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Hintergrund

Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen zum Islam als Religion sowie zur Rolle, die Religiosität einerseits und Islamfeindschaft andererseits für junge Musliminnen und Muslime in Deutschland spielen. Daraus lassen sich erste Schlussfolgerungen für eine diskriminierungssensible, präventiv wirksame pädagogische Praxis ableiten.

Als politische Ideologie ist der Salafismus eine Spielart des Islamismus. Im Folgenden finden Sie Informationen über Strömungen innerhalb des Salafismus, über die Angebote, die er speziell Jugendlichen macht – und darüber, woran man eventuell (!) erkennen kann, ob Jugendliche von salafistischer Ideologie beeinflusst sind.

Der Begriff 'Salafismus' leitet sich ab aus dem arabischen Terminus as-salaf as-salih (dt. etwa die ehrwürdigen Altvorderen). Gemeint sind damit die ersten drei Generationen von Musliminnen und Muslimen im 7. Jahrhundert. Für viele gelten sie heute als Vorbilder, an denen sie sich in der einen oder anderen Weise orientieren möchten. Als politische Ideologie ist der Salafismus jedoch eine Spielart des Islamismus. Als 'islamistisch' wird die Ideologie einer Vielzahl von Strömungen und Akteuren bezeichnet, deren Ziel es ist, Politik und Gesellschaft gemäß ihres Islamverständnisses zu gestalten. Einen Wahrheitsanspruch leiten sie aus der Überzeugung ab, dass ihr Verständnis der religiösen Quellen (Koran und Sunna) das einzig wahre und mögliche darstellt. Das führt unweigerlich zur Ablehnung und Abwertung anderer Perspektiven – gleich ob von Musliminnen und Muslimen oder Nichtmusliminnen und Nichtmuslimen. Darin gleichen Islamismus und Salafismus anderen, z. B. christlichen Fundamentalismen.

Islamistische Organisationen unterscheiden sich gleichwohl darin, wie sie ihre Überzeugungen in der Gesellschaft durchsetzen wollen: Mehrheitlich setzen sie auf Mission, Erziehung und Überzeugungsarbeit, einige beteiligen sich an Wahlen. Andere (z.B. IS oder Al-Qaida) legitimieren Gewalt und Terror und behaupten, auf diese Weise Islam und Musliminnen und Muslime verteidigen zu müssen. Der Verfassungsschutz schätzt den Salafismus als dynamischste aller islamistischen Bewegung ein und seine Anhängerschaft auf knapp über 10.000 Personen in Deutschland. 

Diese Gruppe teilt keinesfalls eine grundsätzliche Gewaltbereitschaft. Innerhalb des Spektrums islamistischer Strömungen ist der Salafismus charakterisiert durch ein sehr rigides, wortgetreues Verständnis der islamischen Quellen. Daraus leitet sich sein Wahrheitsanspruch auch gegenüber der großen Mehrheit von Musliminnen und Muslimen ab, die eine sinngemäße Übertragung der Quellentexte auf jeweils aktuelle Kontexte bevorzugen. Konkrete politische Ordnungsvorstellungen findet man im Salafismus jedoch nur wenige. Umso mehr konzentrieren sich Salafistinnen und Salafisten darauf, äußerliche Merkmale (wie etwa Bekleidung) zu betonen, strenge moralische Positionen zu predigen und solche Denk- und Lebensformen zu denunzieren und zu bekämpfen, die ihnen als 'sündhaft' oder unmoralisch erscheinen. Für sie gibt es nur 'richtig' und 'falsch' bzw. 'gut' und 'böse'.

Vielfalt der Lebensstile, Pluralismus und Ambivalenzen, Toleranz und freie Meinungsbildung – diese Grundelemente demokratischen Lebens sind mit dem Salafismus unvereinbar.  Gerade über solche Fragen von Moral und Ethik im eigenen Denken und Handeln lässt sich mit Jugendlichen sehr gut sprechen und sie auf diese Weise für unterschiedliche Auffassungen und simple Lösungen sensibilisieren.

Grob skizziert lassen sich Salafistinnen und Salafisten unterteilen in:

1. 'Puristen': Ihnen geht es vor allem darum, selbst ein nach ihren Maßstäben gottgefälliges Leben zu führen. Im eigenen Leben versuchen sie ihren Vorbildern möglichst genau zu folgen – und üben keinen Druck auf andere aus.

2. 'Missionare': Missionieren sehr aktiv, erklären ihr Islam-Weltverständnis zum einzig wahren und werten andere Denk- und Lebensformen offen ab. Dabei setzen sie ihre Umgebung unter Druck – gegebenenfalls auch in Schule und Jugendeinrichtungen.

3. 'Jihadisten': Dieser sehr kleine Flügel ist bereit, seine Überzeugungen mit Gewalt zu verbreiten und durchzusetzen. Legitimiert wird das meist als Verteidigungskampf. 

Aus diesem Spektrum sind während der territorialen Expansion des „IS“ knapp 1.000 Personen nach Syrien und den Irak ausgereist. Mit den zunehmenden Verlusten der eroberten Gebiete sind auch die Ausreisen stagniert. Nun stellen die Rückkehrer und Rückkehrerinnen (ein Fünftel der Ausreisenden waren weiblich) durch ihre Indoktrinierung und u.U. eine militärische Ausbildung ein Sicherheitsrisiko dar.

Die Propaganda für den Salafismus erfolgt hauptsächlich im Internet und durch einzelne Prediger. Darüber hinaus bieten einzelne wenige Moscheegemeinden Salafistinnen und Salafisten die Möglichkeit zur Agitation bis hin zur Rekrutierung für den Jihad. In den 'normalen' Moscheen werden Jugendliche jedoch nicht salafistisch ideologisiert und radikalisiert. Ziel der Propaganda sind zum einen Nichtmusliminnen und Nichtmuslime, die vom Islam überzeugt werden sollen; zum anderen aber vor allem Musliminnen und Muslime, die den Islam anders denken und leben als Salafistinnen und Salafisten es für richtig halten. Eine große Rolle in der salafistischen Szene spielen Konvertitinnen und Konvertiten – also junge Menschen nichtmuslimischer Herkunft, die zum Salafismus konvertieren.

Es mag seltsam klingen, aber es gibt wahrscheinlich keinen Haushalt in Deutschland, in dem eine salafistische Biografie nicht beginnen könnte. Bildungsstand, soziale Herkunft, religiöse Sozialisation oder Migrationsgeschichten – all diese Faktoren können nicht für sich erklären, warum Jugendliche sich von salafistischer Ideologie anziehen lassen. So ist auch das oft gezeichnete Bild gescheiterter Existenzen irreführend: Selbst im Dschihadismus finden sich Jugendliche und junge Erwachsene mit guten schulischen und beruflichen Perspektiven. Auch stammen viele Jugendliche, die sich salafistischen Strömungen anschließen, aus nichtreligiösen Elternhäusern. Bei ihnen kann die Wendung zum Salafismus 

den Bruch mit Traditionen und Herkunft der Eltern sowie eine Art "Wiederentdeckung" der Religion markieren. Zudem ist die hohe Anzahl von Konversionen in diese Strömung deutlicher Hinweis darauf, dass es sich beim Salafismus keinesfalls nur um ein ‚muslimisches‘ oder ‚migrantisches‘ Phänomen handelt. 

Am Anfang steht für viele Jugendliche mit Migrationshintergrund die Suche nach Wissen über den Islam, der für viele weniger aus religiösen Motiven interessant erscheint, sondern weil sie ihn als Bestandteil ihrer Identität "entdecken", die sie – mehr als noch ihre Eltern – in Deutschland anerkannt sehen wollen. Daneben spielen für viele Jugendliche Erfahrungen von Diskriminierung und Nichtzugehörigkeit eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Ideologisierung. "Die Deutschen", heißt es zum Beispiel, "werden mich in 100 Jahren noch fragen, woher ich komme, nur weil ich schwarze Haare habe." Jugendliche sind in besonderer Weise sensibel dafür, was Stimmungsbarometer schon lange dokumentieren: Die Mehrheit der deutschen Nichtmuslime steht Islam und Muslim_innen skeptisch und ablehnend gegenüber – bis hin zu unverhohlenem Rassismus. Auch Medien und Politik scheinen den Jugendlichen nicht selten nahezulegen, "den Islam" aufzugeben, wenn sie "dazugehören" wollen – weil ihre Religion angeblich nicht mit Demokratie, Grundrechten oder einer "christlich-abendländischen Leitkultur" kompatibel sei. Die Salafist_innen bieten ihnen demgegenüber nicht nur ein Forum für ihre Diskriminierungs- und Ungerechtigkeitserfahrungen, sondern geben ihnen das Gefühl, mit ihrer Religion anerkannt und willkommen zu sein – eben: dazuzugehören.

Diese Suchbewegungen von jungen, mehr oder weniger religiösen deutschen "Muslim_innen" sind zunächst (wenn auch nicht in jeder ihrer Erscheinungsformen) emanzipatorisch und integrativ, zielen sie doch darauf ab, als gleichberechtigte Teile der Migrationsgesellschaft anerkannt zu werden. Problematisch wird es dann, wenn Jugendliche keinen Raum für ihre Fragen oder nur ideologisch eingefärbte Antworten bekommen. So sind etwa Eltern und Großeltern oft überfordert – etwa wenn ihr Religionsverständnis in den Traditionen ihrer Herkunftsregionen verhaftet ist. Auch der örtliche Imam ist in der Regel kein Ansprechpartner, kennt er sich doch weder auf Facebook noch in den Shoppingmalls aus, in denen Jugendliche große Teile ihrer Freizeit verbringen.

Fast zwangsläufig stoßen Jugendliche im Rahmen ihrer Suchprozesse dann auf Salafist_innen, die im Internet omnipräsent sind. Sie erklären ihnen – auf Deutsch – was richtig und was falsch ist und was sie zu tun und zu lassen haben, um ein "guter Muslim" zu sein. Solch einfache Antworten sind für viele ziemlich attraktiv. Dass diese Angebote problematisch sind – etwa weil Denk- und Lebensformen abgewertet werden, die vom und rigiden, freiheitsfeindlichen und mit absolutem Wahrheitsanspruch daher kommenden Islamverständnis des Salafismus abweichen – erkennen viele Jugendliche nicht. Ihre Ideologisierung beginnt damit weit im Vorfeld etwaiger Radikalisierungsprozesse.

