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Sprachbildung am Übergang 2016

 

Dokumentation der Fachtagung

Hand in Hand – sprachliche Bildung am Übergang von der Kita zur Grundschule:

Bewegung in die Sprache bringen – Sprache in Bewegung bringen

am 25. Mai 2016 

Blick ins Plenum

Die Tagung richtete sich mit ihren Angeboten an die regionalen Sprachberaterinnen und Sprachberater für vorschulische Sprachförderung sowie an Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten und Lehrkräfte in der Schulanfangsphase. 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren der Einladung mit großem Interesse gefolgt.  

Sprachbildung gehört zu den zentralen Aufgaben von Bildungseinrichtungen. Im Interesse der Förderung der sprachlichen Entwicklung der Kinder ist es wichtig, eine enge Kooperation zwischen den Einrichtungen zu schaffen, um einen gelingenden Übergang zu ermöglichen. Im Mittelpunkt der Fachtagung stand der gemeinsame Austausch zu Aspekten inhaltlicher und pädagogischer Anschlussfähigkeit der Sprachförderung am Übergang von der Kita zur
Grundschule. 

Mit dem diesjährigen Tagungsfokus „Bewegung in die Sprache bringen – Sprache in Bewegung bringen“ wurde an die Intention der letzten Fachtagungen angeschlossen. Sprache und Bewegung sind zwei essentielle Dimensionen der kindlichen Persönlichkeitsentwicklung, die sich in Abhängigkeit voneinander entwickeln und sich gegenseitig beeinflussen. Von der Körperlichkeit des Kindes ausgehend können Bewegungsanlässe für eine systematische Sprachbildung genutzt werden. In den Angeboten der Tagung fanden sich unterschiedlichste Anregungen, die Bewegung in das Sprachlernen einbeziehen, sei es in psychomotorischen Übungen, durch Rhythmik und Tanz, beim Sprechen und gestischen Begleiten von Reimen und Gedichten oder in der Kunst und Mathematik.
  
Die Angebote der Fachtagung konnten die Teilnehmenden darin unterstützen, „Gemeinsames im Anderen“ zu entdecken und dazu beitragen, ein gemeinsames Bildungs- und Förderverständnis in der Zusammenarbeit der Einrichtungen, insbesondere auf dem Gebiet der sprachlichen Förderung, weiterzuentwickeln.

Dr. Götz Bieber
Mark Rackles

 

Dr. Götz Bieber, Direktor des LISUM, eröffnete die Tagung.

Mark Rackles, Staatssekretär für Bildung in Berlin, richtete ein Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Prof. Dr. Renate Zimmer

Vortrag

 

Prof. Dr. Renate Zimmer (Universität Osnabrück) hielt einen Vortrag zum Thema Sprache bewegt – Über den Körper zur Sprache finden (doc - 180 KB).

 

 

Zwei Workshop-Phasen boten zahlreiche Impulse zur Verbindung von Sprache und Bewegung am Übergang von der Kita zur Grundschule

Workshop 1: Die Lerndokumentation aus dem Sprachlerntagebuch am Übergang Kita-Grundschule

Annette Hautumm-Grünberg (SenBJF)  

Das Berliner Sprachlerntagebuch, das seit 2006 in Berliner Kitas und der Kindertagespflege für jedes Kind geführt wird, enthält auch den Teil „Lerndokumentation“, der verschiedene Teilbereiche der sprachlichen Fähigkeiten aufgreift. Pädagoginnen und Pädagogen in Kita und Kindertagespflege schätzen zwei Mal anhand einer Skala die Entwicklung des Kindes ein. Seit dem Sommer 2014 wird der Teil der Lerndokumentation – das Einverständnis der Eltern vorausgesetzt – von der Kita/Kindertagespflege an die Grundschule, die das Kind besuchen wird, weiter gegeben. 2016 erscheint das Sprachlerntagebuch in aktualisierter Form, auch die Lerndokumentation wurde angepasst. Im Workshop ging es um die Ziele der Lerndokumentation, die aktualisierte Form wurde vorgestellt und Chancen (und Risiken) der Lerndokumentation am Übergang von der Kita in die Grundschule wurden diskutiert.  

Workshop 2: "Drüber, drunter, durch!" – Möglichkeiten körper- und bewegungsorientierter Sprachförderung in Kita und Grundschule

Silke Heye (Sportpädagogin)  

Bevor Kinder die ersten Wörter sprechen, bevor sie den Dingen Begriffe zuordnen können, müssen sie ihren Körper und ihre Umwelt sinnlich "begreifen" und kennenlernen. Bewegung ist dabei von zentraler Bedeutung. Vielfältige Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen sind grundlegend für den Spracherwerb und die sprachliche Entwicklung von Kindern. Darüber hinaus werden über Bewegungshandlungen gewonnene Erfahrungen in Verbindung mit Sprache zu Begriffen. Bewegung bildet die Grundlage und ist gleichzeitig Motor für die Aneignung sprachlicher Kompetenzen.
Die vielfältigen Möglichkeiten bewegungsorientierter Sprachförderung können sowohl in der Kita, als auch in der Schule genutzt werden, um Sprache und Sprechen lustvoll und mit Spaß zu fördern.
In diesem Workshop wurde gezeigt, wie über Bewegungs- und Spielsituationen vielfältige Sprachanlässe geschaffen, Sprache und Sprechen angeregt sowie gezielt sprachliche Kompetenzen gefördert werden.

