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Diagnose - Sprachbildung

Diagnose

Basis einer individuellen Förderung ist die Feststellung des individuellen Sprachstandes. Dabei ist es wichtig, sich nicht nur auf die Schwächen und Defizite der Kinder und Jugendlichen zu konzentrieren, sondern auch die Stärken bewusst wahrzunehmen und einen neuen Blick auf Fehler zu wagen – denn Fehler sind Teil eines Lernprozesses und können sogar Anzeichen eines Lernfortschritts sein. Hier werden im Folgenden Instrumente und Verfahren zur Sprachstandserhebung bzw. zur kontinuierlichen und lernprozessbegleitenden Lernentwicklungsdokumentation zur Auswahl vorgestellt.

Mein Sprachlerntagebuch

Kindergarten 

Beobachtung der sprachlichen Entwicklung eines Kindes nach den Kriterien: basale Fähigkeiten, phonologische Bewusstheit, Sprachhandeln, erste Erfahrungen mit Bild- und Schriftsprache, Sprachstrukturen.

Dokumentation im Portfolio mit den folgenden Bestandteilen: strukturiertes Elterninterview, 15 Aufgaben zum Malen mit thematischen Vorgaben, zwei ausführliche strukturierte Interviews mit dem Kind, Beobachtungsbogen.

Potenziale 

  • geht von den Ressourcen der Kinder aus und nicht von ihren Defiziten
  • umfassender Ansatz, der Kompetenzen über einen längeren Zeitraum abbildet und so Entwicklungsprozesse verdeutlicht 
  • eignet sich für ein- und mehrsprachige Kinder 
  • ist leicht durchzuführen und flexibel handhabbar 
  • bezieht die Kinder in die Reflexion über Lernfortschritte mit ein 

Bezugsquelle 
http://www.berlin.de/sen/bildung/bildungswege/vorschulische_bildung/


HAVAS 5

Letztes Kindergartenjahr/Schulanfangsphase 

Kinder erzählen zu einer sechsteiligen Bildgeschichte. Havas 5 kann sowohl in der Erst- als auch in der Zweitsprache durchgeführt werden. Das Verfahren wurde von Prof. Dr. Hans H. Reich und Prof. Dr. Hans-Joachim Roth im Auftrag der Hamburger Behörde für Bildung und Sport entwickelt.

Potenziale

  • berücksichtigt Fähigkeiten in der Erst- und in der Zweitsprache
  • umfassender Ansatz: berücksichtigt Lexik, Morphologie und Syntax

Grenzen 

  • zeitaufwändig, Test dauert pro Kind 40 Min. (10 Min. Erhebung, 30 Min. Auswertung)
  • Tonband erforderlich
  • Auswertung erfordert linguistische Kenntnisse und vorherige Schulung

Mehr Informationen   
http://li.hamburg.de/havas-5/


LauBe - Lernausgangslage Berlin

Schulanfang, erste Wochen 

Zu Beginn der Schulanfangsphase muss in Berlin bei allen Kindern die Lernausgangslage in den Bereichen Mathematik und Deutsch erhoben werden. Das Heft mit den Aufgabenstellungen wird den Berliner Schulen zur Verfügung gestellt. Die Aufgaben im Bereich der Sprachentwicklung ermitteln die Lernausgangslage in den Bereichen: Buchstaben und Wörter aufschreiben, Wörter in Silben gliedern, Reim erkennen, Gleiche Schriftbilder zuordnen, Anlaute vergleichen, zu einer Bildgeschichte erzählen.

Potenziale

  • kindgemäße Aufgabengestaltung
  • berücksichtigt Schwerpunkte der Sprachförderung implizit
  • Material wird an die Schulen geschickt

Grenzen  

  • zeitaufwändig
  • bezieht Mehrsprachigkeit als Teil der Sprachkompetenz nicht mit ein
  • Aufgaben benötigen z.T. zusätzliche Erklärungen 

Mehr Informationen 

LauBe-Info (pdf - 29 KB)

http://www.berlin.de/sen/bildung/schulqualitaet/lernausgangsuntersuchungen/


Profilanalyse

Grundschule und Sekundarstufe I   

Die Profilanalyse ist ein von Wilhelm Grießhaber entwickeltes Verfahren zur Analyse von Schülertexten: der Sprachstand wird anhand von sechs verschiedenen Kompetenzniveaus auf der syntaktischen Ebene beschrieben. 