Zentrale Attraktivitätsmomente des Salafismus lassen sich mithilfe der Formel WWWGGG einprägen: Wissen, Wahrheit, Werte, Gemeinschaft, Gehorsam, Gerechtigkeit.

Deutlich wird: Hier handelt es sich um sehr "normale" und vor allem jugendtypische Motive, wie sie sich nicht nur in verschiedenen extremistischen Ideologien wiederfinden. Sie sind ganz von dieser Welt, haben mit Religion oder Spiritualität eher wenig oder nur mittelbar zu tun. Die hier sichtbar werdenden Bedürfnisse der Jugendlichen sind gleichzeitig die Aufgaben für die pädagogische Arbeit und die Prävention. Die Frage könnte lauten: Was schaffen Salafist_innen, was wir nicht schaffen? Welche Angebote können und sollten wir machen? Was wären die "funktionalen Äquivalente"?

Was heißt das für die pädagogische Arbeit?

In pädagogischer Arbeit und universeller Prävention geht es nicht darum, "Islamismus" oder "Salafismus" zu erkennen. Das ist zunächst sekundär. Entscheidend sind vielmehr ganz konkrete "freiheitsfeindliche" (B. Wagner / ZDK) Positionen und Verhaltensweisen von Jugendlichen, die in Ideologisierungsprozesse münden können. Pädagogische Interventionen erfolgen dementsprechend auch nicht wegen des "Islam", wegen "Islamismus" oder "Salafismus", sondern vielmehr als Reaktion auf konkret zu benennende anti-pluralistische und anti-demokratische (bzw. freiheitsfeindliche) Positionen oder Einstellungen: Wenn Jugendliche mit einem Wahrheitsanspruch auftreten; wenn sie andere abwerten ("mobben") oder sie unter Druck setzen, weil diese anders denken und leben als sie es für richtig halten. Das sind "problematische" Positionen und konkrete Anlässe, darüber mit den Jugendlichen ins Gespräch zu gehen. Aufgrund der Nähe dieser Themen zu ihrem eigenen Alltag und zu eigenen Erfahrungen gelingt das meist gut. Werden hingegen in abstrakter Form Islam oder Islamismus thematisiert, fühlen sich viele Jugendliche "als Muslim_innen" angesprochen und sehen sich schnell in der Verteidigungsposition.

Pädagog_innen stehen in ständigem Kontakt mit ihren Schüler_innen und Jugendlichen, sie tauschen sich mit ihnen aus, beobachten Entwicklungen, die Schüler_innen im Laufe der Jahre durchmachen. Sie gehören daher oft zu den ersten, die "problematische" Positionen bis hin zur Entwicklung "islamistischer" Einstellungen und Ideologien unter Jugendlichen bemerken und auf diese reagieren können. Denn niemand wird von heute auf morgen Salafist, geschweige denn radikal. Hier handelt es sich um Prozesse, die Phasen durchlaufen und in der Regel in sicht- und spürbaren Veränderungen zum Ausdruck kommen. Deshalb ist es wichtig, bestimmte Merkmale zu kennen, die auf eine Ideologisierung hinweisen können. Können! – denn sehr oft lassen sich Positionen, Verhaltensweisen oder Symbole nicht eindeutig interpretieren. So kann es unter Jugendlichen auch eine Modeerscheinung und cool sein, radikale Positionen zu beziehen und Menschen wie Dinge in richtig oder falsch einzuordnen. Außerdem haben viele religiöse Positionen und Symbole, die für Salafist_innen eine wichtige Rolle spielen, auch für andere Muslim_innen (gerade auch für Jugendliche in Suchprozessen) eine große Bedeutung und sollten daher zunächst als selbstverständlich akzeptiert werden. 

Diese Vieldeutigkeit von Positionen und Verhaltensweisen Jugendlicher macht das Erkennen von und den Umgang mit problematischen Entwicklungen schwierig. Mit den folgenden Hinweisen verbindet sich daher der Appell, nachzufragen statt zu dramatisieren, das Gespräch zu suchen statt zu verurteilen, Interesse zu zeigen statt zu skandalisieren. Nur so lassen sich die Motive der Jugendlichen verstehen und Umgangsweisen finden, die weder stigmatisieren noch auf Provokationen hereinfallen.

I. Äußerlichkeiten: Symbole und Bekleidung, Rituale und Sprache

Symbole, Kleidung und andere äußerlich erkennbare Merkmale dienen Jugendlichen typischerweise zur Markierung von Identität und Zugehörigkeit. So ist das Kopftuch für viele Musliminnen selbstverständlicher Aspekt ihres Glaubens. Diese Merkmale können aber auch zum Ausdruck von Ideologisierungen werden – ebenso wie Bartwuchs oder das Alkohol- und Schweinefleischverbot. Für Salafist_innen markieren sie in besonderer Weise die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der wahren Gläubigen und dienen ihnen nicht zuletzt zur Abgrenzung von einer als "ungläubig" und unmoralisch abgewerteten Umwelt. Ähnlich verhält es sich mit Ritualen, wie etwa dem Fasten, das vor allem ein Gemeinschaftserlebnis darstellt und gerade für Kinder und Jugendliche eine große Rolle spielt, weil es eine Art Initiation markiert. Im Salafismus dienen Rituale allerdings vor allem dazu, das Besondere herauszustellen, Unterschiede zu markieren und sich von anderen abzugrenzen. Rituale werden von ihnen überhöht und ihre Einhaltung unreflektiert eingefordert. Ebenso kann der intensive Gebrauch von religiösen Floskeln in der Sprache sowohl Ausdruck legitimer Suchbewegungen von Jugendlichen sein als auch der gruppenbildenden Abgrenzung dienen und Abwertung von anderen zur Folge haben. 

In der pädagogischen Arbeit ginge es also nicht etwa darum, religiöse Symbole, Rituale oder den Sprachgebrauch infrage zu stellen – wohl aber, die Jugendlichen (und nicht nur die muslimischen!) zum Nachdenken über deren Sinn, Bedeutungen und Funktionen anzuregen.

II. Einstellungen: Ablehnung von Vielfalt, Gruppenbildungen und Abwertung 

Die Ablehnung von religiöser, kultureller, politischer oder lebensweltlicher Vielfalt ist ein wichtiges Merkmal aller islamistischen Strömungen. Pluralismus und unterschiedliche Einstellungen sowie Denk- und Lebensweisen sind für sie Ausdruck der Abweichung vom wahren Glauben. Das äußert sich in der kategorischen Ablehnung anderer Ansichten (meist zunächst derjenigen anderer Muslim_innen), die als falsch, böse, unislamisch, unmoralisch und sündhaft abgewertet und denunziert werden. Wenn Jugendliche entsprechende Positionen formulieren, kann das demnach ein Hinweis auf salafistische Ideologisierung sein. 

Pädagogik sollte aber das Bedürfnis Jugendlicher nach Abgrenzung und Orientierung (auch religiöser) positiv und lebensweltnah aufgreifen ("Wie wollen wir miteinander leben?"). Oft handelt es sich dabei um Reaktionen auf Erfahrungen von Nichtzugehörigkeit. "Übertriebene" Reaktionen darauf und deren Folgen sollten in diesem Zuge aber ebenso reflektiert werden.

A) Ablehnung von Demokratie und Menschenrechten

Islamistische Ideologien lehnen die Idee, dass "alle Macht vom Volk ausgeht", generell ab. Für sie ist Gott allein der Souverän, "menschengemachte" Gesetze seien Blasphemie, weil sie Gottes vermeintlich eindeutigen Willen infrage stellten. Unter Jugendlichen – muslimischen wie nichtmuslimischen – ist Skepsis gegenüber der Demokratie aber aus anderen Gründen verbreitet: So hat vor allem internationale Politik Demokratie und Menschenrechte in Verruf gebracht: "Mit Euren Menschenrechten kommt Ihr immer", sagen viele, "wenn es eigentlich um Macht und Öl geht." Damit einher geht oft auch ein auf Wählen und Regieren (="Herrschen") verkürztes Demokratieverständnis: "Da fordern die Politiker immer Demokratie, aber wenn dann die Hamas gewinnt, ist es auch wieder nicht richtig." 

In der Pädagogik sollten zunächst die legitime Skepsis und die Erfahrungen von Jugendlichen ernst genommen werden und Raum bekommen. Im Anschluss können sie sich darüber Gedanken machen, wie das gesellschaftliche Zusammenleben von Menschen mit ihren unterschiedlichen Interessen (z.B. unterschiedlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit) gestaltet werden kann.

B) Verschwörungstheorien

Charakteristisch für islamistische Weltbilder ist das Denken in homogenen Gruppen: "Wir" und "Die" stehen sich hier vermeintlich unvereinbar gegenüber. Das äußert sich zum Beispiel in der Vorstellung, "der" Westen sei materialistisch, individualistisch, egoistisch und stehe "den Muslim_innen" feindselig gegenüber. Dieses einfache Weltbild ist auch die Grundlage für Verschwörungstheorien, die im salafistischen Denken eine wichtige Rolle spielen. Wie in anderen Ideologien, die eine eigene homogene Gemeinschaft überhöhen und andere abwerten, ist die Vorstellung einer zeitlosen Verschwörung der Anderen gegen die eigene Gemeinschaft auch für islamistische Weltbilder typisch. Aber Achtung: Affinität gegenüber Verschwörungstheorien ist unter Jugendlichen vergleichsweise stark verbreitet. Daraus sollte nicht auf deren islamistische Ideologisierung geschlossen werden.

