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Suchtprävention in der Berliner Schule

1. Wissenswertes über die Suchtprävention in der Berliner Schule

 

1.1 Arbeitsansatz und Philosophie
1.2 Standards
1.3 Qualität
1.4 Wissenschaft und Forschung
1.5 Recht

2. Das bietet die schulische Suchtprävention


Die Berliner Suchtprävention bietet allen Beteiligten am Schulleben ein breites Angebot – Lehrer/innen, Eltern und Schüler/-innen profitieren davon, wenn sie dies kennen und passend zu den jeweiligen Erfordernissen nutzen.

2.1 Abrufbare Projekte und Angebote
2.2 Elternarbeit
2.3 Regionale Fortbildung
2.4 Kontakt und Beratung

3. Wer wir sind

3.1 Kontaktlehrer/-innen

3.2 Koordinator(inn)en für Schulische Prävention
3.3 Organigramm

 


 

 

1.1 Arbeitsansatz und Philosophie

Zigarettenreklame an Plakatwänden, Alkoholkonsum auf Feiern, Spielsalons an Straßenecken, Süßigkeiten an Supermarktkassen  - wer mit offenen Augen seinen Alltag betrachtet, ist ständig von Suchtmitteln umgeben. Ob ein Kind oder Jugendlicher suchtgefährdet ist oder einen suchtfreien Lebensstil entwickeln kann, hängt von vielen Faktoren bzw. Bedingungen ab. Die Berliner Schule trägt einen guten Teil dazu bei, junge Menschen zu begleiten und zu unterstützen. Sie hilft ihnen einen Weg zu gehen, der sie stärkt, sicher macht, verantwortungsvoll und un-abhängig werden lässt.

 

Wie geht das?

 

Hierzu ein paar Zitate aus dem Qualitätsmanagement-Handbuch der Berliner Koordinatoren/-innen für Suchtprophylaxe 2010

 

„Als Koordinator/innen und Kontaktlehrer/-innen begleiten und unterstützen wir die Schüler/-innen in ihrer Entwicklung und alle an der Erziehung Beteiligten in Schule und Elternhaus in ihrer suchtprophylaktischen Arbeit.

Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der Mensch, nicht Sucht und Drogen.
Wir verstehen Erziehungsarbeit als Beziehungsarbeit und sind überzeugt,
- dass jeder Mensch als autonomes Individuum zu sehen ist und
- dass es grundsätzlich zu den Regeln des menschlichen Zusammenlebens gehört, miteinander so zu interagieren, dass der Umgang miteinander getragen ist von den folgenden drei Grundhaltungen:
- Akzeptanz (Bejahung und Wertschätzung des Gegenübers)
- Empathie (einfühlendes Verstehen, sich den Gefühlen stellen ), Atmosphäre des Vertrauens (empathische Identifikation und gleichzeitige Distanz)
- Authentizität (Offenheit, Aufrichtigkeit, Echtheit)

 

Unsere Arbeit (…) ist langfristig angelegt und fußt auf Kontinuität und Nachhaltigkeit.“

 

 

Was wir tun

 

„Grundsätzlich ist es Aufgabe aller Lehrer/-innen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten und vor allem durch ihr eigenes Verhalten im Bereich der Primärprophylaxe, zu der vor allen Dingen die psychische Stabilisierung der Schüler/-innen gehört, tätig zu werden und sich entsprechend fortzubilden und sich selbst ggf. entsprechender Unterstützung zu vergewissern.

 

(…) Suchtprophylaxe in der Schule ist in der Regel Primärprophylaxe. Sie richtet sich an alle Schüler/-innen mit dem vorrangigen Ziel, solche Einstellungen und Handlungsmöglichkeiten zu fördern, die zu konstruktiven Lösungen alltäglicher Lebensprobleme wie auch zur Bewältigung schwieriger Existenzfragen beitragen.

 

Die Sekundärprophylaxe kommt in der Schule dann zum Tragen, wenn erkannt wird, dass einzelne Schüler/-innen oder Schülergruppen bereits Verhaltensweisen bzw. Konsumgewohnheiten entwickelt haben, die als Suchtgefährdung anzusehen sind. Hier besteht die Aufgabe darin, mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen und darauf hinzuwirken, dass sie entsprechende Beratungs- und Hilfsangebote außerhalb der Schule in Anspruch nehmen, sowie stützend in der Schule zu wirken.“*

 

* Rundschreiben II 20/1997

1.2 Standards

Standards unserer Arbeit

Sucht beginnt im Alltag – Suchtprophylaxe auch

Schulische SP braucht Konzepte, die sich an alle an Schule Beteiligten richten, dabei sind Risikogruppen besonders zu unterstützen. SP ist an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler orientiert. Die Maßnahmen der SP werden innerhalb der Schule abgestimmt.

