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Hilfen zur Erziehung

Hilfen zur Erziehung

Auf Hilfen zur Erziehung (HzE) nach § 27 ff Sozialgesetzbuch VIII haben Eltern einen individuellen Rechtsanspruch, wenn eine „dem Wohl des Kindes oder eines Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist“.

Das Wohl eines Kindes kann auch durch die Folgen schulischer Probleme gefährdet sein und seine weitere soziale und seelische Entwicklung beeinträchtigen. In diesen Fällen ist eine enge und frühzeitige Zusammen-
arbeit zwischen Schule und Jugendamt erforderlich, um einzelfallbezogen Ressourcen zu erschließen und Förderung und Unterstützung sowohl im schulischen Bereich, als auch im Rahmen der Hilfen zur Erziehung zu gewährleisten. Im Einzelfall wird die Situation mit den Eltern, dem Kind bzw. dem Jugendlichen sowie den Lehrern und den Fachkräften des Jugendamtes besprochen und kooperativ die schulischen Entwicklungsmöglichkeiten und die Hilfeplanung nach § 36 SGB VIII aufeinander bezogen.

Liegen die Voraussetzungen für eine Hilfe zur Erziehung bzw. für eine Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche vor, wird auf Antrag der Eltern  bzw. der Personensorgeberechtigten ein freier Träger vom Jugendamt mit der Hilfe betraut.
 
Eine verbindliche Grundlage für die Leistungserbringung durch einen freien Träger ist der Abschluss eines Trägervertrages nach §§ 78a ff SGB VIII sowie die Beachtung der Leistungsbeschreibungen nach dem „Berliner Rahmenvertrag für Hilfen in Einrichtungen und durch Dienste der Kinder- und Jugendhilfe“ (BRVJug).

Bei Erziehungsschwierigkeiten in Verbindung mit schulischen Problemen ist im Kontext der Hilfe zur Erziehung insbesondere die Hilfe im Rahmen einer Tagesgruppe (§ 32 SGB VIII) möglich. Die Tagesgruppe richtet sich an Kinder und Jugendliche mit komplexem Hilfebedarf.
Primäres Ziel ist es, durch gezielte tagesstrukturierende Interventionen in der Gruppe und durch schulische Förderung die Voraussetzungen zum Verbleib der Kinder und Jugendlichen in den Herkunftsfamilien zu sichern. Dabei ist die enge Kooperation zwischen dem Träger, den Eltern und der jeweiligen Schule Grundbedingung für das Gelingen der Erziehungsarbeit im Rahmen einer Tagesgruppe und setzt den Abschluss einer verbindlichen Kooperationsvereinbarung zwischen dem Träger und der (Standort-)Schule sowie eine sozialraumorientierte, wohnortnahe Organisation der Arbeit voraus.

Für Kinder und Jugendliche mit einer definierten umschriebenen Teilleistungsstörung kann ferner eine Integrative Lerntherapie (ILT) als Bestandteil der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche (§ 35a SGB VIII) in Frage kommen. Zunächst sind alle schulischen Fördermöglichkeiten auszuschöpfen, um das Kind/den Jugendlichen in der schulischen Umgebung zu unterstützen. Die Integrative Lerntherapie nach § 35 a SGB VIII ist eine individuelle Rehabilitationsmaßnahme im Rahmen der Jugendhilfe, die pädagogische und psychologische/psychotherapeutische Trainings- und Behandlungselemente miteinander verbindet. Die Leistung wird in einem multiprofessionellen Team eines freien Trägers nach Klärung der Voraussetzungen im Rahmen der Hilfeplanung auf Grundlage eines Trägervertrages erbracht.
Zielstellung dieser Eingliederungshilfe ist es, die Teilhabe am Leben, insbesondere in der schulischen Gemeinschaft zu sichern. Durch den Abbau bzw. die Milderung der Entwicklungs- und Lernstörungen, durch die Stärkung des Selbstwertgefühls sowie durch die Einbeziehung der Eltern in die ILT soll eine Verbesserung der Lernvoraussetzungen und die Teilnahme am regulären schulischen Unterricht erreicht werden.

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Redaktionell verantwortlich: Roswitha von der Goltz, SenBJF Berlin