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Gesamtkonzept

Das ausführliche Konzept

Konzeption des MJBS für die Durchführung des Schulversuchs "Leistungsprofilklassen"

0. Vorbemerkung

Die Konzeption trifft Aussagen zu:

1. Dauer, Ziele, Gegenstand und Fragestellungen des Schulversuchs
2. Aufnahmeverfahren, Nichtversetzung, Klassen- oder Schulwechsel
3. Wissenschaftliche Begleitung/Auswertung des Schulversuchs
4. Pädagogische und fachliche Begleitung und Unterstützung der beteiligten Schulen


Die Konzeption geht von folgenden Festlegungen aus:

  • Die Einführung der Leistungsprofilklassen erfolgt ab dem Schuljahr 2001/02
  • Die am Schulversuch beteiligten Schülerinnen und Schüler erreichen beginnend mit der Jahrgangsstufe 5 an Gymnasien in acht Jahren das Abitur
  • Die Verkürzung der Schulzeit erfolgt durch Überspringen der Jahrgangsstufe 8
  • Die Unterrichtsziele und -inhalte der Jahrgangsstufen 5 bis 8 werden auf die drei Schuljahre 5 bis 7 verteilt.
  • Es nehmen an dem Versuch im Schuljahr 2001/2002 bis zu 46 fünfte Klassen teil: grundsätzlich je zwei Gymnasien pro Landkreis oder kreisfreier Stadt, zusätzlich jeweils ein drittes Gymnasium in den Landkreisen bzw. der kreisfreien Stadt, die im engen Verflechtungsraum mit Berlin liegen und das Niedersorbische Gymnasium in Cottbus (s. Anlage 1: Brief des Ministers vom 10.08.2000).
  • Die Gymnasien in freier Trägerschaft erhalten die Gelegenheit zur Teilnahme am Schulversuch, wenn sie es wünschen. Sie werden auf das Kontingent des jeweiligen Landkreises bzw. der jeweiligen kreisfreien Stadt angerechnet.
  • Es gelten für die Leistungsprofilklassen grundsätzlich die Regelungen für die Sekundarstufe I an Gymnasien. Die Regelungen der gymnasialen Oberstufe bleiben unberührt.
  • Die Leistungsprofilklassen werden im Rahmen eines Schulversuchs geführt, der bis zum Abitur des ersten Jahrgangs der Leistungsprofilklassen im Jahre 2008/9 dauert. Es werden jedes Jahr neue fünfte Klassen an den ausgewählten Schulen aufgenommen. Der Schulversuch schließt alle Leistungsprofilklassen der Schuljahre 2001/02 bis 2008/09 ein.

1. Dauer, Ziele, Gegenstand und Fragestellungen des Schulversuch

Ziel dieses Schulversuchs von Schuljahr 2001/02 bis Schuljahr 2008/09 ist es, zu erproben, wie es besonders leistungsfähigen und leistungsbereiten Schülerinnen und Schülern gelingt, die allgemeine Hochschulreife am Gymnasium in eigenen Klassen von der Jahrgangsstufe 5 bis 10 durch Überspringen der Jahrgangsstufe 8 über eine achtjährige Form des entsprechenden Bildungsganges zu erreichen.

Neben dem bereits möglichen Weg des individuellen Überspringens einer Jahrgangsstufe wird Schülerinnen und Schülern damit die Chance der Teilnahme an einer achtjährigen Form des Bildungsganges zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife in einer Gruppe besonders leistungsfähiger und -bereiter Mitschülerinnen und Mitschüler im festen Klassenverband in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 geboten.

Über den Aspekt eines Zeitgewinns hinaus ergeben sich damit aber auch Möglichkeiten, den kognitiven, affektiven und sozialen Fähigkeiten besonders befähigter junger Menschen besser zu entsprechen.

