Der Altbau - das Kollegienhaus
Die Lindenstraße war ab dem 18. Jahrhundert ein Teil der Berliner Innenstadt. Hier befanden sich Wohnungen, kleine und größere Geschäfte, Versicherungen, Behörden und Ämter. In unmittelbarer Umgebung siedelten sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine ganze Reihe von Druckereien und Verlagen an und ab der Jahrhundertwende Firmen, die mit dem damals neuen Medium Film und Fotografie arbeiteten.
Das Kollegienhaus hatte Philipp Gerlach 1735 für die früher im Stadtschloss untergebrachten Gerichts- und Verwaltungsbehörden gebaut. Dazu gehörte auch das Kammergericht für die Kurmark Brandenburg. Vor etwa zweihundertfünfzig Jahren arbeitete dort die sogenannte „Judencommission“ als Ein-Mann-Behörde, deren Aufgabe darin bestand, Zuzug und Abschiebung von jüdischen Familien zu überwachen.
Auf dem Dach des Gebäudes sieht man bis heute Figuren, die als Sinnbilder für Wahrheit und Gerechtigkeit stehen. Die ineinander verschlungenen Anfangsbuchstaben F, W und R stehen für Friedrich Wilhelm Rex (Rex = König). 1913 zog das Gericht dann in einen Neubau am Kleistpark in Schöneberg. Das Gebäude mit seinem hufeisenförmigen Grundriss wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und als eines der wenigen barocken Bauten Berlins in den 1960er-Jahren wieder aufgebaut. Seitdem war dort das Berlin Museum untergebracht. Heute ist das Gebäude Teil des Jüdischen Museums Berlin. Im September 2007 wurde der Hof nach einem Entwurf von Libeskind überdacht.
Der Neubau – das Libeskind-Gebäude
Viele Elemente wie die Fassade, der Grundriss oder die Verbindung zwischen beiden Gebäuden haben eine Bedeutung. Daniel Libeskind hat sich in zahlreichen Interviews, Vorträgen und theoretischen Texten zu seinem Entwurf des Jüdischen Museums Berlin und seinen Ideen geäußert. Dennoch ist ihm wichtig, wie das Gebäude auf den Einzelnen wirkt und wie jeder dieses für sich deutet.