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Potsdamer Netzwerk "Schulen einer Stadt"

Das Potsdamer Netzwerk "Schulen einer Stadt"

Im Netzwerk "Schulen einer Stadt" kooperieren weiterführende Schulen der Stadt Potsdam, um gemeinsam neue Unterrichtsvorhaben zu entwickeln und die Lernkultur zu verändern. Anlass gab im Jahr 2015 der Rahmenlehrplan, der mit den übergreifenden Themenkomplexen Impulse für die vernetzte Arbeit setzte. Von 2017 bis 2019 war das Netzwerk ein Projekt der deutschen Schulakademie, die während der Projektlaufzeit den inhaltlichen und finanziellen Rahmen gegeben hat. Seit dem Schuljahr 2019/20 sind weiterhin 14 Schulen Teil des Netzwerks. Sie haben den Referenzrahmen unterschrieben, der den Rahmen der Kooperation absteckt. Das MBJS unterstützt finanziell und inhaltlich wird eine Kooperation mit der Universität Potsdam angestrebt.

Kooperation hat einen Rahmen

Der Referenzrahmen, der von allen teilnehmenden Schulen unterschrieben wurde, legt die Ziele und Organisation des Netzwerks fest. Hier wurden Festlegungen für die Teilnehmenden, die Steuergruppe, die Arbeitsformen und ein Arbeitsplan für 2 Jahre festgeschrieben.

  • Babelsberger Filmgymnasium
  • Bertha-von-Suttner-Gymnasium Babelsberg
  • Einstein-Gymnasium Potsdam
  • Friedrich-Wilhelm-von-Steuben Gesamtschule
  • Gesamtschule Peter-Joseph-Lenné
  • Gesamtschule Am Schilfhof
  • Hermann-von-Helmholz-Gymnasium
  • Humboldt-Gymnasium
  • Leibniz-Gymnasium-Potsdam
  • Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule Potsdam
  • Montessori-Oberschule Potsdam
  • Neue Gesamtschule Babelsberg
  • Schulzentrum am Stern
  • Sportschule Potsdam Friedrich Ludwig Jahn

Geschichte des Netzwerks

Mit der Implementierung des neuen Rahmenplans für die Klassenstufen 1-10 gab es 2015 erhebliche Probleme und einen enormen Fortbildungsbedarf.

Auf Initiative von Karen Pölk und Rüdiger Ziemer, damals im Vorstand des Landesverbandes der Gesamtschulen, fand im LISUM eine Schulleiterberatung mit Vertretern des Instituts zur Implementierung des neuen Rahmenlehrplans statt.

Entscheidende Fragen zur Bewertung und zum Unterricht in Niveaustufen konnten nicht ausreichend beantwortet werden und uns wurde klar, dass wir uns diese Antworten in der praktischen Arbeit nur selbst geben konnten. Ausgehend von der Erkenntnis, dass der Rahmenlehrplan in die richtige Richtung zielt und hohe Anforderungen stellt, machten wir uns auf den Weg.

Über viele Jahre hinweg hatten die durch den zuständigen Schulrat Eckhart Dörnbrack organisierten Fortbildungen der Schulleiterinnen und Schulleiter ein sehr gutes Verständnis untereinander hergestellt. Das war eine wichtige Voraussetzung für die langfristige Zusammenarbeit der weiterführenden Schulen auf Augenhöhe.

Der entscheidende Anstoß zur Bildung eines „Netzwerks“ kam erstmalig von Ulrike Kegler, der damaligen Schulleiterin der Montessori Schule Potsdam. Die Schulleiterinnen und Schulleiter konnten sich vorstellen, nicht mehr in harter Konkurrenz gegeneinander zu arbeiten, sondern im Miteinander Impulse zu gestalten, um die Lern- und Schulkultur an unseren Schulen im Sinne des neuen Rahmenlehrplans zu entwickeln. Dabei war eine wichtige Prämisse, die Stärken der einzelnen Schulen für alle als Angebot nutzbar zu machen, ohne die Unterschiede im Profil, im pädagogischen Ansatz und inneren Gefüge zu verwischen.

