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Fachtag Schulanfangsphase 2019

Dokumentation der Tagung  

7. Fachtag Schulanfangsphase

Lernprozesse begleiten und diagnostizieren - LauBe und was dann?

am 1.10.2019 im Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg

Über 200 Pädagog*innen waren zum 7. Berliner Fachtag Schulanfangsphase in das Landesinstitut für Schule und Medien in Ludwigsfelde gekommen. Im Tagungsfokus standen Strategien der lernbegleitenden Diagnostik bei Lehr- und Lernprozessen. Eine Aufgabe von Lehrkräften ist es, die Lernvoraussetzungen ihrer Schüler*innen regelmäßig zu erfassen, um die daran anknüpfende Förderung wirksam umzusetzen. Der Fachtag widmete sich deshalb den Fragen, welche Verfahren und Instrumente Lehrkräfte bei dieser Aufgabe unterstützen und wie diese als wertvolle Erkenntnishilfe genutzt werden können. Denn: Lernbegleitende Diagnostik bildet die Grundlage, um passende Lernangebote für die individuelle Förderung im gemeinsamen Lernen der Kinder zu entwickeln.

 

Das Tagungs-Logbuch informierte und begleitete die Teilnehmer*innen durch die Veranstaltung.

Vom Team der Schulanfangsphase entwickelte Komplimente-Kärtchen für Lehrkräfte empfingen die Teilnehmenden schon im Treppenhaus, im Foyer und im Berlin-Brandenburg-Saal. Dazu wurde das Vorbereitungsteam durch die Gebrüder-Grimm-Schule aus Hamm inspiriert, die in diesem Jahr den Deutschen Schulpreis erhalten hatte. Auf dem Deutschen Bildungsserver gibt es einen Artikel zur Verleihung des Schulpreises.

 

Susanne Wolter, Abteilungsleiterin am LISUM, eröffnete den Fachtag und führte in das Thema ein.

Prof. Dr. Ulrike Becker, Vertreterin der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, sprach ein Grußwort.

Irene Hoppe stellte im Anschluss zwei LISUM-Broschüren vor, die Pädagog*innen bei der Vermittlung des Schriftspracherwerbs unterstützen:

Vorträge

Beobachten – sammeln – verstehen. Lernprozesse diagnostizieren und unterstützen

Prof. Dr. Michael Ritter (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) hielt den Hauptvortrag: Das Unterrichtshandeln von Lehrer*innen gründet maßgeblich auf Beobachtungen zum Lernverhalten der Schüler*innen. In einem individualisierten Unterricht kommt dieser diagnostischen Wahrnehmung aller Lernenden eine besondere Bedeutung zu. Einerseits gilt es Instrumente zu nutzen, welche das diagnostische Handeln unterstützen. Andererseits sollen die Ergebnisse informeller und formeller diagnostischer Prozesse zum Verständnis der Lernentwicklung von Schüler*innen beitragen und Lehrer*innen darin unterstützen, passende Lernangebote auszuwählen. Am Beispiel konkreter Lernprodukte aus dem Deutschunterricht der Schulanfangsphase eröffnete der Vortrag eine Perspektive auf eine enge Verknüpfung pädagogischer Diagnostik und Förderung.

Individuelle Lernstandsanalysen – eine kurze Einführung in ILeA (plus)

Daniel Meile, Referent für Inklusion/Sonderpädagogische Förderung am LISUM und Projektleiter von ILeA plus führte in die Instrumente ILeA  und ILeA plus ein. Zu Beginn dieses Schuljahrs wurde an Berliner Grundschulen Arbeitsmaterial zur Erhebung individueller Lernstandsanalysen (ILeA) für die Fächer Deutsch (Jgst. 2) und Mathematik (Jgst. 5) verteilt. Diese Maßnahme ist Teil der von Senatorin Sandra Scheeres im Januar 2019 initiierten Qualitätsoffensive. Der Vortrag gab einen Überblick über die „Philosophie“ von ILeA und einen Ausblick auf ILeA plus. An Beispielen wurde die Zielstellung des Instruments mit dem praktischen Einsatz verknüpft.

