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selbstgesteuertes Lernen

selbstgesteuertes Lernen


"Ich hätte viele Dinge begriffen, hätte man sie mir nicht erklärt." (Andreas Müller1)

Selbstgesteuertes Lernen wird verstanden als ein Lernen, bei dem die Lernenden ihren Lernprozess im Wesentlichen selbst lenken. Der Lernende muss über eine Reihe von Kompetenzen bzw. Lernstrategien verfügen, die es ihm ermöglichen, die bestehenden Spielräume für das eigene Lernen zu nutzen. Erst über den Einsatz von Lernstrategien wird Einfluss auf den Lernprozess genommen.

Die vier Lernstrategien sind:

  • Kognitive Lernstrategien - wirken direkt auf die zu erwerbende und zu verarbeitende Information ein.
  • Metakognitive Lernstrategien - dienen der Planung, Überwachung und Regulation des Lernprozesses.
  • Motivationale Lernstrategien - um den Erfolg kognitiver und metakognitiver Lernstrategien zu sichern, muss der Schüler in der Lage sein sich optimal zu motivieren.
  • Ressourcenbezogene Lernstrategien - das sind die Zeitplanung, das Zusammenarbeiten mit Lernpartnern oder die Nutzung von Medien und anderen Hilfsmitteln.

Quelle2


Hilfreiche Instrumente für die Ausgestaltung, Begleitung und Reflexion einzelner Etappen innerhalb eines selbstgesteuerten Lernprozesses

Grundlegende Gedanken

Der Umgang mit Plänen für einen gewissen Zeitraum wird in Schulen sehr unterschiedlich gehandhabt. Das betrifft die gewählten Zeiträume, die inhaltliche Gestaltung und die beabsichtigten Ziele.

Zeiträume

Der Zeitraum für verbindlich festgelegte Tätigkeiten sollte für Schülerinnen und Schüler überschaubar sein. Hier hat sich in den meisten Schulen der Plan für eine Woche bewährt.

Für längerfristige Verbindlichkeiten sollte der Wochenplan eine Form aufweisen, die es ermöglicht, solche Aufgaben mittel- oder langfristig im Voraus in den jeweiligen Plan der Woche zu integrieren. Hierbei kann mit einer Heftform oder aber mit vorgedruckten Wochenplanblättern (die dann schon für einen längeren Zeitraum vorliegen) gearbeitet werden.

Inhaltliche Gestaltung

Wochenpläne enthalten Pflicht- und Wahlaufgaben. Die Anteile variieren je nach Entwicklungsstand der Lernenden. Um den Wochenplan aber als Instrument selbstgesteuerten Lernens nutzen zu können, sollten je nach Kompetenz der Schülerinnen und Schüler selbstgewählte Themen / Aufgaben wesentlicher Bestandteil sein. Die Themenfindung ist entscheidend für die Motivation der Schülerin oder des Schülers bei der Umsetzung des Wochenplanes.

Themenfindung der Offene Schule Kassel-Waldau.

Ziele

Viele Schulen gehen über die reine Planung der Aufgaben für eine Woche hinaus. Vielmehr bietet der Wochenplan neben dem eigentlichen Arbeitsprogramm Raum für die Dokumentation der Ergebnisse ("Wo und in welchem Maße habe ich meine Ziele erreicht?") und Erfahrungen / Gefühle (Wie ging es mir bei der Arbeit an den Aufgaben, wo hatte ich Erfolge?) der Schüler. Insofern regt er zum Nachdenken über die vergangene Schulwoche an, macht das Lernen bewusst.

Schlussfolgerungen

Die Schülerinnen und Schüler sollen letztlich planen, dokumentieren und kommentieren. Das setzt einerseits eine entsprechende Kompetenz voraus, benötigt aber auch einen geeigneten unterrichtlichen Rahmen.