Es bildete sich eine Steuergruppe aus vier Schulleiterinnen und einem Schulleiter. Dieses Team entwickelte unter Federführung von Ulrike Kegler einen Referenzrahmen und einen Projektplan. Das Ziel bestand von Anfang an darin, das enorme Know-how der Deutschen Schulakademie zur Unterstützung unserer Arbeit zu nutzen. In der Anfangsphase waren die Schulen durch die Schulleiterin/den Schulleiter und je nach Größe der Schule drei bis fünf Lehrkräfte vertreten.  Die Auswahl erfolgte an den Schulen ganz unterschiedlich, was sich auch auf die weitere Arbeit auswirkte.

Letztlich bildete sich ein hochproduktives Team, das miteinander erste Themen und Projekte entwickelte. Von vornherein war klar, dass wir den Unterricht verändern wollten.

Nachhaltiges und freudbetontes Lernen, häufig in projekt- und produktorientierten Angeboten sollte im Zentrum des schulischen Lebens stehen.

Die Akademie Paretz von Helga Breuninger war von Anfang an ein Ort, an dem wir höchst produktiv miteinander arbeiteten.

Es begann unter anderem im Frühsommer 2016 mit einem Spaziergang von jeweils zwei Schulleiterinnen bzw. Schulleitern, die sich zu ihrem Führungsstil, zur Personal- und Organisationsentwicklung in ihren Schulen und ihrem grundsätzlichen Verständnis vom Lernen austauschten.

Schnell fanden sich thematisch differenzierte schulübergreifende Arbeitsgruppen, die sich vornahmen, miteinander unterschiedliche Themen der schulischen Entwicklung zu bearbeiten.

Eine tragende Idee unserer Netzwerkarbeit bestand darin, einen Schuljahresauftakt für alle Potsdamer Lehrerinnen und Lehrer zu organisieren. Dieser erste Schuljahresauftakt fand 2016 mit dem Referenten Manfred Spitzer statt. Etwa 900-1000 Lehrkräfte waren in die MBS Arena Potsdam gekommen, um den Hirnforscher Spitzer zum Thema Lernen zu hören.

Im zweiten Jahr kam mit Robin Malloy ebenfalls ein Hirnforscher und im dritten Jahr luden wir Markus Hengstschläger, Genetiker aus Wien, zum Thema Durchschnittsfalle nach Potsdam ein. Hunderte von Lehrkräften ließen es sich nicht nehmen, das Schuljahr so miteinander zu beginnen. 2019 sprach  Axel Krommer über das Lernen im Zeitalter der Digitalität

Eine entscheidende Zäsur in der Entwicklung der Netzwerkarbeit markiert der März 2017. Hier wurde die Deutsche Schulakademie nach Monaten intensiver Vorarbeit zu unserem Partner und zum Träger des Projekts. In ganz enger Zusammenarbeit entwickelten wir im Rahmen der Akademiearbeit unsere Vorhaben weiter. Dabei wurde deutlich, dass wir zwei Ziele verfolgen:

1. Entwicklung des Gefäßes Netzwerk mit institutionalisierten Abläufen, Regelungen und Veranstaltungen.

2. Nachhaltiges freudbetontes Lernen unter dem Motto „ohne Sorge lernen“ etablieren.

Themen der gemeinsamen Arbeit bildeten die fachübergreifenden Angebote des neuen Rahmenlehrplans.

Der damals entstandene Projektplan beschreibt das Grundverständnis unseres Netzwerks, ritualisierte Abläufe und konkrete Vorhaben:

Zweitägige Netzwerktreffen und eintägige Arbeitstreffen fanden mindestens einmal pro Halbjahr statt. Hier arbeiteten die festgelegten Vertreterinnen und Vertreter der Schulen miteinander an der Entwicklung von fächerübergreifenden Unterrichtsvorhaben und an allgemeinen pädagogischen Problemen. Die Fragen - Was ist guter Unterricht, nach welchen Kriterien wird wann bewertet, wie wird mit den neuen Medien gearbeitet? – bestimmten unsere Arbeit ebenso wie ganz viele Einzelprobleme, die die Lehrkräfte miteinander besprachen und bearbeiteten.