Präsentation zum Vortrag (pdf - 650 KB)

Arbeitsforen

Arbeitsforum 1: LauBe, ILeA & Co – Anregungen zur Auswertung und Nutzung diagnostischer Tests

Stefanie Weber (LISUM)

Diagnostische Tests helfen uns, das einzelne Kind in den Blick zu bekommen und die Förderung darauf aufzubauen. Oft ergeben sich aber schulweit Schwerpunkte und Problemstellungen, wenn der Blick über einzelne Schüler*innen und Klassen hinausgeht. Das Arbeitsforum lieferte Ideen und unterstützte dabei, Konzepte für die eigene Schule zu entwickeln. Hierbei gibt es kein Einheitsmodell, sondern jede Schule muss sich, ausgehend von den individuellen Gegebenheiten (Ressourcen, Materialien, Personal, Strukturen) eigene Handlungsmöglichkeiten erarbeiten.

Arbeitsforum 2: ILeA plus-Schnupperkurs

Andrea Härtel (LISUM)

ILeA plus ist die digitale Überarbeitung und Weiterentwicklung von ILeA, das als Printmaterial (ILeA 2/Deutsch sowie ILeA 5/Mathematik) nun auch in Berlin vorliegt. ILeA plus kann seit diesem Schuljahr in Brandenburger Grundschulen genutzt werden. Es ist ein innovatives Instrument der individuellen Lernstandsanalyse für die Grundschulzeit auf der Basis des RLP 1-10 für die Fächer Deutsch und Mathematik. Mit ILeA plus wird die Lernausgangslage eines Kindes diagnostiziert. Daraufhin werden konkrete Förderangebote für das individuelle erfolgreiche Weiterlernen empfohlen und zusammengestellt. Im Arbeitsforum konnten die Teilnehmenden an PCs einen Einblick in verschiedene Aufgabenpakete von ILeA plus bekommen und diese selbst erproben.

Arbeitsforum 3: Prävention von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten

Heike Redel (SenBJF)

Bei der Begleitung der Schüler*innen auf dem Weg zum richtigen Schreiben und flüssigen Lesen bieten sich regelmäßig Sichtfenster an, um die schriftsprachliche Entwicklung differenziert zu beobachten. So lassen sich Risikokinder für einen verzögerten Schriftspracherwerb in der Schulanfangsphase frühzeitig erkennen und fördern.
Im Arbeitsforum vertieften die Teilnehmer*innen ihr Wissen zu den Grundlagen des Schriftspracherwerbs und erhielten methodisch-didaktische Anregungen zur lernprozessbegleitenden Diagnostik mit daraus resultierenden Fördermöglichkeiten und Trainings zur Prävention von LRS.

Arbeitsforum 4: Lesen- und Schreibenlernen begleiten und wirksam fördern

Marion Gutzmann (LISUM)

Wie können sprachliche Entwicklungsstände erfasst und wie können Lernpotenziale und Lernfortschritte erkannt und besser genutzt werden? Wie kann Lesen und Schreiben wirksam unterrichtet werden? Im Rahmen des Arbeitsforums wurden, z. B. anhand der ILeA-Lesegeschwindigkeitsanalyse für die Jahrgangsstufe 2, Möglichkeiten thematisiert, mit denen die Lernvoraussetzungen für den Erwerb grundlegender Basiskompetenzen im Fach Deutsch ermittelt werden können. Daran anknüpfend erhielten die Teilnehmenden Einblick in Unterstützungsmaterialien, die ein breites Spektrum von Förderangeboten bereithalten. Es wurde die Diskussion darüber angeregt, inwieweit im Rahmen der Qualitätsoffensive des Landes Berlin die Nutzung von Lernstandsanalysen und von Materialien zum Lesetraining Lehrkräfte weiter unterstützen kann.

Arbeitsforum 5: Diagnose und Förderung zur Leitidee „Daten und Zufall“ von Anfang an

Petra Radefahrt (LISUM)

Diagnose und Förderung – ein fester Bestandteil des Mathematikunterrichts. Was ist Diagnose und was soll diagnostiziert werden? Wie werte ich die Diagnose aus? Was ist Förderung und wie kann die Förderung gelingen? Wie arbeite ich im Unterricht mit Diagnose und Förderung? Auf all diese Fragen wurden im Arbeitsforum Antworten gefunden.
Mithilfe des im LISUM entwickelten Diagnose- und Fördermaterials bekamen die Teilnehmenden Anregungen zur Arbeit mit dem Material im Förder-, aber auch im Regelunterricht. Anhand von Schülerlösungen in den Bereichen Daten, Wahrscheinlichkeit und Kombinatorik wurden die Fehlvorstellungen der Schüler*innen aufgedeckt und gezielt Fördermaßnahmen vorgestellt, um die fehlenden Kompetenzen zu entwickeln.

