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Kernpunkte der Veränderungen

Das Qualitätsprofil umfasst insgesamt zehn Merkmale. Davon sind sieben bzw. acht1 Merkmale verpflichtende Basismerkmale für alle Schulen, zu weiteren zwei2 bzw. drei Merkmalen trifft die Schule eine Auswahl aus einem Angebotskatalog.

Die Entscheidung zur Festlegung dieser Wahlmerkmale trifft die Schulkonferenz. Die Basismerkmale ermöglichen auch weiterhin einen systemischen Erkenntnisgewinn zur Qualität öffentlicher Schulen. Bei der Entscheidung zu den Wahlmerkmalen sollte ein Erkenntnisinteresse der Schule bezogen auf interne Evaluationsergebnisse und aktuelle Schwerpunkte in der Schul- und Unterrichtsentwicklung liegen.

Die Ergebnisse der Wahlmerkmale werden im Bericht nur schulintern veröffentlicht, sind somit nicht Bestandteil des zu erstellenden öffentlichen Kurzberichts.

1Betrifft Schulen mit mehreren Schulstufen (G/S oder G/O/OG), die zwei schulformspezifische Basismerkmale haben.
2Betrifft Schulen mit mehreren Schulstufen (G/S oder G/O/OG).

Überblick Basis- und Wahlmerkmale
BasismerkmaleWahlmerkmale
B 1 UnterrichtW 1 Ganztagsangebote (VG/VHG)
B 2 SchulmanagementW 2 Leistungsbewertung
B 3 QualitätsentwicklungW 3 Gesundheitsförderung
B 4 FörderungW 4 Sprach- und Leseförderung
B 5 ProfessionalisierungW 5 Schulleben
B 6 MedienbildungW 6 Kooperation
B 7 Schulformspezifik GrundschuleW 7 Ganztagsangebote in offener Form
B 7 Schulformspezifik weiterführende SchuleW 8 Schulinternes Curriculum

 

Ziel ist es, die Nachhaltigkeit der Ergebnisse einer Schulvisitation durch die Beachtung des konkreten Schul- und Unterrichtsentwicklungsstandes und eine stärkere Mitwirkung der Einzelschule zu erhöhen. Diese Nachhaltigkeit wird durch ein enges Zusammenwirken der Akteure Schule – Schulvisitation – untere Schulaufsicht – Unterstützungssysteme optimal gestaltet.

Im Kern geht es um die effektivere Nutzung der Ergebnisse in einem geschlossenen Qualitätszyklus. Diesem Kreislauf wird durch ein mehrschrittiges Verfahren an vier Stellen Rechnung getragen: Planungsphase – Vorbereitungsphase – Hauptphase – Ergebnisphase. Neue Elemente sind hierbei das Lageeinschätzungsgespräch und das Bilanzgespräch. Die Einbindung und die Unterstützung aller Akteure werden gewährleistet, die Partizipation wird gefördert und gefordert. Schulvisitationen finden nicht mehr zyklisch für alle Schulen im Land Brandenburg statt.

Der Zeitpunkt einer Visitation richtet sich nach der festgestellten fachlichen Dringlichkeit. Diese wird im Lageeinschätzungsgespräch festgestellt. Hier werden alle verfügbaren relevanten Informationen über eine Schule, die Aussagen zum Stand der Schulentwicklung geben, in einem Datenblatt zusammengeführt.

Am Lageeinschätzungsgespräch nehmen ein Mitglied der Schulleitung, die untere Schulaufsicht und eine verantwortliche Person der Schulvisitation teil. Das Gespräch findet im Staatlichen Schulamt statt. Das Ergebnis der gemeinsamen Einschätzung führt zu einer Kategorisierung der Schule und einer damit verbundenen Entscheidung zum Visitationszeitraum. Diese Kategorisierung soll Entwicklungsverläufe der Schulen klarer und differenzierter erkennbar machen sowie Anreize für die Schulen schaffen.

