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Fachtag Schulanfangsphase 2018

Dokumentation der Tagung

6. Berliner Fachtag Schulanfangsphase    

Willkommen in der Schule – Willkommen in der Schrift   

 am 2. Oktober 2018 im Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg 

Vortrag

Professor i. R. Dr. Jörg Ramseger hielt den Eröffnungsvortrag zum Thema „Vertrauen von Anfang an. Probleme und Chancen der Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Eltern“.

Über 200 Pädagog*innen nahmen am 6. Berliner Fachtag Schulanfangsphase im Landesinstitut für Schule und Medien in Ludwigsfelde teil. Zwei Aspekte wurden beim diesjährigen Fachtag besonders fokussiert: Zum einen ging es um die Entwicklung von Willkommenskultur in der Grundschule, d. h. um die Offenheit der Schule gegenüber allen Schüler*innen und ihren Eltern, die von Anfang an als Bildungs- und Erziehungspartner*innen verstanden und gewonnen werden müssen. Zum anderen wurde eine Hauptaufgabe in der Schulanfangsphase genauer betrachtet: die Einführung der Kinder in die Welt der Schrift: Fachbrief Grundschule Nr. 11 „Grundlagen des Schriftspracherwerbs. Das A und O beim Lesen- und Schreibenlernen“.

Programm des Fachtages

Irene Hoppe stellte im Anschluss LISUM-Broschüren vor, die Pädagog*innen bei der Vermittlung des Schriftspracherwerbs unterstützen.

Susanne Wolter, Abteilungsleiterin am LISUM begrüßte die Teilnehmer*innen und stimmte sie auf die Themen des Tages ein.

Ein Tagungs-Logbuch informierte und begleitete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Veranstaltung.

Podiumsrunde

In einer Podiumsrunde stellten Oberschulrätin Dagmar Wilde (SenBJF), Angela Sommerlatte (Schulleiterin der Clemens-Brentano-Grundschule/Berlin), Madeleine Körschner-Purat (Lehrerin der Clemens-Brentano-Grundschule/Berlin) und Norman Heise (Vorsitzender des Landeselternausschusses Schule/Berlin) ihre Erfahrungen und Perspektiven zur Zusammenarbeit von Schule und Eltern dar.

Arbeitsforen

Zwei Arbeitsforen-Phasen boten zahlreiche Impulse für die Praxis.

Arbeitsforum 1: Grundwortschatz aufbauen in der Schulanfangsphase

Dagmar Buchwald / Ines List (Zentrum für Sprachbildung)  
Der Wortschatz ist eine zentrale Voraussetzung für das Verstehen von gesprochenen und geschriebenen Texten sowie für kompetentes Sprechen und Schreiben. Das Arbeitsforum stellte sich der Frage, wie der Grundwortschatz systematisch mit Kindern mit wenigen Deutschkenntnissen aufgebaut werden kann. Nach einer kurzen theoretischen Einführung zu den lernpsychologischen Vorgängen des Spracherwerbs unter den besonderen Bedingungen der Mehrsprachigkeit standen vielfältige Übungsmöglichkeiten für die Arbeit am Wortschatz, dem Anbahnen erster grammatischer Erfahrungen und der Begegnung mit Schrift sowie eventuelle Stolpersteine im Vordergrund. 

Arbeitsforum 2: Sprachbildung auf richtigem Kurs

Sabine Gryczke / Frauke Wagner Fritzsch (Gustav-Falke-Grundschule)   
In diesem Arbeitsforum wurde der Schulversuch „Differenzierte Sprachförderkonzepte“ der Gustav-Falke-Grundschule vorgestellt. In den letzten Jahren haben Lehrer*innen und Erzieher*innen gemeinsam ein Konzept zur Förderung von allen Schüler*innen in Sprachbildungsgruppen mit unterschiedlichen Förderhorizonten erarbeitet und umgesetzt. Im Arbeitsforum wurden die Gelingensfaktoren für ein solches Projekt und die zu meisternden Herausforderungen dargestellt. Neben einer kurzen Übersicht über die Profilstufen nach Prof. Grießhaber zeigten die Arbeitsforenleiterinnen vor allem, dass Sprachbildung Spaß machen kann und Erfolge zeigt.

