Die Zahl von Schulpartnerschaften im Land Brandenburg ist seit 1990 kontinuierlich gewachsen. Im Vordergrund stehen dabei Partnerschaften mit europäischen Ländern, jedoch haben Förderprogramme des Bundes auch das Interesse an Kontakten mit Israel und den USA erhöht. Die EU-Programme "SOKRATES" und "Lebenslanges Lernen" haben die Tendenz zur Verknüpfung mehrerer Partnerschaften im Sinne multilateraler Zusammenarbeit sprunghaft gesteigert. Im Schuljahr 2007/2008 unterhielten Brandenburger Schulen 680 internationale Partnerschaften mit über 40 verschiedenen Ländern. An der Spitze liegen dabei Partnerschaften mit Polen, gefolgt von Frankreich und Großbritannien.
Das Staatliche Schulamt Cottbus unterstützt Schulen bei der Partnersuche. Hier finden Sie:
Welche Möglichkeiten bieten Schulpartnerschaften?
1. Schülerbegegnungen
- können mit Klassen, Gruppen, Kursen, AGs etc. durchgeführt werden
- wichtig ist Prinzip der Gegenseitigkeit mit Unterbringung in Familien der Partner (Ziel: gegenseitiges Kennenlernen, differenziertere Einblicke in die Kultur, in Familienstrukturen und soziale Gegebenheiten)
- Besuche möglichst nicht unter 10 Tagen, während der Schulzeit, gemeinsamer Unterricht (Ziel: wirkliches "Eintauchen" in die neue Situation, Kennenlernen des Schulsystems, Wahrnehmen von Unterschieden in Schulorganisation und -alltag)
- Arbeit an gemeinsamen Projekten während des Austausches (Ziel: Erwerb interkultureller Kompetenz, Entwicklung der Fähigkeit, im Team zu arbeiten, Nutzung und Verbesserung der fremdsprachlichen Fähigkeiten, Entwicklung von Selbstständigkeit und Toleranz im Umgang miteinander)
- gemeinsame Planung und Vorbereitung der Begegnungen unter Einbeziehung der Schüler/innen (Ziel: Erarbeitung pädagogisch durchdachter Programme mit klarer Zielsetzung und Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten, Vermeidung eines Übergewichts der touristischen Anteile, Stärkung der Verantwortung und Selbstständigkeit der beteiligten Schüler/innen)
2. Individueller Schüleraustausch
- längerfristiger direkter Austausch (mindestens 2 Monate, entweder gleichzeitig oder zeitversetzt) einzelner Schüler/innen auf der Basis von Gegenseitigkeit mit Unterbringung in der jeweiligen Partnerfamilie (Vorteil: geringe Kosten, gegenseitige Hilfe bei der Eingliederung, intensive Möglichkeit des Fremdsprachenlernens und der Begegnung mit dem anderen Land, seiner Kultur und den Menschen)
- wichtig: Unterstützung und Betreuung durch Lehrkräfte, rasche und umfassende Einbindung in das Schulleben
- wird bisher, durch das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) gefördert, im Wesentlichen mit Frankreich praktiziert, kann aber im Rahmen von Schulpartnerschaften auch mit anderen Ländern durchgeführt werden
3. Fremdsprachenunterricht
- Motivation der Schüler/innen zum Sprachenlernen durch vielfältige Möglichkeiten und Herausforderungen zur Kommunikation in der Partnersprache bzw. einer gemeinsamen Arbeitssprache (Englisch, Französisch)
- schnelleres Lernen der Fremdsprache durch die Kommunikation und gemeinsame Aktivitäten, beinahe "nebenbei"
- Verbesserung der sprachliche Qualifikation der Lehrkräfte und damit der Qualität des Unterrichts
- Bereicherung des Unterrichts durch den Austausch von Materialien, Lehr- und Lernmitteln (z.B. Zeitungen und Zeitschriften, Videos und Sprachkassetten)
- Diversifizierung der Fremdsprachenorientierung im Sinne eines "Schnupperkurses" oder Einstiegs bei Partnerschaften mit nicht englisch- oder französischsprachigen Ländern
- Herausforderung für Lehrkräfte, die keine oder nur geringe Fremdsprachenkenntnisse haben, zum Lernen oder Vertiefen
4. Fachübergreifende Projektarbeit
- analog zum EU-Programm SOKRATES Durchführung fachübergreifender Projekte im Rahmen bilateraler Partnerschaften, wobei die Dauer der Projektarbeit von der Situation der Schulen und Beteiligten sowie von den Inhalten und Zielen abhängt (denkbar: 1 Monat bis 2 Jahre)
- Förderung kooperativer Arbeitsformen zwischen den beteiligten Lehrkräften sowie der Motivation und Lernfreude der Schüler/innen durch das erlebnis- und ergebnisorientierte Arbeiten
- Auseinandersetzung der Schüler/innen mit Alltagsproblemen (z.B. Fremdenfeindlichkeit, Alkohol/Drogen, Jugendprobleme) unter Einbeziehung "fremder" Erfahrungen
- Erschließung erzieherischer Potenzen bei den Schülerinnen und Schülern (Entwicklung von Kreativität, Sorgfalt und Sauberkeit bei der Ausführung, Erprobung von Verfahren zur Ergebnis- und Selbstpräsentation, Berücksichtigung der Komponenten der kommunikativen Situation usw.) durch höhere Relevanz der Arbeit (z.B. durch Präsentation und Nutzung der Ergebnisse an der ausländischen Partnerschule)
5. Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien
- zweckgemäße und zielgerichtete Nutzung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (z.B. Gewinnung von Informationen via INTERNET für gemeinsame Vorhaben und Projekte, Kommunikation via E-Mail, auch über große Entfernung ständige Möglichkeit direkter Kommunikation für Lehrkräfte und Schüler/innen durch "Chat" oder Video-Konferenzen)
- im Prozess der gemeinsamen Arbeit und Kommunikation Vervollkommnung der Kenntnisse über die Anwendung der NIT bei Schüler/inne/n und Lehrkräften
- positive Auswirkungen auf die Leistungsbereitschaft und Qualität der Arbeit, da im Unterricht oder im Rahmen gemeinsamer Projekte erarbeitete Ergebnisse rasch ausgetauscht und im Netz (z.B. bei Gestaltung einer gemeinsamen Web-Seite) global präsentiert werden können
- Zugewinn an Information über andere Länder, Lebens- und Denkweisen usw. sowie der direkte Austausch mit Gleichaltrigen im Ausland
6. Lehreraustausch
- je nach Situation in verschiedenen Formen: Hospitations- und Studienaufenthalte, direkter Austausch mit gegenseitiger Übernahme der Unterrichtsverpflichtung, Phasen gemeinsamer Arbeit an Projekten etc. - gleichzeitig oder zeitversetzt
- Einbeziehung der Austauschlehrkräfte in den Unterricht verschiedener Fächer und Klassen sowie in die Arbeit der Fachkonferenzen
- Gewinn für die Schule: bei regelmäßigen Austauschen Schaffung einer "internationalen Atmosphäre" an der Schule, Horizonterweiterung der Lehrkräfte durch internationalen Erfahrungsaustausch und Kennenlernen anderer Schulsysteme, Bereicherung des Fremdsprachenunterrichts, Zugewinn an In-formation über andere Länder und Kulturen für die Schüler/innen, Erziehung zu Offenheit und Toleranz
7. Außerunterrichtliche Zusammenarbeit
- vielfältige Möglichkeiten der Kooperation, inklusive persönlicher Begegnungen: regelmäßiger Kontakt und Austausch zwischen Schulklubs und Arbeitsgemeinschaften; Kooperation der Redaktionen von Schülerzeitungen und Information über die Partner in ihren Publikationen; Erfahrungsaustausch zwischen Eltern- und Schülervertretungen; Hospitation, Erfahrungs- und Unterrichtsmittelaustausch der Fachkonferenzen usw.
- regelmäßige Dokumentation der Partnerschaften und Präsentation von Projektergebnissen im Schulgebäude, Darstellung von gemeinsamen "Produkten" vor der Elternschaft (z.B. Aufführung von Theaterstücken), gemeinsame Internet-Präsentationen etc.
Einbeziehung der Partner in bzw. gemeinsame Gestaltung von schulische(n) Höhepunkte(n) wie z.B. Schulfeste, Gedenktage, Sportfeste etc. - Durchführung gemeinsamer Wettbewerbe je nach Profil und inhaltlichen Schwerpunktsetzungen der Schule (Literatur, Kunst, Sprachen, Mathematik/ Naturwissenschaften etc.)
- gemeinsame Sport- oder Ferienveranstaltungen, Workcamps oder Gedenkstättenfahrten
8. Öffnung der Schule ins Umfeld
- bei Projekten durch Zusammenarbeit mit Jugendklubs, Vereinen, Behörden, Unternehmen
- durch gemeinsame Veranstaltungen mit sozialen Einrichtungen (Altenheim, Asylbewerberheim etc.)
- durch Gewinnung von Sponsoren zu Realisierung von Vorhaben
- durch Einbringen in Vorhaben und Veranstaltungen im Wohngebiet bzw. in der Gemeinde/Stadt (evtl. Grundsteinlegung für Städtepartnerschaften)
- durch gegenseitige/gemeinsame Schülerbetriebspraktika in ortsansässigen Unternehmen
- durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fazit: Wozu können Schulpartnerschaften beitragen?
Schulpartnerschaften leisten einen Beitrag zur Verbesserung der Schulqualität, und zwar durch
- allgemeine Verbesserung des Schulklimas (wachsende Akzeptanz für das "Fremde", Offenheit und Tole- ranz, Verfolgung gemeinsamer Ziele); durch Einbeziehung aller an Schule Beteiligten rücken diese nä-her zusammen, identifizieren sich stärker mit den schulischen Belangen und stimmen ihre Arbeit besser ab; Herausbildung von Traditionen in allen Bereichen des schulischen Lebens
- Profilbildung der Schule
- Verbesserung von Lern- und Arbeitsklima, Lernmotivation der Schüler/innen, Lehrer- Schüler-Verhältnis, Erfolgserlebnisse für Lehrkräfte
- Persönlichkeitsentwicklung der Schüler/innen (Selbständigkeit, Zielstrebigkeit, Verantwortungsgefühl, Selbstbewusstsein, Team- und Kritikfähigkeit, konstruktives Problem- und Konfliktlöseverhalten) und damit perspektivisch Verbesserung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt
- Schaffung dauerhafter Beziehungen (z.B. persönliche Briefpartnerschaften und Freundschaften zwischen Schülern, Lehrkräften und Eltern bzw. Familien)
© LISUM, Bildungsserver Berlin-Brandenburg