesund zu bleiben und mit meiner Arbeit zufrieden zu sein? Kollegiale Unterrichtshospitation, d. h. wechselseitige Hospitation zweier Lehrkräfte „auf Augenhöhe“ mit Feedback, trägt nicht nur zur Erweiterung der Professionalität von Lehrkräften und somit zur Unterrichtsverbesserung bei, sondern leistet anerkanntermaßen einen Beitrag zu größerer Berufszufriedenheit und Gesundheit (Burn-out-Prophylaxe).
Im Workshop wurden Methoden und Beispiele aus dem Modellvorhaben „Kollegiale Unterrichtshospitation zur Qualitätsentwicklung des Unterrichts in der Schulanfangsphase (KUQS)“ vorgestellt, die den Gewinn kollegialer Hospitationen deutlich machen.

 

Workshop: In Lesewelten hineinwachsen – Anregungen zur eigentätigen Auseinandersetzung mit (selbst gewählten) Texten

Irene Hoppe (LISUM)

 

Vom ersten Schultag an hat die Grundschule die wichtige Aufgabe, jedes Kind auf seinem Weg zur Leserin bzw. zum Leser zu begleiten. Wichtige Ziele sind dabei –  neben dem Erwerb der Lesefertigkeit – Entwicklung von Leseinteressen und die Aufrechterhaltung von Lesemotivation, das Erleben von Lesefreude und Lesegenuss sowie ein zunehmend eigenständiger Umgang mit Texten. Um diese Ziele zu erreichen, sind die Schülerinnen und Schüler auf einen Unterricht angewiesen, der ihnen auf der Grundlage ihrer individuellen Kenntnisse, Fähigkeiten und Interessen eine handelnde und produktive Beschäftigung mit vorgelesenen und selbst gelesenen Texten ermöglicht. Im Workshop wurden hierfür zahlreiche Anregungen vorgestellt.

Workshop: Einrichtung von temporären Lerngruppen zur Förderung der mündlichen Sprachentwicklung

Gudrun Hansen (LISUM)

 

Förderung in der Schulanfangsphase geschieht in der Hauptsache durch innere Differenzierung im gemeinsamen Unterricht. Es gibt jedoch Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung einzelner Schülerinnen und Schüler, die eine temporär eingerichtete äußere Differenzierung notwendig erscheinen lassen. Im Workshop wurde dargestellt, wie eine diagnosegestützte Fördereinheit (Diagnostik, Planung, Umsetzung, Evaluation) zur mündlichen Sprachförderung in einem Projekt „Zaubern“ aussehen kann. Schwerpunkte der vorgestellten Fördereinheit waren die morphosyntaktische (grammatische) Bewusstheit, die Subjekt-Verb-Kongruenz und die Wortschatzerweiterung im Bereich der Handlungsverben.

 

Workshop: Die Reise ins Schulland

Frauke Grenz (ehemalige stellvertretende Leiterin der Kita „Krümelnest“)
Ines Löwa  (Grundschule am Mohnweg)

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden zu einer „Reise ins Schulland“ eingeladen. Gestartet wurde mit dem Einblick in die Planung und Durchführung eines gemeinsamen Elternabends von Kita und Schule; dabei wurden Kooperationsmöglichkeiten im Jahr vor der Schule unter Einbeziehung der Eltern vorgestellt. Es wurde praxisnah anhand von Bildern über positive Erfahrungen, Stolpersteine und vermeidbare Fehler bei der Zusammenarbeit zwischen Kita und Grundschule berichtet.

 

Workshop: Chancen von JÜL im Projektunterricht erfolgreich nutzen – Selbstgesteuerte Lernprozesse in der SAPH-Projektarbeit in einer jahrgangsgemischten Klasse

Claudia Wenzel (Johann-Peter-Hebel-Grundschule)

 

Können Kinder ihre Lernprozesse schon in der Schulanfangsphase bewusst steuern und wahrnehmen? Zu dieser Frage wurde in einer PPP das im Unterricht erprobte Projekt zum Thema „Planeten“ vorgestellt. Es zeigte exemplarisch, welche Möglichkeiten die Jahrgangsmischung bietet, individuelle Lernwege zu unterstützen und diese in gemeinsame Lernerlebnisse einzubinden. Es wurde dargestellt, wie die Schülerinnen und Schüler auf der Grundlage eines Kompetenzrasters - ihren Möglichkeiten entsprechend – eine gemeinsame Präsentation erarbeiten und dabei verschiedene Möglichkeiten zur Selbsteinschätzung nutzen und gemeinsam ihre Lernergebnisse reflektieren.

Workshop: Mathematik – offene Aufgabenformate, Lernumgebungen und Forscheraufträge

Madlen Schmitz (1. Gemeinschaftsschule Charlottenburg)

 

Der Workshop bot einen Einblick, wie offene Aufgabenformate, Forscheraufträge und Lernumgebungen im Mathematikunterricht ihren Platz finden können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernten Aufgabenformate kennen, hatten Gelegenheit sie auszuprobieren und erhielten bereits erprobte Aufgaben für ihren Unterricht in die Hand.

Workshop: Basale Förderung im Unterricht der SAPH – Praxisübungen

Brigitte Bader (Zinnowwald-Grundschule)
Andrea von Kiedrowski (Pestalozzi-Schule)

 

In dem Workshop „Basale Förderung im Unterricht der Schulanfangsphase“ wurden Übungen und Spiele vorgestellt, die die verschiedenen Wahrnehmungsbereiche der Schülerinnen und Schüler fördern und schulen und mit allen Kindern gemeinsam im Unterricht durchgeführt werden können. Daneben wurden in einer kleinen Ausstellung bewährte Materialien für die basale Förderung präsentiert, die von den Kindern individuell in der Frei- oder Wochenplanarbeit bearbeitet werden können.

