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Fachtag Schulanfangsphase 2017

Dokumentation des Berliner Fachtags Schulanfangsphase 2017

Lasst uns reden – Kommunizieren und Lernen in der SAPH  

5. Oktober 2017
im Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg

Über 150 Pädagoginnen und Pädagogen kamen zum 5. Berliner Fachtag Schulanfangsphase ins Landesinstitut für Schule und Medien nach Ludwigsfelde. Im Zentrum des Fachtags stand – sowohl im Hauptvortrag als auch in den Arbeitsforen – das Thema Kommunizieren und Lernen im Unterricht der Schulanfangsphase.

Ein Tagungs-Logbuch informierte und begleitete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Veranstaltung.

Dr. Birgit Wenzel, Leiterin des Referats Grundschule, Sonderpädagogische Förderung und Inklusion eröffnete gemeinsam mit Irene Hoppe, Referentin für die Schulanfangsphase, den Fachtag und begrüßte die Gäste.

Im Anschluss daran richtete Oberschulrätin Dagmar Wilde (SenBJF) ein Grußwort an die Teilnehmenden.

Vortrag

Frau Dr. Daniela Götze von der Technischen Universität Dortmund, Institut für Entwicklung und Erforschung des Mathematikunterrichts, hielt einen Vortrag zum Thema „Sprachsensibler (Mathematik-)Unterricht – verzichtbar oder notwendig?

Zwei Arbeitsforen-Phasen boten zahlreiche Impulse für die Praxis

Arbeitsforum 1: Schweigen ist Silber, Reden ist Gold! – Lerngespräche in der Schulanfangsphase

Claudia Wenzel (Johann Peter Hebel Grundschule, Berlin-Wilmersdorf)
   
Klassische Arbeitsbögen und -hefte werden in der Regel schweigend in Einzelarbeit von den Kindern bearbeitet. Aus Erfahrung sind jedoch vor allem die Situationen, in denen Kinder miteinander sprechen können, für den Lernprozess „Gold wert“. An folgenden Unterrichtsbeispielen aus der Schulanfangsphase wurden die Potenziale des Gesprächs für den Schriftspracherwerb vorgestellt:  

  • Rechtschreibgespräche und Wörterpass  
  • "Bewertungssonne“ für einen Gedichtvortrag  
  • Texte knacken mit dem Lese-Lineal  

Arbeitsforum 2: Auf dem Weg zum Lesen

Heike Redel (Matthias-Claudius-Schule, Berlin-Neukölln)
   
Die Erfahrungen in der Schulanfangsphase sind für die Entwicklung basaler Lesefähigkeiten und der sich darauf aufbauenden Lesekompetenz von grundlegender Bedeutung. Nicht selten ist dies ein von Stolpersteinen gepflasterter Weg und stellt besondere Anforderungen an den diagnostischen Blick der Pädagoginnen und Pädagogen und die daraus resultierende Unterrichtsgestaltung.
Die Teilnehmer*innen vertieften ihr Wissen zur Lesedidaktik und lernten dazu passende, 
motivierende und kooperativ umsetzbare Lernangebote auf verschiedenen Stufen des 
Leselernprozesses kennen, die auch die Anschlusskommunikation der Kinder über das Gelesene einbeziehen.  

Arbeitsforum 3: „Zwölf und der Wolf“ – Kommunizieren in und mit Mathematik

Leona Velleuer (LISUM) / Hanna Huth (Heinrich-Seidel-Grundschule, Berlin-Mitte)
 
Im Arbeitsforum lernten die Teilnehmer*innen die Möglichkeiten mathematischen Lernens und Kommunizierens rund um das anregende Bilderbuch „Zwölf und der Wolf“ von In-seon Chae und das dazu vom LISUM entwickelte Zuhörheft kennen. Hergestellt wurden Bezüge zum Rahmenlehrplan 1–10 und Möglichkeiten der konkreten Einbettung in den Unterricht. Hierzu  wurden  Unterrichtsergebnisse und Aufnahmen von Kindergesprächen aus der Schulanfangsphase zum Buchinhalt vorgestellt, gemeinsam diskutiert und analysiert. 

Arbeitsforum 4: Sachgeschichten mit dem Kamishibai erzählen

Ulrike Blumensath (LISUM)
 
Das aus Japan stammende Papiertheater hat einen hohen Aufforderungscharakter und regt Kinder zum mündlichen Erzählen und zum Austausch über die in Bild und Wort präsentierten Geschichten an. Im Sachunterricht kann das Kamishibai gut eingesetzt werden, um Sachgeschichten, z. B. in Form von Abläufen und Zusammenhängen zu erarbeiten und darzustellen. Die Methode eignet sich für zahlreiche Themen im Fachteil Sachunterricht des RLP 1–10.
Im Arbeitsforum wurde anhand verschiedener Praxisbeispiele vorgestellt, wie Schülerinnen und Schüler lernen, selbst Geschichten mit dem Kamishibai zu erzählen bzw. Abläufe zu schildern und dabei verschiedene Kompetenzen entwickeln.

Arbeitsforum 5: Naturwissenschaftliches Explorieren von Kindern unterstützen und Forscherdialoge führen

Mara Lubuze (Coach und Trainerin für non-formelle Bildung)
   
Kinder lernen immer. Drei zentrale Lernstrategien ermöglichen ihnen, so die amerikanische Entwicklungspsychologin Alison Gopnik, Erkenntnisse über sich selbst, die Welt und die anderen Menschen zu generieren: Sie explorieren, sie beobachten, was andere tun und sie kommunizieren. Um Kommunikation in Explorationsprozessen ging es in diesem Arbeitsforum, denn wie Erwachsene mit Kindern kommunizieren, beeinflusst, ob sie zum Explorieren und Nachdenken ermutigt werden. Die Teilnehmer*innen befassten sich u. a. mit den Grundregeln im Dialog mit Kindern, reflektierten das eigene Frage-Verhalten und übten den Umgang mit Warum-Fragen der Kinder.