Das Verfahren orientiert sich an wissenschaftlich gesicherten Erwerbsstufen im Spracherwerbsprozess. Es werden Erwerbsschritte in der Verbstellung erfasst. Diese Wortstellungsregeln sind im Deutschen nicht variabel. Basis für die Sprachdiagnose ist eine mündliche Erzählung, die als Sprachprobe mitgeschrieben oder aufgenommen wird. Mit zunehmender schriftsprachlicher Kompetenz dient eine schriftliche Erzählung als diagnostische Grundlage.  

Potenziale

  • kann an jedem Schülertext durchgeführt werden
  • ist leicht erlernbar und leicht durchführbar
  • Fördermaßnahmen lassen sich aus Ergebnis gut ableiten

Grenzen 

  • gibt keine Aussagen bezüglich der Morphologie und der Textkompetenz 
  • bezieht Mehrsprachigkeit als Teil der Sprachkompetenz nicht mit ein 

Informationen und Download 
http://spzwww.uni-muenster.de/griesha/sla/tst/prf-basis.html


C-Test

Grundschule ab Jahrgangsstufe 4 und Sekundarstufe I

Dieser Test beschreibt den allgemeinen Sprachstand, besonders die Lese- und Schreibfertigkeit. Die Schüler(innen) füllen Lücken aus: In vier kurzen Schulbuchtexten aus der vorherigen Klassenstufe wird bei jedem dritten Wort die hintere Hälfte gelöscht. Anfangs- und Schlusssatz bleiben. Anschließend gibt es bei schwachen Schülerinnen und Schülern zur Diagnose Teilfertigkeitstests: einen C-Test mit Stammtilgung bei jedem dritten Wort und einen C-Test mit Tilgung grammatischer Phänomene, um zu prüfen, ob lexikalische oder morphologische Schwierigkeiten vorliegen. 

Potenziale

  • kann auch in weiteren Sprachen angewandt werden 
  • Test wird auf die individuelle Lerngruppe zugeschnitten 
  • Test ist gleichzeitig ein Übungsinstrument 
  • Fördermaßnahmen leiten sich direkt aus dem Test ab 

Grenzen 

  • erfordert eine vorherige Schulung für die Durchführung und Auswertung 
  • zeitaufwändig: Test muss erstellt und vor der Durchführung mit der Klasse geübt werden 

Informationen 
http://www.c-test.de/deutsch/index.php?lang=de&content=kurzinformation&section=ctest 


HSP – Hamburger Schreibprobe

Jahrgangsstufen 1 bis 9 

Die Hamburger Schreibprobe ist ein von Peter May entwickelter Test zur Feststellung der Rechtschreibkompetenz. Schülerinnen und Schüler notieren in einem Arbeitsheft Wörter und Sätze, die die für die jeweilige Jahrgangsstufe relevanten Rechtschreibstrategien abprüfen. Der Test kann online oder mithilfe eines beiliegenden Analyseschemas ausgewertet werden.

Potenziale

  • geht von Ressourcen aus und nicht von Defiziten 
  • wissenschaftliche Fundierung, Übereinstimmung mit Entwicklungsmodellen des Schriftspracherwerbs
  • leicht handhabbar
  • erstellt ein individuelles Strategieprofil, das Stärken und Schwächen verdeutlicht und Fördermaßnahmen nahelegt
  • kann über Jahre hinweg Lernfortschritte dokumentieren

Grenzen 

  • erfasst die Rechtschreibkompetenz nur in der deutschen Sprache
  • Auswertung dauert pro Schüler 15 Minuten

Informationen und Bezugsquelle 
www.hsp-plus.de 


Stolperwörter-Lesetest

Jahrgangsstufen 1 bis 4  

Bei diesem von Wilfried Metze entwickelten Test müssen die Schüler(innen) in 45 bzw. 60 Sätzen je ein falsches Wort identifizieren und streichen. Dabei wird immer der Abgleich mit grammatischen oder syntaktischen Strukturen gefordert.