Grundlage für die Lageeinschätzungsgespräche ist ein Datenblatt. Dieses Datenblatt wird gespeist aus

  •  dem Ergebnis der letzten Visitation - Qualitätsindex (Teil A),
  •  den Schulleistungsdaten (Teil B),
  •  der Reflexion der Schulleitung zu Aspekten der schulischen Arbeit (Teil C),
  •  der Einschätzung der Schulsituation durch die untere Schulaufsicht (Teil D).
Qualitätsindex

Der Teil A bezieht sich auf einen Qualitätsindex für Schulen im Land Brandenburg, der durch die Universität Potsdam im Auftrag des MBJS ermittelt wurde. Dieser Qualitätsindex basiert auf den Qualitätsdimensionen Schulqualität und Unterrichtsqualität. Im Ergebnis wissenschaftlicher Analysen liegen für die Bildung der Qualitätsdimension Schulqualität die gewichteten Mittelwerte der Profilmerkmale 13, 15, 16, 18 und 19 und für die Bildung der Qualitätsdimension Unterrichtsqualität die gewichteten Mittelwerte der Profilmerkmale 5 bis 9  des zweiten Durchgangs der Schulvisitation zu Grunde. Des Weiteren sind bei der Bildung des Qualitätsindexes Grenzwerte beim 10 %-Perzentil bzw. 90 %-Perzentil1 gesetzt worden, um die Abgrenzung der unten angeführten Niveaustufen zu bestimmen. Die Bezugsnorm heißt hier, die Schulqualität einer Schule wird relativ zur Qualität aller Schulen eingeschätzt.

In jeder Qualitätsdimension und in der Erstellung des Qualitätsindexes  erfolgt eine Zuordnung in drei Niveaustufen:

3 - "Schule in sehr guter Entwicklung",
2 - "Schule in Entwicklung",
1 - "Schule in kritischer Lage".

Die Vorbereitung und Ergebnissicherung für die Lageeinschätzungsgespräche liegt in der Verantwortung der Schulvisitation. Mit der unteren Schulaufsicht werden Termine für die Gespräche abgestimmt. Die Einladung der Schulleiterin bzw. des Schulleiters zum Lageeinschätzungsgespräch erfolgt durch die verantwortliche Schulrätin bzw. den verantwortlichen Schulrat. Die Grundlagen der Lagebewertung werden für die Schulen nachvollziehbar im Anhang des Datenblatts beschrieben.

1Position des Wertes nach Prozentrang in aufsteigender Reihe innerhalb aller Werte der untersuchten Schulen.

Die Einordnung der fachlichen Dringlichkeit erfolgt in drei Kategorien:
  • Schule mit stabiler, sehr guter Entwicklung
    Die Visitation findet bis zu zehn Jahre nach der letzten Visitation statt.
  • Schule in Entwicklung
    Die Visitation findet etwa fünf Jahre nach der letzten Visitation statt.
  • Schule in kritischer Lage
    Die Visitation findet spätestens nach zwei Jahren statt.

Ziel der Kooperation ist eine systematische und verstärkte Zusammenarbeit von Schulvisitation, Schule und unterer Schulaufsicht, um diagnostisches Wissen zielgerichtet zu generieren und handlungswirksam werden zu lassen. Die untere Schulaufsicht wird von Anfang an in den Prozess der Neuausrichtung der Schulvisitation einbezogen, um die verschiedenen parallel ablaufenden Prozesse zur Sicherung der Schul- und Unterrichtsqualität zu vernetzen.

Die Zusammenarbeit ist dialogisch, konstruktiv und effizient zu entwickeln. Wissen, das für die Entwicklung einer Schule bedeutsam ist, soll geteilt werden. Somit können auf die konkrete Bedürfnislage der Schule hinweg ausgerichtete Festlegungen getroffen und Unterstützungsangebote bereitgestellt werden.

Die Kooperation in unterschiedlichen Formaten dient dem Ausbau eines gemeinsamen Qualitätsverständnisses. Ziel ist es, der unteren Schulaufsicht eine Datenbasis für ihre schulaufsichtlichen Tätigkeiten zur Verfügung zu stellen.