III. Verhaltensweisen: Rückkehr und Neuanfang / Rückzug und Mission

Jugendliche, die sich dem Salafismus zuwenden oder in den Salafismus konvertieren, beschreiben dies oft als Neuanfang. Ihr neues Weltbild gilt ihnen als "Stunde Null", als radikalen Bruch mit dem vorangegangenen Leben. Damit geht oft eine entschiedene Ablehnung von Ideen, Interessen und Orientierungen einher, die ihnen vorher wichtig waren. Oft geht es etwa um die Abwendung von einem als sündhaft beschriebenen, durch Drogen, Rumhängen oder Disziplinlosigkeit geprägten Lebensstil. Nicht selten betrifft das auch die eigene Familie: Jugendliche werfen ihren Eltern vor, sich "anzupassen" und keine wirklichen Muslim_innen (mehr) zu sein. Salafist_innen unterstützen solche Abwendungen – wie sie auch jungen Konvertit_innen nahelegen, Weihnachten nicht zuhause bei der Familie zu verbringen. Tatsächlich gilt ihnen der Kontakt zu Nichtmuslimen – aber auch zu  Muslim_innen, die den Islam anders leben – als potentiell gefährlich. "Sicherheit" bietet nur der vollständige Rückzug auf die "eigene" Gemeinschaft. (Von hier aus kann dann der Schritt nach draußen, etwa zur "Missionierung" wieder erfolgen.)  

Dem eigenen Verhalten im "neuen Leben" kommt daher große Bedeutung zu, es sollte vorbildhaft sein. Dabei spielen oft als "islamisch" deklarierte und demonstrativ befolgte Verhaltensweisen und Umgangsformen eine besondere Rolle, wie etwa die strikte Einhaltung von Alkohol-, Schweinefleisch- und Glücksspielverbot oder von Normen zum Verhalten zwischen Männern und Frauen. Wenn also Jugendliche behaupten, Schminken oder Händeschütteln sei "unislamisch", dann können auch hier ganz normale Suchprozesse dahinterstehen – es kann sich aber auch um das bereits ideologisierte Bedürfnis nach "Rückkehr" zu einem vermeintlich wahren, echten oder unverfälschten Islam handeln.

In diesem Kontext steht ein weiteres wichtiges Merkmal islamistischer Bewegungen: der Anspruch, andere von der Richtigkeit des eigenen Glaubens zu überzeugen. Grundsätzlich ist dies – und damit auch das im Islam als Dawa ("Einladung zum Islam") bezeichnete Bestreben – Bestandteil von Religions- und Meinungsfreiheit. Im Salafismus jedoch ist dies meist mit Abwertung verbunden. Das kann sich zum Beispiel in vehementen Versuchen äußern, andere zum Tragen eines Kopftuchs, zum Gebet oder zum Fasten zu drängen. Typisch für Anhänger des Salafismus ist der soziale Druck und ein Mobbing gegenüber anderen, z.B. Mitschüler_innen, die sich dem vermeintlich richtigen Verhalten verweigern.

Aber: Die Aufforderung von religiösen Muslim_innen an Nichtmuslime, doch zum Islam zu konvertieren, kann genauso Ausdruck von Sympathie oder – z.B. unter jungen Muslimen - freundschaftliche Mahnung und gut gemeinter Rat sein und nicht Ausdruck salafistischer Ideologie! 

Fazit: All die hier skizzierten Phänomene können Ausdruck und Erkennungsmerkmale salafistischer Ideologisierung sein. Sie müssen es aber nicht. Für die (universelle) Prävention spielt das ohnehin eine untergeordnete Rolle. Denn Prävention reagiert nicht auf "Islamismus" oder "Salafismus", sondern bezieht sich auf konkrete "problematische" Einstellungen, Positionen und Verhaltensweisen. "Problematisch" sind diese dann, wenn sie Werten und Normen widersprechen, die in Pädagogik, Demokratieerziehung oder

politischer Bildung vermittelt werden sollen. Der / die Pädagog_in fragt sich also: "Gegen welchen konkreten Wert des Zusammenlebens verstößt xy mit seiner Behauptung?" Das kann im Einzelgespräch oder in der Gruppe ("Wie sehen das die anderen?") thematisiert werden. Präventive Interventionen in Schule und Jugendeinrichtung erfolgen also (wie sonst auch) immer dann, wenn Jugendliche Gewalt ausüben, andere Jugendliche unter Druck setzen und wenn andere Religionen, Hautfarben, Herkünfte und "missliebige" sexuelle Orientierungen oder Denk- und Lebensweisen abgewertet oder absolute Wahrheitsansprüche formuliert werden. Diese konkreten Positionen und Verhaltensformen werden in der Prävention aufgegriffen und ins Gespräch gebracht.

Dabei haben Prävention und Pädagogik es hier schwer: Wie können meist kognitive, reflektierende oder Ambiguitätstoleranz fördernde Angebote ein "funktionales Äquivalent" darstellen zu den emotionale Bedarfe ansprechenden Versprechungen von Salafist_innen wie Sicherheit und Stärke, Geborgenheit und Bindung?

  • Vertritt jemand extreme religiöse Positionen – v.a. auch gegenüber anderen Muslim_innen? Oder handelt es sich um Provokation auch mittels Tabubruch?
  • Liegt dabei ein geschlossenes Weltbild vor? Oder handelt es sich um ideologisches "Experimentieren"?
  • Wendet sich der Jugendliche vom Elternhaus und anderen Bindungen (Sportverein, alter Freundeskreis) explizit ab und bezeichnet sie als "Ungläubige" (kuffar)? Oder probiert er gerade "nur" neue Peer-Groups, Szenen, Cliquen aus?
  • Bricht der Jugendliche mit seinem bisherigen Lebensstil, wertet er ihn ab?
  • Verschließt er sich? Wer sind die "neuen Freunde", die neue Gruppe? Welche Seiten verfolgt der / die Jugendliche im Internet?
  • Ist die neue Zugehörigkeit durch Äußerlichkeiten erkennbar – wie Bart, Kaftan, gekürzte Hosen, Camouflage oder strenge Verschleierung? Und auch hier die Frage: Ist das nur Provokation oder schon Propaganda bzw. Ausdruck von Ideologisierung? 

Noch einmal: Solche Merkmale können Hinweise auf Ideologisierungen sein, sie müssen es aber nicht. 

    Anerkennung, Identität, Ideologie ...

    Deutsche Muslime zwischen Selbstbehauptung und Fremdzuschreibung

    "Deutschland schafft sich ab" - so lautete 2012 der Titel des Bestsellers von Thilo Sarrazin. Aus ihm spricht die Angst vor Veränderung. Tatsächlich ist die sich seit den 1960er Jahren in Deutschland vollziehende Entwicklung zur Einwanderungs- oder Migrationsgesellschaft lange Zeit ignoriert worden. Dabei hat sich das Gesicht des Landes schon lange verändert: Man werfe nur einen Blick in die Schulklassen vieler Groß- und Mittelstädte, wo oft die überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler eine Migrationsgeschichte hat. Noch bis in die 1990er Jahre war in den Auseinandersetzungen um Einwanderung und Integration zunächst vor allem von 'Gastarbeitern' und später von 'Ausländern' die Rede. Heute drehen sich die Debatten vor allem um 'die Muslime'. In ihnen wird häufig Argwohn und Skepsis gegenüber einer Religion und ihren Angehörigen deutlich, die in Deutschland längst zu Hause sind. Denn: Über vier Millionen Musliminnen und Muslime leben in Deutschland, viele von ihnen bereits in der dritten Generation. Sie (oder ihre eingewanderten Eltern und Großeltern) stammen aus so unterschiedlichen Regionen der Welt wie der selbst überaus heterogenen Türkei, aus Pakistan, Indonesien, dem Nahen Osten oder nordwestafrikanischen Staaten. Knapp die Hälfte von ihnen sind deutsche Staatsbürger, mehr als die Hälfte sind Mitglied in einem deutschen Verein. Sie leben in Dörfern und Großstädten – zu 98 Prozent in den alten Bundesländern und in Berlin. Sie arbeiten in den verschiedensten beruflichen Bereichen - wie andere Deutsche auch.

       

      Oft vergessen: Muslimische Vielfalt

        Von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden sich Musliminnen und Muslime vor allem durch ihre Religion. Dabei leben sie selbst ihre Religion sehr unterschiedlich. So leben in Deutschland unter anderem Sunniten, Schiiten, Aleviten (von denen die meisten sich gar nicht als Muslime, sondern als eigenständige Religionsgemeinschaft verstehen) und Angehörige der Ahmadiyya. Ein Drittel von ihnen gibt an, täglich zu beten, mehr als ein Drittel betet selten oder nie. Etwa 70 Prozent von ihnen begehen religiöse Feste und über 50 Prozent erklären, die Fastenregeln zu beachten. Viele sind aber auch 'Ramadanmuslime', wie man sie in Anlehnung an 'Weihnachtschristen' nennen konnte. 78 Prozent der Frauen zwischen 16 und 25 Jahren tragen kein Kopftuch. Und was vielleicht noch bedeutsamer ist: All dies sind keine festen Größen, sondern die Zahlen spiegeln dynamische Prozesse wider. Entgegen vieler Vermutungen ist nämlich auch der Islam nicht statisch. Vielmehr ändern sich die Formen, in denen Muslime ihre Religion denken und leben, ständig und überall – sehr zum Graus von Fundamentalisten jeglicher Couleur. So unterscheidet sich das Freizeitverhalten vieler Jugendlicher, ihre Kleidung, ihr Medienkonsum, aber auch ihre Wertvorstellungen etwa in Bezug auf Geschlechterrollen, Sexualität und Heirat oft sehr vom Weltbild ihrer Eltern und Großeltern, das (je nach Herkunft und sozialer Schicht) oft eher traditionalistisch geprägt ist, aber sich häufig kaum von dem ihrer nichtmuslimischen Altersgenossen unterscheidet. Hier finden auch innerhalb von Familien oft unbemerkt rasante Entwicklungen statt, die nicht ohne Spannungen und Konflikte verlaufen -  zum Beispiel zwischen den Geschlechtern und/oder den Generationen. Für die pädagogische Arbeit erscheint es vor diesem Hintergrund wichtig, Jugendliche nicht der einen oder anderen Seite zuordnen oder gar auf die eine oder andere Seite 'hinüberziehen' zu wollen.

          Das zeigt: Auch wenn diese Jugendlichen als Musliminnen und Muslime bezeichnet werden, unterscheidet sie doch oft mehr als sie verbindet. Und das gilt eben auch für ihre Religion. In seinem sehr lesenswerten Buch "Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime" beschreibt Navid Kermani die Rolle von Religion und Religiosität für sich folgendermaßen: "Ich sage von mir: Ich bin Muslim. Der Satz ist wahr – aber gleichzeitig blende ich damit tausend andere Dinge aus, die ich auch bin ..." Genauso blendet die in Politik, Medien und oft auch in Kollegien geführte Rede von 'den Muslimen' meist mehr aus, als dass sie vom Leben und Denken von rund vier Millionen Musliminnen und Muslimen in Deutschland beschreibt. Im Gegenteil: Vielen Kindern und Jugendlichen wird oft erst durch diese Diskurse deutlich, dass sie als Muslime gesehen werden – und viele beginnen erst in der Folge sich für 'ihre' Religion zu interessieren und stark zu machen.