Arbeitsforum 6: Erproben inklusiver Lernumgebungen für Mathematik

Susanne Führlich / Daniela Wellhausen (iMint-Akademie)

Inklusive Lernumgebungen unterstützen durch motivierende Aufgabenstellungen und das aktive Handeln mit vielfältigen Materialien das Lernen in heterogenen Lerngruppen. Durch die handlungsorientierten Zugänge und Bearbeitungsmöglichkeiten können alle Kinder die Aufgaben forschend lösen. Die Lernumgebungen fördern die Entwicklung der prozessbezogenen Kompetenzen. Im Arbeitsforum wurde eine Lernumgebung aus der Themenkiste „Berlin mathematisch“ vorgestellt und gemeinsam erprobt. Anschließend gab es Gelegenheit, einen Überblick über weitere Lernumgebungen aus den verschiedenen Themenkisten für die Niveaustufen A und B zu gewinnen.

Arbeitsforum 7: Kinder in der SAPH dokumentieren ihr Lernen mit dem Portfolio

Claudia Wenzel (Johann-Peter-Hebel-Schule)

Wie können Kinder an der Ermittlung und Bewertung ihrer Leistungen schon in der Schulanfangsphase beteiligt werden? Wie kann die individuelle Lernentwicklung so dokumentiert werden, dass sie für Kinder und Eltern nachvollziehbar wird?
Zu diesen Fragen wurden im Arbeitsforum ausgewählte Beispiele aus der Schulpraxis vorgestellt.

Arbeitsforum 8: Miró als Entwicklungshelfer – Diagnose und Förderung im Kunstunterricht mit Kompetenzrastern

Regina Pols (LISUM)

Der vielseitige Künstler Joan Miró ist besonders gut als Vorbild für Gestaltungen geeignet, bereits im Kunstunterricht der Schulanfangsphase. Dabei kommen die Schüler*innen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Oft ist es nicht einfach, an den Arbeitsergebnissen den Kompetenzstand im Fach abzulesen und die Schüler*innen entsprechend zu beraten und zu fördern. Hier können Kompetenzraster helfen. Sie konkretisieren die Standards des Rahmenlehrplans und die Indikatoren der Zeugnisse in Bezug auf ein Unterrichtsvorhaben. So wird die Diagnose erleichtert und auch für Schüler*innen und Eltern nachvollziehbar. Ein Kompetenzraster zeigt auch immer den nächsten Schritt in der Kompetenzentwicklung. Im vorgestellten Beispiel war Miró dafür der Entwicklungshelfer. Im Arbeitsforum schätzten die Teilnehmenden Schülerarbeiten mit Kompetenzrastern ein und stellten sich auch selbst einer gestalterischen Miró-Aufgabe.

Arbeitsforum 9: Wort, Bild, Ton – Aktion

Philine Oberwalleney (Berliner KulturGestalten)

Geschichten, Reime und Lieder tragen einen wichtigen Teil zur Sprachentwicklung bei. Das Wiedergeben, Erfinden und Inszenieren von Geschichten bietet gerade durch den Einsatz digitaler Technologien vielfältige neue Möglichkeiten. In diesem Arbeitsforum wurde gezeigt, wie Geschichten in gemeinsamer Aktion entstehen und zum Leben erweckt werden: manuell und durch den Einsatz digitaler Medien. Im Arbeitsforum wurden verschiedene Ideen sowie Umsetzungsmöglichkeiten in Bild und Ton bis hin zu verschiedenen Arten von Trickfilmen vorgestellt und ausprobiert. So können bereits in kurzer Zeit frei erfundene oder bestehende Geschichten, Reime, Lieder oder auch Abläufe illustriert und kreativ umgesetzt werden. Dabei steht immer auch die Teamarbeit im Vordergrund: der Austausch auf dem Weg von der Idee bis zum Endprodukt.

