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Sprachbildung am Übergang 2014

Dokumentation der Fachtagung „Hand in Hand – Sprachbildung am Übergang von der Kita in die Grundschule: Eine Sache zur Sprache bringen“ am 27. Mai 2014

Die Tagung richtete sich an die regionalen Sprachberaterinnen und -berater für vorschulische Sprachförderung sowie an Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten und Lehrkräfte in der Schulanfangsphase des Landes Berlin. 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren der Einladung mit großem Interesse gefolgt.

Im Mittelpunkt der Fachtagung stand der gemeinsame Austausch zu Aspekten inhaltlicher und pädagogischer Anschlussfähigkeit der Sprachförderung am Übergang von der Kita zur Grundschule – in diesem Jahr mit dem Fokus auf den Themenschwerpunkt „Eine Sache zur Sprache bringen“.

Im Tagungsangebot fanden sich unterschiedlichste Anregungen, wie Kinder auf eine Entdeckungsreise nach Bedeutsamkeiten mitgenommen werden können, um diese aufzuspüren und hörend, sprechend, gestaltend, schreibend und lesend anzueignen. Dabei ging es zentral um die Schaffung eines anregungsreichen Ambientes, das Kinder zum Fragen und Forschen und damit zur sprachlichen Auseinandersetzung herausfordert, das Wissen um die Bedeutung von Dialogen, um die eigene sprachliche Vorbildfunktion, das aktive Zuhören und die enge Verbindung mit Themen und aktuellen Lerninhalten, die für die Kinder wichtig und bedeutsam sind.  

Impressionen aus der Fachtagung

Susanne Wolter, Abteilungsleiterin des LISUM, eröffnete die Tagung.

 

Sigrid Klebba, Staatssekretärin für Jugend und Familie, richtete ein Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

 

Prof. Dr. Claudio Nodari, Institut für interkulturelle Kommunikation/Zürich, hielt einen Vortrag zum Thema „<media 36008>Sprachliche Voraussetzungen für Schulerfolg beim Übergang von der Kita in die Grundschule</media>“ (pdf - 3 MB)

 

 

Workshops

Zwei Workshop-Phasen boten zahlreiche Impulse, im Umgang mit Sachthemen vielfältige sprachlich anregende Lernangebote und Lernumgebungen zu schaffen.

Workshop 1

Gemeinsame Sache machen: Eltern als Partner in der Sprachbildung 

Katja Eder (Literaturwissenschaftlerin und  -vermittlerin)

Im Übergang von der Kita zur Schule sind Kinder und Eltern meistens gleichermaßen fasziniert vom Prozess des Lesenlernens. Mit dem „Kinder-Eltern-Lesefest“ und den „Wochenend-Lesebeuteln“ lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kleinere und größere Angebote zur Sprach- und Leseförderung für die ganze Familie kennen. Es sind praxiserprobte Einladungen an Kinder und Eltern zum gemeinsamen Entdecken von Büchern und zur Beschäftigung mit Schrift. Sie lassen sich gut umsetzen und – ganz im Sinne der Family Literacy – funktionieren als Brücken zwischen Kita oder Schule und Elternhaus und öffnen Türen für eine aktive Teilnahme der ganzen Familie an unserer Lese- und Schriftkultur.

Workshop 2

Kunst trifft Sprache 


Marion Gutzmann, Irene Hoppe, Regina Pols (LISUM)
 
Die „Sache mit der Farbe“ ist nicht nur für den Kunstunterricht bedeutsam, sondern spielt in allen Lebensbereichen eine Rolle. Das Thema „Farbe“ greifen viele neuere, aber auch klassische Kinderbücher auf. Dabei rückt jedes Buch einen anderen Aspekt in den Mittelpunkt: wie Farben sich mischen, welche Charaktere sie haben und sogar, wie man sie hören, schmecken, riechen und fühlen kann.
Angeregt von solchen Kinderbüchern lassen sich Aktivitäten entwickeln, die sprachliches und künstlerisch-ästhetisches Handeln miteinander verbinden. Mithilfe von Sprachgerüsten, d. h. Redemitteln und Textbausteinen, gestalten Kinder individuelle Produkte an der Schnittstelle von Kunst und Sprache wie zum Beispiel ein Tischtheater, ein Farbenlexikon oder ein Farbenmuseum.
Im Workshop setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv mit einer Fülle an Anregungen auseinander, die für Kita und Grundschule gleichermaßen geeignet waren.

Workshop 3

Projekt „Zaubern“ in Kita und Schulanfangsphase – Förderung der mündlichen Sprachentwicklung 

 

Gudrun Hansen (LISUM)

Das Projekt „Zaubern“ lehnt sich an das bei Kindern beliebte Thema an und dient der mündlichen Sprachförderung. Während in den letzten Jahren das Augenmerk auf der phonologischen Bewusstheit lag, bot dieser Workshop einen Ansatz für die grammatische Förderung in der Kita und in der Schulanfangsphase. Kindern mit Sprachentwicklungsverzögerungen wird ein motivierendes, emotional positiv besetztes Angebot unterbreitet, damit sie grammatische Regeln entdecken können, ihren Wortschatz erweitern und ihre auditive Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit verbessern.