             

            'Der' Islam und 'der' Westen

              Die deutsche Gesellschaft lässt sich nicht mehr ohne Islam, Musliminnen und Muslime und andere Migrantinnen und Migranten mit ihren unterschiedlichen Biografien, Religionen und Traditionen denken. Wer es dennoch versucht, schließt Teile der Bevölkerung aus, die sich in der Folge tatsächlich als nicht zugehörig, sondern diskriminiert und unerwünscht fühlen. Erschwerend kommt hinzu, dass 'der' Islam nicht selten zum Erklärungsmuster für eine Vielzahl von Fragen und Problemen erhoben wird – auch wenn es eigentlich um soziale Fragen und Konflikte geht. Als vermeintlich monolithischer Block dient 'der' Islam hier nicht selten als kulturelles Gegenbild zur Begründung 'westlicher' Identität, also zur Bestätigung eigener Überlegenheit und Fortschrittlichkeit – etwa in Bezug auf Demokratie, Menschenrechte oder Geschlechterverhältnisse. Hinzu kommt das durch fundamentalistische und gewalttätige Strömungen wir Al-Qaida oder IS geprägte Bild vom Islam als gewalttätiger, kriegerischer und demokratiefeindlicher Religion. All dies kann in Positionen münden, die auf 'den' Islam und 'die' Muslime zielen – und längst nicht nur bei PEGIDA und am rechten Rand zu finden sind, sondern von weiten Kreisen der nichtmuslimischen Bevölkerung geteilt werden. 

                All dies heißt nicht, dass es keine spezifischen Fragen, Probleme und Konflikte gibt, die es im Kontext von Migration mit und unter Musliminnen und Muslimen auszuhandeln gilt. Zu nennen wären etwa Abwertungen von Frauen oder Andersgläubigen und -denkenden, Salafismus und andere radikale politische Ideologien, autoritäre Erziehungsstile, traditionalistische Ehrbegriffe oder gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen. Fraglich ist allerdings, ob und in welcher Form diese tatsächlich religiös oder kulturell begründet oder bedingt sind -  auch wenn gerade Jugendliche dies oft provokativ behaupten: "Das ist bei uns so!"

                  Die Gefahr besteht vielmehr, dass teils jahrhundertealte Bilder vom Islam reproduziert, pauschal auf alle Musliminnen und Muslime übertragen und diese damit qua Religionszugehörigkeit unter Generalverdacht gestellt werden. Die Botschaft, die muslimischen Deutschen und Muslimen in Deutschland mit solchen Bildern und Stereotypen vermittelt wird, lautet: "Wenn ihr anerkannt werden und dazugehören wollt, müsst ihr euch verändern!" Solche Stimmen tragen jedoch in Politik, Medien oder in Schule und Jugendarbeit selbst entscheidend zu dem bei, was sie teils lauthals beklagen: Segregationserscheinungen. Gerade von Jugendlichen – von denen meist schon die Eltern in Deutschland geboren sind -  werden solche Erwartungshaltungen nämlich als diskriminierend empfunden. Sie fühlen sich zurück- und herabgesetzt und nicht wenige betonen in der Folge, in einer Art Gegenbewegung, das stärker als zuvor, was sie für ihre Religion, Tradition und Herkunft halten.

                     

                    Junge Muslime auf der Suche: Anerkennung, Identität und Ideologie

                      Tatsächlich sind ja  vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sensibel für solche Vorbehalte und Vorhaltungen, da sie ohnehin auf der Suche nach Identität, Zugehörigkeit, Anerkennung und Stärke (oder Selbstwirksamkeit) sind. Vor diesem Hintergrund sind sie besonders empfindsam für unterschiedlichste Formen der Ablehnung und Abwertung – auch wenn diese eventuell gar nicht 'so' oder gar 'bös' gemeint sein mögen. 1,6 bis 1,8 Millionen junger Musliminnen und Muslime unter 25 Jahren leben in Deutschland – und viele von ihnen geben an, sich ausgegrenzt, fremd, benachteiligt und diskriminiert zu fühlen: durch 'komische Blicke' in der Öffentlichkeit, im Unterricht oder durch Darstellungen in den Medien. Sie beklagen Vorurteile, mangelnde Anerkennung und fehlenden Respekt. Natürlich spielen – gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen – Übersensibilitäten und Verschwörungstheorien bei solchen Wahrnehmungen durchaus eine Rolle. Nicht selten projizieren Jugendliche etwa schlechte Noten oder die Absage eines Ausbildungsplatzes darauf, wegen ihrer Religion und Herkunft diskriminiert zu werden. Oder sie legitimieren extreme, provokative oder auch aggressive Denk- und Handlungsformen mit dem Verweis auf 'ihre' Religion und Kultur. Dennoch: Vorurteile und Unwissenheit über Islam und Muslime tragen wesentlich dazu bei, dass gerade bei jungen Musliminnen und Muslimen und Migrantinnen und Migranten die Selbstverständlichkeit infrage steht, mit der sie sich als Deutsche und in Deutschland zu Hause fühlen. Und nach dem Motto 'Jetzt erst recht' wenden sich in der Folge nicht wenige von ihnen nun ihrem vermeintlichen 'Anderssein' mit besonderer Aufmerksamkeit zu: Bei ihnen avancieren Religion und/oder Herkunft zum zentralen Bestandteil von Identität. Nicht selten begeben sie sich dabei in eine Verteidigungshaltung. Dann werden Religion und Herkunft gegen tatsächliche und vermeintliche Vorwürfe behauptet – und zwar auch von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, die gar nicht sonderlich religiös sind, sich aber in ihrer Identität infrage gestellt sehen.

                        Das kann durchaus emanzipatorische Züge annehmen. So engagieren sich einige junge Musliminnen und Muslime individuell oder in Vereinen politisch gegen Diskriminierung und dafür, dass der Islam und Musliminnen und Muslime in Deutschland mehr Anerkennung finden. Hier stellt der Bezug auf den Islam einen Ausdruck von Suchbewegungen religöser junger Musliminnen und Muslime dar, die um Anerkennung und Zugehörigkeit kämpfen, nicht selten im Übrigen auch in Konflikt mit Eltern und Großeltern und deren Institutionen: So sind Moscheen und Verbände, in denen diese sich zuhause fühlen, oft noch stark von den Wünschen und Interessen der älteren Generationen geprägt, viele Jugendliche und junge Erwachsene finden hier noch nicht ihren Platz. 

                            Dabei sind die Einstellungen vieler dieser Jugendlichen eher 'wertkonservativ' - etwa wenn es um Formen von Sexualität, Freizügigkeit oder Kleidungsnormen geht. Viele empfinden die bestehende Gesellschaft als zu materialistisch, viele setzen sich – sehr jugendtypisch – gegen Ungerechtigkeiten ein. Es sind junge, deutsche, religiöse, wertkonservative und gleichzeitig moderne und selbstbewusste Musliminnen und Muslime, die sagen: "Ich bin deutsch und ich bin Muslim. Als Muslim will ich hier leben. Wo ist das Problem?" Und oft erfolgt diese Suche nach eigenen Antworten in Abgrenzung zu Eltern, die sich stärker den Traditionen ihren Herkunftsregionen verbunden fühlen, zu denen sie selbst kaum Bezug haben. Auch ihr Islamverständnis ist häufig anders als das ihrer Eltern: So wird das Kopftuch hier nicht selten gegen den Willen der Eltern getragen – nicht als Symbol der Unterdrückung, sondern ganz freiwillig als Ausdruck von Identität, Stolz, Emanzipation, Bildung, Intellektualität, Integration und Selbstbewusstsein.

                                 

                                'Extreme' Angebote

                                  Allerdings können solche Suchbewegungen auch extreme Formen annehmen – zum Beispiel, wenn Jugendliche und junge Erwachsene türkischer Herkunft ultranationalistische Positionen einnehmen und sich Organisationen wie den "Grauen Wölfen" anschließen. Oder wenn sie freiheitsfeindliche, mitunter aggressive Haltungen und Verhaltensformen mit Bezug auf Kultur und Religion begründen. Nicht immer – aber oft - sind auch solche und ähnliche Formen von Selbstethnisierung Ausdruck eines übersteigerten Bedürfnisses nach Anerkennung und Zugehörigkeit. Das gilt auch für die Zuwendung zum Salafismus. Diese islamistische Strömung richtet sich insbesondere an junge Musliminnen und Muslime (migrantischer oder deutscher Herkunft), verspricht ihnen den 'wahren Islam' und spielt dabei ganz bewusst und gezielt auf der Klaviatur von Ausgrenzungs-, Diskriminierungs- und Entfremdungserfahrungen. Eine kleine Minderheit (Jihadisten) von ihnen rechtfertigt vor diesem Hintergrund den gewaltsamen Kampf bis hin zu Mord und Terrorismus. Dies mögen verschwindend wenige Personen sein (in der pädagogischen Praxis in Schule und Jugendarbeit dürften Ihnen diese in der Regel nicht begegnen), dennoch sollte man ihren Einfluss, das wird in Zeiten von Kriegen wie in Irak/Syrien überdeutlich, nicht unterschätzen. So trägt der Salafismus stark zum negativen Image des Islam in der Öffentlichkeit bei. Und: Auch der 'moderate', also gewaltferne, Salafismus verbreitet in seiner Erscheinungsform als politische Ideologie antidemokratische bzw. freiheitsfeindliche Positionen und Einstellungen unter solchen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich für den Islam interessieren und beeinflusst sie auf diese Weise in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung.

