Zum Inhalt springen

Jahrestage 2021

Jahrestage 2021


20. Geburtstag von Wikipedia. Freier Informationsfluß und -austausch oder Kontrolle des Wissens?

Bevor Wikipedia entstanden ist, gab es eine lebendige Lexika-Kultur. Brockhaus, Meyer, die Encyclopedia Britannica sind nur einige Beispiele für Universallexika. Ihr Ziel war es, umfassend über alle Themengebiete sichere Informationen zu überliefern. Das Aufkommen des Internet mit den verschiedenen Suchmaschinen wie auch die Gründung von Wikipedia führten schließlich zum Ende der gedruckten Universallexika. Die Gründe liegen auf der Hand: Mit einem Klick in den Suchmaschinen lassen sich in Sekundenbruchteilen zielgerichtet Einträge zu den jeweiligen Schlagwörtern finden; eine vergleichsweise lange Suche in den verschiedenen Lexika entfällt; zudem kann der Sucher auch Kombinationen von Begriffen eingeben und erhält zielgerichtete Informationen.

Wikipedia will noch darüber hinaus gehen. “Das Ziel ist, gemäß dem Mitgründer Jimmy Wales, „eine frei lizenzierte und hochwertige Enzyklopädie zu schaffen und damit lexikalisches Wissen zu verbreiten“.” (https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia, Zugriff am 22.05.2020). Der Ansatz besagt, dass jeder, der möchte, hier Artikel einstellen und bearbeiten darf; diese werden dann anschließend nochmals überprüft. Dadurch soll eine hohe Informationsdicht und Aktualität gewährleistet werde. Glaubt an den Statistiken, so war Wikipedia im September 2018 die Suchmaschine, die auf Platz fünf der meistgenutzten Suchmaschinen weltweit war. Vor diesem Hintergund genießt Wikipedia fast schon ein Alleinstellungsmerkmal als Nachschlagewerk.

Doch wie zuverlässig ist Wikipedia wirklich? Kritiker bemängeln, dass Artikel manipuliert werden, Artikel falsche Informationen aufweisen oder gar gezielte Manipulationen stattfinden. Im Sinne der Medienbildung ist es daher unerlässlich, den 20. Jahrestag der Gründung von Wikipedia kritisch zu betrachten. Anbei findet sich eine Sammlung verschiedener Beiträge, die im Rahmen einer Pro- Contra- Debatte Gegenstand im Unterricht sein könnten. Die Leitfrage könnte lauten:
Wikipedia – von einem demokratischen Lexikon für alle zu einem manipulierten und manipulierbaren Informationsangebot?

Als Material finden sich in der Südeutschen Zeitung, im Stern, bei Heise, in der Zeit sowie in der Neuen Züricher Zeitung wichtige Artikel.

20. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September: Die neue Bedrohung?

2021 ist der 20. Jahrestag der Anschläge auf das World-Trade-Center. Seitdem hat sich die Welt radikal verändert. Die Sicherheitsmaßnahmen sind viel stärker geworden, als das früher der Fall war. Die NSA überwacht die Bevölkerung in einem unvorstellbaren Maß. Die Islamophobie hat stark zugenommen, ausländerfeidliche Übergriffe steigen stark an. (Vgl. hierzu die Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Abgeordneten Christine Buchholz, Dr. André Hahn, Gökay Akbulut, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.– Drucksache 19/11240 –Antimuslimischer Rassismus und Diskriminierung von Muslimen in Deutschland).

An diesen Anschlägen lassen sich verschiedene Aspekte der Geschichte und Politik sowie der Sprache analysieren:

- Im Zusammenhang mit den Anschlägen und dem Kampf gegen radikale Muslime ist der Begriff des “Kreuzzugs” in Gebrauch. Zur Begrifflichkeit findet sich auf der Seite der Martin-Luther-Schule Marburg eine Seite “Die Kreuzzüge im Mittelalter und in der Gegenwart“ Kompetenzorientierte Stationenarbeit in der Jahrgangsstufe 11, die allerdings nur bis zur Rede von G. W. Bush reicht.

