Wie lassen sich Bildkompetenz, Medienkritik und Fragen nach Autor:innenschaft im Zeitalter Künstlicher Intelligenz anschaulich vermitteln? Hierfür liefert der Filmemacher Adrian Goycoolea mit seinem filmischen Experiment AI JETÉE eine eindrückliche Diskussionsvorlage, die im Unterricht analysiert werden kann. Mithilfe verschiedener generativer KI-Tools hat er Chris Markers berühmten Experimentalfilm LA JETÉE neu interpretiert – einen ikonischen „filmischen Fotoroman“, der seit Jahrzehnten zum Kanon der Filmgeschichte gehört und in den 1990er-Jahren erneut bekannnt wurde - als Vorlage für den Film 12 Monkeys mit Bruce Willis und Brad Pitt. Der direkte Vergleich von AI JETÉE und LA JETÉE dient als Lernfeld rund um Bildgestaltung, Wahrnehmung und KI.
In einem gemeinsamen Gespräch analysieren die Referentinnen für Film- und Medienbildung Cornelia Brückner, Beate Völcker und Ruth Benner, inwiefern Künstliche Intelligenz bestehende Kunstwerke nachbilden kann oder zwangsläufig neue Bildaussagen erzeugt. Für Lehrkräfte besonders relevant: Die Analyse macht sichtbar, wie sich Ausdruck, Ästhetik und Bedeutung von Bildern verändern – und welche Rolle Intention, Kontext sowie persönliche Erfahrung bei künstlerischen Entscheidungen spielen, auch wenn diese Entscheidungen mithilfe von KI getroffen werden.
Der Beitrag eignet sich für den Einsatz in der Oberstufe, etwa im Kunst-, Deutsch-, Medien- oder Filmunterricht. Er schärft den Blick für Bildkompositionen und narrative Strukturen und lädt zu einer genauen Bildbetrachtung ein. Gleichzeitig regt er zur Diskussion darüber an, wie KI unsere Wahrnehmung von Bildern beeinflusst und welche Auswirkungen dies auf unser Verständnis von Originalität, Autor:innenschaft und Gestaltung hat.
Ein besonderer Mehrwert für die Unterrichtspraxis liegt in der Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen KI-generierter Bilder. Die Analyse schärft den Blick für Bildkompositionen und ihre Wirkung. Sie regt zu einer genauen Betrachtung von Bildern an und wirft die Frage auf, welche Auswirkungen KI auf unsere Wahrnehmung und unser Verständnis von Bildern hat. Am Beispiel des Arbeitsprozesses mit Midjourney wird das Zusammenspiel von Text- und Bild-Prompts untersucht – ein Ansatzpunkt, um algorithmische Bildproduktion kritisch zu hinterfragen und mit fotografischen oder filmischen Gestaltungsprozessen zu vergleichen.
Didaktisch bietet der Vergleich von LA JETÉE und AI JETÉE zahlreiche Anknüpfungspunkte: Das genaue Hinsehen wird geschult, visuelle Analysekompetenz gefördert und zentrale Fragen zu Autor:innenschaft, Kreativität und Verantwortung im Umgang mit KI können gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern reflektiert werden.
Für die praktische Arbeit im Unterricht stehen ergänzende Materialien zur Verfügung:
Beide Filme lassen sich hier zeitlich leicht versetzt nebeneinander betrachten und direkt vergleichen.
Der Vortrag „Breaking the Fourth Dimension“ gibt Einblicke in den Entstehungsprozess von AI JETÉE. Besonders spannend für Lernende: Ein KI-generierter Avatar von Adrian Goycoolea erläutert die künstlerischen und technischen Entscheidungen hinter dem Projekt.