                                    Ein Beispiel: In einem Workshop in einer Schulklasse mit fast ausschließlich muslimischen Jugendlichen erklären beinahe alle, der Islam sei ihnen sehr wichtig. Auf Nachfrage hatte aber kaum einer der Jugendlichen eine konkretere Vorstellung von eben diesem Glauben. Es zeigte sich, dass das Bedürfnis nach Wissen und Auseinandersetzung unter den Jugendlichen groß ist – nicht weil sie besonders religiös waren, sondern weil sie den Islam zunehmend als wichtigen Bestandteil ihrer Identität begreifen. Bei Eltern und in Moscheen, deren Imame oft mit der Sprache und Lebenswirklichkeit der Jugendlichen nichts anzufangen wissen, kommen die Jugendlichen aber meist nicht weit. Und bei ihren Internetrecherchen stoßen sie dann zwangsläufig auf Salafisten, die das Netz mit ihren deutschsprachigen Angeboten und ihrem rigiden und einseitigen Islamverständnis dominieren. So kannten fast alle in der besuchten Schulklasse den salafistischen Prediger Pierre Vogel – ein Problembewusstsein hatten sie dabei nicht. 

                                      Zwar sind den allermeisten muslimischen deutschen Jugendlichen – gerade den religiösen unter ihnen - die Salafisten peinlich. Ihnen ist unangenehm, dass diese bizarren Figuren und vor allem die kleine Gewaltszene das Bild des Islam in der Öffentlichkeit so stark prägen. Dennoch erfahren Salafisten Zuspruch unter vornehmlich männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen (aber auch unter sehr vielen Mädchen und jungen Frauen) zwischen 15 und 35 Jahren. Sie finden hier, was viele von ihnen in ihrem Alltag vermissen: Anerkennung, Zugehörigkeit, Gemeinschaft und ein Gefühl von Bedeutsamkeit. All das gilt im Besonderen auch für die große Zahl der erst zum Islam konvertierten jungen Salafisten deutscher Herkunft, die den Salafismus in Deutschland stark prägen und vielfach brüchige und schwierige Biografien aufweisen. 

                                        Und noch etwas spielt bei der Attraktivität des Salafismus für junge Menschen eine wichtige Rolle: Die Möglichkeit, gegen gefühlte und erfahrene Ohnmacht, Ungerechtigkeit und Diskriminierung protestieren und sich für eine vermeintlich gerechte Sache einsetzen zu können. Denn das ist ein Hauptbestandteil salafistischer Propaganda: bestehende Diskriminierungen von Muslimen zuzuspitzen, diese ideologisch zu instrumentalisieren und Welt- und Feindbilder daraus abzuleiten. Deutlich wird daran auch, dass die Attraktion, die vom Salafismus und seinen Predigern ausgeht, ganz von dieser Welt ist: Orientierung, Gemeinschaft, Anerkennung, Überlegenheit, Protest gegen Ungerechtigkeit sowie Provokation und das Erregen von Aufmerksamkeit. Das sind allesamt Angebote, die typischen Bedürfnissen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen entsprechen. Vergleichbare Motive sind es denn auch, die Jugendliche dazu führen können, sich zum Beispiel rechtsextremen Milieus anzuschließen. Mit 'dem Islam' als Religion hat das meist nur noch äußerlich etwas zu tun. 

                                           

                                          Schlussfolgerungen für eine pädagogische Praxis

                                            Welche zunächst ganz allgemeinen Schlüsse können aus diesen hier nur skizzierten Aspekten der unterschiedlichen Lebens- und Glaubenswelten von Musliminnen und Muslimen sowie 'muslimischer' Jugendkulturen für die pädagogische Praxis in Schule und Jugendarbeit Bildung gezogen werden?  

                                            1. Signale von Anerkennung von Zugehörigkeit sind für alle Jugendlichen wichtig – insbesondere gilt das für Jugendliche mit Migrationsgeschichte und ihren damit zusammenhängenden 'Besonderheiten'.

                                            2. Leitziel pädagogischer Praxis im Sinne einer universellen Prävention ist es, Jugendlichen Raum zu geben für ihre Fragen, Themen und Bedürfnisse. Mit der Leitfrage "Wie wollen wir leben?" (in der Klasse, der Jugendeinrichtung, der Schule, dem Kiez oder der Gesellschaft) lassen sich Jugendliche motivieren, zu unterschiedlichsten Fragen und Themen eigene Gedanken zu formulieren, Positionen zu entwickeln und zu vertreten. Dies schützt sie vor den einfachen Angeboten und Weltbildern salafistischer und anderer Ideologien.

                                            3. Von Pädagoginnen und Pädagogen erfordert das Mut bzw. Selbstvertrauen in die eigenen pädagogischen Kompetenzen und das Vertrauen in die Jugendlichen.  

                                              Wenn einer sagt, er sei 'ein stolzer Muslim', oder eine, dass ihr 'die Scharia wichtiger ist als das Grundgesetz' und dass Pierre Vogel doch 'ein cooler Typ' sei oder wenn jemand darauf besteht, das Mädchen und Frauen ein Kopftuch zu tragen haben oder im Ramadan 'alle Muslime' unbedingt fasten müssten ...,  dann lassen solche Positionen meist nicht einmal Schlüsse auf die Religiosität der jeweiligen Jugendlichen zu (geschweige denn auf Salafismus!). Denn der Bezug von Jugendlichen auf 'den Islam' ist sehr vielschichtig. Oft geht es mehr um Identität und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Anerkennung  und Selbstwirksamkeit. So bekennen sich viele junge Musliminnen und Muslime heute selbstbewusster zu ihrer Religion und lassen sich dabei nicht mehr in einen Widerspruch zwischen 'muslimisch' und 'deutsch' zwingen. Auch in 'muslimischen' Vereinen und Initiativen finden sie Identität, Spiritualität und Orientierung. Ein attraktives Angebot macht aber auch der Salafismus. Der folgende Text gibt einen Einblick in die Unterschiedlichkeit der Lebens- und Glaubenswelten 'muslimischer' Jugendlicher.

                                               

                                              "Da sind wir quasi Punks!" - Facetten der Religiosität von muslimischen Jugendlichen

                                              "Ich arbeite seit 25 Jahren an dieser Schule und plötzlich muss ich immer wieder über Gott reden!" Mit Verwunderung berichtet eine Berliner Lehrerin über das wachsende Interesse ihrer Schülerinnen und Schüler, auch im Politikunterricht über religiöse Fragen zu reden. Bis vor wenigen Jahren war dies in ihrer Schule in Neukölln kaum ein Thema, nun bringen ihre überwiegend muslimisch sozialisierten Schülerinnen und Schüler immer wieder religiöse Perspektiven in den Unterricht.1 Die Verwunderung ist ein Hinweis auf den gesellschaftlichen Zusammenhang, in dem sich religiöse Identitäten entwickeln. Der Wunsch vieler junger Musliminnen und Muslime, auch über religiöse Themen zu sprechen, spiegelt die Aufmerksamkeit, die dem Islam in den öffentlichen Debatten zukommt. 

                                              Studien, die in den vergangenen Jahren unter den etwa vier Millionen Musliminnen und Muslimen in Deutschland durchgeführt wurden, dokumentieren eine hohe subjektive Religiosität unter jungen Musliminnen und Muslimen.2 Die Ergebnisse von jungen Musliminnen und Muslimen unterscheiden sich dabei deutlich von nichtmuslimischen Gleichaltrigen. So beschrieben sich in einer 2008 durchgeführten Studie 43% der 18- bis 29-jährigen Musliminnen und Muslimen als sehr religiös, während unter den gleichaltrigen Nichtmuslimen lediglich 14% eine ähnliche Selbsteinschätzung abgaben (Blume 2008: 44). Selbst im Vergleich mit Musliminnen und Muslimen anderer Altersgruppen sticht die hohe Religiosität junger Musliminnen und Muslimen ins Auge. 

                                              Dennoch wäre es falsch, von einer einheitlichen Ausdrucksform muslimischer Religiosität und Glaubenspraxis auszugehen. Das Gegenteil ist der Fall, schließlich zeigen sich gerade unter jungen Musliminnen und Muslimen unterschiedliche und bisweilen widersprüchliche Zugänge zu religiösen Themen und Praktiken.

                                              Auffallend ist das Auseinanderfallen von subjektiven Einschätzungen und dem Stellenwert, der bestimmten religiösen Werten und Praktiken, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit dem Islam in Verbindung gebracht werden, tatsächlich im Alltag der Befragten spielen. So schreiben 52% der 18- bis 29-Jährigen dem regelmäßigen Gebet eine hohe Bedeutung zu, aber nur 23% praktizieren dies auch selbst (Blume 2008: 46). Auch hinsichtlich anderer Positionen – beispielsweise zum Kopftuchgebot und der Partnerschaft mit Nichtmuslimen – gehen die Einschätzungen bezüglich der Wichtigkeit eines bestimmten Verhaltens und dem eigenen Alltag auseinander. 

                                               

                                              Religiosität als Bekenntnis

                                              Der Religionswissenschaftler Michael Blume hat die wachsende Bedeutung von Ritualen und nach außen getragenen Bekenntnissen zum Islam treffend als einen Übergang von einer "religiösen Alltagspraxis zur Bekenntnisreligion" (Blume 2008: 46) beschrieben. Danach gewinnen religiöse Symbole und Rituale gerade für Jugendliche, die sich ihre Religion in einem Minderheitenkontext aneignen, an Relevanz, um sich auch gegenüber der Umwelt als Muslimin oder Muslim erkennen zu geben. Anders als für die Eltern- und Großelterngeneration, die vielfach noch in muslimischen Gesellschaften aufgewachsen sind, stehen diese Jugendliche vor der besonderen Herausforderung, ihre Identität als Muslima oder Muslim und auch für andere sichtbar zu entwickeln. In der Türkei oder in Ägypten ist das Muslimsein selbstverständlich, in Deutschland und anderen mehrheitlich nichtmuslimischen Ländern dient das demonstrative Bekenntnis zum Islam auch als Statement über das eigene Selbstverständnis. In diesem Sinne lässt sich die wachsende Popularität islamischer Kleidung – sei es in Form traditioneller Gewänder, dem Kopftuch oder einer islamischen Streetwear – verstehen. So wirbt das unter Jugendlichen populäre Modelabel Styleislam® ausdrücklich mit der Botschaft, die die angebotenen Kleidungsstücke vermitteln: "Das Modelabel Styleislam® bietet Euch (...) moderne Streetwear-Kleidung, mit lässigem Schnitt und der religiösen Extra-Portion. (...) StyleIslam ist nicht nur Top Street- und Casualwear für junge Leute mit Attitude, sondern steht auch für Hilfbereitschaft und Brüderlichkeit. (...) StyleIslam reagiert mit dieser Sonder-Edition kreativ auf mediale Anfeindungen und Provokationen und zeigt, wer wir wirklich sind."3 Auch die Verbreitung von 'islamischen' Produkten wie den Energy Drinks "Muslim Power" und "Halal", die seit einigen Jahren in Deutschland produziert und verkauft werden, lassen sich als Ausdruck eines solchen Wunsches nach Sichtbarkeit deuten. Mit einem Getränk mit dem Namen "Halal" (den islamischen Speisevorschriften entsprechend) gibt man sich in Deutschland als Muslima oder Muslim zu erkennen – in mehrheitlich muslimischen Gesellschaften wie Ägypten, Marokko oder dem Iran wäre eine solche Namensgebung unverständlich, schließlich werden hier mit wenigen Ausnahmen alle Produkte selbstverständlich nach islamischen Speisevorschriften hergestellt. Ganz ähnlich lassen sich auch die Botschaften deuten, die von vielen Jugendlichen in Sozialen Netzwerken gepostet werden. "Wer sich den Namen Muslim gibt, der muss auch den Nachnamen Gebet haben!", lautet beispielsweise ein Slogan, der über das Internet verbreitet wird.4 Auch hier verbindet sich das Muslimsein mit einem sichtbaren Ritual, durch dass das eigene Selbstverständnis erst bekräftigt wird.

