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Hilfen zur Erziehung

Unser Ansporn

ist Grundschulkinder mit individueller sozial- und sonderpädagogischer Begleitung und Unterstützung zum Besuch der Regelschule zu befähigen sowie ihnen das Zusammenleben  mit ihren Eltern zu ermöglichen und die Familie zu stärken.

Unsere Zusammenarbeit

besteht in unterschiedlichen Arbeitszusammenhängen bereits seit den 90er Jahren. Begonnen mit der DASI-Tagesgruppe Charlottenburg  hat sie sich spätestens 2007 mit der Trägerschaft der Schulsozialarbeit an der Peter-Jordan-Schule institutionalisiert. Unser hieraus gewachsener regelmäßiger kollegialer Austausch machte uns aufmerksam auf eine steigende Anzahl von Kindern, die wir mit unseren bisherigen Angeboten nicht ausreichend unterstützen konnten: Kinder mit erheblichen Beeinträchtigungen im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung.

Nicht zielgerichtet genug verliefen teilweise die Hilfen, die wir zur Unterstützung und zur Stabilisierung der Kinder und ihrer Familien anboten. Dies hatte  zur Folge, dass die Kinder oftmals außerhalb ihrer Familien z.B. in therapeutischen Einrichtungen untergebracht wurden. Gemeinsam entwickelten wir für diese Gruppe von Kindern ein pädagogisches Konzept: Unsere Grundidee war und ist noch immer das Ineinandergreifen von Beschulung und sozialpädagogischer Betreuung und die Förderung an einem gemeinsamen Ort - mit dem Ziel, die Kinder in Kleinstgruppen zu fördern und in ihrer emotional-sozialen Entwicklung zu stärken. Durch die breite Unterstützung und Förderung unserer Idee im Bezirk durch das Jugendamt, die Schulaufsicht und den Stadtrat für Jugend und Schule konnten wir nach einem knappen Jahr Vorlauf zum Schuljahr 2008/09 die ersten Kinder bei re:tour aufnehmen.

Unsere Kinder

gehen - bildlich gesprochen - über Tische und Bänke. Sie sind oft nicht zu halten und werfen auch mal mit Gegenständen. Sie sind kraftvoll im Widerstand und deswegen ist für sie ein „Funktionieren“ in großen Gruppen in ihren Regelschulen nicht möglich. Alle pädagogischen Fördermaßnahmen ihrer Grundschulen reichen nicht aus, um ihnen einen weiteren regelhaften Schulbesuch zu ermöglichen.

Aufgrund der erheblichen Beeinträchtigungen in ihrem emotionalen Erleben und ihrem sozialen Verhalten benötigen sie spezielle Förderung und Begleitung. Sie leiden beispielsweise an frühkindlichen Traumatisierungen, haben Verluste und Trennungen von Bezugspersonen in frühester Kindheit erlebt, sind unter inadäquaten oder abnormen Erziehungsbedingungen aufgewachsen und/oder haben Bindungsstörungen. Sie kommen mit vielfältigen ärztlichen Diagnosen in die re:tour-Tagesgruppe: von Störungen des Sozialverhaltens über reaktive Bindungsstörung, Entwicklungsstörung der Sprache oder schulischer Fertigkeiten wie Lesen oder Rechtschreibung, Wahrnehmungsschwächen oder Aufmerksamkeitsstörungen. Die Alternative zu re:tour ist häufig eine vollstationäre Unterbringung in einer therapeutischen Einrichtung außerhalb der Familien.

Unser Konzept

beinhaltet eine in der Regel auf zwei Jahre begrenzte Beschulung und sozialpädagogische Förderung und Betreuung der GrundschülerInnen in Kleinstgruppen: Maximal sechs Kinder werden am Vormittag in den Räumen der re:tour-Tagesgruppe von zwei Lehrkräften des Peter-Jordan-Förderzentrums unterrichtet. Die sozialpädagogischen Fachkräfte der DASI Berlin unterstützen die Lehrkräfte bei Bedarf im Unterricht und können bei Konflikt- oder Krisensituationen schnell eingreifen. So sind eine Einzelförderung und ein temporärer Einzelunterricht ebenso wie ein gemeinsamer projektbezogener Unterricht in der Gruppe möglich.

Am Nachmittag kommen zusätzlich sechs Tagesgruppenkinder, die Regelschulen besuchen, hinzu. Die GrundschülerInnen, überwiegend aus den Klassenstufen 2 bis 4, erhalten gemeinsam eine sozialpädagogische Förderung mit Einzel- und Kleingruppenaktivitäten. Unterstützend wirken ein strukturierter Tagesablauf sowie eine sozialpädagogische Förderung und eine Begleitung der Freizeitgestaltung.

Schwerpunkt unserer pädagogischen Arbeit ist eine intensive Beziehungs- und Erziehungsarbeit: Die sozialpädagogischen Fachkräfte stärken, fördern, begleiten und stabilisieren die Kinder sowie ihre Eltern. Sie vermitteln Verhaltensweisen und Konfliktbewältigungsstrategien und üben sie mit den Kindern ein. Sie unterstützen die Kinder beim Erkennen und Überwinden von Ängsten, Lernblockaden und Widerständen und fördern ihre Ressourcen und Interessen. Gemeinsame Gruppenaktivitäten sowie eine jährliche Gruppenreise stärken die Gruppenfähigkeit der Kinder. Neben der sozialpädagogischen Förderung brauchen die Kinder jedoch meistens ergänzende Hilfen wie Ergotherapie und psychotherapeutische Unterstützung.

