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Qualitätsentwicklung und Qualitätsmanagement

Ansprechpartner

Karsten Rust (SenBJF)
Tel.: 030 90 227-6870

1. Qualitätsentwicklung und Qualitätsmanagement

Die Weiterentwicklung der Ganztagsschulqualität ist und bleibt ein wich-tiges Ziel und eine kontinuierliche Aufgabe der am Schulleben beteiligten Menschen. Das gilt auch mit Blick auf die Angebote der außerunterricht-lichen und ergänzenden Förderung und Betreuung und deren Verzahnung mit dem schulischen Angebot insgesamt. Die Ansichten darüber, was im Einzelnen eine gute Ganztagsschule ausmacht und wie man diese organisiert und umsetzt, sind durchaus vielfältig und abhängig vom jeweiligen Kontext der Schule. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) formu-lierte in ihrem „5x5 der guten Ganztagsschule“:1 

„Es gibt nicht das eine Rezept für die gute Ganztagsschule. Denn Ganztagsschulen sind ganz ver-schieden und haben unterschiedliche Voraussetzungen und Schwerpunkte. (…) Eine gute Ganztags-schule erkennt man vor allem auch daran, dass sich die Menschen, die dort lernen und arbeiten, nicht mit dem Stand der Dinge zufrieden geben. Sie schauen vielmehr kontinuierlich danach, wo sie noch besser werden können.“  

Dennoch ist man sich auch in Berlin nach langjährigen Diskussionen politisch und pädagogisch in dem einig, was z. B. Rollett, Holtappels und Bergmann (2008) mit Blick auf die Anforderungen an eine Ganztagsschule formuliert haben:2  
„Was die gute Ganztagsschule bieten soll:

Erweiterung von Lernzeit und Lernarrangements: Durch die längere Lernzeit in der Ganz-tagsschule sowie die Möglichkeit, so alternative Lernsettings arrangieren zu können, sollen die fachlichen und Schlüsselkompetenzen der Schüler/innen verbessert sowie in der Folge höhere formale Bildungsabschlüsse und ein erfolgreicher Berufseinstieg erreicht werden.
Individuelle Förderung: Durch die Verlängerung der Lernzeit sollen in der Ganztagsschule differenzierte Lerngelegenheiten geboten werden, die Chancen zur individuellen Förderung bieten. So sollen Begabungen ausgeschöpft, Kompetenzen gesteigert und Defizite kompen-siert werden.

  • Qualifizierte Betreuung: Eine verlässliche und qualifizierte Betreuung von Kindern und Jugendlichen am Nachmittag soll Familien erzieherische Unterstützung und Eltern erweiterte Möglichkeiten für die Erwerbstätigkeit bieten.
  • Sozialisationsraum schaffen: Ganztagsschulen sollen Raum schaffen für informelle Lerngelegenheiten und Lernarrangements, die über das fachliche Lernen hinausgehen: Hier sollen etwa soziale Verantwortung, demokratische Handlungskompetenz, kulturelle Orientierung oder Selbstständigkeit vermittelt werden können.
  • Verbesserung der sozio-kulturellen Infrastruktur: Die Ganztagsschule soll allen Schüler/innen Zugang zu vielfältigen Lern-, Kultur- und Freizeitangeboten geben, unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund. So soll „soziale Chancengleichheit“ geschaffen werden.“

Das Spannungsfeld zwischen dem Stand der gegenwärtigen Entwicklung der eigenen Ganztagsschule, der u. a. auch von bestimmten strukturellen, personellen und sozialräumlichen Gegebenheiten beeinflusst wird, und den oben genannten Erwartungen führt zu Diskussionen über notwendige und gewünschte Veränderungen und bildet den Ausgangspunkt für den Entwicklungsprozess der Ganz-tagschule. Die Begleitung und Steuerung von Teilen dieses Prozesses der Qualitätsentwicklung gehö-ren zu den Aufgaben einer koordinierenden Fachkraft. Auf Steuerungsebene bringt sie die Perspekti-ve und Expertise der Profession der Erzieherinnen und Erzieher ein. Auf der operativen Ebene liegt die Einbeziehung und Mitwirkung der Erzieherinnen und Erzieher in ihrer Verantwortung. 