                                               

                                              Religiosität als Sinnsuche und Spiritualität

                                              Gleichwohl lässt sich die Religiosität vieler junger Musliminnen und Muslime nicht auf den Aspekt des demonstrativen Bekenntnisses beschränken. Die Vielzahl muslimischer Vereine, die in den vergangenen Jahren auf lokaler Ebene von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gegründet wurden, verweisen zugleich auf einen weit verbreiteten Wunsch nach Orientierung und Spiritualität.5 So stehen Vereine wie die Muslimische Jugendcommunity Osnabrück oder das Islamische Jugendzentrum Berlin (IJB) auch für ein wachsendes Interesse, unabhängig von etablierten Verbänden und Moscheegemeinden religiöse Ausdrucksformen und Gemeinschaften für jugendliche Zielgruppen zu entwickeln. In diesem Sinne fasst das IJB seine Ziele zusammen: "Egal ob du den Islam besser (kennen-)lernen möchtest, Islam-konforme Freizeitaktivitäten suchst oder einfach nur neue Geschwister im Glauben treffen möchtest – für jeden ist etwas dabei! (...) Unser Ziel ist klar: Wir wollen, dass du als muslimischer Jugendlicher deine Religion in Deutschland selbstbewusst ausleben kannst."6 Gemeinsam ist dabei vielen dieser Initiativen das Interesse, den Islam auch in seinen spirituellen Facetten als integralen Bestandteil des eigenen Alltags zu leben: "Es geht (...) nicht nur um den Gottesdienst, sondern um vieles mehr. Charakter, Geschwisterlichkeit und die islamische Moral gehören ebenso dazu wie auch das spaßige Beisammensein mit den Glaubensgeschwistern."7

                                              Auffallend ist darüber hinaus eine vielfach betonte Abgrenzung gegenüber dem religiösen Selbstverständnis der Eltern und Großeltern. Deutlicher als diese suchen viele junge Musliminnen und Muslime nach Möglichkeiten, den Islam auch im deutschen Kontext selbstbestimmt zu leben. Die gleichzeitige Zugehörigkeit zum Islam und zur deutschen Gesellschaft steht für diese Jugendlichen außer Frage. Das bedeutet auch eine Abgrenzung gegenüber bestimmten Glaubensvorstellungen und religiös-kulturellen Traditionen aus den Herkunftsländern, die mit hiesigen Lebenswirklichkeiten unvereinbar scheinen. So entstanden in den vergangenen Jahren verschiedene Initiativen junger Musliminnen und Muslime, die sich gegen tradierte Praktiken wie das Arrangieren oder Erzwingen von Eheschließungen wenden. Aus Sicht dieser Initiativen stehen solche Praktiken – trotz der oft angeführten Begründungen mit islamischen Traditionen – im Widerspruch zu den eigentlichen Werten und Normen des Islam. 

                                              Melih Kesmen, der Gründer des Modelabels Style-Islam, sieht darin ein wesentliches Motiv für sein Bemühen, ein anderes Verständnis des Islam unter Jugendlichen zu fördern: "Ich stelle die Glaubenspraktiken gewisser muslimischer Strömungen in Frage. Dazu gehören auch Glaubenspraktiken meiner Eltern. Da findet eine solche Vermischung mit Tradition und Volkskultur statt, dass es nichts mehr mit der islamischen Kernbotschaft zu tun hat. Und da sind wir quasi ‚Punks’: Wir sagen, die Art und Weise, wie der Islam in einem Großteil gewisser Volksgruppen praktiziert wird, ist nicht in Ordnung, das ist Mist."8

                                               

                                              Salafismus als Identitätsangebot

                                              Im Gegensatz zum Bemühen dieser Vereine und Initiativen, die Zugehörigkeit der Musliminnen und Muslime und des Islam zur deutschen Gesellschaft herauszustellen, steht die gerade auch unter jungen Musliminnen und Muslime einflussreiche salafistische Strömung für eine ausdrückliche Abgrenzung von der nichtmuslimischen Umwelt. Charakteristisch ist hier der Wunsch nach einem Rückzug auf eine klar umrissene Gemeinschaft der Musliminnen und Muslime, die als alleiniger Bezugspunkt zu gelten habe. Ausgehend von einem literalistischen Verständnis der religiösen Quellen betonen sie die zeitlose Gültigkeit der Regelungen, die sie ohne eine historische Kontextualisierung aus dem Koran und den Berichten aus dem Leben des Propheten ableiten. 

                                              Für Jugendliche ist hier vor allem die Eindeutigkeit des Identitätsangebots attraktiv. Mit dem Rückzug auf die Umma, der weltweiten Gemeinschaft der Musliminnen und Muslime, treten andere Facetten der Identität in den Hintergrund, die im Alltag von Jugendlichen zu Konflikten führen können. Mit dem Bekenntnis zum Islam, wie er von Salafistinnen und Salafisten vertreten wird, erübrigen sich Fragen nach der Vereinbarkeit von religiösen Werten und Traditionen mit den Orientierungen und Erwartungen, die die deutsche Gesellschaft ansonsten prägen. Vor diesem Hintergrund wird auch die Attraktivität der salafistischen Lesart des Islam für Frauen verständlich, schließlich treten hier klare Rollenzuschreibungen an die Stelle von mühsamen Auseinandersetzungen mit Geschlechterrollen und aufreibenden Entscheidungen hinsichtlich der eigenen Lebensgestaltung. 

                                              Zugleich bietet das salafistische Selbstverständnis als vermeintlich authentische Gemeinschaft in der Tradition des Propheten eine überhistorische Erklärung für die Erfahrungen mit Ressentiments und Diskriminierungen, mit denen viele Jugendliche im Alltag konfrontiert sind. In diesem Zusammenhang wird auf eine Überlieferung aus der Frühzeit des Islam verwiesen, in der Mohammed selbst Anfeindungen und Entfremdungserfahrungen ausgesetzt war. Das Gefühl des Fremdseins, das im aktuellen Kontext durch antimuslimischen Rassismus befördert wird, erscheint hier nicht als Anlass für ein verstärktes Engagement für gleiche Rechte und die Anerkennung eigener Interessen, sondern als weiteres Argument für eine Abgrenzung von der nichtmuslimischen Gesellschaft. 

                                               

                                              Aspekte des Religiösen im Jugendalter

                                              In diesem Sinne trifft der Bezug auf den Islam auf verschiedene Interessen und Erwartungen, die junge Musliminnen und Muslime in der Begegnung mit der Gesellschaft entwickeln. Viele Jugendliche finden im Islam eine Gemeinschaft unter 'Geschwistern', die mit starken emotionalen Bindungen und dem Gefühl von Zugehörigkeit und Anerkennung sowie klar definierten Werten und Normen verbunden ist. Darin ähnelt dieses Gemeinschaftsangebot anderen religiösen und nichtreligiösen jugendkulturellen Strömungen, die Jugendliche über gemeinsame Orientierungen an sich binden und einen Ausgangspunkt für selbstbewusste und reflektierte Identitätsbildungsprozesse bilden können. 

                                              Am Beispiel des Salafismus werden allerdings auch problematische Aspekte einer ausschließlichen Orientierung am Islam sichtbar.9 So beschränkt sich die damit einhergehende Weltsicht nicht auf das Angebot einer gemeinsamen Identität und gemeinsamen Werten, sondern beinhaltet oft zugleich den Wunsch nach einer Normierung vermeintlich verbindlicher Orientierungen und das Ziel einer Dominanz und Deutungshoheit in der Gesellschaft hinaus. Der Bezug auf den Islam ist hier nicht Ausgangspunkt für eine konstruktive Auseinandersetzung mit anderen Werten, Lebenswelten und Glaubenspraktiken, sondern Anlass für eine Abwertung alternativer Sichtweisen und eine Abgrenzung von der Umwelt.

                                              Vor diesem Hintergrund wird die Notwendigkeit deutlich, entsprechende Ausdrucksformen von Religiosität zunächst als 'normales' jugendspezifisches Phänomen zu verstehen. Der Wunsch nach Spiritualität und die Betonung religiöser Zugehörigkeit beschränken sich schließlich nicht allein auf Jugendliche muslimischer Religionszugehörigkeit, sondern sind in tendenziell ähnlicher Weise beispielsweise in christlichen Zusammenhängen zu beobachten. Zugleich verweisen die Rigidität und Abgeschlossenheit salafistischer Denkmuster auf die Problematik, die mit einem solchen Verständnis der Religion einhergeht. Auch hier wird allerdings der Einfluss von jugendkulturellen Erfahrungen auf die Ausprägung entsprechender Orientierungen sichtbar. So lässt sich der Salafismus in Deutschland nicht auf theologische Aspekte beschränken, sondern ist letztlich auch Ausdruck von Fragen und Konflikten, denen sich Jugendliche im Migrationskontext gegenüber sehen. Um so wichtiger ist es, Jugendliche in ihren Bemühungen zu stärken, eigene Zugänge zu Religion und Identität zu entwickeln. Die Bereitschaft von Lehrkräften und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Religiosität und Glauben als selbstverständliche Themen anzuerkennen, wäre hierzu ein wichtiger Beitrag.