Die achtjährige Form des Bildungsganges zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife an Gymnasien wird dadurch erreicht, dass bei Beibehaltung der Lernziele die Lerninhalte der Jahrgangsstufen 5 bis 8 gestrafft und von diesen Schülerinnen und Schülern in drei statt vier Jahren bewältigt werden. Sie werden nach dem erfolgreichen Abschluss der Jahrgangsstufe 7 unmittelbar in die Jahrgangsstufe 9 versetzt und dann nach den selben Regelungen wie die übrigen Schülerinnen und Schüler des Bildungsganges zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife unterrichtet, abgesehen von den Regelungen für die zweite Fremdsprache.

Um abzusichern, dass trotz der bis zum Eintritt in die Jahrgangsstufe 9 auf ein Jahr verkürzten Zeit zum Erwerb der zweiten Fremdsprache am Ende der Sekundarstufe I die erforderlichen Kompetenzen erreicht werden, verbleiben die Schülerinnen und Schüler der Leistungsprofilklassen in den Jahrgangsstufen 9 und 10 in ihrem Klassenverband. Die Wahl der zweiten Fremdsprache kann dadurch eingeschränkt sein.

Der Auswahl der geeigneten Schülerinnen und Schüler kommt für den Erfolg des Schulversuchs besondere Bedeutung zu. In einem besonderen Aufnahmeverfahren müssen diejenigen Bewerberinnen und Bewerber möglichst zuverlässig ausgewählt werden, die auf Grund ihrer intellektuellen und motivationalen Voraussetzungen am besten für die Leistungsprofilklassen geeignet sind.

Der Unterricht in den Leistungsprofilklassen erfolgt grundsätzlich nach den geltenden Rahmenplänen der Primarstufe und der Sekundarstufe I. Durch die Erarbeitung schulinterner Curricula für diese Klassen, eine entsprechende, abgestimmte Unterrichtsplanung und -durchführung sowie eine kontinuierliche Lernerfolgsauswertung wird sichergestellt, dass die fachlichen Ziele der Jahrgangsstufen 5 bis 8 in nur drei Schuljahren (Jahrgangsstufen 5 bis 7) und die fachlichen Anforderungen für die zweite Fremdsprache bis Ende der Jahrgangsstufe 10 (d.h. in drei statt vier Jahren) erreicht werden.

Ein wesentlicher Schwerpunkt des Schulversuchs ist daher die begleitete Erarbeitung und die Umsetzung entsprechender schulinterner Curricula. Dafür ist es erforderlich, dass die beteiligten Gymnasien auf der Ebene von Fachkonferenzen und Arbeitskreisen kooperieren und sich bei der Planung, Durchführung und Auswertung des Unterrichts in der zweiten Fremdsprache in den Jahrgangsstufen 7,9 und 10 abstimmen.

Der Erfolg des Schulversuchs bemisst sich am Leistungsvergleich der Schülerinnen und Schüler in den Leistungsprofilklassen mit denen in anderen Gymnasialklassen am Ende der Jahrgangsstufe 10 und am erfolgreichen Absolvieren der gymnasialen Oberstufe. Um über gesicherte Erkenntnisse beim kontrollierten Einführungsprozess der Leistungsprofilklassem zu verfügen, sollen Erkenntnisse über den Leistungsfortschritt in der 7. Jahrgangsstufe vergleichend gewonnen werden.

Zur Gesamteinschätzung des Schulversuchs müssen auch Erfahrungen gesammelt und ausgewertet werden, wie die Integration jüngerer Schülerinnen und Schüler in Gymnasien gelingt. Darüber hinaus soll festgestellt werden, welche Auswirkungen dieses besondere Angebot auf die Entwicklung der übrigen Gymnasien sowie auf die Grund-, Gesamt- und Realschulen in der jeweiligen Region hat.

