Man sieht, was man weiß. Dieser Leitsatz aller Stadtführer ist weitgehend außer Kraft gesetzt, wenn es um das alte Berliner Zeitungsviertel in Mitte und Kreuzberg geht. Man kann bestenfalls viel wissen. Das wenige heute noch Sichtbare ist ein kärglicher Rest einer großen Vergangenheit. Dies hat vor allem mit dem 3. Februar 1945 zu tun, an dem um die Mittagszeit in 90 Minuten rund 1000 amerikanische Bomber die Gegend zwischen dem heutigen Mehringplatz und der Leipziger Straße in Schutt und Asche legten.
Die publizistische Vielfalt der Jahre vor 1933 bleibt bis heute unerreicht. 1932 erschienen in Berlin 39 Tageszeitungen, so viele waren es 1989 in der gesamten DDR. Zu diesen Tageszeitungen kamen außerdem noch 32 Zeitungen für die Berliner Bezirke. Das Herz der Zeitungsstadt Berlin schlug in der Zimmerstraße, der Kochstraße und den angrenzenden Straßen. Hier hatten die drei Großen des Berliner Verlagsgeschäftes ihre Sitze: die Verlage Mosse, Ullstein und Scherl.