                                               

                                              Anmerkungen:

                                              1 Aussage einer Lehrerin im Vorgespräch zur Durchführung von Workshops zum Thema "Islam, Islamismus und Demokratie", die von ufuq.de in Zusammenarbeit mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg von 2010 - 2013 in Berlin, Hamburg, Essen und Bremen durchgeführt wurden.

                                              2 Zu nennen sind hier neben der im Auftrag des Bundesministeriums des Innern durchgeführten quantitativen Studie von Katrin Brettfeld/Peter Wetzels "Muslime in Deutschland" (Hamburg 2007) und der unten zitierten Untersuchung des Religionsmonitors 2008 vor allem die qualitative Studie von Hans-Jürgen von Wensierski/Claudia Lübcke (Hg.) "‚Als Moslem fühlt man sich hier auch zu Hause‘. Biographien und Alltagskulturen junger Muslime in Deutschland" (Opladen 2012) sowie die in diesem Forschungsprojekt erarbeiteten Einzelstudien, veröffentlicht in: Hans-Jürgen von Wensierski/Claudia Lübcke (Hg.) "Junge Muslime in Deutschland. Lebenslagen, Aufwachsprozesse und Jugendkulturen" (Opladen 2007).

                                              3 www.styleislam.de (Zugriff 20.06.2016)

                                              4 Siehe beispielsweise das Posting auf dem Facebook-Profil "Islam Dawa" vom 29. März 2013.

                                              5 Siehe für einen Überblick über entsprechende Vereine http://www.ufuq.de/interaktiveratlas

                                              6 Islamisches Jugendzentrum in Berlin: ijb-ev.de/wer-sind-wir

                                              7 Islamisches Jugendzentrum in Berlin: ijb-ev.de/wer-sind-wir

                                              8 Interview mit Melih Kesmen, www.labkultur.tv/blog/punk-trifft-prophet.

                                              9 Siehe dazu: Claudia Dantschke/Ahmed Mansour/Jochen Müller/Yasmin Serbest: "Ich lebe nur für Allah". Argumente und Anziehungskraft des Salafismus. Berlin 2011.

                                               

                                              Götz Nordbruch (ufuq.de) in: Thema Jugend. Zeitschrift für Jugendschutz und Erziehung, 4/2014 

                                              www.ufuq.de/da-sind-wir-quasi-punks-facetten-der-religiositaet-von-muslimischen-jugendlichen/

                                              Im Folgenden erhalten Sie nur eine rudimentäre Einführung in den Islam – Grundlegendes zu Geschichte und Glaubensinhalten erfahren Sie in jedem Handbuch oder auf Informationsseiten im Internet.

                                              'Der' Islam in der Pädagogik 

                                              Lesen Sie ruhig einmal hinein in den Koran - Sie brauchen ihn aber nicht zu studieren. Nur soviel vorab: Der Islam – also Koran, Sunna, Scharia oder religiöse Konzepte wie das vom Jihad – ist selbstverständlich mit Demokratie und Menschenrechten zu vereinbaren. Werte wie Barmherzigkeit, Gerechtigkeit oder Friedfertigkeit sind aus dem Islam nicht wegzudenken. Diese Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen und 'säkularen' Konzepten wie Grund- und Menschenrechte werden leider allzu oft vergessen -  in den Diskursen dominiert die Betonung tatsächlicher oder vermeintlicher Unterschiede. Fundamentalistische Lesarten 'des Islam' allerdings stehen in Widerspruch zu diesen Rechten und Freiheiten. Auch das unterscheidet den Islam nicht von anderen Religionen. 

                                              'Der' Islam spielt als Ursache oder Motiv bzw. Beweggrund von Radikalisierungsprozessen kaum eine Rolle. Das heißt nicht, dass der Islam nicht als Instrument einer Ideologisierung junger Muslime und Nichtmuslime einsetzbar wäre. Das Islamverständnis und die 'Erfolge' von salafistischen und jihadistischen Strömungen bei der Rekrutierung zeigen dies in aller Deutlichkeit. Vor diesem Hintergrund könnte daher ein alternatives Verständnis 'des Islams' oder besser: kann eine Auseinandersetzung junger Muslime über die Art und Weise, wie sie ihre Religion verstehen und leben wollen, einen Beitrag zur Prävention leisten. Dabei ginge es nicht darum, einem 'falschen' und 'bösen' den 'richtigen' oder 'guten' Islam gegenüberzustellen. Vielmehr können Jugendliche selbst aufgerufen werden, darüber nachzudenken, was es für sie heißt, eine 'gute Muslima' oder ein 'guter Muslim' oder – grundlegender - ein 'guter Mensch' zu sein. Das geht alle Jugendlichen in der Klasse oder Gruppe etwas an -  auch die nichtreligiösen und nichtmuslimischen.

                                              Dazu müssen Sie als pädagogische Fachkraft keine Theologin oder kein Theologe sein. Vielmehr geht es darum, die Jugendlichen ins Gespräch darüber zu bringen, wie sie ihre Religion bzw. deren Werte verstehen und leben wollen. Grundwissen über den Islam ist dazu durchaus von Nutzen – und sei es nur, um den Jugendlichen zu zeigen, dass man sich für sie und ihre Religion interessiert. (siehe dazu in aller Kürze: Islam und Schule 2014: 3ff.) Wichtiger als Wissen über den Islam erscheint uns jedoch Folgendes: Es gilt, deutlich und offen zu zeigen, dass der Islam und Musliminnen und Muslime in Deutschland selbstverständlich und vorbehaltlos dazugehören – und nicht erst besondere Voraussetzungen oder Bedingungen zu erfüllen haben, wie zum Beispiel die häufig erhobene Forderung, 'der Islam' müsse erst einmal sein Verhältnis zur Gewalt klären. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene – gleich, ob sie religiös sind oder nicht – sollten nicht durch solche Vorhaltungen und Erwartungen in eine Verteidigungshaltung und zur Selbstbehauptung gezwungen werden. ("Die wollen uns den Islam ausreden.") In vielen Fällen führt das erst in die Isolierung und macht einige junge Menschen anfällig für Radikalisierungen. Zu dieser Offenheit gehört es auch, die Vereinbarkeit von Islam, Demokratie und moderner Gesellschaft aufzuzeigen, statt diese – wie es etwa in Medien und Politik allzu häufig geschieht – immer wieder infrage zu stellen. 

                                              Und: Zu sehr noch sind Öffentlichkeit und auch sehr viele Muslime selbst von einem normativen Religionsverständnis geprägt, das sich auf Rituale sowie Gebote und Verbote und die Betonung von Besonderheiten konzentriert. Gerade Jugendliche stützen sich in ihren alters- und biografietypischen Suchbewegungen stark auf solche Äußerlichkeiten zur Selbstfindung und Abgrenzung. Stärker als bisher sollte daher auch in Schule und Jugendarbeit eine Werte- und Lebensweltorientierung im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit Religion und Religiosität stehen. Auf diese Weise können alle Beteiligten

                                              1. der Islamfeindschaft entgegenwirken

                                              2. eine als wechselseitigen Prozess verstandene Integration befördern sowie

                                              3. einer Ideologisierung und etwaiger Radikalisierung vorbeugen. 

                                              Denn das zeigen unsere Erfahrungen aus der Arbeit mit Jugendlichen muslimischer Herkunft: Viele von ihnen stecken in einem Loyalitätskonflikt, da ihnen von verschiedener Seite allzu häufig suggeriert wird, nur eines sein zu können – islamisch und herkunftsbewusst oder demokratisch und deutsch. Wird ihnen jedoch Anerkennung signalisiert und deutlich gemacht, dass sie sehr wohl beides sein können, sieht man manchmal förmlich, wie eine Last von ihren Schultern fällt.

                                               

                                              Der Islam und seine Quellen: Koran, Sunna und Scharia

                                              Wie Christentum und Judentum hat auch der Islam seine Hauptquellen. An erster Stelle zu nennen ist der Koran als niedergeschriebene Offenbarung Gottes an die Menschen (offenbart dem Propheten Mohammed). Der Koran enthält Glaubensinhalte und Rituale (Beziehung Mensch-Gott), Erzählungen früherer Propheten, Jenseitsvorstellungen sowie Aspekte des menschlichen Zusammenlebens in Verbindung mit Werten und Normen. Er ist in einer poetischen Sprache verfasst und nicht leicht zu verstehen. Außerdem gibt es nur wenige klare Vorschriften und Normen für konkrete Lebensbereiche und rechtliche Fragen – und die beziehen sich auf die Zeit des 7. Jahrhunderts. Deshalb musste der Koran schon immer interpretiert werden. Umstritten waren dabei u.a. die Methoden und wer dazu berechtigt und in der Lage ist. Nur 'Fundamentalisten' behaupten, dass der Koran klar und eindeutig alle Aspekte des menschlichen Lebens regele. Sie verstehen ihn als genaue Anleitung für das individuelle und das gesellschaftliche Leben. In Wirklichkeit folgen sie dabei nur ihrer eigenen Interpretation, die sie für die einzig mögliche und richtige erklären. Aber Achtung: Auch vielen 'normalen' Musliminnen und Muslime (und insbesondere Jugendlichen, die oft nicht viel über ihre Religion wissen) ist die Vorstellung fremd, dass das Wort Gottes interpretiert werden müsse und dass man dabei auch zu unterschiedlichen Schlüssen kommen kann. Seit Jahrhunderten beschäftigen sich die Gelehrten mit solchen Fragen.