Naturwissenschaftliches Explorieren von Kindern unterstützen und Forscherdialoge führen (pdf - 1,5 MB)

Arbeitsforum 6: Let’s begin! – Let’s talk!

Heidi Barucki (LISUM) / Corinna Greschuchna (Hans Grade-Grundschule, Borkheide)
   
Kinder begegnen fremden Sprachen mit Neugier und Offenheit. Es fällt ihnen erstaunlich leicht, Laute und Wörter zu imitieren und zu lernen. Viele haben schon vor ihrer Schulzeit andere Sprachen kennen gelernt bzw. sprechen in einer nicht deutschen Herkunftssprache. In diesem Arbeitsforum  wurden Anregungen gegeben, wie in der Schulanfangsphase das (Kennen-)Lernen anderer Sprachen in den Unterricht integriert werden kann. Es wurden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt, mit denen die Kinder schon am Anfang ihrer Schulzeit bzw. bei Beginn des Fremdsprachenunterrichts in Jahrgangsstufe 3 auf einfachem Niveau zum (Miteinander-)Sprechen angeregt werden und dabei ihre eigenen sprachlichen (Vor-)Kenntnisse einbringen können. Am Beispiel der englischen Sprache wurden Methoden, u. a. für die Arbeit mit Spielen, Reimen, Liedern und Geschichten ausprobiert und Ideen für deren Umsetzung im Unterricht diskutiert.

Arbeitsforum 7: Worte zu Bildern – Bilder zu Worten

Jana Reiter (Grundschule am Wilhelmsberg, Berlin-Lichtenberg)
    
… einfühlsame WORTE, lustige, bezeichnende, anleitende, inspirierende, beschreibende, prägnante, fantasievolle, rätselhafte, ausgerufene, gespielte, anregende, gereimte Worte …  zu Bildern – nach Bildern – vor Bildern – von Bildern – über Bilder – für Bilder. Besonders wenn Kinder sich zu ihren Kunstwerken äußern, gewinnen diese an Bedeutung – für sich und für andere. Die Kinder kehren ihr Innerstes nach außen. Faszinierend ist, welch differenzierten Wortschatz schon Fünf- bis Siebenjährige in diesem Zusammenhang entwickeln und entfalten können. Eigene Bildgestaltungen wie auch das Betrachten von fremden Kunstwerken unterstützen dabei. Im Arbeitsforum  wurden vielfältige Unterrichtsideen vorgestellt, Gestaltungsansätze ausprobiert und treffende Worte gesucht und gefunden.

Arbeitsforum 8: Musik trifft Sprache – (Klang-)Geschichten ohne Ende

entfiel

Arbeitsforum 9: Von seltsamen Wesen und malenden Monstern

Regina Pols (LISUM)
   
Kinder lieben seltsame Wesen und phantastische Geschichten. Geschichten in textfreien Bilderbüchern werden ausschließlich mit Bildern erzählt und fordern so das genaue Hinschauen und eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Bildern heraus. Obwohl  textfreie Bilderbücher ohne Worte auskommen, ist die Beschäftigung mit ihnen besonders sprachanregend. Sie laden zum Kommunizieren ein: zum Beschreiben, Erzählen, Vermuten, Fragen, Argumentieren … Im Arbeitsforum wurden zwei „ungeheuerliche“ Bücher vorgestellt und auf lustvolle Weise verschiedene Methoden der sprachlichen und künstlerisch-ästhetischen Annäherung erprobt, die sofort in der Praxis umgesetzt werden können.

Arbeitsforum 10: Gemeinsame Sache machen – Eltern als Partner der Leseförderung in der SAPH

Katja Eder (Literaturwissenschaftlerin und -vermittlerin)
   
Im Übergang von der Kita zur Grundschule sind Kinder und Eltern meistens gleichermaßen fasziniert vom Prozess des Lesenlernens. Die Begegnungen mit den Büchern und Geschichten sind inspirierende und unverkrampfte Anlässe, um gemeinsam mit Eltern und Kindern ins Gespräch zu kommen. Im Arbeitsforum lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Vielzahl von Angeboten zur Sprach- und Leseförderung für die ganze Familie kennen, die auf der Grundlage von Qualitätsmerkmalen schulischer Elternarbeit für die Schulanfangsphase entwickelt wurden. Wie z. B. der Wochenend-Lesebeutel oder das Kinder-Eltern-Lesefest sind sämtliche Anregungen praxiserprobte Einladungen an Kinder und Eltern z. B. zum gemeinsamen Entdecken, Spielen und Sprechen. Sie lassen sich gut umsetzen und funktionieren als Kommunikations-Brücken – ganz im Sinne von Family Literacy – zwischen Schule und Elternhaus und öffnen Türen für eine aktive Teilnahme der ganzen Familie an unserer Lese- und Schriftkultur.

Ausstellung der Verlage

In der Mittagspause konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein speziell für die Schulanfangsphase zusammengestelltes Material verschiedener Schulbuchverlage betrachten.

Bilanz

Insgesamt wurde der 5. Fachtag Schulanfangsphase als anregend für die Arbeit in der Schulanfangsphase bewertet. Gerne hätten die Teilnehmenden noch weitere Arbeitsforen besucht.

Kurz nach Ende des Fachtags fegte Orkan Xavier über Berlin und Brandenburg. Für viele wurde der Heimweg zum Abenteuer. Wir hoffen, alle Teilnehmenden sind heil nach Hause gekommen.

Redaktionell verantwortlich: Erna Hattendorf