Das heißt:

Suchtprophylaxe ist eine Gemeinschaftsaufgabe

SP als Gemeinschaftsaufgabe erfordert die Unterstützung aller an der Schule Beteiligten. Sie erfordert das Engagement aller Lehrer und Eltern. Sie gewährleistet größtmögliche Transparenz in Planung und Ergebnis.

 Das heißt:

  • Die Schule entwickelt ein suchtprophylaktischen Schulprogramm unter Beteiligung der Schulgemeinschaft und aller Gremien
  • Erziehungspartnerschaften zwischen Schule und Eltern (SP als wiederkehrendes Thema in Elternabenden) werden gefördert
  • Die Schulen kooperieren regional untereinander (z. B. im Austausch der sechsmaligen Kontaktlehrertreffen pro Jahr) und mit außerschulischen Anbietern

SP in der Schule ist nicht losgelöst von den gesellschaftlichen Bedingungen zu sehen. Sie wird unterstützt durch staatliche/kommunale Gremien und Organisationen, Politik und Gesetzgebung sowie durch freie Träger.

Suchtprophylaxe verbessert die gesundheitliche und soziale Situation der Schülerinnen und Schüler und der Lehrerinnen und Lehrer.

 Die schulische SP fördert Lebensfreude, Selbstachtung und Konfliktfähigkeit der Mädchen und Jungen, um sie zu einer gesunden und befriedigenden Lebensgestaltung zu befähigen. Schülerinnen und Schüler, die sich in einer kritischen Lebenssituation befinden oder in schwierigen sozialen Verhältnissen leben, erfahren besondere Beachtung.

 Das heißt:

  • Kompetente Lehrerinnen und Lehrer stellen den Kindern und Jugendlichen angemessene Entwicklungsbedingungen bereit.
  • Lehrerinnen und Lehrer zeigen suchtprophylaktische Kompetenz auch bezogen auf sich selbst
  • Die Schule ist bereit, Strukturen zugunsten der Suchtprophylaxe und Gesundheitsförderung zu schaffen 

Suchtprophylaxe unterstützt Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern sowie andere Personen, die für die Entwicklung junger Menschen Verantwortung tragen.

SP wird getragen vom Engagement und der Kompetenz der Personengruppen, die mit der Betreuung und Ausbildung junger Menschen beauftragt sind. Gleichzeitig hat sie die Aufgabe, diese Personen in die Lage zu versetzen, suchtprophylaktisch zu arbeiten und ihrer diesbezüglichen Verantwortung gerecht zu werden. Durch die Arbeitskreise der Kontaktlehrer/innen werden die Zusammenarbeit und die Orientierung auf gemeinsame Zielsetzungen und Strategien gefördert.

Das heißt:

  • Es findet ein regelmäßiger Wissens- und Erfahrungstransfer statt.
  • Schulische Fachleute der SP sowie alle Lehrkräfte erhalten klare Aufgabenbeschreibungen für ihre Arbeit (siehe Rundschreiben zur SP)
  • Fortbildungen für diese Personengruppen (überregional, regional und schulintern) werden angeboten und genutzt

Suchtprophylaxe ist kontinuierlich und langfristig angelegt und nimmt Einfluss auf das Verhalten und die Lebensbedingungen der Menschen.

Suchtprophylaktische Maßnahmen sind eingebettet in langfristige und nachhaltige Prozesse. Vorhaben der SP sind sowohl auf das Verhalten von Individuen gerichtet als auch auf dauerhafte strukturelle Veränderungen. Das betrifft z. B. Regelungen und Vorschriften aber auch konkrete Angebote.

Das heißt:

  • Die schulische SP führt ein kontinuierliches Qualitätsmanagement durch.
  • Die Arbeitskreise der Kontaktlehrer/-innen entwickeln gemeinsame Qualitätskriterien.
  • Auf der Grundlage dieser Qualitätskriterien bauen die Schulen ihre Kooperation mit außerschulischen Anbietern auf.
  • Die Senatsverwaltungen für Bildung bzw. Gesundheit und der Rat der Bürgermeister haben im Jahr 2006 gemeinsame Leitlinien zur Suchtprävention beschlossen, diese gelten dementsprechend auch für die schulische Suchtprophylaxe.