Workshop: Differenzierter Deutschunterricht in JÜL-Klassen

Anke Böschen, Bärbel Rolka (Charlotte-Salomon-Grundschule)

 

Eine Methode, um differenzierter auf Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht einzugehen, sind die "Rote-Faden-Geschichten". Diese Methode bietet Anlass sowohl zum Erzählen als auch zum Schreiben von Geschichten. Die Workshop-Leiterinnen stellten einige im Rahmen dieser Praxis entstandene "Roter-Faden-Geschichten" vor. Danach wurden weitere Methoden mit den Kursteilnehmern entwickelt, die zu kleinen Lernszenarien führen können. Zum Schluss wurde ein  Film aus der Praxis der JüL-Klassen gezeigt.

Workshop: Individualisiertes Lernen in jahrgangsbezogenen Lerngruppen

Andrea Häntsch, Annett Steger (Ludwig-Hoffmann-Grundschule)

 

Im Workshop wurde vorgestellt, wie ein Konzept zum Lernen in jahrgangsbezogenen Klassen erarbeitet und umgesetzt werden kann. Im Fokus standen dabei die Berücksichtigung von Rahmenbedingungen, Möglichkeiten der Organisation, Festlegungen zu den Mindestanforderungen für die Kernfächer der SAPH, individualisiertes Lernen in den Jahrgangsstufen, die Umsetzung des sozialen Lernens und die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern.

 

Workshop: Ausschöpfen der Fördermöglichkeiten des Ganztags für den Lernerfolg in jahrgangsbezogenen Lerngruppen

Petra Balzer, Heike Hertha (Schule am Sandsteinweg)

 

Kinder, die sich wohlfühlen und wertgeschätzt werden, können unbeschwert lernen und erfolgreich sein. So ist ein Zusammenhang zu erkennen zwischen der Vielfalt der Angebote einer Schule und den Lernerfolgen in Hinblick auf die Entwicklung von lern- und handlungskompetenten Schülerinnen und Schülern. An Beispielen wurde gezeigt, wie sich die vielfältigen schulischen Angebote und das Schulklima positiv auf das Lernen des einzelnen Kindes auswirken.

Workshop: Jahrgangsübergreifendes Lernen in 1/2 oder in 1/2/3 – Argumente für die Diskussion im Kollegium oder mit Eltern

Jörg Grötzner (Schulaufsicht Grundschulen, Tempelhof-Schöneberg)
Doris Lerner (Schulleiterin der Maria-Montessori-Grundschule)

 

Im Zusammenhang mit der politischen Festlegung, die Frage der Organisationsform der Schulanfangsphase in die Entscheidung der Schule zu übergeben, ist die Diskussion über die Gestaltung der Schulanfangsphase erneut aufgekommen. In diesem Workshop wurden Argumente für JÜL 1-3 zusammengetragen, die es ermöglichen, diese Frage im Kollegium oder auf Elternabenden sachgerecht und mit dem erforderlichen Hintergrundwissen zu diskutieren.

 

Workshop: Wie begleite ich qualitative Schulentwicklungsprozesse?

Karin Babbe (Schulleiterin der Erika.-Mann-Grundschule)
Gabriele Langel-Carossa (Schulaufsicht Grundschulen und Sonderpädagogische Förderzentren, Tempelhof-Schöneberg)

 

Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde im Gespräch ergründet, welche Prozesse für die Schulentwicklung qualitativ bewertet werden und wie diese so gestützt werden können, dass sie erfolgreich verlaufen. Dabei wurden praktische Beispiele von Teilnehmerinnen und Teilnehmern ebenso genutzt, wie methodisches Werkzeug bereit gestellt wurde.

 

Im Anschluss an die zweite Workshop-Phase wurde den Workshopleiterinnen und dem Workshopleitern freundlich gedankt.

 

Podiumsdiskussion

Den Abschluss der Tagung bildete eine Podiumsdiskussion zum Thema „Umsetzung der Eckpunkte der Schulanfangsphase – Positionen und Beispiele aus verschiedenen Perspektiven“. Die Gäste auf dem Podium waren:

  • Siegfried Arnz, SenBildJugWiss (Abteilungsleiter)
  • Ruby Mattig- Krone, SenBildJugWiss
  • Karin Babbe, Schulleiterin der Erika-Mann-Grundschule
  • Christine Frank, Schulleiterin der Carl-Krämer-Grundschule
  • Utta Hoppe, Schulleiterin der Löwenzahn-Grundschule

Moderiert wurde die Diskussion von Klaus Seifried, Leiter des schulpsychologischen Beratungszentrums Tempelhof- Schöneberg.

 

Bilanz

Insgesamt fanden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Fachtag für ihre weitere Arbeit in der Schulanfangsphase bereichernd.


Original-Töne aus dem Feedback:

  • Das Grußwort des Staatssekretärs war erfrischend und Mut machend.
  • Ich danke für die interessante Fortbildung, die Impulswirkung hat.
  • Für mich war es ein sehr anregender Fachtag. Das Grußwort von Mark Rackles war ganz toll.
  • Ich konnte mich bei der Auswahl der Workshops kaum entscheiden, hätte gerne mehr gemacht.
  • Viele Tipps für den Unterricht!!!
  • Mehr Zeit für Diskussionen einräumen!
  • Leider war der Zeitplan ziemlich knapp.
  • Bitte solche Fachtage als regelmäßige Veranstaltungen anbieten.