Um die Arbeit der schulübergreifenden Teams zwischen den Treffen zu ermöglichen, wurde ein Stundenplanfenster für die Beteiligten – montags ab 14 Uhr- geschaffen.

Zu den Themen:

Verbraucherbildung, Kulturelle Bildung, Europa, Interkulturelle Bildung und Gesundheit wurden Unterrichtsvorhaben entwickelt, an den Schulen in unterschiedlichen Formaten unterrichtet und schließlich durch die verantwortlichen Teams evaluiert.

In einem überregionalen Lernforum im Frühjahr 2019 wurden die Ergebnisse der zweijährigen Zusammenarbeit mit der Deutschen Schulakademie präsentiert.

Die Unterstützung durch die Akademie führte zur Klarheit in der Zielsetzung und ermöglichte die Präsentation der Ergebnisse für Schulen in ganz Deutschland. Die DSA finanzierte und organisierte Referenten, deren Angebote unser pädagogisches Selbstverständnis unter dem Motto „Mehr gute Schulen“ erheblich beeinflussten.

Die Netzwerkidee wurde von Anfang an durch das Staatliche Schulamt Brandenburg, die Stadt Potsdam, besonders aber das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport mitgetragen und befördert.

Schulübergreifende Gruppen arbeiten an unerschiedlichen Themen

Derzeit arbeiten die Gruppen an folgenden Themen:

Vernetzung von Schülerinnen und Schülern in der Stadt

Nachdem die Vernetzung der Lehrer*innen verschiedener weiterführender Schulen in Potsdam in den letzten drei Jahren erfolgreich von der Idee bis zur Umsetzung gebracht worden ist, vernetzen sich nun auch die wichtigsten Personen der Schulen, die Schüler*innen. Ziel soll, wie schon bei den Lehrer*innen, die Verbesserung des Unterrichts und des Bildungsangebots in den beteiligten Schulen sein. Schon das erste Treffen zeigte, wie viele konstruktive Ideen die Schüler*innen haben und wie motiviert sie an die Umsetzung gegangen sind. Lehrer*innen des Netzwerkes werden sie in Ihren Vorhaben begleitend unterstützen.

Schulübergreifende kollegiale Hospitation

Das Ziel der Arbeitsgruppe im Netzwerk Schulen einer Stadt ist die Entwicklung eines kollegialen Hospitationskonzeptes zur Verbesserung des Unterrichts. Es ergeben sich dadurch neue Perspektiven auf die Schüler, die eine differenzierteres Bild ermöglichen und neue Handlungsoptionen für die Lehrkräfte aufzeigen. Zudem wird ein kollegialer und kooperativer Austausch mit den Kollegen ermöglicht. In der Erprobung des Konzeptes arbeiten wir zunächst schulübergreifend. Die beteiligten Schulen sind die Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule, die Lenné Gesamtschule, das Humboldt-, Einstein- und das Helmholtz-Gymnasium.

Leistungsrückmeldung und -bewertung

Ausgehend von einem Vortrag von Prof. Dr. Eiko Jürgens, werden Rückmeldeformate diskutiert und ausprobiert.

Medien - Digitalität / Antragstellung für den Digitalpakt

Die AG versteht sich als Plattform zum Erfahrungsaustausch über Digitalität und Medien im
schulischen Kontext. Es werden Konzepte zum Einsatz digitaler Materialien und
die Auswirkung auf die Gestaltung des Unterrichts erörtert. Zielsetzung ist, Digitalität an Schulen
aufbauen zu helfen. In der Vernetzung sehen wir den Austausch von Erfahrungen und
Fragestellungen, um Voraussetzungen und Bedingungen für das digitale Arbeiten zu
konkretisieren, z.B. grundlegende Infrastruktur, Hardware, Software, Methoden, Mehrwert für
Organisation und Lernen.
Dabei werden produktorientiert Handlungs- und Lösungsvorschläge für die Netzwerkschulen
entwickelt.