Schulrätinnen und Schulräte der Staatlichen Schulämter des Landes Brandenburg nehmen in der Regel innerhalb von fünf Jahren an einer Schulvisitation teil. Damit wird die Kommunikation zu gemeinsamen Qualitätserwartungen an Schule gestärkt.

Die Schulrätinnen und Schulräte lernen die Instrumente der Schulvisitation kennen. Diese Erfahrung trägt zu einem erweiterten Verständnis der Ergebnisse der Schulvisitation bei und dient der zielgerichteten Unterstützung von visitierten Schulen auf der Grundlage der externen Berichte.

Die Kooperation zwischen der unteren Schulaufsicht und den Schulleitungen beinhaltet gemeinsame Workshops zu ausgewählten inhaltlichen Schwerpunkten. In einem kommunikativen Prozess werden Erfahrungen und Probleme reflektiert und gemeinsam Strategien entwickelt.

Um die Wirksamkeit von Schulvisitationen zu erhöhen, werden die Schulen von Beginn an in den Evaluationsprozess eingebunden. Die Schulkonferenz entscheidet über die zu untersuchenden Wahlmerkmale. Dafür wird schulintern die Frage diskutiert: Zu welchen Wahlmerkmalen besteht an der Schule ein besonderes Erkenntnisinteresse?

Am letzten Tag der Visitation vor Ort wird das vorläufige Ergebnis der Schulkonferenz vorgestellt. Diese erfährt damit eine direkte Rückmeldung zu den von ihr gewählten Merkmalen. Das schafft schulinterne Partizipation von Beginn an und unterstützt den Meinungsbildungsprozess der Schulgemeinschaft. Die Ergebnisse in den ausgewählten Merkmalen haben keinen Einfluss auf die Kategorisierung und sind nicht Bestandteil des im Schulporträt veröffentlichten Kurzberichts.

Die Schulvisitation stützt sich im Wesentlichen auf drei Erkenntnisquellen:

  • Datenanalyse
  • Befragungen
  • Beobachtungen

Die aus der empirischen Forschung bekannten Methoden wurden in einem Evaluationsdesign für die Schulvisitation im Land Brandenburg spezifiziert. Sie enthalten sowohl quantitativ als auch qualitativ angelegte Instrumente, um so über verschiedene Erkenntnisquellen möglichst umfassende und belastbare Qualitätseinschätzungen treffen zu können.

Die in der Schulvisitation ermittelten Wertungen werden in einem Qualitätsprofil dargestellt. Die Merkmale bilden verschiedene Bereiche von Schulqualität ab. Jedes Basis- und Wahlmerkmal ist durch Kriterien untersetzt, deren Wertungen einzeln in das Qualitätsprofil eingehen. Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg hat landesweit gültige Wertungskategorien festgelegt. Die Wertungskategorie 3 kennzeichnet die grundsätzliche Qualitätserwartung an alle Schulen.

WertungskategorieBezeichnung
4

entspricht den Anforderungen in besonderem Maße

3

entspricht den Anforderungen

2

entspricht den Anforderungen mit Einschränkungen

1

entspricht nicht den Anforderungen

 

Für die Wertung der Kriterien des Basismerkmals 1 – Unterricht gehen sowohl die Unterrichtsbeobachtungen des Visitationsteams als auch die Ergebnisse der Online-Befragung der Schülerinnen und Schüler direkt zu je 50 % ein. Für den so gebildeten Mittelwert gelten folgende Festlegungen zur Bandbreite der Wertungen:

BandbreitenWertungskategorieBezeichnung
3,50 kleiner als MW kleiner/gleich 4,004entspricht den Anforderungen in besonderem Maße
2,75 kleiner/gleich MW kleiner/gleich 3,503entspricht den Anforderungen
1,75 kleiner/gleich MW kleiner/gleich 2,752entspricht den Anforderungen mit Einschränkungen
1,00 kleiner/gleich MW kleiner als 1,751entspricht nicht den Anforderungen