Während die Straßenfront einen stark hierarchischen Charakter aufweist, mildert sich dieser Eindruck deutlich, wenn man im Innenhof steht. Die Gebäudefronten sind glatt verputzt und weiß gestrichen. Im Zentrum steht das gläserne Treppenhaus in Halbzylinderform.
Bereits drei Jahre nach Vollendung des Baus zogen nationalsozialistische Nutzer ein: Nach dem Verbot der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten „übernahm“ Ende Mai 1933 die Deutsche Arbeitsfront (DAF)* das Gebäude. Im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges wurde es zerstört. Erst 1952 wurde das Haus renoviert und von der IG Metall wieder genutzt. Nach der „Wende“ 1989 wurde das Haus aufwändig restauriert und wieder in den Zustand seiner Entstehungszeit gebracht, sodass man den Baugedanken Mendelsohns heute fast unverfälscht nachvollziehen kann.
So wie das Gebäude einem wechselhaften historischen Schicksal unterworfen war, so vollzog sich auch das Leben seines Architekten, der drei Staatsbürgerschaften besaß. Erich Mendelsohn (geboren am 21.3.1887 in Olsztyn, ehemaliges Allenstein in Ostpreußen) emigrierte als ein vom Berufsverbot betroffener Jude bereits 1933 nach London, da seine Arbeit als „entartete Kunst“* gebrandmarkt wurde. Sein Vermögen wurde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, sein Name aus der Liste des Bundes Deutscher Architekten gestrichen, seine Mitgliedschaft in der Preußischen Akademie der Künste aufgehoben. Der bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreiche Architekt hatte Architekturgeschichte geschrieben, so zum Beispiel durch expressionistische Gebäude wie den „Einsteinturm“ des Astrophysikalischen Instituts in Potsdam und die Hutfabrik Steinberg, Hermann & Co. in Luckenwalde. Die Kaufhäuser Schocken in Nürnberg, Stuttgart und Chemnitz sowie das Warenhaus Petersdorff in Breslau begründeten seinen Ruhm als Architekt organischen Bauens: Streifenartige Gliederungen mit abgerundeten Ecklösungen waren sein Markenzeichen. Mit der Emigration nach London vollzog er zugleich innerlich den Bruch mit Deutschland: Er änderte 1939 seinen Vornamen in Eric, schrieb von nun an nicht mehr in Sütterlin, sondern in lateinischer Schrift.
Sein Leben lang war Mendelsohn Zionist, befürwortete also die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina. Die Entwicklung in Palästina fand er anregend und verlegte, nachdem er schon 1934 ein Büro in Jerusalem eröffnet hatte, 1939 sein Architekturbüro endgültig nach Palästina. „Der Orientale aus Ostpreußen“ wie er sich selbst scherzhaft nannte, wollte am neuen Palästina mitbauen. Als aber im Zuge des Zweiten Weltkrieges die Bautätigkeit in Palästina fast zum Erliegen kam und die Gefahr wuchs, dass die deutschen Truppen einmarschieren könnten (sie standen schon an der ägyptischen Grenze!), emigrierte er über Basra, Karatchi, Kapstadt und Trinidat 1941 nach New York. In den USA war er beratend für die US-Regierung tätig. Unter seiner Anleitung wurde ein Häuserblock in typisch deutscher Bauart realistisch nachgebaut, um die Auswirkungen von Brandbomben zu testen. 1945 siedelte er nach San Francisco über und widmete sich vornehmlich dem Synagogenbau in Amerika. Er plante sogar ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus (das Denkmal war geplant für die sechs Millionen Juden Europas) in New York, das aber nie realisiert wurde. Am 15. September 1953 starb Erich Mendelsohn im Alter von 66 Jahren in San Francisco. Der umfangreiche Nachlass Mendelsohns liegt in der Kunstbibliothek Staatliche Museen zu Berlin: nahezu alle Handskizzen (jedenfalls alle, die er besaß), seine Vortragsmanuskripte, Originalabzüge der Fotos seiner Bauten, sein schriftlicher Nachlass (darunter die Briefe an seine Frau, an Freunde und Kollegen) und die Diasammlung. Aus dem Nachlass seiner Witwe Louise, der später auf dem Markt kam, hat die Kunstbibliothek damals leider nur die Modelle gekauft, nicht aber ihre Briefe an Erich, ihren schriftlichen Nachlass und die privaten Fotoalben. Diese Objekte gingen dann ans Getty Research Institute in Los Angeles.