Die Qualitätsentwicklung ist eine Aufgabe, an der alle an Schule Beteiligten mitwirken. Die Steuerung bzw. Koordinierung dieser Prozesse wird verantwortet von der Schulleiterin bzw. dem Schulleiter und erfolgt z. B. durch die erweiterte Schulleitung, eine Steuergruppe oder eine entsprechende Schul-entwicklungsgruppe. Da auch die koordinierende Fachkraft Teil dieser Steuerungsebene ist, sollte sie über die Grundlagen und Prozesse der Qualitätsentwicklung informiert sein.  
Qualitätsentwicklung erfolgt in einem zyklischen Prozess, der folgende Teilschritte umfasst:

Als Grundlage für ein gemeinsames Qualitätsverständnis dient der Handlungsrahmen Schulqualität Berlin, der im Qualitätsbereich Lehr- und Lernprozesse unter dem Qualitätsmerkmal Ganztägiges Lernen besonders auf vier Bereiche eingeht: 

  • Zeitstrukturmodell und Rhythmisierung
    • Durch die Rhythmisierung von Unterricht und ergänzenden Bildungs- und Freizeitangeboten soll zu einer Entspannung der Lernatmosphäre beigetragen werden und die Aufnahmefähig-keit der Schülerinnen und Schüler verbessert werden.
    • Dazu sollen sich Arbeits- und Entspannungsphasen abwechseln und Zeiten für veränderte Lehr- und Lernformen eingerichtet werden.
  • systematische Verzahnung der Bildungsangebote in der unterrichtlichen und der außerunterricht-lichen Zeit
    • Durch eine inhaltliche Verzahnung von Unterrichtsinhalten und ergänzenden Bildungs-angeboten, die an die individuellen Kompetenzen und Interessen der Schülerinnen und Schüler anknüpfen, soll eine möglichst breite Bildung ermöglicht werden.
  • schulinterne und externe Kooperation im Ganztag
    • Die erfolgreiche Arbeit im Ganztag erfordert eine Kooperation zwischen Lehrkräften, pädagogischen Fachkräften und außerschulischen Partnern. Dazu sind regionale Konzepte zu berücksichtigen, regelmäßige Planungstreffen aller Beteiligten durchzuführen und an der Entwicklung eines gemeinsamen Bildungsverständnisses zu arbeiten.
  • Raumplanung
    • Für die Arbeit im Ganztag ist eine angemessene und zwischen allen Beteiligten abgestimmte Raumplanung unabdingbar.

Weitere Anregungen für die Diskussion über ein gemeinsames Qualitätsverständnis und die Frage, welche Aspekte Einfluss auf die Qualität der Ganztagsschule haben und welche Themen außerdem bedenkenswert sind, finden sich in folgenden Dokumenten:

  • Berliner Bildungsprogramm für die offene Ganztagsschule
  • Berliner Eckpunkte für die Ganztagsschulentwicklung (in der Sekundarstufe I)

Als Instrument für die Qualitätsermittlung im Rahmen der Bestandsanalyse oder der Evaluation kann das Modul „Ganztag“ im SelbstEvaluationsPortal (SEP-Schule) des Instituts für Schulqualität (ISQ) dienen. Die Nutzung des Portals ist für alle Berliner Schulen kostenfrei. In einer Onlinebefragung wird das Meinungsbild von Lehrkräften, weiterem pädagogischen Personal, Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Kooperationspartnern zu acht wichtigen Qualitätsdimensionen ermittelt. Diese sind: 

  • gemeinsames Bildungsverständnis,
  • Rhythmisierung/Zeitkonzept,
  • Lern- und Förderkonzept,
  • Kooperation,
  • Mitwirkungsmöglichkeiten,
  • Professionalisierung,
  • Raumkonzept,
  • Ernährung und Gesundheit.

Als Ergebnis der Befragung erhält die Schule eine grafische und eine tabellarische Auswertung, aus denen hervorgeht, in welchen Punkten die Befragten zufrieden sind – die Schule also bereits erfolg-reich arbeitet – aber auch, wo die Befragten noch Veränderungs- oder Verbesserungsbedarf sehen. Die verschiedenen Perspektiven der Befragungsgruppen sollten dabei näher betrachtet werden. 
Aus den ermittelten Resultaten und deren Bewertungen werden Qualitätsziele formuliert und ent-sprechende Maßnahmen zur Erreichung der Ziele abgeleitet.  
Schließlich folgt zur Überprüfung der Zielerreichung die Evaluation der festgelegten Maßnahmen. Ggf. werden weitere Maßnahmen vereinbart. Der Qualitätszyklus beginnt erneut mit der Qualitäts-ermittlung. 

