Zum Inhalt springen

Geschlechtliche Vielfalt

Die diskriminierungsfreie Teilhabe an Bildung betrifft die unterschiedlichsten Bereiche der Persönlichkeit eines Menschen. Inklusion zielt dabei nicht nur auf Menschen mit Behinderung. Diskriminierung oder Ungleichbehandlung findet in vielen Bereichen statt. Dies erfordert einen achtsamen Umgang.


Eine Aufgabe von Schule ist es, Respekt für Verschiedenheit zu verbinden mit dem Nicht-Akzeptieren von Ausgrenzung und Diskriminierung. Die Unterschiede von Menschen werden wertfrei anerkannt und es entsteht ein Bewusstsein dafür, dass Vielfältigkeit grundlegend bereichert. Die Besonderheit und Einzigartigkeit eines Menschen ist dabei die Grundlage um Vielfalt wertzuschätzen. Dieses Herangehen ist die Formulierung eines Zieles beziehungsweise die Entscheidung für einen Wert wie Menschen miteinander umgehen und bildet somit die Grundlage für eine veränderte Norm, denn ‚es ist normal verschieden zu sein‘. Schule hat den Auftrag, die Fähigkeit andere anzuerkennen und die Wertschätzung von Differenzen zu fördern.


Die unterschiedlichsten Faktoren machen einen Menschen zu dem, was er ist. Im Rahmenlehrplan werden einige der Dimensionen der Vielfalt benannt. Diese Dimensionen können als Themen oder Einheiten im Unterricht umgesetzt werden. Darüber hinaus bietet es sich an, diese selbstverständlich in den Schulalltag zu integrieren durch zum Beispiel eine diskriminierungsfreie Sprache; das Bereitstellen von Essen ohne Schweinefleisch oder veganen Speisen bei Schulveranstaltungen; Thematisierung von diskriminierendem Verhalten und sofortige Intervention, wenn es auftritt; Schulbücher z. B. im Hinblick auf Rollenklischees oder rassistische Stereotype kritisch betrachten; gleichgeschlechtliche Lebensweise als eine von vielen erwähnen usw.
 

In Schule und Gesellschaft wird oft selbstverständlich davon ausgegangen, dass es nur zwei Geschlechter gibt, dass sich Menschen mit dem Geschlecht identifizieren, welches ihnen bei Geburt zugewiesen wurde und dass Menschen sich heterosexuell verlieben. Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt anzuerkennen bedeutet jedoch, auch LSBTI-Lebensweisen mitzudenken:

L = lesbian, lesbisch

S = schwul (engl. gay, dann LGBTI)

B = bisexual, bisexuell

T = transgender, transgeschlechtlich

I = intersexual, intergeschlechtlich

Menschen mit LSBTI Lebensweisen bezeichnen sich auch als „queer“. Es kann davon ausgegangen werden, dass 5-10 % aller Menschen queer sind. Somit finden sich in jeder Klasse und in jedem Kollegium Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die selbst LGBTI sind oder werden oder LGBTI Personen in ihrem Umfeld erleben.

Die Geschlechtsidentität beschreibt das Zugehörigkeitsempfinden zu einem Geschlecht. Menschen können sich zu einem bestimmten Geschlecht zugehörig fühlen, auch wenn sie diesem äußerlich nicht zu entsprechen scheinen. Gender bzw. das soziale Geschlecht meint die Normen und Erwartungen, die in einer bestimmten Gesellschaft oder Kultur mit der Rolle der Frau bzw. des Mannes verbunden sind, was also als „weiblich“ bzw. „männlich“ definiert wird (z. B. hinsichtlich Kleidung, Auftreten, Verhalten). Aus dem englischen wurde der Begriff „Gender“ übernommen, um die Dimensionen des sozialen (englisch: Gender) und biologischen (englisch: sex) Geschlecht zu trennen.

Als trans*, transgeschlechtlich, transgender oder transident bezeichnen sich meist Personen, die ihre Geschlechtsidentität jenseits einer zweigeschlechtlichen Ordnung leben und diese damit in Frage stellen. Diese Selbstbezeichnungen sind keine medizinischen sondern sozialwissenschaftliche und politische Begriffe. Als transgeschlechtlich bezeichnen sich meist Personen, die eine andere geschlechtliche Identität besitzen als jene, die ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Trans* wird oft auch als Oberbegriff verwendet.

Als inter* oder intergeschlechtlich bezeichnen sich Personen, die biologische Varianten bei der Geschlechtsdifferenzierung haben. Intersexuelle Körper weisen deshalb bei der Geburt Merkmale vom weiblichen und vom männlichen Geschlecht auf.

Transsexualität und Intersexualität sind medizinische Begriffe, die von trans* und inter* Personen selten verwendet werden, da sie zum einen in der deutschen Sprache auf Sexualität verweisen, was missverständlich sein kann. Zum anderen werden diese Begriffe als pathologisierend empfunden, d. h. dass Personen mit diesen Bezeichnungen als krank erklärt werden.

Gerade der Sprache kommt bei der Beachtung der Umsetzung von geschlechtlicher Vielfalt eine große Bedeutung zu. Durch Sprache kann eine Gleichstellung oder Offenheit verdeutlicht werden, beispielsweise durch die Verwendung des Gender-Gap (Unterstrich z. B. Schüler_innen) oder des Gender Sterns, wodurch Menschen miteingeschlossen werden, die sich nicht als Frauen oder Männer definieren. Zur Sprache gehört auch die Anrede von Schüler*innen. Für alle Schüler*innen ist es wichtig so angesprochen zu werden wie sie es wünschen. Das kann ein neuer Vorname oder ein neuues Pronomen sein bei trans* Personen. Wenn ein Kind oder ein*e Jugendliche*r um eine Veränderung in der Anrede bittet, sollten Sie dies sehr ernst nehmen. Meist ist dieser Äußerung ein langer Prozess vorausgegangen und es kann sehr schwerzhaft sein, wenn der alte Name oder das falsche Pronomen verwendet werden. Für die Anrede ist es nicht notwendig, eine formale/rechtliche Änderung vorweisen zu können.

Redaktionell verantwortlich: Conny-Hendrik Kempe-Schälicke, SenBJF