Arbeitsforum 3: Mit Eltern – von Eltern – für Eltern / Module der Elternarbeit für erfolgreiches Lernen der Kinder

Guido Richter (Erika-Mann-Grundschule)    
Eltern bereits in der Schulanfangsphase verlässlich in das Boot der Bildung zu bekommen, ist von großer Bedeutung für das Lernen ihrer Kinder. Und aktive Elternarbeit ist ein Gewinn für alle an Schule Beteiligte – aber nicht immer leicht zu initiieren. In der Gesprächsrunde wurden verschiedene Möglichkeiten dafür erörtert. Ganz unterschiedliche Module aus der Elternarbeit der Erika-Mann-Grundschule dienten als Beispiele, um gemeinsam zu überlegen, wie man zusammen mit den Eltern das Lernen der Kinder, aber auch die Entwicklung der Schule gestalten kann.

Arbeitsforum 4: Lesetüten, Koffer, Beutel ... – So kommen (nicht nur Bücher) in die Familie

Beate Janzen (Allegro-Grundschule)   
Viele Wege führen in die Familie: Zur Einschulung wird jedes Kind mit einer besonderen Lesetüte für sich und seine Eltern beschenkt. Der Familien-Leserolli, ein kleiner Koffer vollgepackt mit Büchern und Medien, rollt von Familie zu Familie. Kinder leihen sich fürs Familienwochenende einen Wochenend-Lesebeutel aus, der Leselust und Aktivität für die ganze Familie verspricht. Eltern werden in unterschiedliche Unterrichtsprojekte einbezogen, indem sie z. B. Lieblingswörter in ihren Sprachen vorstellen oder für die Schulgemeinschaft aufschreiben, was für sie im Leben wichtig ist. Im Arbeitsforum lernten die Teilnehmer*innen diese und weitere erprobte Angebote zur Leseförderung kennen, die Kinder und ihre Familien zum gemeinsamen Lesen, Spielen und Sprechen einladen – denn Lesen ist nicht nur Schul-, sondern auch Familiensache.   

Arbeitsforum 5: Zwanzig Zwerge und ein Faden – Lernen mit und durch Sprache, Musik und Bewegung

Andrea von Kiedrowski (Pestalozzi-Schule, Berlin)   
In diesem Arbeitsforum wurden verschiedene Bewegungslieder zum Kennenlernen,  Verabschieden und Warm-Ups für zwischendurch vorgestellt und gemeinsam erarbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt dieses Arbeitsforums LAG auf der Darstellung des Lernens mit und durch Musik, Sprache, Bewegung und Material als Methode im Anfangsunterricht. Adjektive können durch Bewegungsfantasie und sprachliche Ausdrucksfähigkeit erfahrbar und verschriftlicht werden und das Gedicht „Der Faden“ von Josef Guggenmos wurde durch Bewegung erlernt.

Arbeitsforum 6: ABC-Forschungen im Lapbook

Regina Pols (LISUM) 
Das O/o kann man in verschiedenen Gegenständen der Umgebung entdecken, fotografieren und die Fotos in ein Wickelbuch einkleben. Das M/m lässt sich mit unterschiedlichen Stiften spuren und wird dann zum Faltplan. Das P/p ist in Beschriftungen im Haus zu finden, die man abschreiben und zum Pop-up gestalten kann. Unsinn-Wörter mit U/u können in einer Klappkarte gesammelt, A/a-Wörter in einem Flügelaltar geordnet und eine Igelgeschichte kann in einem Leporello gezeichnet werden … So entstehen auf motivierende Weise unterschiedliche individuelle Arbeitsergebnisse, die in einer mehrfach aufklappbaren Mappe – dem Lapbook – versammelt und präsentiert werden. Im Arbeitsforum wurden vielfältige handlungsorientierte Methoden vorgestellt und erprobt, mit denen Kinder das ABC erforschen können.

Arbeitsforum 7: Das A und O beim Schreibenlernen

Heike Redel (Matthias-Claudius-Schule)    
Die Erfahrungen in der Schulanfangsphase sind für die Entwicklung der Rechtschreibkompetenz von grundlegender Bedeutung. Deshalb werden Unterrichtsmethoden gebraucht, die Kinder anregen, sich motiviert, aktiv und handlungsorientiert auf ihren Weg zum richtigen Schreiben zu begeben. In einem Deutschunterricht, der von Anfang an in aufeinander aufbauende Strategien der Rechtschreibung einführt, kann dies gelingen. Im Arbeitsforum vertieften die Teilnehmer*innen ihr Wissen zu den Grundlagen des Schriftspracherwerbs und erhielten methodisch-didaktische Anregungen zur Einführung der grundlegenden Rechtschreibstrategien.

