"Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen Windmühlen."
(Chinesische Weisheit)
Auf der Suche nach einem geeigneten Zitat bin ich auf diesen alten chinesischen Spruch gestoßen, dessen Aussage sowohl zur aktuellen Situation der Schulreform in Berlin als auch zu mir persönlich passt:
- Der Wind des Wandels weht - und zwar in die richtige Richtung.
- Nun kommt es darauf an, diese Chance zur ergreifen und den Wind zu nutzen, d.h. „Windmühlen zu bauen“, die den Wind aufnehmen und die notwendigen Veränderungen mit Schwung voranbringen.
Als Lehrer, als Hauptschulleiter und seit 2004 als Mitarbeiter der Senatsverwaltung habe ich mich immer dafür eingesetzt, dass für die Schüler/innen in den Hauptschulen, die über die Schule hinaus kaum eine Perspektive haben, gute Schule gelingt. Dabei ist es schon lange klar, dass es - trotz der unbestrittenen Leistungen der Hauptschulen – unsinnig ist, die „schwierigsten“ Jugendlichen mit dem größten Unterstützungsbedarf in einer Schulform zusammenzufassen und dabei zu glauben, dies sei für ihre Entwicklung gut. Inzwischen lässt das Lernmilieu an immer mehr Hauptschulen erfolgreiches Lernen kaum noch zu; es gibt für diese Schüler/innen kaum Perspektive über die Hauptschule hinaus - trotz größter Anstrengungen, u.a. durch enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft.
Senator Zöllner war in dieser Situation bereit, die richtigen Konsequenzen zu ziehen und er war bereit zu schnellem Handeln - beides in der deutschen Schulpolitik nicht gerade üblich.
Die Schaffung eines zweigliedrigen Schulsystems mit zwei in Bildungsstandards und Abschlussperspektiven gleichwertigen Schularten, in denen nicht nach Bildungsgängen unterschieden wird, ist heute ohne Alternative. Darüber gibt es insgesamt einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Das Berliner Konzept der Gemeinschaftsschule ergänzt diesen Weg gerade für die Eltern, die für ihre Kinder einen durchgehenden Bildungsweg ohne Schulwechsel wollen und in besonderem Maße an den innovativen Konzepten dieser Schulen interessiert sind.
Die vielfachen Versuche, „Schutzmauern“ zu bauen zur Sicherung der Partikularinteressen eines Teils der Gesellschaft, vorgetragen von Harald Martenstein bis zur Berliner CDU, konnten nicht verhindern, dass die Reform am 14. Januar im Abgeordnetenhaus endgültig beschlossen wurde.
Den Wind des Wandels zu nutzen, um die neue Integrierte Sekundarschule zu einer tatsächlich attraktiven Schule zu machen, das ist die entscheidende Herausforderung, die vor uns liegt. Dies wird vor allem davon abhängen, ob und wie die neuen Schulen tatsächlich allen Kindern gerecht werden und ihnen alle Perspektiven bieten und es ihnen gelingt, das Vertrauen der Eltern zu gewinnen.
Siegfried Arnz