Im Jahre 1867 gründete Rudolf Mosse in der Friedrichstraße 60/ Ecke Leipziger Straße die Annoncen-Expedition Rudolf Mosse. Im eigenen Verlag brachte Mosse später dann eine Vielzahl von Zeitungen heraus, so zum Beispiel Deutsches Reichsblatt (1881), Berliner Morgen-Zeitung (1889), Allgemeine Zeitung des Judenthums (1890), Berliner Volks-Zeitung (1904), Gießerei-Zeitung (1904).
Die Popularität der Zeitungen aus dem Hause Mosse führte dazu, dass ein Umzug unumgänglich wurde. 1874 wurde die Jerusalemer Straße 48 bezogen, später um weitere anliegende Grundstücke erweitert und schließlich wurde auf diesem Komplex das neue Geschäftshaus, Jerusalemer Straße 46-49 und Schützenstraße 20-25, errichtet.
Rudolf Mosse, als Geschäftsmann hoch geachtet, erwies sich auch als Verfechter der Pressefreiheit, z. B. als er den Chefredakteur des Berliner Tageblatts, Theodor Wolff, gegen Kritik und Zensur der Militärführung in Schutz nahm. In einem Nachruf auf den 1920 gestorbenen Rudolf Mosse heißt es: „Er schielte nie seitwärts, buhlte nicht um die Gunst der Mächtigen, noch um die Gunst der Menge, sein Streben ging nicht dahin, einen Orden, oder gar den Adelstitel zu ergattern, darum hatte er’s nicht nötig, seinen Redakteuren zu kommandieren, daß sie jeden Mann, der jeweils am Staatsruder stand, als den Inbegriff der höchsten politischen Weisheit preisen.“ Mosses Engagement war aber nicht auf das Verlagsgeschäft begrenzt. Er war Vorsteher der Jüdischen Reformgemeinde und Mitglied der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Er unterstützte zahlreiche jüdische Einrichtungen wie das „Lehrlingsheim Pankow“, in dem bedürftige jüdische Jugendliche zu Handwerkern ausgebildet wurden. Der Mäzen Rudolf Mosse förderte die Wissenschaft und Kunst und nahm sich der karitativen Fürsorge an, z. B. durch die Emilie-Rudolf-Mosse-Stiftung, die Kindern aus evangelischen, jüdischen und katholischen Familien den Besuch der Schule sowie von kulturellen Einrichtungen ermöglichte.