 

1.3 Qualität

Qualitätsmanagement in der Berliner Suchtprophylaxe

 

  • Qualitätsmanagement in der Suchtprophylaxe

 

Arbeitsansatz und Arbeitsinhalte der schulischen Suchtprophylaxe in Berlin sind in einem Handbuch dargestellt. Um die Qualität der Arbeit auf hohem Niveau zu halten, werden die Ziele und deren Umsetzung regelmäßig überprüft, überarbeitet und veröffentlicht.

 

 

  • Schulqualität und Suchtprophylaxe

Berliner Schulen verbessern ihre Qualität. Im Handlungsrahmen Schulqualität in Berlin (3.2.1 des Dokuments) findet sich eine überprüfbare Aussage zur Suchtprophylaxe im Schulkonzept, die hoffentlich immer wieder positiv bewertet wird:

„Es gibt in der Schule ein Konzept zur Suchtprophylaxe und zum Umgang mit Suchtproblemen bei Beschäftigten und Schülerinnen und Schülern.“

 

 

Berliner Schulen lassen sich messen. Sie erarbeiten sich ein suchtprophylaktisches Profil. Falls es an der einen oder anderen Schule dazu noch Handlungsbedarf geben sollte – gern helfen die Kontaktlehrer/-innen und Koordinatoren/-innen bei der Implementierung!

  • Bedingungen professionell verbessern: Risikofaktoren vermindern - Schutzfaktoren stärken

 

      

  • Die Bedingungen im bekannten Suchtursachen-Dreieck „Person-Gesellschaft-Suchtmittel“ als Risikomodell beeinflussen die Suchtgefährdung.  Aufgaben, Inhalte, Ziele und Struktur der Suchtprävention werden deutlich, wenn das Risikomodell von Fachleuten in ein Schutzfaktorenmodell umgewandelt wird, siehe Abb. oben.
  • Mitarbeiter/-innen der schulischen SP kennen die Schutzfaktoren, die Schule beeinflussen kann – sie streben Verbesserungen dieser Schutzfaktoren an und arbeiten kontinuierlich an der Verminderung der Risikofaktoren. So ließe sich Qualitätsentwicklung in einfachen Worten beschreiben - dezidierter wird es im so genannten Qualitätshandbuch niedergeschrieben, welches durch Unterstützung der Universität Jena entstand. Zu den Ergebnissen des Entwicklungsprozesses erschien im Institut "ORBIT" eine entsprechende Veröffentlichung (Berlin2008).
  • Die schulische Suchtprophylaxe in Berlin veröffentlicht ihre Arbeitsansätze und Standards in ihrem QM-Handbuch.
  • <media>Externe Anbieter</media>, die die Schulen punktuell durch ihre spezifischen Angebote unterstützen wollen, müssen diese Standards kennen, beachten und einhalten.

1.4 Wissenschaft und Forschung

Auf dem neuesten Stand bleiben

 

Die suchtpräventiv tätigen Lehrerinnen und Lehrer erweitern ihre Kenntnisse neben dem kontinuierlichen Austausch in Kollegien, Fachgremien und Kontaktlehrersitzungen auch durch Forschungsergebnisse. Hierzu gehören neben Studien und Befragungen aus der Sucht- und Präventionsforschung, des Gesundheits-, Freizeit- und Konsumverhaltens auch aktuelle Fachartikel, die für die Präventionsarbeit Bedeutung haben. Den Berliner Fachleuten der schulischen Suchtprävention (Kontaktlehrer/-innen, Koordinatoren/-innen) stehen mit der passwortgeschützten Informations- und Kommunikationsplattform IKS (Intranet für Information und Kommunikation in der Suchtprophylaxe) und dem Berlin-Brandenburger Bildungsserver/Suchtprävention vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung, immer auf dem neuesten Stand der Fachveröffentlichungen zu sein und (über) diese zu kommunizieren.

 

 

1.5 Recht: Gesetze, Rundschreiben, Kommentare

„Man muss nicht alles wissen, aber man muss wissen wo es steht“, ist eine Redensart, die auch für die Präventionsfachleute gilt. Im Berlin-Brandenburger Bildungsserver stehen die wichtigsten rechtlichen Vorschriften, Gesetze und Rundschreiben, die direkt oder indirekt die schulische Suchtprävention in Berlin, aber auch in unserem Staat betreffen.