Workshop 4

Naturwissenschaftliches Explorieren von Kindern unterstützen und Forscherdialoge führen 

 
Prof. Dr. Frauke Hildebrandt (FH Potsdam)

Kinder lernen immer. Drei zentrale Lernstrategien ermöglichen ihnen, so die amerikanische Entwicklungspsychologin Alison Gopnik, Erkenntnisse über sich selbst, die Welt und die anderen Menschen zu generieren: Sie explorieren, sie beobachten, was andere tun und sie kommunizieren. Um Kommunikation in Explorationsprozessen ging es in diesem Workshop, denn wie Erwachsene mit Kindern kommunizieren, beeinflusst, ob sie zum Explorieren und Nachdenken ermutigt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer befassten sich u.a. mit den Grundregeln im Dialog mit Kindern, reflektierten das eigene Frage-Verhalten und übten den Umgang mit Warum-Fragen der Kinder.

Workshop 5

Rechnen geht doch ohne Sprache?! - Mathematisches Lernen am Übergang von der Kita zur Grundschule sprachfördernd begleiten 


Gundula Meiering (LISUM)

Fachsprache und  Bildungssprache erwerben Kinder nicht spontan. Deren Beherrschung ist aber Voraussetzung für den Bildungserfolg. Durch gezielte Sprachförderung im Bereich des mathematischen Lernens werden bessere Leistungen ermöglicht. Wenn der außermathematische Wortschatz nicht bekannt ist, können Kinder häufig nicht damit beginnen, mathematische Denkprozesse nachzuvollziehen. Im Workshop wurde erarbeitet, wie es gelingen kann, die mathematische Fachsprache und die für die jeweilige Lernsituation notwendigen Redemittel gezielt in der Kita und der Schulanfangsphase zu fördern.

Workshop 6

Vom Plaudern zum Erklären – Förderung des Sprechens als Voraussetzung für das Schreiben  


Dr. Claudio Nodari (Institut für interkulturelle Kommunikation, Zürich)

Manche Kinder sprechen nicht oder nur in Einwortsätzen, manche plaudern, wie es gerade geht. Wenige Kinder sind fähig, eine Erklärung in drei zusammenhängenden korrekten Sätzen zu formulieren. Ausgehend vom Modell der Textkompetenz, das im Plenarvortrag vorgestellt wird, wurden im Workshop verschiedene didaktische Umsetzungen zum Teil mit Videoaufzeichnungen präsentiert, in denen kleine Kinder zum kohärenten und korrekten Sprechen angeleitet werden. Die Beispiele stammten mehrheitlich aus dem Projekt SIMS und einer Schweizer Lehrwerkreihe.

 

Workshopunterlagen:
<media 36009>Mustersätze – übers Wochenende sprechen</media> (pdf – 46 KB)
<media 36010>Mustersätze – über Bilder sprechen</media> (pdf – 35 KB)

Workshop 7

Spielen früher und heute - Geschichte entdecken und darüber sprechen 


Dr. Birgit Wenzel, Franziska Streicher (LISUM/Universität Potsdam)

Spielen und Spielzeug gehören zur Kindheit wie das Salz zur Suppe. Das Thema birgt Anknüpfungspunkte zur Lebens- und Erfahrungswelt der Kinder in Hülle und Fülle. Hier setzte die Arbeit im Workshop an: Die Auseinandersetzung mit Spielen und Spielzeug in verschiedenen Zeiten oder auch in anderen Kulturen fördert Sprache, Sprechen und vielfältiges Ausprobieren sowie erneutes Versprachlichen der Erfahrung. Historisches Lernen findet im wahrsten Sinne des Wortes spielend statt und Kinder erfahren die Andersartigkeit von Geschichte sowie etwas über Dauer und Wandel im gemeinsamen Forschen und Erproben.

Tolle Sachbücher-Show

 

Nach der Mittagspause präsentierte die Literaturvermittlerin und Sprechwissenschaftlerin Tina Kemnitz auf äußerst kurzweilige Weise zehn aktuelle Sachbücher, die für Kitakinder wie Schülerinnen und Schüler der Schulanfangsphase interessant und empfehlenswert sind.

 

Informationen zur Büchershow:

http://www.tolles-buch.de/

Bilanz

Die Tagung wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr positiv bewertet, was sowohl den Vortrag, die sieben Workshops als auch die Gesamtorganisation und die Tagungsatmosphäre betrifft.

Original-Töne aus dem Feedback:      

  • Die Workshops waren sehr interessant. Sie hätten zeitlich auch länger gehen können.
  • Super war auch die Sachbücher-Show. 
  • Sehr viele umsetzbare Anregungen. 
  • Vielen Dank! Eine gelungene Fortbildung. Sehr interessant auch die Show „Tolle Sachbücher“. 
  • Beide Workshops waren fantastisch. 
  • Es war insgesamt sehr schön, freue mich schon auf die nächste Veranstaltung. 
  • Erstklassige Fortbildung – vielen Dank. 
  • Toll organisiert und strukturiert! Danke! 
  • Super Veranstaltung – danke! Viele neue Anregungen, gute Atmosphäre.