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Grundlagen

Grundlagen der Kompetenzentwicklung

1. Lesen ist Konstruktion von Bedeutung

Lesen ist dem Begriff der PISA-Studie zufolge ein aktiver Prozess Bedeutungskonstruktion. Leseverstehen erfolgt durch Kohärenzbildung: Die Lesenden erkennen die Verknüpftheit der in einem Text enthaltenen Informationen und verbinden sie mit ihrem Wissen (Weltmodellen) in einer mentalen Repräsentation. Lesen geht  damit über das Dekodieren hinaus, ist also mehr als das Entziffern von Wörtern und Sätzen. 

2. Lesekompetenz ist  Handlungskompetenz

Lesekompetenz im Sinne von reading literacy ist die Fähigkeit, Texte zum Erreichen eigener Ziele und für die Erweiterung des eigenen Wissens und Könnens bewusst und reflektiert zu nutzen. So wird aktive Teilhabe am sozialen Leben unterstützt. 
Entsprechend ist eine vielfältige Textbasis notwendig, die unterschiedliche Formate und Formen umfasst: kontinuierliche, nicht kontinuierliche Texte (Tabellen, Grafiken, Bilder ...); elektronische Texte, vorgelesene und audiovisuelle Texte, literarische und pragmatische Texte.

3. Lesen ist Aufgabe aller Fächer

Lesen verstanden als reading literacy ist nicht alleinige Angelegenheit des Deutschunterrichts, sondern aller Fächer. Zu stützen ist vor allem der Aufbau von Weltwissen, das in Form von Konzepten verfügbar ist. Darüber hinaus fördern Leseaufgaben, die auf Detail- und Globalverstehen abzielen sowie die Weiterverarbeitung von Informationen anregen, die Verstehensleistungen der Schülerinnen und Schüler in allen Bereichen, die genaue Textarbeit erfordern.

4. Literarisches Lesen ist eine Teilkompetenz

Das literarische Lesen kann als Teilkompetenz aufgefasst werden: Literarische Texte stellen besondere Anforderungen an Wissen, Weltmodelle oder Konzepte (wie z.B. Kindheit, Jung und Alt) sowie die Imaginationsfähigkeit der Lesenden.  Sie zeichnen sich vor allem durch Mehrdeutigkeit, Indirektheit, Symbolik, literarische Formensprache aus. Die Textweltmodelle literarischer Texte setzen vergleichbare Weltmodelle bei den Lesenden voraus. Indem sie die Differenzen von Welt- und Textweltmodell reflektieren, erschließen Leserinnen und Leser die Besonderheit der literarischen Texte.

5. Die Schule muss vielfältige Maßnahmen ergreifen

Interventionen sind dem PISA-Konzept folgend vor allem im Bereich der Strategien und der Lesemotivation möglich. Lern- und Lesestrategien steigern die Fähigkeit, selbstreguliert zu lesen. Zur Unterstützung der Dekodierfähigkeit dienen spezielle Übungen, die das  Wort- und Satzverstehen fördern. Ziele des literarischen Lesens wie Empathie und Vorstellungsbildung werden durch handlungs- und produktionsorientierte Leseaufgaben erreicht. Sie aktivieren individuelle (Vor-) Wissensbestände und fordern in besonderem Maße zu kreativen und selbstständigen Problemlösungen auf. So kann individuelles Leseinteresse sowohl geweckt als auch gestützt werden, gerade wenn es um längerfristige Leseprozesse geht.

6. Leseverstehen ist evaluierbar

Die PISA-Studie hat ein Lesekompetenz-Modell entwickelt, das inzwischen vielen Kompetenztests, Vergleichsarbeiten und Prüfungsaufgaben zugrunde liegt. Zu unterscheiden sind die Verstehensdimensionen wie Informationen ermitteln, Textverständnis entwickeln, Texte reflektieren und beurteilen. Der Schwierigkeitsgrad entsprechender Aufgaben richtet sich nach der Textqualität (Inhaltsorganisation, Strukturierung), Merkmalen der Leserin/des Lesers (Vorwissen, Wortschatz, Lernstrategiewissen) und Aktivitäten der Leserin / des Lesers (Verwendung von Lesestrategien, Selbstregulation). Gezielte Aufgaben, die sich auf alle drei Verstehensdimensionen richten, dienen der Kompetenzentwicklung. Die Bildungsstandards der KMK für die unterschiedlichen Klassenstufen sowie die Rahmenlehrpläne der Bundesländer bilden dafür den normativen Rahmen.

7. Lesen braucht Partner

Lesen wird als sinnvoll erfahren, wenn andere daran Anteil nehmen. Der Austausch über die persönlichen Leseinteressen, über Gelesenes in der schulischen und außerschulischen Öffentlichkeit ist wichtig.  Als Kooperationspartner kommen u.a. Eltern, Bibliotheken, Buchhandlungen, Autoren, Nachbarn, Lesepaten ... in Frage. Leseaktionen wie Autorenbegegnungen, Präsentationen von Lieblingsbüchern in der Bibliothek, im Buchladen, Zusammenstellungen von Lesefunden zu interessanten Themen ermöglichen eine breite und lebendige Kommunikation über Gelesenes.