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Jugendsozialarbeit

Statements zur Kooperation

Jugendsozialarbeit

Schulbezogene Jugendsozialarbeit bietet Schüler_innen sozialpädagogische Hilfen, wenn sie zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen und zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind. Es handelt sich um Jugendhilfeangebote gemäß § 13 (1) SGB VIII in Verbindung mit §14 (2) AG KJHG. Sie fördern die schulische Ausbildung und die soziale Integration am Standort Schule. Jugendsozialarbeit entwickelt und unterhält Hilfen und Leistungsangebote, die sich an den Lebenswelten der jungen Menschen orientieren. Weitere Leitideen der Jugendsozialarbeit sind Stärkung personaler Ressourcen und Kompetenzen, Beteiligung der jungen Menschen bei der individuellen Maßnahmenplanung und Hilfe zur Selbsthilfe.
Eine „soziale Benachteiligung“ liegt dann vor, wenn die gesellschaftliche Integration nicht gelungen bzw. auf Grund der sozialen Umstände gefährdet ist. Dazu können u.a. Schüler_innen mit Defiziten der deutschen Sprache und hiermit verbundene drohende Bildungsabbrüche gehören.
Die „individuellen Beeinträchtigungen” bestehen bei psychischen, physischen oder sonstigen persönlichen Beeinträchtigungen individueller Art – wie z.B. Abhängigkeit, Delinquenz oder Behinderung.

Ein „erhöhter Unterstützungsbedarf“ für diese Schüler_innen liegt vor, wenn sie mehr als durchschnittliche Förderungs- und Vermittlungsbemühungen in Ausbildung, Beruf und ihrer sozialen Integration bedürfen.
Arbeitsfelder der schulbezogenen Jugendsozialarbeit sind:

  • sozialpädagogische Beratung und Förderung von Schüler_innen bei Verhaltens- und Lernproblemen; vertiefte Formen von Elternarbeit und Vernetzung mit anderen Förderangeboten der Jugendhilfe und Schule,
  • Mediation und Konfliktmanagement, z.B. bei gravierenden Lebenseinschnitten, Gewalterlebnissen,
  • Unterstützung in Fragen des Übergangs von der Schule in den Beruf, d.h. Berufsfindung und -orientierung, Kontakt zur Berufsberatung, besondere Förderung etc.,
  • Projekte zur Förderung der Integration, z.B. Sprachförderung,
  • Unterstützung bei der Entwicklung und Durchführung von präventiven Angeboten für Schüler_innen zur Vermeidung von Schuldistanz. Jugendsozialarbeit ist ein sozialpädagogisches Angebot an eine definierte Zielgruppe. Der Arbeitsansatz basiert auf einer gruppen- und einzelfallbezogenen Zielsetzung. Die Angebote haben das Ziel der Integration in Familie, Schule, Ausbildung, Arbeit und Gesellschaft.

Die Berliner Angebote der Schulsozialarbeit haben eine klare konzeptionelle Ausrichtung, geregelte Finanzierung und eine erfolgreiche Praxis.

Innerhalb der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie erfolgt die Steuerung der schulbezogenen Jugendsozialarbeit in enger Kooperation der Abteilungen Bildung, Jugend und Familie. Auf Bezirksebene gibt es kooperative Verfahrensregeln, die auf der Grundlage von bezirklichen Rahmenkonzepten zur Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe nachhaltig gestützt werden.

Die schulbezogene Jugendsozialarbeit ist sowohl hinsichtlich ihrer positiven Wirksamkeit als auch ihrer Rahmenbedingungen und fachlichen Standards reichlich erforscht. Es gibt länderübergreifende Vergleiche und auch regionale Analysen.

Mit dem Programm „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen“ sollen vor allem benachteiligte Schüler_innen bei der Bewältigung schulischer Anforderungen unterstützt werden. Ziele sind, die Lernmotivation zu fördern und das Selbstbewusstsein zu stärken, Schuldistanz abzubauen und die Erziehungsverantwortung der Eltern zu stärken sowie die Öffnung der Schulen in den Sozialraum zu befördern. Kern des Programms ist das „Tandem-Prinzip“ in allen Bereichen: eine intensive und systematische Kooperation von Schule und Jugendhilfe im Sinne einer gemeinsamen Verantwortung für die Entwicklung und den Schulerfolg der Schüler_innen.Zum 01.01.2013 sind insgesamt 249 Schulen am Programm „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen“ beteiligt: 56 Integrierte Sekundarschulen, 43 Förderzentren, 121 Grundschulen, 20 berufliche und zentral verwaltete Schulen und 9 Gymnasien. Es werden zurzeit 75 freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe über Kooperationsverträge mit den beteiligten Schulen aktiv. Die Arbeit der Sozialpädagog_innen orientiert sich an den seit 2006 gültigen Programmzielen:

  • Verbesserung der (vorberuflichen) Handlungskompetenzen
  • Verbesserung aller Übergänge in Schule und Ausbildung
  • Förderung der Lernmotivation
  • Stärkung sozialer Kompetenzen und des Selbstvertrauens
  • Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern
  • Vertiefung der Kooperation von Jugendhilfe und Schule
  • Auf- und Ausbau von Unterstützungsstrukturen

An den einzelnen Schulen zeigt sich die Idee von Jugendsozialarbeit an und in Schule in ganz unterschiedlichen Ausprägungen und Facetten. Die Fachkräfte der Jugendsozialarbeit haben verschiedene maßgeschneiderte Angebote und Unterstützungsleistungen an den beteiligten Schulen etabliert. Die Bandbreite der sozialpädagogischen Angebote für Schüler_innen bietet zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten zur Bewältigung aktueller Herausforderungen und zur persönlichen Weiterentwicklung. Die Umsetzung erfolgt auf der Ebene der Schule (in Form einer strukturellen Verankerung von Modellen und Projekten), auf der Ebene der Klasse (in Form von Gruppenangeboten) und auf der Ebene der Schüler_innen (in Form von Einzelfallarbeit und -beratung).

Einen anschaulichen Überblick bietet die Broschüre "Chancen für alle - 5 Jahre Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen", die für das im Jahr 2006 gestartete Programm Bilanz zieht und Auskunft über die geleistete Arbeit gibt. Die Broschüre ist online verfügbar unter <media 36432>www.berlin.de/sen/bildung/ganzheitliche-bildung</media>.

Koordinierungsstellen in den Bezirken

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie hat die Programmagentur der Stiftung SPI beauftragt, in den zwölf Bezirken Fachkräfte zur Unterstützung der Koordinierungs-

aufgaben bei der Fortschreibung und Umsetzung des bezirklichen Rahmenkonzeptes im Bereich der Kooperation von Schule und Jugendhilfe einzusetzen. Der Einsatz der zwölf Vollzeitstellen in den Bezirken startete im April 2012. Die Umsetzung dieser Koordinierungsunterstützung erfolgt in enger Anbindung an das Programm „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen“. Die SPI-Programmagentur stellt dafür im Einvernehmen mit den Bezirken geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, die die Unterstützung der Koordinierungsaufgaben in den Bezirken – angebunden an das Jugendamt oder die regionale Schulaufsicht – wahrnehmen. Die Fachkräfte begleiten die bezirklichen Prozesse bei der Entwicklung des Landesprogrammes „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen“ und sind mit Zuarbeiten zur Erstellung, Fortschreibung und Umsetzung des bezirklichen Rahmenkonzeptes betraut. Als Grundlage gilt dabei eine abgestimmte Aufgabenbeschreibung.

Weitere Informationen zu den Koordinierungsstellen sowie zu den Kontaktdaten der SPI-Mitarbeiter_innen in den Bezirken finden Sie auf der Homepage der Stiftung SPI.

Links

Schulstationen

Die Schulstationen sind ein Angebot der Jugendsozialarbeit am Standort Schule und mit Ausnahme des Jugendamtes Neukölln in fachlicher und finanzieller Verantwortung der bezirklichen Jugendämter. Grundlage der Einrichtung von Schulstationen sind sozialräumliche Planungen und Abstimmungen mit den Schulen.

Die präventive Ausrichtung der Schulstationen zielt auf die kompensatorische Aufarbeitung und Überwindung von sozialen Benachteiligungen und individuellen Beeinträchtigungen. Sie reagiert auf Problemlagen, die einen erhöhten Unterstützungsbedarf an sozialpädagogischen Hilfen erfordern.

Der methodische Ansatz ist Interaktion von Gruppen, Einzelnen und Lebensweltorientierung. Es geht um ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung und um eine Förderung sozialer, emotionaler, kognitiver, kreativer und motorischer Kompetenzen. Motivations-, Lern- und Verhaltensschwierigkeiten werden so überwunden. Dabei ist die verbindliche interdisziplinäre Zusammenarbeit der pädagogischen Fachkräfte Voraussetzung.

Die Leistungen der  Schulstationen begründen sich auf § 13 Abs. 1 SGB VIII in Verbindung mit § 14 Abs. 2 AG – KJHG sowie § 5 Abs. 1 des Berliner Schulgesetzes. Sie sind ein Handlungsfeld, in dem Jugendhilfe in Kooperation mit Schule in eigener Verantwortung und mit eigener sozialpädagogischer Zielsetzung tätig wird. Schulstationen sind ein Angebot zwischen allgemeiner Jugendarbeit und individueller Erziehungshilfe.