Als Fragestellungen werden deshalb im Laufe des Schulversuchs untersucht,

  • welches Auswahlverfahren für diesen Schulversuch am besten geeignet ist,
  • wie sich der schulische Lernstand der Schülerinnen und Schüler in Leistungsprofilklassen in wesentlichen Kompetenzbereichen und Fächern im Vergleich zu den anderen Klassen im Bildungsgang des Gymnasiums entwickelt,
  • wie durch schulinterne Curricula und schulübergreifende Abstimmung sich die Lernfortschritte verbessern und beschleunigen lassen,
  • wie die Leistungsprofilklassen die pädagogische Schulentwicklung der beteiligten Gymnasien beeinflussen,
  • wie sich das Angebot von Leistungsprofilklassen auf die Schulstruktur der übrigen Schulen in der jeweiligen Region auswirkt.

Die meisten dieser Punkte sind Gegenstand der wissenschaftlichen Begleitung, der letzte wird durch die Schulaufsicht evaluiert.

2. Aufnahmeverfahren, Nichtversetzung, Klassen- oder Schulwechsel

Für den Schulversuch ist eine Notensumme von höchstens 5 in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht im Halbjahreszeugnis der Jahrgangsstufe 4 und die Anmeldung durch die Eltern für ein bestimmtes Gymnasium Voraussetzung für die Teilnahme am Auswahlverfahren.

Das Auswahlverfahren wird von der Schulleitung der aufnehmenden Schule durchgeführt. Sie trifft die Entscheidung über die Aufnahme in die Leistungsprofilklasse. Die Entscheidung erfolgt nach dem erreichten Ranglistenplatz der Bewerberinnen und Bewerber, mit dem die Ergebnisse des Auswahlverfahrens zusammengefasst werden.

Die Auswahlentscheidung der aufnehmenden Schule gründet sich auf

  • Informationen der Grundschule für die aufnehmende Schule,
  • das Ergebnis eines prognostischen Tests und
  • das Ergebnis eines Auswahlgesprächs an der aufnehmenden Schule.

 
Im ersten Schulhalbjahr der Jahrgangsstufe 4 erhalten die Eltern Informationen über die achtjährige Form des Bildungsganges zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife, die Gestaltung des Auswahlverfahrens und das regionale Angebot. Auf Wunsch erfolgt eine individuelle Beratung der Eltern durch die Klassenlehrkraft der Grundschule. Sofern an einer Schule schriftliche Informationen zur Lernentwicklung an Stelle von Noten treten, wird in Jahrgangsstufe 4 auf Antrag der Eltern ein Halbjahreszeugnis mit Noten ausgestellt.

Für alle Schülerinnen und Schüler, für die ein entsprechender Antrag vorliegt und die die Zeugnisvoraussetzungen erfüllen, erstellt die Klassenkonferenz der Grundschule eine Information für die aufnehmende Schule.

Im Schuljahr 2000/01 besteht diese Information aus

  • einem Beurteilungsbogen zu Indikatoren für die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Bewerberinnen und Bewerber,
  • einer zusammenfassenden Einschätzung der Eignung der Schülerin/ des Schülers für den Unterricht in den Leistungsprofilklassen.

 
Bei dem Test, der in der aufnehmenden Schule durchgeführt wird, handelt es sich nicht um eine Wissensabfrage, die sich am schulischen "Stoff" orientiert. Gegenstand des angewendeten Testverfahrens sollen vielmehr verschiedene Bereiche von Intelligenz sein (sprachliche Intelligenz, logisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit, Kreativität) sowie die Ermittlung der allgemeinen Leistungs-, Anstrengungs- und Durchhaltebereitschaft.