Das Finden eigener Themen, anfangs vielleicht aus einem Angebot, später dann frei, muss schrittweise eingeführt werden. Im Stundenplan/ Tagesablauf müssen regelmäßige, vom Umfang her ausreichende individuelle Lernzeiten eingerichtet werden. Hier ist es für die Planung sicherlich von Vorteil, wenn wenigstens teilweise fächerverbindend unterrichtet wird, so können nicht nur die Themen umfassender gestaltet werden, sondern auch die Stunden flexibler zugewiesen werden.

Im Folgenden sollen kurz einige Beispiele für den Umgang mit Wochenplänen aufgezeigt werden:

Alpeninstitut Beatenberg

Der Unterricht im Alpeninstitut Beatenberg gliedert sich im Wesentlichen in 3 Hauptbereiche:

  • individuelle Arbeit im Lernteam
  • Grundlagenvermittlung im Intensivtraining
  • Betätigung in Aktivs (Sport, Theater,...)

Die Planung der Woche erfolgt mit Hilfe eines Layouts. Die selbstgestellten Aufgaben werden vor allem während der individuellen Arbeit im Lernteam bearbeitet.

Helene-Lange-Schule Wiesbaden

An der Helene-Lange-Schule wird die Arbeit der Schülerinnen und Schüler ebenfalls nach Wochen geplant. Dem unterschiedlichen Entwicklungsstand je nach Altersstufe wird durch verschiedene Erscheinungsformen Rechnung getragen.

Zur Wochenplanarbeit in der Helene-Lange-Schule:

Wann habe ich Freude am Lernen? Wann habe ich Erfolg und wann weniger? Was beeinflusst, ob ich Erfolg habe? Kann ich Einfluss nehmen?

Ein Lerntagebuch kann helfen, Antworten auf diese und ähnliche Fragen zu erhalten. Durch systematische und regelmäßige Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernverhalten kann es für Schüler möglich werden, das eigene Lernen langfristig selbst zu steuern. Ein Lerntagebuch ist für den Schüler ein sehr individuelles Medium zur Kommunikation mit sich selbst oder mit einer am Lernprozess beteiligten Person seines Vertrauens.
Beteiligte lernen den Schüler sehr individuell kennen, können auf die Notizen, Fragen oder Skizzen im Buch reagieren. Das individuelle Lernverhalten des Schülers wird nachvollziehbar.

Doch wie kann so ein Lerntagebuch aussehen? Was steht da drin?

Auszüge aus Literatur und Internet

Das Lerntagebuch ist ein Heft (eine Kladde), das vom Schülerinnen und Schülern individuell geführt und gestaltet wird. In möglichst jeder Stunde (z.B. die letzten 5 Minuten) sollten Schülerinnen und Schüler seine Gedanken und Überlegungen aufschreiben.

Paradies/ Linser, "Differenzieren im Unterricht" Cornelsen, 2001 ISBN 3-589-21353-1

Auf Vordrucken (S.102) werden stichwortartig die wichtigsten Erkenntnisse zum Verlauf des Tages notiert. ... Nicht allein die Resultate sind Gegenstand der Überlegungen, sondern auch und vor allem ihr Zustandekommen.

Der Schüler setzt sich mit den Fragen :

  • Was habe ich heute gelernt?
  • Wie gut habe ich es gelernt?
  • Warum habe ich es so gut (oder weniger gut) gelernt? Was waren die Gründe oder Faktoren?

Weiterhin schätzt der Schüler sein Arbeits- und Sozialverhalten an Hand vorgegebener Kriterien (Richtigkeit der Planung, Erreichung der Ziele, Lernatmosphäre, Maß des Engagements, Maß der Fortschritte, ...) in einer Skale ein. Per Smily wird die zusammenfassende Stimmungslage erfasst.

Andreas Müller, "Lernen steckt an" h.e.p., 2001 (Spirit of learning)

Zwei- bis dreimal in der Woche am Tagesende werden 5 Minuten zugebracht mit Leitfragen, die an der Tafel stehen können, wie zum Beispiel:
Ich war heute zufrieden mit mir, weil ...
Ich war heute nicht zufrieden, weil ...
Das hat mir heute viel Spaß gemacht: ...
...