Ausstellung der Verlage

Während des Fachtags konnten die Teilnehmer*innen ein speziell für die Schulanfangsphase zusammengestelltes Material verschiedener Schulbuchverlage genauer betrachten und sich beraten lassen.

Arbeitsforum 8: Braucht Lesen Buchstaben? – Arbeit mit textfreien Bilderbüchern

Stefanie Weber (Hans-Fallada-Schule)     
Lesekompetenz  im weiteren Sinne versteht der Rahmenlehrplan 1-10 als "Umgang mit Texten aller Art und in unterschiedlicher medialer Form". Mit anderen Worten: Kinder können bereits, bevor sie alphabetisiert sind, Texte lesen. Strategien, die sie hierbei entwickeln und anwenden, werden den weiteren Leselernprozess unterstützen. In diesem Arbeitsforum standen vielfältige Anregungen zur Arbeit mit textfreien Bilderbüchern im Mittelpunkt. Der Schwerpunkt LAG auf der Arbeit mit Lesestrategien, die im gemeinsamen Unterricht erschlossen und auch zur Dokumentation individueller Leseinteressen genutzt werden können.  

Arbeitsforum 9: Aufbau von selbstverantwortlichen Lese- und Schreibstrategien

Madlen Schmitz (Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule)    
Wie erwerben Kinder in heterogenen und inklusiven Lerngruppen zunehmend sicher und selbstverantwortlich Lese- und (Recht-)Schreibkompetenz? Im Arbeitsforum wurde anhand von  Praxisberichten und -beispielen anschaulich dargestellt, was sowohl Lernende als auch Lehrkräfte an Handwerkszeug benötigen, um die Organisation und Unterstützung individueller Lernwege beim Schriftspracherwerb zu strukturieren und somit zu erleichtern. Die Lernenden werden durch die Arbeit mit den vermittelten Strategien zunehmend in die Lage versetzt, eigene Texte zu schreiben und diese anschließend selbstständig zu überarbeiten. Weiter wurden im Arbeitsforum zahlreiche ritualisierte und bewährte Schreibanlässe vorgestellt, die bereits am nächsten Tag im Unterricht der Schulanfangsphase Einsatz finden können.

Arbeitsforum 10: Musik macht munter – Lieder und Spiele für alle in der SAPH

Karin Wittram (LISUM)      
Lieder und gemeinsames Musikmachen verbinden und machen Freude. Die Musik dient aber auch der Sprachförderung. Sie unterstützt das Erlernen von Sprachrhythmus, Betonungen  und den Umgang mit Reimen, Lauten und Silben. Im Bereich der körperlichen Entwicklung schult Musik die Koordination.
Im Arbeitsforum wurden leichte Lieder und Rhythmusspiele gelernt, die gerade auch von fachfremden Lehrkräften eingesetzt werden können – sei es als Begrüßung, zum Wachmachen oder bei anderen Gelegenheiten. Rhythmisches Sprechen wurde mit Bodypercussion kombiniert und ein Beispiel für das Erlernen von Liedtexten mit Bildern vorgestellt.    

Bilanz

Insgesamt wurde der 6. Fachtag Schulanfangsphase von den Teilnehmer*innen durchweg positiv eingeschätzt, wie einige Zitate aus den Rückmeldebögen zeigen:   

  • Auch 2 Jahre vor meinen Ruhestand habe ich tolle und umsetzbare Ideen erhalten! Vielen Dank an alle!    
  • Es ist schade, dass man die anderen interessanten Inhalte verpasst.    
  • Danke, für die anregende Veranstaltung! Ich wünsche mir eine höhere Ansprache für Schulen, die bildungsferne und inklusive Schüler*innen beschulen.    
  • Ich nehme mit: auf Elternabenden den fachlichen Input zu reduzieren zugunsten: "Was erwarten Eltern von Schule?", "Was erwarte ich von den Eltern?"     
  • Sehr tolle Anregung für die praktische Umsetzung erhalten. Vielen Dank :-)!    
  • war ein gelungener Tag - hab sehr viel gelernt, viel Inspiration bekommen und bin sehr zufrieden!! Danke   

Professor Dr. Jörg Ramseger, der als kritischer Freund den Fachtag begleitet hatte, schildert seine Eindrücke in den "Zusammenfassenden Bemerkungen".

Redaktionell verantwortlich: Erna Hattendorf