Am aufnehmenden Gymnasium wird ausgehend von der Information der Grundschule und dem Testergebnis ein individuelles Auswahlgespräch mit den Schülerinnen und Schülern von etwa 20 Minuten Dauer durchgeführt, an dem auch die Eltern teilnehmen können. Das Gespräch dient dazu, sich ein ergänzendes persönliches Bild von der Schülerin oder dem Schüler zu machen sowie Vorinformationen, Erwartungen, Motivationen und Verhalten in der Bewerbungssituation einzuschätzen. Für die Durchführung der Gespräche wird ein Leitfaden entwickelt, der Hinweise zu den für die Auswahlentscheidung und den Gesprächsverlauf bedeutsamen Dimensionen und für die Darstellung des Ergebnisses enthält. Jedes Gespräch wird von zwei Personen (Schulleitung / beauftragte Lehrkräfte des aufnehmenden Gymnasiums) geführt.

Zur Feststellung der jeweils geeignetsten Bewerberinnen und Bewerber werden in dem aufnehmenden Gymnasium Ranglisten erstellt, in die die Ergebnisse aus den Informationen der Grundschule, dem Testergebnis und dem Ergebnis des Auswahlgesprächs eingehen.

Die Entscheidung über die Aufnahme in eine Leistungsprofilklasse erfolgt nach dem erreichten Rangplatz. Bei durch Rücktritten von der Aufnahme erforderlichen Nachrückverfahren wird die erstellte Rangliste des aufnehmenden Gymnasiums zu Grunde gelegt, dieses wird in der Regel nur in den ersten vier Wochen nach Schuljahresbeginn möglich sein.

Schülerinnen und Schüler in Leistungsprofilklassen, die am Ende der Jahrgangsstufe 5 nicht versetzt werden können, verlassen das Gymnasium und gehen in die Jahrgangsstufe 6 der Grundschule über.

Schülerinnen und Schüler in Leistungsprofilklassen, die am Ende der Jahrgangsstufe 6 oder 7 in Leistungsprofilklassen nicht versetzt werden, rücken in der Regel in die Jahrgangsstufe 7 oder 8 auf und wechseln in eine andere Klasse des Gymnasiums.

Angesichts der beschleunigten Lernfortschritte und der Eigenart des Schulversuchs werden auch auf frei werdende Plätze in den Jahrgangsstufen 5, 6 und 7 grundsätzlich keine Seiteneinsteiger zugelassen. Aufgrund der Erfordernisse des Schulversuchs wird die Klassenfrequenz grundsätzlich auf höchstens 28 Schülerinnen und Schüler begrenzt.

3. Wissenschaftliche Begleitung - Auswertung des Schulversuchs

Gemäß den genannten Fragestellungen sollen im Rahmen des Schulversuchs durch Befragungen der Eltern, Schüler und Lehrkräfte umfangreiche Kenntnisse über Einschätzungen und Erfahrungen mit der Konzeption der Leistungsprofilklassen gesammelt werden. Im Rahmen der weiteren Präzisierungen der Fragestellungen wird zu entscheiden sein, ob bei den jeweiligen Befragungen Totalerhebungen bei allen Beteiligten vorgenommen werden oder lediglich Teilstichproben untersucht werden sollen.

Im Vorgriff auf eine noch zu erarbeitende detaillierte Untersuchungsplanung, die erst in Zusammenarbeit mit einer entsprechenden universitären Einrichtung entwickelt werden soll, wird die Untersuchung folgender Gesichtspunkte angestrebt:

3.1 Evaluation der Aufnahmeverfahren

Zur Evaluation der Prognosetauglichkeit des eingesetzten Auswahlverfahrens bei der Aufnahme der Schülerinnen und Schüler werden die bei den antragsberechtigten Bewerberinnen und Bewerbern erhobenen Daten ausgewertet und bezogen auf die tatsächlich aufgenommen Schülerinnen und Schülern durch einen Vergleich mit der Leistungsentwicklung überprüft. Es wird angestrebt, die Evaluation des Auswahlverfahrens jeweils in den neubeginnenden Leistungsprofilklassen der Schuljahre 2001/02 und 2002/03 zu wiederholen. Unter anderem soll dabei untersucht werden, ob und in welcher Weise alle eingesetzten Instrumente (Grunschulinformation, Auswahlgespräch und Test) geeignet und erforderlich sind, die vermutliche Eignung zu prognostizieren.