Roland Bauer, "Schule als Lern- und Lebensort gestalten" Cornelsen, 2001 ISBN 3-589-21434-1 S.123

Beispiel Gesamtschule Mitte (GSM) Bremen

In der Gesamtschule Mitte in Bremen arbeiten die Schülerinnen und Schüler mit einem Lerntagebuch, das das Lernen der Kinder an der GSM begleiten und die Zusammenarbeit von Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern unterstützen soll.
Zur Förderung des eigenverantwortlichen Lernens ist der Einsatz des Lerntagebuchs eine große Hilfe. Es soll die Schüler*innen dazu befähigen, die Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen und  das eigenständige Lernen zu organisieren. 

Einblick in die Gestaltung des Tagebuches.

Kurzbeschreibung, wie die Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrer*in damit arbeiten.

Wer führt das Lerntagebuch? Wer liest es?

Das Tagebuch wird ausschließlich vom Schülerinnen und Schülern geführt. Die Inhalte sind absolut vertraulich. Das Lerntagebuch kann die Grundlage für regelmäßige, festgesetzte Gespräche mit dem Lerncoach (den Lernprozess betreuender Lehrer -d.R.) sein (vgl. oben Paradies/ Linser und Müller) oder aber der Lehrer liest nur auf ausdrücklichen Wunsch des Schülers (vgl. oben Bauer).

Der Begriff Portfolio bezeichnet eine sinnvolle Sammlung von Arbeiten, mit der Engagement, Leistungen, Erkenntnisse und Entwicklungen in einem oder mehreren Lernbereichen transparent gemacht werden. Die so erbrachte Leistung kann auch von Dritten (Eltern, Personalchef) unabhängig bewertet werden. Das Portfolio ermöglicht eine im höchsten Maße individuelle und fachbezogene Bewertung.

Zu unterscheiden sind drei Formen:

  • Arbeitsportfolio - Es dient dazu, die Arbeiten der Schüler aufzunehmen. Wie in einem Container, so bleiben die Arbeiten dort, bis sie in ein Vorzeigeportfolio oder ein Beurteilungsportfolio übernommen oder mit nach Hause genommen werden. Zweck des Arbeitsportfolios ist die Diagnose des Lernens. Es dient dazu, die Stärken und Schwächen eines Schülers zu beschreiben und dient des Weiteren dem Lehrer dazu, seinen zukünftigen Unterricht zu planen.
  • Beurteilungsportfolio - Die Hauptaufgabe des Beurteilungsportfolios ist es, zu dokumentieren, was ein Schüler gelernt hat. Das Curriculum bestimmt, was für das Portfolio ausgewählt werden kann. Das Beurteilungsportfolio ist formeller als die anderen Portfolio-Formen. Insbesondere gilt es zu spezifizieren, was Schüler tun müssen und wie gut sie es tun müssen.
  • Präsentationsportfolio - Es enthält die besten Arbeiten eines Schülers. Die in der Regel vom Schüler ausgewählten Arbeiten zeigen, was Schüler für bedeutsam halten, was sie bewerten und anderen gerne zeigen möchten. Im Prinzip zeigt das Vorzeigeportfolio die höchste Leistungsstufe, die ein Schüler nach seiner Auffassung erreicht hat.

Quelle2

Beispiele und weiterführende Materialien

Professioneller Umgang mit Leistungen
(Informationen zum Portfolio, Seiten 50 ff.)

http://www.cornelsen.de/kts/1.c.174530.de
(allgemeine Informationen)

http://www.portfolio-schule.de
(Forum für einzelne Lehrerinnen und Lehrer sowie auch für ganze Schulen, die mit Portfolios arbeiten oder arbeiten wollen)

Portfolio Berufswahl - ein Beispiel
(aus Förderung von Lernkompetenz in der Schule, Band 2 "Praxisbeispiele und Materialien"  Verlag Bertelsmann Stiftung)

Felix Winter, "Mit dem Portfolio in heterogenen Gruppen lernen" in: Heyer, P.; Sack, L.; Preuss-Lausitz, U. (Hrsg.): "Länger gemeinsam lernen" Frankfurt 2003, S. 284-289