Dazu zählen:

  • Konzeptionsentwicklung
  • verbindliche Kooperation mit Schule
  • Sicherstellung sächlicher Ressourcen
  • Enge Zusammenarbeit mit Eltern und allen Beteiligten
  • Kinderschutz
  • Leitung und Koordination
  • Umsetzung / Sicherung Fachkräftegebot nach § 72 SGB VIII
  • Personalführung und –steuerung
  • Dokumentation und Evaluation
  • Sicherstellung von Fortbildung und Supervision
  • Sicherstellung von Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Enge Zusammenarbeit mit zuständigen Fachstellen öffentlicher und freier Träger
  • Mitarbeit in Fachgremien
  • Sozialräumliche Vernetzung

Sportorientierte Jugend- und Jugendsozialarbeit

Die sportorientierte Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit ist bei jungen Menschen wegen der attraktiven Sportangebote und gleichzeitigen sozialpädagogischen Unterstützung beliebt. Sie wird oft in enger Kooperation mit örtlich nahe gelegenen Schulen durchgeführt, z.B. als außerunterrichtliches Angebot oder als Unterstützung bei sport- und erlebnispädagogischen Projekten.
Sportorientierte Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit bieten ideale Möglichkeiten für soziales Lernen und Integrationsprozesse. Sport stärkt das Selbstbewusstsein, gibt Gelegenheit, gesetzte Ziele zu erreichen und sich mit Niederlagen auseinanderzusetzen. Deshalb unterstützt die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Jugendsportprogramme mit sozialintegrativer Zielsetzung.
Das von der Senatsverwaltung für Bildung; Jugend und Wissenschaft finanziell geförderte Kooperationsprogramm "Schule und Verein" vermittelt Sportorganisationen zur Ganztagsbetreuung von Schüler_innen.

Die Integrierten Sekundarschulen können aus ihrem eigenen Etat mit Sportverbänden und Sportvereinen Kooperationen initiieren und abschließen. Plattform dafür ist die Vereinbarung zur Beteiligung von Sportorganisationen bei der Durchführung des Ganztagsbetriebes in der Sekundarstufe I aus dem Jahr 2010.

Jugendberufshilfe

Jugendberufshilfe ist ein Handlungsfeld der Jugendsozialarbeit. Sie wirkt an der Schnittstelle zwischen Jugendhilfe, Bildung und Arbeitswelt. Die Jugendberufshilfe ist ein wichtiges und notwendiges Leistungsangebot der Jugendhilfe zur sozialen und beruflichen Eingliederung von jungen Menschen in das Arbeitsleben. Merkmal der Jugendberufshilfe ist ein ganzheitlicher Förderansatz, der auch die Probleme im Lebensumfeld der jungen Menschen einbezieht und die Entwicklung ihrer Persönlichkeit umfasst.

Die Jugendberufshilfe ist eine auf den Einzelfall bezogene Hilfe, die entsprechend des Bedarfs flexibel ausgestaltet wird. Sie wendet sich an junge Menschen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf, in der Regel im Alter von 16 bis 21 Jahren bei Beginn des Leistungsangebots. Ein erhöhter Unterstützungsbedarf im Sinne des § 13 SGB VIII ist insbesondere dann gegeben, wenn die vorhandenen Probleme und Defizite eines jungen Menschen so gravierend sind, dass es zu deren Ausgleich oder Überwindung einer erhöhten individuellen sozialpädagogischen Hilfe bedarf.

Jugendberufshilfe wird in 5 Angebotsformen eigenständig oder in Kombination mit anderen Leistungen erbracht:

  • sozialpädagogische Begleitung und Betreuung
  • sozialpädagogisch begleitete Berufsorientierung
  • sozialpädagogisch begleitete Berufsvorbereitung einschließlich Qualifizierung
  • sozialpädagogisch begleitete Berufsausbildung als außerbetriebliches Angebot oder in Kooperation mit Betrieben als Stufenmodell bzw. im Verbund bzw. Angeboten der Schulen oder nach dem SGB III und SGB II
  • sozialpädagogisch begleitete Wohnformen nach § 13 Abs. 3 SGB VIII

Das Angebot umfasste in Berlin am 31.12.2012 in Einrichtungen

  • zur Berufsorientierung: 376 Plätze bei 21 Trägern,
  • der Berufsvorbereitung: 285 Plätze bei 22 Trägern,
  • der Berufsausbildung (inkl. kooperative Ausbildung im Trägerverbund): 1078 Plätze bei 25 Trägern.

Die Träger der Jugendberufshilfe sind durch ihre Ausstattung und Kompetenz gut geeignet, Praxislerngruppen für Schüler_innen der Sekundarschulen im Rahmen des Dualen Lernens einzurichten, insbesondere wenn deren Schulabschluss aufgrund ihrer Leistungen am Ende der 8. Klasse gefährdet ist. Dieses Leistungsangebot wird seit 2012 durch Träger der Jugendberufshilfe erbracht.


Redaktionell verantwortlich: Roswitha von der Goltz, SenBJF Berlin