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Deutsch-polnische Schulprojekte

Seit 1992 sind im Land Brandenburg Deutsch-polnische Schulprojekte aufgebaut worden. Neben dem "Urgestein" in Frankfurt (Oder) sind in jüngerer Zeit in Schwedt (Oder) und in Guben neue Projekte entstanden, die die Nachfolge früherer Deutsch-polnischer Schulprojekte an anderen Schulstandorten angetreten haben.

Es sind derzeit (Stand: Schuljahr 2008/2009) etwa 300 Schülerinnen und Schüler polnischer Nationalität, die in den Deutsch-polnischen Schulprojekten lernen. Angesiedelt sind diese an Schulen mit gymnasialer Oberstufe, und zwar:

Alle Projekt-Schulen unterhalten langjährige, lebendige Schulpartnerschaften mit teilweise mehreren polnischen Schulen.

Aufgenommen werden die polnischen Schülerinnen und Schüler, die zuvor an ihrer Heimatschule - teilweise mit Unterstützung durch brandenburgische Lehrkräfte - gewissenhaft auf ihren Schulbesuch in den Deutsch-polnischen Schulprojekten vorbereitet wurden, hierzulande in die 10. oder 11. Jahrgangsstufe. Zulässig ist dabei eine Höchstzahl von 25 je Projektstandort und Schuljahr.

Die Kriterien, nach denen Deutsch-polnische Schulprojekte genehmigt bzw. anerkannt werden, sind Gegenstand einer Regelung, die das MBJS  per Rundschreiben unter dem Titel "Deutsch-polnische Bildungskooperation" herausgegeben hat. Interessierte Schulen mit Vorerfahrungen in der deutsch-polnischen Bildungskooperation finden hier im Detail sämtliche Bedingungen, unter denen Deutsch-polnische Schulprojekte zugelassen werden können.

Über den gemeinsamen Unterrichtsbesuch hinaus sind gemeinsame Freizeitaktivitäten eine Selbstverständlichkeit in den Deutsch-polnischen Schulprojekten. Exkursionen, die eigenständige Gestaltung und Teilnahme an Kulturprogrammen und Sportwettkämpfen bis hin zum "Familienanschluss" haben sich über die Jahre zu verbindenden Elementen entwickelt. So sind die Deutsch-polnischen Schulprojekte zu Lern- und Lebensräumen geworden, die jungen Leuten beiderseits der Oder gute Möglichkeiten bieten sich kennen zu lernen, Vorurteile abzubauen und die Sprache des Nachbarn zu erlernen. Untergebracht sind die Schülerinnen und Schüler aus Polen, sofern sie nicht am Abend nachhause zurückkehren, in Internaten bzw. in Gastfamilien.

Mag der Begriff "Projekt" auch noch so sehr nach Provisorium klingen: Die Deutsch-polnischen Schulprojekte haben sich als feste Einrichtung etabliert. Aus der brandenburgischen Bildungslandschaft sind sie nicht mehr wegzudenken; allenthalben erfreuen sie sich großer Akzeptanz und Wertschätzung. Gleichwohl: Mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union im Jahre 2004 hat  sich ihr Stellenwert gewandelt.

Sigismundsäule auf dem Schlossplatz in Warszawa

So fest die Bildungsbrücken zwischen Brandenburg und Polen unterdessen hüben wie drüben verankert sind, so sehr bedürfen sie nach mehr als zehn Jahren ihrer Existenz der Verbesserung, der Erweiterung und der Ergänzung durch andere Formen grenzüberschreitender Bildungszusammenarbeit.

Dafür bieten sich die Deutsch-polnischen Schulprojekte an; sie sind als Standorte geeignet, aus denen sich neue Wege entwickeln lassen können, die stärker auf Gegenseitigkeit orientieren und eine polnische Partnerschule als kooperierenden Lernort einbeziehen.

Das Karl-Liebknecht-Gymnasium in Frankfurt (Oder) hat mit dem Projekt "Latarnia" einen Anfang gemacht. In der Jahrgangsstufe 7 wird hierzu jeweils in Frankfurt (Oder) und in der Nachbarstadt Slubice eine paritätisch zusammengesetzte deutsch-polnische Klasse gebildet, die abwechselnd an jeweils einem Wochentag regulären Unterricht entweder in der brandenburgischen (Frankfurt (Oder)) oder der polnischen (Slubice) Partnerschule absolviert.  Das Projekt ist hüben wie drüben allgemein akzeptiert; am Karl-Liebknecht-Gymnasium in Frankfurt (Oder) ist es zudem zum Unterbau für das Deutsch-polnische Schulprojekt geworden.

In ihrer ursprünglichen Form indessen stehen die Deutsch-polnischen Schulprojekte nach mehr als 15 Jahren ihrer Existenz für eine Einbahnstraße,  auf der Gegenverkehr konzeptionell nicht vorgesehen ist. So wird das Hauptaugenmerk auch künftig darauf zu legen sein, wie es auf Dauer gelingen kann, brandenburgischen Schülerinnen und Schülern Polen als attraktiven Lern- und Lebensort schmackhaft zu machen, sei es etwa für Gastschulaufenthalte in Polen oder für den deutsch-polnischen Schüleraustausch zu gewinnen - Aktivitäten, deren Bekanntheitsgrad hierzulande noch ausbaufähig ist.