Felix Winter, "Person - Prozess - Produkt, Das Portfolio und der Zusammenhang der Aufgaben" in: Ball, H.; Becker, G.; Bruder, R.; Girmes, R.; Stäudel, L.; Winter, F. (Hrsg.): "Aufgaben, Lernen fördern - Selbständigkeit entwickeln" Friedrich Jahresheft 2003. Seelze 2003, S. 78-81

Quellen

1 Professioneller Umgang mit Leistungen in der Schule Sekundarstufe I Hrsg.: Landesinstitut für Schule und Medien Brandenburg
2 http://faecher.lernnetz.de

  • Was ist eigentlich ein Kompetenzraster?
  • Welche Potenzen bietet es?
  • Wie geht man sinnvollerweise damit um?
  • Gibt es schon fertige Raster oder muss man sich selbst welche erstellen?

Antworten auf diese und vielleicht weitere Fragen zu finden soll Anliegen dieser Seite sein.

Grundlegendes

Kompetenzraster stellen, wie der Name schon sagt, Kompetenzen in einem Raster dar. Die Anordnung in einer Matrix erlaubt einen schnellen Überblick sowohl über die zu erwerbenden/ gewünschten Fähigkeiten, als auch über die verschiedenen Ausprägungsstufen innerhalb dieser Fähigkeiten. 

In der Hand des Lehrers bieten Kompetenzraster die Möglichkeit, den Unterricht schülerorientiert zu planen und Lernergebnisse richtig einzuordnen.

Für Schüler*innen und Eltern geben die Raster einen klaren Überblick über den aktuellen Lernstand des Schülers. Darüberhinaus ermöglichen Sie die Planung der nächsten Aktivitäten, um angetrebte Ziele anzusteuern.

Auszüge aus Literatur und Internet

Ein Kompetenzraster bietet eine Übersicht über die zu erwerbenden Kompetenzen aus Schülersicht. Es enthält die Kompetenzen für Unterrichtsabschnitte, ein halbes oder ein ganzes Jahr auf unterschiedlichen Leistungsstufen. Damit dient es der Selbstkontrolle der Schülerin oder des Schülers und trägt zur Selbststeuerung bei.

Hermann Zöllner, "Anregungen für die pädagogische Profilierung der Oberschule", Ludwigsfelde, 2005,  


Im Gegensatz zur abstrakten Note machen die Ich-kann-Formulierungen in den Feldern der Kompetenzraster deutlich, welche Leistungen der entsprechende Schüler zu erbringen fähig oder willens war und wo in Zukunft die Akzente zu setzen sind.

Andreas Müller, "Wenn nicht ich, ...?" hep, 2002 ISBN 3-905905-63-9


Kompetenzen in verschiedensten Bereichen sind formuliert und umschrieben in Rastern und werden dort mit farbigen Punkten sichtbar gemacht. Die Kompetenzraster geben Auskunft über Fähigkeiten; sie zeigen, was ein Kind kann, und was es noch alles lernen könnte.
...
Die "Ich kann ..."-Formulierungen ermöglichen allen Beteiligten ein Erkennen der Lernfortschritte und motivieren das Kind zum Weiterlernen.


Nicht auf welcher Seite eines Buches man arbeitet, oder was man "gehabt" hat, sondern was ein Schüler/eine Schülerin wirklich erkennbar umsetzen, bewirken kann, gibt eine bestärkende, klare Aussage. Dies erreichen wir durch die Arbeit mit Kompetenzrastern.


Beispiele und weiterführende Materialien


Quellen

1 Andreas Müller, "Lernen steckt an" Bern: h.e.p., 2001
2 Dr. Dagmar Killus, "Selbstgesteuertes Lernen in Lern-, Interessen- und Erfahrungsangeboten an Schulen mit Ganztagsangebot", Ludwigsfelde 2005

http://www.uni-ulm.de/LiLL/praesentationen/nkt-lill-senet.pdf


Redaktionell verantwortlich: André Koch, LISUM