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OECD/CERI-Seminar 2007

OECD/CERI-Seminar 2007

Vom 25. bis 28. September 2007 fand in Potsdam das OECD/CERI-Seminar der deutschsprachigen Länder zum Thema
"Entstehung und Umsetzung von Innovationen im Bildungssystem als Konsequenz aus Bildungsmonitoring, Bildungsberichterstattung und vergleichenden Schulleistungsstudien ? Möglichkeiten und Grenzen" statt.

Das Tagungsprogramm wurde im Auftrag des CERI-Lenkungsausschusses durch den berufenen CERI-Arbeitsausschuss mit benannten Vertretern aus der Schweiz, Österreich und Deutschland sowie den beteiligten Wissenschaftlern, Frau Prof. Petra Stanat (Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg) und Herrn Prof. Olaf Köller (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen) erarbeitet. Es umfasste Vorträge, Praxisbesuche und eine Podiumsdiskussion.

Das Seminar ist hier auf diesen Seiten dokumentiert.

 
Die Zusammenarbeit der deutschsprachigen Länder findet unter dem Dach der OECD (Organisation for Economic Co-Operation and Development /Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) statt und wird von CERI (Centre for Educational Research and Innovation / Zentrum für Bildungsforschung und Innovation) unterstützt. Die so genannten Regionalseminare sind seit 1977 ein Teil des Arbeitsprogramms von CERI und geben im Zwei-Jahres Rhythmus Gelegenheit zum Informationsaustausch und zur Orientierung über gemeinsam interessierende Fragen der Schulentwicklung. In diesem Jahr war Brandenburg Gastgeberland für das OECD/CERI-Regionalseminar der deutschsprachigen Länder.

Inhaltlich lag das Hauptaugenmerk auf folgenden Schnittstellen:

1. Von Standards zu Schul- und Unterrichtspraxis
In verschiedenen Zusammenhängen wurde auf der Tagung die Frage diskutiert, wie Daten, die mit unterschiedlichen Verfahren über Bildungssysteme und Einzelschulen generiert und aufbereitet werden, genutzt werden können, um Schul- und Unterrichtsqualität zu verbessern. Dies wurde als eine der drängendsten Fragen erachtet, über die gleichzeitig auch die größte Unsicherheit besteht. Da es an empirischer Forschung in diesem Bereich fehlt, liegen zum Zusammenhang zwischen Standards und Leistungsdaten einerseits und Schul- und Unterrichtspraxis andererseits kaum gesicherte Erkenntnisse vor.

2. Von gemessenen Ergebnissen zu Steuerung
Eine weitere Frage, die im Zentrum der Diskussionen stand, war die nach der Übersetzung von Daten in Steuerungswissen und Steuerungshandeln. In diesem Zusammenhang wurde auch das Verhältnis von Bildungsforschung und Bildungspolitik thematisiert und betont, dass sich aus Daten, die Monitoring Systeme, Bildungsforschung und Bildungsberichterstattung generieren, praktisch nie zwangsläufige, konkrete Handlungskonsequenzen ableiten lassen. Entscheidungen im Bildungswesen sind und bleiben Entscheidungen unter Unsicherheit, die immer auch nach Maßgabe von normativen Überlegungen getroffen werden müssen. Die evidence, die von der Bildungsforschung geliefert wird, sollte dazu beitragen, dass bildungspolitische Entscheidungen besser fundiert sind. Dies setzt qualititativ hochwertige evidence voraus, was unter anderem durch Ausschreibungsverfahren für Projektvergaben, einen geregelten Zugang der scientific community zu bestehenden Datensätzen und eine konsequente Anwendung wissenschaftlicher Standards für Publikationen gewährleistet werden kann. Die vorliegenden Befunde müssen weiterhin von den relevanten stakeholders rezipiert und verarbeitet werden, was angesichts der zunehmenden Menge an Daten nicht trivial ist. Für die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Bildungspolitik wurde von Vertreterinnen und Vertretern aus allen drei der teilnehmenden Länder Optimierungsbedarf gesehen.

3. Von Steuerung zu Implementation
Die Implementierung getroffener Steuerungsentscheidungen stellt ebenfalls eine besondere Herausforderung dar, die im Regionalseminar diskutiert worden ist. In einer Reihe von Vorträgen wurde die Komplexität dieses Transfers sehr ausführlich und anschaulich beschrieben. Es wurde betont, wie wichtig es ist, die verschiedenen Akteure auf den unterschiedlichen Ebenen des Systems so in einen iterativen Reformprozess einzubeziehen, dass "ownership" entsteht. Ziel müsse sein, "making policy" als "making sense" zu realisieren.

4. Von Implementation zu Schul- und Unterrichtspraxis und Lernergebnissen
Inwieweit zu erwarten ist, dass sich die umgesetzten Veränderungen tatsächlich auf die Schul- und Unterrichtspraxis auswirken, wurde im Seminar ebenso diskutiert wie die Frage, ob sich eine veränderte Schul- und Unterrichtspraxis auf die Lernergebnisse der Schülerinnen und Schüler auswirkt. Dabei wurde zwischen tatsächlichen und gemessenen Lernergebnissen unterschieden, die in gewünschter Weise beeinflusst werden sollten, also nicht etwa durch ein simples "teaching to the test" (es sei denn, es handelt sich um intelligente Test, die man als "worth teaching to" betrachten kann). Um Effekte auf Schul- und Systemebene sichtbar machen zu können, bedarf es änderungssensitiver Messinstrumente. Weitgehend ungeklärt ist dabei, wie stark sich Unterricht verändern muss, damit sich Leistungsergebnisse sichtbar verbessern. Insofern muss damit gerechnet werden, dass die aktuellen Reformanstrengungen gelegentlich auch zu Enttäuschungen führen werden.

Die Beschreibung des Seminarinhalts beruht auf der Seminarzusammenfassung von Prof. Dr. Petra Stanat.