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Werkstattarbeit

Werkstattarbeit


Werkstattunterricht ist eine Form der "Freien Arbeit", die ein weitestgehend individualisierendes und differenzierendes Lernen ermöglicht, ohne dadurch in die Beliebigkeit des "Hauptsache, jedes Kind ist beschäftigt" abzugleiten.
Der Lehrer stellt - in der Regel zu einem Oberthema - Lernangebote zusammen, die z.T. auch mehrere Fächer einbeziehen können.
In der Regel ist eine Werkstatt für etwa drei Wochen geplant; es kommt aber auch vor, dass eine Werkstatt schon nach zwei Wochen "abgefressen" ist (dann war sie entweder besonders ansprechend und spannend, oder aber nicht anspruchsvoll genug) oder dass sie auf vier Wochen verlängert werden muss (dann war sie wenig ansprechend oder zu anspruchsvoll). Keinesfalls sollte man an dem vorab geplanten Zeitraum unbedingt festhalten wollen, sondern flexibel auf die Situation reagieren und auf die Zeitbedürfnisse der Schüler eingehen.

Die Lernangebote des Werkstattunterrichtes...

  • ermöglichen die verschiedenen Sozialformen der Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit
  • können ohne Lehrerhilfe bearbeitet und kontrolliert werden
    können (möglichst) in verschiedenen Schwierigkeitsgraden bearbeitet werden
  • enthalten nicht immer alle zur Lösung notwendigen Materialien und Informationen, so dass diese selbständig von den Schülerinnen und Schülern organisiert werden müssen
  • sind auf den aktuellen Leistungsstand und die Bedürfnisse der jeweiligen Klasse zugeschnitten

Quelle5


Wie macht man Werkstattunterricht?

In einem breiten Lernangebot werden die verschiedensten Lernkanäle angesprochen. Die Arbeitsaufträge umfassen möglichst unterschiedliche Tätigkeiten: z. B. spielen, sprechen, schreiben, ordnen, basteln, lesen, hantieren. Sie erfordern den Einsatz von verschiedenen Medien (Tonband, Bücher, Karten, Spiele, Computer, Video, Bilder usw.).

Die Aufträge werden auf Arbeitskarten notiert und so formuliert, dass die Schülerinnen und Schüler selbständig arbeiten können. Das zur Lösung notwendige Material liegt bei, damit die Arbeiten selbstständig kontrolliert werden können. Lernende lösen Aufträge nach eigener Wahl allein, zu zweit, oder in Gruppen in freier Reihenfolge. Jeder Schüler erhält einen Arbeitspass, in welchem die Lehrkraft nach erfolgreicher Beendigung einer Aufgabe eine Bestätigung einträgt. Einzelne, besonders wichtige Lernaufgaben können für alle Schülerinnen und Schüler zur Pflichtaufgabe erklärt werden.6

Der Werkstattunterricht ist nicht als starr festgelegte Unterrichtsmethode mit vorgegebenen inhaltlichen, formalen oder zeitlichen Vorschriften zu verstehen. So können die Lernangebote einer Werkstatt alle zum gleichen Thema ausgesucht werden oder in keinem inhaltlichen Zusammenhang stehen. In der Werkstatt kann 1 Stunde pro Tag, 1 Tag pro Woche, 1-2 Tage in Folge oder 1-2 Wochen gearbeitet werden. Die Aufgaben der Lehrerin liegen vor dem Beginn einer Werkstatt darin, die Materialien vorzubereiten und die Arbeitsaufträge zu formulieren. Sie wird zur Beraterin, Moderatorin oder Helferin.7

Lernwerkstatt Sabine Schiller

Schülerinnen und Schüler lernen unterschiedlich, unterschiedlich intensiv, unterschiedlich schnell, unterschiedliche Inhalte mit unterschiedlichen Lernpartnern, an unterschiedlich bevorzugten Orten und mit Hilfsmitteln, die in ihrer Auswahl von Schüler*in zu Schüler*in ebenfalls unterschiedlich sind. Das tun sie jedenfalls dann, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Wem daran liegt, dass dies auch in der Schule stattfindet, für den kann Unterricht in einer besonderen Form - die Lernwerkstatt - vielleicht eine Anregung sein.

Sabine Schiller aus Hamburg praktiziert diese Form des Lernens in Anlehnung an die Lernphilosophie des Alpeninstituts Beatenberg (Schweiz) seit 2002 in einer Gesamtschule in Hamburg, und das nach eigenen Angaben mit Erfolg. Erfolg, das heißt in diesem Falle: Lernzufriedenheit und ein Gefühl der Selbstwirksamkeit bei den ihr anvertrauten SchülerInnen. Am 14. Dezember 2007 stellte Kollegin Schiller ihr Lernarrangement vor.

Wenn Sie interessiert sind zu erfahren, wie man eine Lernwerkstatt umsetzen kann, dann bieten wir Ihnen das Material unter www.schillerverlag.de.

Angebotstische

Realisierbar als Gesamtraumkonzept oder als Arbeitsnische im Klassenzimmer werden auf verschiedenen Tischen Materialien und Arbeitsaufforderungen bereitgelegt. Die verschiedenen Tische sprechen möglichst alle Sinne an, um das Thema zu bearbeiten. Möglichkeiten der Realisierung sind u.a. Sachbücher, Gedicht-/ Geschichtenwerkstatt, Zeichnen, Modellieren, Experimentieren, Arbeitsblätter und Spiele.

Thematische Landkarte

Eine vom Lehrer*in erstellte Übersicht über die verbindlich zu erlernenden Inhalte eines Stoffkomplexes gibt dem Schüler*in einen (graphisch ansprechenden) Überblick über das zu erwerbende Wissen. Jede Schülerin und Schüler entscheidet sich für die Bearbeitung eines Themas, wählt Material (teils bereitgestellt, teils selbstbeschafft) und Methode und Sozialform. Falls dann einzelne Themen nicht ausgewählt werden, sollte der Lehrer ergänzen. Wichtig ist die Präsentation, um allen alles zugänglich zu machen.

Themenbörse

Bei der Bearbeitung eines - auch fachübergreifenden - Stoffkomplexes wird eine Palette von Themen zur Bearbeitung angeboten (Themenwahl/ -bereitstellung z.T. durch Schüler selbst).
Die Auswahl zur Bearbeitung erfolgt individuell, ebenso die Bearbeitung allein oder in selbstgewählten Gruppen (Methodeneinsatz, Medien, Literatur, Ergebnissicherung Präsentation).

Ein Formblatt erleichtert die Ausschreibung eines selbstgewählten Themas. Während der Bearbeitung findet in der Klasse eine regelmäßige Rückkopplung über den aktuellen Stand und evtl. Probleme statt.


Quellen

1 Paradies/ Linser, "Differenzieren im Unterricht" Cornelsen, 2001 ISBN 3-589-21353-1


Tipps

  • spezielle Räume eigens dafür vorsehen, einrichten und ausstatten
  • produktorientiert arbeiten, konkrete Arbeitsergebnisse herstellen
  • besondere Bedeutung kommt den Arbeitsmitteln zu
  • Schülerinnen und Schüler können als "Spezialisten" für einen speziellen Aufgabentyp verantwortlich gemacht werden (Kontrolle der Lernergebnisse der Mitschüler, kompetenter Ansprechpartner)

Beispiele und weiterführende Materialien


Quellen

5 http://www.selber-denken.de/wsu/wsu1.htm
6 (vor 2012) "http://aula.bias.ch/unterricht/didaktik/lernformen/werkstatt.html"
7 http://www.offener-unterricht.de


Redaktionell verantwortlich: André Koch, LISUM