Arbeitsforum 10: „So könnte ich es probieren“ – Prozessorientierte Lernbegleitung in der Lernwerkstatt

Brigitte Wehmeyer (Leiterin der Lernwerkstatt in der Grundschule am Rüdesheimer Platz)

Neugierig sein – Fragen aufwerfen und verwerfen – Umwege gehen ... All dies sind dem Lernen innewohnende Elemente. Sollen sie jedoch zu einem fruchtbaren Ergebnis führen, benötigen sie Zeit und wertschätzende Dialogpartner*innen, damit sich eine Lernkultur entwickelt, welche auch auf den Schulalltag überschwappt.
Wie komme ich konstruktiv in den Dialog? Wie kann ich fragen? Welche Impulse öffnen? Welche Instrumente kann ich zur individuellen Beobachtung und Unterstützung nutzen? Was hilft mir, die Potenziale der Lernenden deutlicher und ungefilterter wahrzunehmen?
Der lernbegleitende Ansatz der Lernwerkstättenarbeit kennt hierfür vielfältige Strukturen und Methoden, mit denen die Teilnehmenden durch eigenes Ausprobieren im Arbeitsforum vertraut gemacht wurden. Dazu gehörten Forscherkreise, welche bei der Themenfindung und -bearbeitung helfen, Forschertagebücher, in denen der eigene Prozess mit all seinen Wegen und Umwegen vielfältig dokumentiert wird oder Werkschauen der etwas anderen Art, welche die Besucher*innen mit einbeziehen.

Arbeitsforum 11: Philosophieren und Forschen an eigenen Fragen

Scharun von Bonin (Grundschule am Rüdesheimer Platz) / Renée Kundt (SenBJF)

Die Didaktik des kreativen Philosophierens und Forschens mit Kindern und Jugendlichen nach Dr. Kristina Calvert hat sich in Hamburg, Niedersachsen und Berlin in der Praxis der inklusiven Begabungsförderung bewährt. Entwicklungsschnelle, leistungsstarke oder besonders begabte Kinder profitieren von diesen Angeboten – aber nicht sie alleine, sondern die gesamte Lerngruppe. Es entstehen Denk- und Deutungsräume für Fragen, die Kinder beschäftigen, auch über sonstige Unterrichtsthemen hinaus. Durch die Arbeit mit Bildern und Materialien und durch unterschiedliche Lern- und Präsentationsformen eignet sich die Methode hervorragend für sprachlich, kulturell und entwicklungsbezogen heterogene Lerngruppen. Die Methode, die nicht nur ergänzend zum Unterricht eingesetzt, sondern auf viele Fächer übertragen werden kann, stellt somit ein Angebot zum Erkennen und Fördern individueller Potenziale für alle Kinder dar.
Um den Blick kompetenz- und stärkenorientiert auf alle Kinder richten zu können, werden erweiterte Unterrichtskonzepte benötigt. Wenn Kinder spüren und zeigen dürfen, was sie interessiert, was sie können und wissen, übernehmen sie Verantwortung für ihr Lernen und Handeln und können ihre Talente entwickeln. Inklusiv gedachte Begabungsförderung setzt genau dabei an, diese Erfahrung an Selbstkompetenz zu ermöglichen. Im Arbeitsforum gab es dazu eine erste Einführung.

Ausstellung der Verlage


Während des Fachtags konnten die Teilnehmenden wieder ein speziell für die Schulanfangsphase zusammengestelltes Material verschiedener Schulbuchverlage genauer betrachten und sich beraten lassen.

Bilanz

Insgesamt wurde der 7. Fachtag Schulanfangsphase von den Teilnehmer*innen sehr positiv eingeschätzt. Folgend einige Zitate aus den Rückmeldebögen: 

  • Es war ein inspirierender Tag!
  • Vielen Dank für die vielen gewinnbringenden Vorschläge, Anregungen und das Praxismaterial.
  • Schade, dass Prof. Dr. Ritter seinen Vortrag etwas abkürzen musste, ich hätte gerne alles gehört.
  • Hervorzuheben ist die Möglichkeit zum „Netzwerken“!
  • Die Komplimente waren toll! Ein großes Kompliment ans LISUM. Ich komme gerne wieder.
  • In einem Arbeitsforum habe ich sehr gute Hinweise zum Umgang mit den Indikatorenzeugnissen bekommen.
  • TOP!
  • Immer sehr gute Organisation!
  • Die Anregungen in den Arbeitsforen waren sehr anregend und praktisch umsetzbar, eine gute Verzahnung von Theorie und Praxis.
  • So viele Informationen in zu kurzer Zeit.
  • Bin beeindruckt von ILeA plus. Hoffentlich auch bald in Berlin nutzbar.
  • Ich wünsche mir eine Fortsetzung mit stärkerem Schwerpunkt auf Mathematik.

Redaktionell verantwortlich: Erna Hattendorf