Potenziale

  • Verfasser stellt Test und Prozentrang-Vergleichstabellen kostenlos zur Verfügung
  • Auswertung erfolgt über eine Schablone, leicht handhabbar

Grenzen  

  • erfasst nur die Lesekompetenz in der deutschen Sprache 
  • bei Kindern im Zweitspracherwerb nur bedingt aussagekräftig 

Informationen und Bezugsquelle  

http://wilfriedmetze.de/html/stolper.html 

Studie mit dem Stolperwörter-Lesetest  

http://www2.agprim.uni-siegen.de/lust/stolper[1].03.bericht.schlussfassung.12-20.pdf


Lal - Lernausgangslage 7

Jahrgangsstufe 7, erste Schulwochen 

Die LaL 7 ist ein Instrument für den Unterricht in der 7. Jahrgangsstufe  zur Qualitätsentwicklung und -sicherung sowie eine Grundlage für eine wirksame Diagnostik. Für die Fächer Deutsch, Mathematik sowie für Englisch und Französisch als erste Fremdsprache erhalten Berliner Schulen für alle Schülerinnen und Schüler jeweils ein Arbeitsheft mit Aufgaben auf dem für das Ende der 6. Jahrgangsstufe in den Rahmenlehrplänen festgelegten Standardniveau. Seit 2009 wird auch eine Online-Version zur "Ermittlung der Lernausgangslage in der Jahrgangsstufe 7" angeboten.

Bei der Feststellung der Lernausgangslage handelt sich nicht um einen Test, dem eine Bewertung folgt, sondern um Aufgaben, mit denen ermittelt werden soll, über welche Kompetenzen die Schülerinnen und Schüler schon verfügen und welche Maßnahmen zur individuellen Förderung erforderlich sind.

Potenziale  

  • Ergebnisse liefern Diagnosemöglichkeiten zu unterschiedlichen Kompetenzbereichen
  • Material wird an die Schulen geschickt 
  • Korrektur einfach (bei der Onlineversion automatisch)

Grenzen  

  • Umfangreich, von daher zeitaufwändig
  • Eingabe der Ergebnisse in den Computer zeitaufwändig (erübrigt sich bei der Onlineversion)
  • bezieht Mehrsprachigkeit als Teil der Sprachkompetenz nicht mit ein

Weitere Informationen des ISQ (Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg e.V.)

http://www.isq-bb.de/Jahrgangsstufe-7.29.0.html


Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache für die Sekundarstufe I

Jahrgangsstufen 5 bis 10 

Dieses Instrument, entstanden im Rahmen des Projekts "FörMig" in Sachsen, dient der unterrichtsbegleitenden kriteriengeleiteten Beobachtung der Sprachfähigkeiten auf vier Niveaustufen. Die Niveaubeschreibungen umfassen die Bereiche: Weite der sprachlichen Handlungs- und Verstehensfähigkeit, Wortschatz, Aussprache, Lesen, Schreiben, Grammatik (mündlich und schriftlich), Persönlichkeitsmerkmale des Schüler. Die Sprachentwicklung des Schülers wird in einem Beobachtungsbogen dokumentiert.

Potenziale  

  • geht von den Ressourcen der Schüler aus und nicht von ihren Defiziten 
  • umfassender Ansatz, der Kompetenzen über einen längeren Zeitraum abbildet und so Entwicklungsprozesse verdeutlicht 
  • ist leicht durchzuführen und flexibel handhabbar 
  • richtet sich an Lehrkräfte aller Fächer 
  • dient dem strukturierten kollegialen Austausch über die
  • Sprachfähigkeiten von Schüler(inne)n 

Grenzen   

  • umfangreich 
  • ggf. nur für Teilbereiche sinnvoll 

Informationen und Download
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/14477