Die Taktik der Islamisten, Anschläge überall auf der Welt zu verüben, kann zur Leitfrage führen, ob hier eine neue Art von Krieg vorliegt und wie man ihm begegnen soll. Hilfreiches Material liefert hierbei die Neue Züricher Zeitung.

Auch die Landeszentrale für Politische Bildung in Baden-Württemberg bietet Material an.

Informativ ist ferner die Seite des Verfassungschutzes.

75. Jahrestag der Gründung der Länder Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen: Braucht Deutschland den Föderalismus?

Traditionell spielen – anders als z.B. in Frankreich - die Regionen bzw. Länder in Deutschland eine starke Rolle. Deutschland hat seit dem Mittelalter keine Zentrale gehabt, sondern wurde von den Königen und Kaisern als Reisekönigtum regiert. Die Herzöge hatten dem Kaiser gegenüber stets eine machtvolle Position inne. Die nationale Bindung war eher schwach, sowohl im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation als auch später im Deutscher Bund.

Im ersten wirklich demokratischen Staat auf deutschem Boden, der Weimarer Republik, besaßen die Länder starke Mitspracherechte; man denke nur an die Macht, die Preußen über den Reichsrat ausüben konnte. Auch nach dem 2. Weltkrieg gab es in Deutschland keine zentralistischen Ansätze, vielmehr haben mit den Frankfurter Dokumenten die Alliierten u.a. die Vorgabe gemacht, den Föderalismus umzusetzen. Dabei sollte Preußen als militaristischer Staat aufgelöst werden (Kontrollratsgesetz Nr. 46 von 1947). Es haben sich dann neue Bundesländer gegründet.

Vor diesem Hintergrund lassen sich folgende Leitfragen behandeln:

- Braucht Deutschland wirklich 16 Bundesländer? Hierzu gibt es bei Focus-online einen entsprechenden Artikel.

- Ein (älteres) Interview in der Welt von 2010 geht der Frage nach, welche Vorteile in einem Zentralismus in Deutschland lägen.

- Gerade für die Länder Berlin und Brandenburg ist das Thema Föderalismus von besonderer Bedeutung. In der Märkischen Allgemeinen wird über Vor- und Nachteile einer Fusion diskutiert. Im Tagesspiegel wird zwischen Fusion und Kooperation unterschieden.

150. Jahrestag der Deutschen Reichsgündung: Erfüllung nationaler Träume?

Spätestens seit den napoleonischen Befreiungskriegen gab es in den Landesteilen, die deutsch sprachen, ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Freheitskämpfer griffen zu den Waffen, um gegen Napoleon und für ein deutsches Vaterland zu kämpfen. Auf dem Wiener Kongress wurden diese Hoffnungen jäh enttäuscht. Statt eines geeinten Nationalstaates mit Beteiligung “des Volkes” schlossen sich die Fürsten zusammen, um die Grundsätze der Restauration, der Legitimität und der Solidarität umzusetzen, was alles gegen einen Nationalstaat und vor allem gegen eine Mitbestimmung des Volkes gerichtet war.

Die Revolution von 1848/49 machte jedoch deutlich, dass die Gedanken nach Freiheit und Mitbestimmung im Volk nach wie vor virulent waren. Es sollte aber noch bis 1871 dauern, bis Bismarck die Gründung des Deutschen Kaiserreiches auf den Weg brachte. Aber schon die Präambel machte mit den Eingangsworten: “Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen etc. verordnen hiermit im Namen des Deutschen Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesrathes und des Reichstages, was folgt: ...” deutlich, dass das Volk keine wirkliche Rolle spielen sollte. Dennoch herrschte im Kaiserreich Jubel vor, da die nationalen Wünsche nunmehr erfüllt schienen. Vor diesem Hintergund könnte dieser Gedenktag unter der Leitfrage:

Erfüllung nationaler Träume oder Unterdrückung des Volkes? behandelt werden.

Hilfreiche Materialien finden sich bei der Bundeszentrale für Politische Bildung, Geschichte Abitur oder auch (für jüngere Klassen) in der Kinderzeitmaschine.

 

Redaktionell verantwortlich: Jens Nitschke, LISUM