Schuljahresauftakt am 28.8.19 in der MBS-Arena

Herr Axel Krommer hielt einen Vortrag zum Thema „Zwischen Oralität und Digitalität - Paradigmatische Perspektiven auf Lernen, Schule und Bildung“. Darin setzte er sich mit der Diskussion nach dem Mehrwert digitaler Medien für das Lehren und Lernen auseinander. Wesentliche Aspekte des Diskurses zu Bildung und Digitalität waren Thema des Vortrags. Bewahrpädagogische, strukturkonservative und bisweilen irrationale Denkweisen der derzeitigen Debatte wurden von Krommer hinterfragt. Die Ummantelung alter pädagogischer Prinzipien durch digitale Technik bezeichnete Krommer als „palliative Didaktik“ und identifizierte und analysierte sie als Anzeichen einer Krise.

Den Vortrag besuchten ca. 600 Interessierte.

 

 Netzwerktreffen am 16./17.09.19, Universität Potsdam (Golm)

Thema des zweitägigen Netzwerktreffens war, anknüpfend an den Schuljahresauftakt, das Thema „Digitalität und Digitalisierung“. Als Diskussionspartner stellte sich Prof. Ulrich Kortenkamp (Didaktik der Mathematik der Universität Potsdam) zur Verfügung. Er sprach sich dafür aus, dass eine Zusammenarbeit zwischen Universität und Schule in Potsdam auf Augenhöhe wichtig und längst überfällig sei. Er formulierte das Bedürfnis, dass Wissenschaft und Praxis sich gemeinsam den Fragen der Digitalität und der Unterrichtsentwicklung stellen.

Das war ein erster, sehr gelungener Schritt, die gegenseitige Absicht zur Kooperation des Netzwerks „Schulen einer Stadt“ und der Universität Potsdam mit Leben zu erfüllen. Der neue Tagungsort, der Uni-Campus Golm, erwies sich als geeignet für die weitere Zusammenarbeit im Netzwerk.

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden in Gruppen Möglichkeiten und Grenzen der Arbeit mit digitalen Medien in den unterschiedlichen Schulen.

Folgende Arbeitsgruppen haben sich gebildet:

  • „Schüler*innen einer Stadt“
  • Bewertung
  • Medien
  • kollegiale Hospitationen

Als neues Format des Netzwerks arbeitet eine schulübergreifende Gruppe („Spezialisten“) zur Umsetzung des Digitalpakts und der Medienentwicklungsplanung ihrer Schulen.

Alle verfolgen das im Referenzrahmen formulierte Ziel, Impulse für nachhaltiges, freudbetontes Lernen in die Schulen mitzunehmen.

 

Netzwerktreffen am 20.11.19, Universität Potsdam (Golm)

„Konsolidierung und Kontinuität“ – unter diesem Motto stand unser letztes Netzwerktreffen in diesem Jahr. Im Bericht der Arbeitsgruppen wurde deutlich, dass diese in der Zwischenzeit gute Ergebnisse erzielt hatten: Schülersprecher*innen haben sich getroffen, vernetzt und Ziele für eine Zusammenarbeit aufgestellt, kollegiale Hospitationen fanden schulübergreifend statt usw.

Dr. Anne Jurczok (empirische Unterrichts- und Interventionsforschung, Universität Potsdam) stellte die „Lesson-Study-Methode“ zur kooperativen Unterrichtsentwicklung vor. Der Austausch konzentrierte sich auf praktische Umsetzungsmöglichkeiten und den Mehrwert der kollegialen Weiterentwicklung, die Chancen für Begabtenförderung und individuelle Wahrnehmung von Schüler*innen im Lernprozess.

In der Arbeitsphase der AG wurden die Themen: Bewertung, kollegiale Hospitationen, Medien, Vernetzung „Schülerinnen und Schüler einer Stadt“ weiter vertieft und Termine und Arbeitsschwerpunkte bis zum nächsten Netzwerktreffen im Februar festgelegt.

Die Teilnehmer bewerteten das eintägige Arbeitstreffen sehr positiv.

Redaktionell verantwortlich: Sebastian Raphael, LISUM