Zur Unterstützung und Stärkung der Familien führen Lehr- und sozialpädagogische Fachkräfte zusätzlich Eltern- und Familienberatung sowie regelmäßige Hausbesuche in den Familien durch. Familienzentrierte Angebote wie Elterntreffs und gemeinsame Eltern-Kind-Aktivitäten wie Spielenachmittage und Ausflüge fungieren als elternpraktisches Training: Die Eltern erleben, wie sich ihr Kind verhält und wie sie selbst auf das Verhalten reagieren können.

Unsere Erfolge

erkennen wir an den kleinen Schritten, die die Kinder und auch ihre Eltern während ihrer Zeit bei re:tour hin zu einer Rückkehr in die Regelschulen machen. Neben diesen kleinen Erfolgen können wir die Qualität unserer Arbeit auch am Verbleib der Kinder messen und sind mit der gelungenen Reintegration von bisher neun von zwölf Kindern auf einem guten Weg. Unsere Erfahrung zeigt allerdings auch, dass eine Stabilisierung der schulischen und familiären Situation in der Regel nur mit Anschlusshilfen (z.B. Schulhelfer, Familienhilfe oder andere weiterführende Hilfemaßnahmen) möglich ist.

Für die großen Erfolge unabdingbar sind die vielen kleinen Bausteine, die die Qualität unserer vertrauensvollen Kooperation ausmachen: Wir nutzen die Synergieeffekte zwischen Schule und sozialpädagogischer Förderung und binden die Ressourcen und Kompetenzen aus beiden Systemen ein. Ein kontinuierlicher Austausch findet auf mehreren Ebenen statt, sowohl auf Leitungsebene, mit Fachdiensten als auch zwischen Lehr- und sozialpädagogischen Fachkräften. Die Kooperation zwischen Letzteren ist sehr eng, gemeinsam stimmen sie die Unterrichts- und Erziehungsarbeit individuell für jeden Schüler ab. Sie tauschen sich regelmäßig aus und erörtern interdisziplinär in unterschiedlichen Gremien sowohl strukturelle als auch fallspezifische Fragen. Täglich findet eine Übergabe zwischen Schule und Tagesgruppe statt. In wöchentlichen Teamsitzungen betrachten Lehr- und sozialpädagogische Fachkräfte gemeinsam sowohl den Bedarf als auch die Handlungsziele der Kinder und Familien. Außerdem finden gemeinsame Studien- und Klausurtage statt. Alle sechs Wochen tauschen sich Lehr- und sozialpädagogische Fachkräfte sowie die jeweiligen Leitungskräfte im Runden Tisch, gegebenenfalls mit Gästen wie z.B. dem kinder- und jugendpsychiatrischen Dienst, über das Aufnahmeverfahren oder strukturelle Veränderungen aus. Zudem steht re:tour in kontinuierlichem Kontakt sowohl mit dem Jugendamt (RSD und Fachdienst) als auch mit Therapeuten und Ärzten. Damit die Hilfe gelingt, ist es wichtig, dass sich alle Beteiligten gut miteinander abstimmen.

Unsere Stolpersteine

sehen wir in der Begrenzung der Hilfe auf zwei Jahre. Die Fort- und Entwicklungsschritte, die die Kinder und auch ihre Eltern machen, sind oft nur sehr klein, die Beeinträchtigungen und Hürden sehr groß, so dass zwei Jahre eine sehr knapp bemessene Zeit sind. Der Aufbau unserer Beziehungs- und Erziehungsarbeit, das Einüben und Festigen von Verhaltensweisen können jedoch nur gelingen, wenn ausreichend Zeit vorhanden ist. Außerdem benötigen die Kinder ergänzende therapeutische Angebote, die nicht immer ausreichend zur Verfügung stehen. Sie sind ein wichtiger Baustein für den Erfolg unserer Hilf.

Die Rückführung in die Regelschulen wird stets individuell nach der Entwicklung und den Bedürfnissen des Kindes geregelt. Anschlusshilfen werden dabei nicht grundsätzlich eingeplant. Sie sind jedoch wichtig, um die schulische und familiäre Situation der Kinder zu stabilisieren und den Verbleib in der Regelschule zu sichern.

Unser Fazit

der Arbeit in re:tour ist, dass wir nur durch unser gemeinsames Handeln und die Zusammenführung der Ressourcen und Expertisen aus beiden Bereichen - Schule und Jugendhilfe - den Kindern das für sie notwendige pädagogische Setting bieten können. Dies erfordert von den beteiligten Institutionen und Akteuren enorme Anstrengungen und einen hohen zeitlichen Aufwand für die Abstimmung untereinander, die sich nach Ende der zwei Jahre in re:tour mit der Rückführung in die Regelschule auszahlen. Nur so können Schule und Jugendhilfe der gemeinsamen Verantwortung für die Bildung und Erziehung auch dieser „schwierigen“ Kinder gerecht werden.

Ansprechpartner

B. Starkmann, Schulleitung
Peter-Jordan-Schule
Nehringstraße 9, 14059 Berlin
Tel.: 030 902924-330

M. Tiel-König, Bereichsleiter
DASI Berlin gGmbH
Kottbusser Damm 94, 10967 Berlin
Tel.:  030 253904 304