Workshop 3: Gedanken in Bewegung bringen

Prof. Dr. Frauke Hildebrandt (FH Potsdam)

Wie bringt man Gedanken in Bewegung – die der Kinder und vor allem die eigenen?  Dass wir sprechen können, ermöglicht uns, "im Raum der Gründe" (Wilfrid Sellars) zu navigieren. Wir können so zum einen gemeinsam darüber nachdenken, warum die Dinge, wir selbst und die anderen genau so sind und nicht anders – also nach Zwecken, Ursachen, Motiven und Gründen dafür suchen. Und zum anderen können wir uns vorstellen, wie es wäre, wenn die Dinge, wir selbst oder die anderen anders wären als sie/wir nun einmal sind – also spekulieren und phantasieren. Häufig kommen wir im Alltag nicht dazu; wir hängen fest in organisatorischen Dialogen, im Beschreiben und Bewerten. Dann fehlt viel. Im Workshop wurde gemeinsam nachgedacht und es wurden Techniken der Gedankenbewegung trainiert. 

Präsentation (pdf - 3,4 MB)

Workshop 4: Reime in Bewegung bringen

Regina Pols, Irene Hoppe (LISUM

Reime und Sprachspiele begegnen uns überall – in allen Kulturen und Sprachen. Ihre großen Potenziale im Hinblick auf Spracherwerb und Sprachentwicklung, aber auch im Hinblick auf Bewegungsförderung und künstlerisches Handeln wurden im Workshop anhand vieler praktischer Beispiele vorgestellt und diskutiert. Dabei wurden auch Bezüge zum Berliner Bildungsprogramm für Kitas und Kindertagespflege sowie zum neuen Rahmenlehrplan 1-10 hergestellt. Gleichfalls gab es zahlreiche Anregungen und Materialien für die Praxis zur Inszenierung von Sprachspielen und Reimen (z. B. Tischsprüche, Gedichte als Finger- bzw. Figurentheater), die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv erproben konnten.

Literaturliste (pdf - 300 KB)

Workshop 5: 20 Zwerge machen Handstand – Lernen mit Musik, Sprache und Bewegung

Andrea von Kiedrowski (Pestalozzi-Schule, Berlin-Zehlendorf)

Durch Rhythmik (Musik- und Bewegungspädagogik) erleben sich Kinder in sozialer, kreativer und wahrnehmender Weise immer wieder neu. Rhythmik fördert Konzentration, Koordination, Kooperation, Interaktion, Ausdruck und Kreativität.

Im Workshop wurden Sprache und Stimme in spielerischer Form in Verbindung mit Bewegung gesetzt. Mit Reimen und Gedichten entwickeln die Kinder ein Empfinden für Sprachklang und Sprachrhythmus. Die Elemente der rhythmischen Erziehung (Musik, Sprache, Bewegung und Material) fördern die Sprachentwicklung der Kinder und der Wortschatz wird erweitert und gefestigt. Sprache in Form von rhythmischen Warm-ups,  Bewegungsliedern, Versen und kleinen Gedichten regt zum vielfältigen Darstellen in Bewegung, zur musikalischen Erarbeitung und zum Entwickeln von einfachen Tanzformen an.

Workshop 6: Mathematisches Lernen braucht Bewegung

Gundula Meiering (LISUM)

Bewegung ist für Kinder ein wichtiges Mittel zur Aneignung der Welt.  Auch in Mathematik sollen abstrakte Lerninhalte handlungsorientiert „begreifbar“, „erfassbar“ und damit nachvollziehbar gemacht und nachhaltig gesichert werden. Der Workshop unterstützte Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte darin, mehr Bewegung in Kita und Schule zu bringen. Dabei wurde die Grundidee, Lernen mit Bewegung zu verknüpfen, durch konsequente Orientierung an mathematikdidaktischen Überlegungen, inhaltlichen, prozess- und  kompetenzorientierten Lernansprüchen weiterentwickelt.

Workshop 7: Mit bewegter Kunst Sprache entwickeln

Jana Reiter (Grundschule am Wilhelmsberg, Berlin-Lichtenberg)

... vom Ohrwurmbeat zum Sprechzeichnen ... vom Bilddiktat zum Tanzrondo ... von der Kunst aufzuräumen zu gefühlter Malerei ... von der Lemniskate zum rhythmischen Malen ... von einer Ton-Reise zu Land-Art ... vom Bilderbuch zu Reimereien ... von der bewegten Zeichnung zur gezeichneten Bewegung ... von Zeichenspielen zu Bewegungsspielen ...
Dabei wird kommentiert und erklärt, es werden Dialoge entwickelt, Laute und Geräusche hervorgebracht, es wird gereimt, Namen und Geschichten werden erfunden, es wird geredet, Gefühle und Stimmungen werden wiedergegeben, Abläufe beschrieben … Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer packten während des Workshops ihre Koffer mit vielen Ideen, Anregungen, Einfällen, Projektvorschlägen, Eingebungen, Gedankenblitzen, Erprobtem …

Bilanz

Die Tagung wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr positiv bewertet, was sowohl den Vortrag, die sieben Workshops als auch die Gesamtorganisation und die Tagungsatmosphäre betrifft.



Original-Töne aus dem Feedback  

  • Es war rund rum gelungen. Habe viele neue Ideen mitgenommen in die Praxis. Danke!   
  • Komme im nächsten Jahr gerne wieder   
  • Gute Angebote, hätte auch gerne die anderen Workshops besuchen wollen   
  • Sehr gutes Infomaterial, viele Impulse und Beispiele   
  • Danke für den tollen Tag :o)!