Das Schulprogramm ist das zentrale Konzept der Schule und Handlungsgrundlage für die tägliche Arbeit sowie die Weiterentwicklung der Schule. Es beinhaltet Aussagen zum gemeinsamen Bildungs- und Qualitätsverständnis sowie zu den schulspezifischen Prozessen und Aspekten der Qualitätsentwicklung (Bestandsanalyse, Qualitätsziele, Maßnahmen, Evaluation usw.). Darüber hinaus ist das schulinterne Curriculum (SchiC) als schulspezifische Umsetzung des Rahmenlehrplans Teil des Schulprogramms. Auch das Ganztagskonzept ordnet sich in das Schulprogramm ein. Es trifft für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Schule Aussagen zur Umsetzung sowie Weiterentwicklung des Ganztags und beschreibt die unterrichtlichen sowie die außerunterrichtlichen Ganztagsangebote und insbesondere deren Verzahnung. Für den Konzeptteil über die außerunterrichtlichen Bildungsangebote trägt die koordinierende Fachkraft die Verantwortung. Zudem wirkt sie aber auch beim Schulprogramm, bei der Evaluation und dem Ganztagskonzept insgesamt mit, da sie gemäß Schulgesetz als Mitglied der erweiterten Schulleitung zur Steuerungsebene in der Schule zählt.

Anregungen zur Konzeptentwicklung allgemein und für ein Konzept der außerunterrichtlichen und ergänzenden Förderung und Betreuung als Teil des schulischen Ganztagskonzepts im Speziellen befinden sich auf dem Bildungsserver: Das ABC des schulinternen Curriculums, die Dokumentation der LISUM-Tagung „Die Idee vom Ganztag und die übergreifenden Themen“ 24.11.2017, auf den Seiten der Serviceagentur „Ganztägig lernen" Berlin (Fachhalbtag zur Konzeptentwicklung) und der Leitfaden zur Konzeptentwicklung des Verbundprojektes „Lernen für den GanzTag“ und des SFBB

Normative Grundlage des schulischen Handelns und aller Entwicklungsprozesse sind die dazu erlassenen Gesetze und Verordnungen. Die wichtigsten sind:  

  • das Berliner Schulgesetz
  • das Gesetz über die Beteiligung an den Kosten der Betreuung von Kindern in Tageseinrich-tungen und in Kindertagespflege sowie in außerunterrichtlichen schulischen Betreuungsan-geboten (Tagesbetreuungskostenbeteiligungsgesetz – TKBG)“
  • die Verordnung über den Bildungsgang der Grundschule (Grundschulverordnung – GsVO)
  • die Verordnung über die ergänzende Förderung und Betreuung und die außerunterrichtliche Förderung und Betreuung von Schülerinnen und Schülern“ (Schülerförderungs- und -betreu-ungsverordnung – SchüFöVO )
  • die Verordnung über die sonderpädagogische Förderung
  • die Verordnung über die Beteiligung an den Kosten für ein in Tageseinrichtungen der Kindertagespflege und in außerunterrichtlichen schulischen Betreuungsangeboten im Angebot enthaltenes Mittagessen (Mittagessensverordnung – MittagVO)
  • die Ausführungsvorschriften über die Wahrnehmung der Aufsichtspflicht im schulischen Bereich und die Verkehrssicherungspflicht sowie die Haftung (AV Aufsicht)
  • die Ausführungsvorschriften zur Erstellung der Schulprogramme und zur internen Evaluation (AV Schulprogramm) und die dazugehörigen Erläuterungen
  • die Verwaltungsvorschrift für die Zumessung der Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeite-rinnen und Sozialarbeiter, Pädagogische Unterrichtshilfen sowie Betreuerinnen und Betreuer (weiteres pädagogisches Personal) an öffentlichen allgemein bildenden Schulen und Interna-ten (Zumessung der Erzieherinnen und Erzieher - aktuelle Fassung auf der Seite unter dem Punkt: Wie viel pädagogisches Personal bekommt eine Schule?)
  • die Schulrahmenvereinbarung (an Schulen, die mit einem Träger der freien Jugendhilfe kooperieren)

Redaktionell verantwortlich: Karsten Rust