3.2  Evaluation der Leistungsentwickelung in Leistungsprofilklassen in wesentlichen Kompetenzbereichen (u.a. in den Fächern Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache)

In Zusammenarbeit von Schulen, PLIB und wissenschaftlicher Begleitung sind curricular valide Leistungstest zu entwickeln, die eine Erhebung der Lernstände der Leistungsprofilklassen im zweiten Halbjahr der Jahrgangsstufe 7 in den Fächern Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache ermöglichen. Es ist beabsichtigt, vergleichende Lernstandsmessungen in Klassen der Jahrgangsstufe 8 an denselben Gymnasien durchzuführen sowie in den beteiligten Gymnasien eine weitere vergleichende Lernstandsmessung am Ende der Jahrgangsstufe 9.

Da der erste Jahrgang 5 der Leistungsprofilklassen am Ende der Jahrgangsstufe 10 im Schuljahr 2005/2006 bereits an regulären Abschlussprüfungen teilnimmt, sind weitere Lernstandsmessungen in der Sekundarstufe I verzichtbar.

Der Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler am Ende der Jahrgangsstufe 13 (Schuljahr 2008/2009) wird im Rahmen der jeweils geltenden Abiturprüfungsregelungen in geeigneter Weise untersucht werden.

3.3  Dokumentation individueller Entwicklungsverläufe unter sozial-, lern- und entwicklungspsychologischen Aspekten

Da das Ziel des Schulversuchs nicht nur in der zeitlichen Straffung des Bildungsganges besteht, sondern auch eine Förderung im motivationalen und sozialen Bereich erfolgen soll, ist es erforderlich zu prüfen, ob dies im Schulversuch gelingt. Für die Beurteilung der Qualität des Schulversuchs ist eine Messung der kognitiven Leistungen in ausgewählten Fachgebieten daher nicht ausreichend. Zur Realisierung der noch zu präzisierenden Fragestellungen sind besondere qualitative und quantitative Verfahren einzusetzen. Um unterschiedliche Entwicklungen in den jeweiligen Jahrgangsstufen nachvollziehen zu können, sollten nach dem Ende des jeweiligen ersten Schulhalbjahres entsprechende Befragungen der Schülerinnen und Schüler vorgenommen werden. Eine Verknüpfung mit den Erhebungen zur Lernstandsmessung ist anzustreben.

3.4 Erwartungen und Einschätzungen der Eltern

In eine erste Befragung im Juni 2001 sollen die Eltern einbezogen werden, die sich für ihre Kinder um Plätze im Schulversuch beworben haben. Dabei sollten u.a. Erwartungen und Entscheidungsmotive der Elternhäuser erhoben sowie die angewandten Auswahlverfahren bewertet werden. Die Befragung sollte im September 2002 (also zum Beginn der 6. Jahrgangsstufe) bei allen Eltern deren Kinder aufgenommen wurden in modifizierter Weise wiederholt werden. In der 2. Elternbefragung sind verstärkt die Erfahrungen der Eltern mit dem Schulversuch auszuwerten.

3.5 Einschätzung des Schulversuchs durch die Lehrerschaft

Beginnend im Oktober 2001 sollen diejenigen Lehrkräfte in eine Untersuchung einbezogen werden, die in den Fächern Deutsch, Mathematik sowie Fremdsprache im Schulversuch arbeiten. Die Befragung sollte in regelmäßigen, vorher festgelegten Abständen wiederholt werden. Es wird angestrebt auch Lehrkräfte anderer Fächer in die Untersuchung einzubeziehen, um dadurch erweiterte Erkenntnisse über Lernfortschritte und den Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler und die Einschätzungen durch die Lehrerinnen und Lehrer zu gewinnen.

