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Elternarbeit

Elternarbeit

Leitfaden-Elterngespräche

Elterngespräche besitzen einen sehr individuellen Charakter. Der Leitfaden soll deshalb übergeordnete Hinweise zur Vorbereitung, Strukturierung, Durchführung und Nachbereitung von Elterngesprächen geben.

1. Vorbereitung

Äußere Rahmenbedingungen Raum: Elterngespräche sollten in einem ansprechenden, störungsfreien Raum stattfinden.

Zeit: Geben Sie dem Gespräch einen angemessenen zeitlichen Rahmen (20 bis 45 Minuten), den Sie bei Gesprächsbeginn klar benennen.

Sitzordnung: Ein Tisch ist nicht empfehlenswert (1).
Falls dennoch ein Tisch benötigt wird, sollten Sie  folgende Sitzordnung wählen:


Inhaltliche Vorbereitung
Eine präzise inhaltliche Vorbereitung gibt Sicherheit und hilft, das Gespräch klarer zu gestalten. Vorformulieren Sie zentrale Fragen oder Impulse („Gesprächsanker“) und legen Sie für das Gespräch eine Karteikarte mit folgenden Informationen an: Was ist Gesprächsthema bzw. der Gesprächsanlass? Wie ist der Leistungsstand des Schülers? Welche Eigenschaften zeichnen den Schüler aus? Was sind meine Ziele für das Elterngespräch? Worin könnte das Gesprächsziel der Eltern bestehen? Welche weiteren Gesprächsteilnehmer können zur Problemlösung beitragen und müssen eingeladen werden? (Mediatoren, Kollegen, Mitschüler, Schulleitung...) (2)

2. Aufbau

Begrüßung und Anfangsphase: Hier steht die Schaffung einer freundlichen und angenehmen Gesprächsatmosphäre  im Vordergrund. Verwenden Sie daher Smalltalk und versuchen Sie, das Gespräch stets mit einem positiven Aspekt zu beginnen.
Gesprächskern nach dem PELZ-Modell (Sickinger)
Problemwahrnehmung:
Was ist der konkrete Anlass und worin besteht das Problem? Erklärungsmodelle: Wodurch lässt sich das Problem erklären? Worin liegen die Ursachen des Problems? Was vermuten die Eltern? Wie kommen unterschiedliche Erklärungen zustande?

Lösungsversuche: Die Besprechung von Handlungsalternativen steht hier im Vordergrund. Auch bereits durchgeführte Lösungsstrategien können ausgewertet werden. Wie kann das Problem gelöst werden? Welche Lösungen wurden schon versucht? Was hat davon funktioniert und was nicht? Gibt es Unterstützung von außen?

Ziele und Zielvereinbarungen: Wer will was erreichen? Wie wird die Umsetzung aussehen? Ziele und Vereinbarungen sollten SMART (3) sein. Erarbeiten Sie die Ziele gemeinsam. Seien Sie kompromissbereit.
Verabschiedung: Fassen Sie die getroffenen Vereinbarungen abschließend zusammen. Falls erforderlich legen Sie einen neuen Gesprächstermin fest. Geben Sie zum Abschluss ein positives Feedback (inkl. Lob und Motivation) (4)

3. Gesprächstechniken

Empathie und angewandte Kenntnisse gängiger Kommunikationstheorien (z.B. das Vier-Ohren-Modell) bilden die Basis eines erfolgreichen Elterngesprächs. Zudem können einige der hier aufgeführten Gesprächstechniken helfen:

 

 

Gesprächstechniken Beispiele
Ich-Botschaften sind Äußerungen, welche die eigenen Meinungen und Gefühle ausdrücken. Häufig sind sie zielführender als Du-/Sie-Botschaften.Du-/Sie-Botschaft: „Ihr Sohn ist faul und unsozial, weil er sich in Gruppenarbeitsphasen nie beteiligt. Er muss sich in diesen Phasen stärker einbringen.“            
Ich-Botschaft: „Ich habe beobachtet, dass Max sich in Gruppenarbeitsphasen sehr zurückzieht und die übrigen Gruppenmitglieder die Arbeit fast allein erledigen müssen. Ich würde mich sehr freuen, wenn er seine Gruppenmitglieder in Zukunft besser unterstützt.“ 
Aktives-Zuhören bedeutet, dass man den Gesprächspartner aussprechen lässt und ihm mittels Gesten sowie kurzen inhaltlichen Rückmeldungen Verständnis und Aufmerksamkeit signalisiert. Aktives-Zuhören hilft, Gesprächsmissverständnisse zu vermeiden.
Spiegeln/Pacen/Loopen: Mit diesen Techniken der Rückmeldung machen Sie ihrem Gesprächspartner klar, wie Sie das Gesagte gehört und verstanden haben. Loopen: „Ich habe Sie so verstanden: ... Ist das richtig so? “
Spiegeln: „In Ihrem Unterricht kommt Tobias nicht zu Wort. Sie haben doch Ihre Lieblinge, die Sie immer aufrufen“ – „Tobias fühlt sich also ungerecht behandelt und ärgert sich darüber.“
Fokussierungenunterstützen den Ablauf des Gesprächs, indem Ablenkungen vermieden werden. „Ich würde gern nochmals den Tagesablauf von Lara aufgreifen. Ich habe noch nicht genau verstanden, wann... .Es würde mir sehr helfen, wenn Sie darauf noch einmal genauer eingehen.“

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4. Ergänzungen und Verschiedenes

Vermeiden Sie es, über Dritte zu sprechen, wenn diese nicht dabei sind. Vermeiden Sie Generalisierungen, Pauschalisierungen oder Verallgemeinerungen. Vermeiden Sie Verteidigungssituationen und pflegen Sie eine positive Fehlerkultur. Bringen Sie eigene Erfahrungen in das Gespräch ein. Wird der Gesprächspartner laut oder persönlich, dann zeigen Sie Grenzen auf und versuchen Sie die Situation zu beruhigen. Gegebenenfalls brechen Sie das Gespräch ab. Selbstreflexion, Weiterbildungen, Fachliteratur und Gespräche mit erfahrenen Kollegen helfen die eigene Beratungskompetenz auszubauen.  

Verfasser: Alexander Ulbrich

 


(1) Ein Tisch wird häufig als Schutzmauer oder Barriere empfunden.
(2) Vgl. Wolfgang Ehinger und Claudius Hennig: Das Elterngespräch in der Schule, Von der Konfrontation zur Kooperation, Auer Verlag, 2012, S. 84ff.
(3) SMART bedeutet:  Spezifisch formuliert, messbar, anspruchsvoll, realistisch und terminiert. Vgl. Simone Bruder, Silke Hertel, Meike Laux und Antje Orwat-Fischer: Eltern beraten – souverän und erfolgreich, Konkrete Strategien und Tipps für Erziehungs- und Lernberatung in der Schule, Auer-Verlag, 2010, S. 42.
(4) Vgl. ebd., S. 28f.

(5) Viele weitere Techniken, Beispiele und Übungen zur Gesprächsführung finden Sie in: Dr. Udo Kliebisch und Peter Schmitz: Besser beraten! Gespräche mit Eltern, Schülern und Kollegen, AOL Verlag, 2008, S.41ff. Die oben angeführten Beispiele wurden selbst erdacht.