3.6  Einfluss der Leistungsprofilklassen auf die pädagogische Schulentwicklung der betroffenen Gymnasien

Sowohl die Aufnahme und Integration jüngerer Schülerinnen und Schüler als auch die vergleichende Betrachtung der Entwicklungsverläufe der Leistungsprofilklassen im Verhältnis zu den regulären Parallelklassen wird zu veränderten Haltungen und Einstellungen bei Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften sowie zu schulorganisatorischen Veränderungen in den inneren Abläufen der beteiligten Gymnasien führen. Diese Veränderungen sollen dokumentiert werden.

3.7  Auswirkungen der Bildung von Leistungsprofilklassen auf das regionale Schulangebot und die Schulentwicklungsplanung

Es soll untersucht werden, wie sich die Einrichtung von Leistungsprofilklassen an ausgewählten Gymnasien auf die Entwicklung der regionalen Schulstruktur auswirkt. Dies betrifft sowohl die Situation der Jahrgangsstufen 5 und 6 der umliegenden Grundschulen als auch die unter Umständen durch Leistungsprofilklassen ausgelösten Veränderungen im Elternwahlverhalten beim Übergang nach Jahrgangsstufe 5 bzw. 7.

4. Pädagogische und fachliche Begleitung und Unterstützung der beteiligten Schulen/Koordination der wissenschaftlichen Begleitung

Neben der Vorbereitung der Grundschulen und der Gymnasien auf das Aufnahmeverfahren, neben der notwendigen Umgestaltung der inneren Organisation und der Ergänzung des Schullebens in den beteiligten Gymnasien bedeutet insbesondere die Qualität der Vorbereitung, der Gestaltung und der kontinuierlichen Erfolgskontrolle des Unterrichts in den Leistungsprofilklassen eine spezielle Anforderung an die Lehrkräfte und die Schulleitungen. Der Organisation und der Strukturierung des Erfahrungsaustausches der beteiligten Schulen kommt in einem Flächenland bei unterschiedlichen Bedingungen an den Schulstandorten besondere Bedeutung zu.

Die koordinierende Organisation, die Beratung, Begleitung und Unterstützung der beteiligten Schulen und die Sicherung der Vergleichbarkeit der Entwicklungen wird vom Pädagogischen Landesinstitut Brandenburg (PLIB) übernommen. Die Entwicklung und die Realisierung der schulinternen Curricula für die Leistungsprofilklassen fällt zeitlich mit der Einführung neuer Rahmenlehrpläne für die Sekundarstufe I in den brandenburgischen Schulen zusammen. Damit das Ziel der Versetzung in die Jahrgangsstufe 9 nach verkürzter Schulzeit erreicht wird, sind die in den neuen Rahmenlehrplänen weiterentwickelten Anforderungen für Unterrichtsziele, -inhalte und -methoden zu komprimieren und bereits teilweise in den Unterricht der Jahrgangsstufe 6 mit einzubeziehen.

Die Koordination der wissenschaftlichen Begleitung durch externe Partner soll ebenfalls beim Pädagogischen Landesinstitut Brandenburg (PLIB) liegen. Diese Koordination schließt die Leistungsbeschreibung im Rahmen der Vertragsgestaltung, die Vertragsauslösung und die Überwachung der Vertragserfüllung mit ein. Weiterhin übernimmt das PLIB die Dokumentation des Schulversuchs, die Reflexion der Verlaufs- und Ergebnisevaluation in Abstimmung mit der wissenschaftlichen Begleitung sowie die Erstellung von Zwischenberichten, Abschlussbericht und ggf. Publikationen.

Das Pädagogische Landesinstitut koordiniert die pädagogische Entwicklungsarbeit der Schulen, die Aktivitäten der wissenschaftlichen Begleitung und die eigenen Angebote der pädagogischen und fachlichen Betreuung.

Redaktionell verantwortlich: André Koch, LISUM