                                              Die Sunna ist nach dem Koran die zweitwichtigste religiöse Quelle im Islam. Sunna ist ein arabisches Wort und bedeutet etwa Tradition. Gemeint ist hier die Tradition des Propheten Mohammed: Seine Handlungen und seine Aussprüche  wurden in Form zunächst mündlicher und später verschriftlichter Überlieferungen (Hadithe) weitergegeben und gesammelt. Denn die Gläubigen sind angehalten, dem Beispiel des Propheten im Alltag und im gesellschaftlichen Leben zu folgen - als Vorbild und Richtschnur gewissermaßen. (Aus dem Begriff Sunna leitet sich auch der Begriff des Sunnitentums ab. Das heißt aber nicht, dass nur die sunnitischen Muslime der Sunna des Propheten folgen würden.) Die Sunna dient auch als Ergänzung und Interpretationshilfe koranischer Aussagen. Wie das allerdings genau erfolgt und wie dem Vorbild des Propheten im Alltag und in der Gesellschaft zu folgen sei, ist durchaus umstritten: Geht es darum, ihm möglichst genau und in allen Kleinigkeiten (wie etwa Bekleidung) nachzufolgen und ihn zu imitieren? Oder geht es vielmehr darum, dem Propheten in seinem Geiste zu folgen, dies in die heutige Zeit zu übertragen und sich darum zu bemühen, nach seinem Vorbild eine gute Muslima oder ein guter Muslim in der Gesellschaft zu sein ? 

                                              Unter Scharia, deren Hauptquellen wiederum Koran und Sunna sind, verstehen die meisten Nichtmusliminnen und Nichtmuslime, aber auch sehr viele Musliminnen und Muslime das 'islamische' Gesetz oder die Gesetzgebung (hier vor allem das Strafrecht). Es gibt die Scharia aber gar nicht als Buch – etwa als Sammlung von Gesetzestexten mit einzelnen Paragraphen. So berühren denn auch nur 80 der insgesamt 6.000 Verse des Korans Rechtsfragen im engeren Sinn – vor allem Personenstands- und Familienrecht, aber auch einzelne Strafrechtsbestimmungen. Und diese werden von Musliminnen und Muslimen sehr unterschiedlich bewertet. Ein Beispiel: Das Recht auf Polygamie besteht in einigen Ländern, in Tunesien ist sie hingegen verboten, jeweils begründet unter Bezug auf Islam und Scharia. Im Rechtssytem Saudi-Arabiens ist ein Schariaverständnis verankert, das auch Körperstrafen umfasst – in anderen so genannten 'islamischen' Gesellschaften spielt der Bezug auf 'die' Scharia in der Rechtsordnung eine untergeordnete oder - wie im Fall der Türkei - gar keine Rolle. Die Scharia beinhaltet also eher weniger gesetzesähnliche Vorgaben, sie ist ein sehr viel umfassenderes Konzept. Wörtlich übersetzt bedeutet Scharia "zur Quelle" im Sinne eines Wegs, der zu Gott führt. Es geht also um sämtliche Werte und Normen des Islam (vor allem abgeleitet aus Koran und Sunna), die in diesem Begriff zusammengebracht werden. Der Scharia zu folgen, wäre damit Ziel für jeden gläubigen Muslim und ließe sich demnach als Bestreben verstehen, ein gottgefälliges Leben zu führen. Dieser 'Weg' kann im Einzelnen sehr unterschiedlich aussehen. Wenn also religiöse Muslime sagen, sie wollten der Scharia folgen, dann verbinden sie nicht unbedingt das Gleiche damit. Gemeinsam ist ihnen aber, dass ihnen die Scharia gewissermaßen als Quintessenz ihres Glaubens sehr wichtig ist.

                                              Nur 'Islamisten' behaupten, es gebe nur einen möglichen und wahren Weg, die Quellen zu lesen, zu verstehen und umzusetzen (Wahrheitsanspruch) - nämlich ihren eigenen. Wie Fundamentalisten in anderen Religionen (Christentum, Judentum oder Hinduismus ...)  bestreiten sie nicht nur die Möglichkeit unterschiedlicher Lesarten, sie bestreiten auch die Notwendigkeit der Interpretation der Quellen an sich. Der Mensch, sagen sie zur Begründung, müsse Gott lediglich gehorchen und dürfe nicht seine eigene Meinung über Gottes Wort stellen. So behaupten sie, ihre Lesart sei die einzige mögliche und wahre, wobei sich auch diese im Laufe der Zeiten durchaus fundamental ändern können - was aber von Fundamentalisten niemals eingestanden werden kann.      

                                              Bestandteil der Scharia sind für die meisten Musliminnen und Muslime auch die sogenannten Fünf Säulen des Islam. Gefragt, was denn der Islam sei, werden diese von vielen angeführt. Allerdings handelt es sich bei den "Fünf Säulen" lediglich um normative Vorgaben etwa zum Gebet oder zum Fasten, die durch einzelne 'Duchführungsbestimmungen' (z. B. Wie bete ich richtig?) näher ausgeführt werden können, die für Jugendliche in ihren Suchprozessen oft von besonderer Wichtigkeit sind und auch deshalb im salafistischen Islamverständnis eine besonders große Rolle spielen. Weniger häufig werden von den Jugendlichen auf die Frage "Was ist denn der Islam?" Werte und ethische Konzepte genannt - wie etwa Gerechtigkeit, Barmherzigkeit oder Friedfertigkeit. Dabei sind sie genauso selbstverständliche Bestandteile des Islam wie Verhaltensnormen und rituelle Vorschriften.       

                                               

                                              Jihad und Geschlechterrollen

                                              Noch ein Wort zu zwei zentralen Feldern öffentlicher Auseinandersetzungen: dem Jihad und der Frage der Geschlechterrollen. So wie der Islam selbstverständlich mit der Demokratie oder die Scharia mit den Grundrechten vereinbar ist, so ist auch der Jihad ein religiöses Konzept, von dem sich Muslime nicht etwa distanzieren müssten. Vielmehr unterschieden Theologen zwischen 'großem' und 'kleinem Jihad'. Der 'kleine Jihad' bezeichnet den militärischen Kampf zur Verteidigung von Islam und Muslimen -  mit ihm legitimieren radikale Strömungen ihren Kampf und auch terroristische Anschläge, dabei unterliegt der 'kleine Jihad' auch theologisch klaren Bedingungen, wie etwa dem Verbot der Tötung von Zivilisten. Religiös wie politisch hat der 'kleine Jihad' heute keine große Bedeutung mehr. Es sind die radikalen Strömungen, die den Begriff gewissermaßen gekapert haben, so dass Musliminnen und Muslime wie Nichtmusliminnen und Nichtmuslime unter Jihad in der Regel Gewalt und Terror verstehen. Der 'große Jihad' hingegen bezeichnet das alltägliche Ringen der/s Einzelnen gegen ihre/seine schlechten Eigenschaften und um ein gottgefälliges Leben, wobei es nicht zuletzt um Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit und darum geht, anderen Menschen zu helfen.     

                                              'Den Islam' gibt es auch nicht in Bezug auf religiöse Vorgabe zu Geschlechterrollen. Vielmehr sind es Traditionen und unterschiedliche Religionsverständnisse, wie in Familie und Gesellschaft Geschlechterbilder und –rollen über die Generationen vermittelt werden, auch wenn viele Musliminnen und Muslime sagen, dass der Islam ganz bestimmte Verhaltensnormen vorschreibe. Es ist dann aber meist ihr eigenes Islamverständnis, das dem zugrunde liegt. Andere verstehen und leben ihre Religion anders. Zur Zeit der Offenbarung im frühen 7. Jahrhundert hat der Islam die Rolle und Situation von Frauen in Familie und Gesellschaft deutlich verbessert, so etwa das aus heutiger Sicht ungleiche Erbrecht - Frauen erbten nur halb so viel wie Männer. Dies war damals sinnvoll bzw. gerechter und stellte einen erheblichen Fortschritt dar. Auch hier stellt sich also die oben skizzierte Frage: Woran knüpfen Musliminnen und Muslime an? Am Wortlaut der religiösen Quellen? Oder geht es darum, den Anspruch oder die Leitidee (hier: mehr Gerechtigkeit) herauszuarbeiten und sich darum zu bemühen, diese in die Gegenwart zu übertragen. Wie das dann im Einzelnen geschieht, darüber können die Meinungen und Wege dann durchaus auseinander gehen.       

                                               

                                              Schlussfolgerungen für eine pädagogische Arbeit

                                              Grundlegend sollte in der pädagogischen Arbeit mit religiösen wie nichtreligiösen Musliminnen und Muslimen sein, Demokratie, individuelle Freiheitsrechte etc. nicht in einen Gegensatz zur Religion zu stellen. Diese sind für die meisten Musliminnen und Muslime in Deutschland ebenso selbstverständlich wie ihre Ablehnung von Gewalt. Vielmehr sollten Religion und Religiosität anerkannt und als selbstverständlicher Teil gesellschaftlichen Lebens Würdigung und Wertschätzung erfahren. Und: Jugendliche sollten selbst gefragt werden, wie sie ihr Leben in Familie und Gesellschaft leben wollen. Ohne dass es ihnen jemand sagen oder gar vorhalten müsste, kommen sie dann von ganz alleine darauf, dass Frieden, Gerechtigkeit oder Barmherzigkeit diejenigen Werte sind, an denen sie sich orientieren – diese aber nicht immer einfach und konsensual umzusetzen sind. Ein solches Bewusstsein stärkt und schützt sie vor den einfachen Welt- und Feindbildern, die ihnen vom Salafismus und anderen Ideologien angeboten werden.    

                                              Das gilt auch für Geschlechterrollen: Natürlich orientieren sich längst nicht alle Musliminnen und Muslime an traditionellen Rollenbildern. Vielfalt aufzuzeigen ist daher gegenüber muslimischen wie nichtmuslimischen Jugendlichen gleichermaßen bedeutsam. Bestehende traditionelle Muster oder religiös begründete Überzeugungen sollten dabei von Pädagoginnen und Pädagogen respektiert und Jugendlichen (bzw. ihren Familien) nicht abverlangt werden, sich zu verändern. Darauf reagieren sie mit Abwehrhaltungen. Vielmehr könnte auch hier die Vielfalt von Lebensweisen aufgezeigt und Jugendliche darüber ins Gespräch gebracht werden, wie sie es in ihrem Leben halten wollen ("Wie wollen wir leben?") oder wie sie es sich für ihre Kinder wünschen.

                                              Und was sagt der Koran dazu?

                                              Pädagoginnen und Pädagogen fragen immer wieder nach Belegen/Zitaten aus den religiösen Quellen, um sie in ihrer Arbeit mit den Jugendlichen 'einsetzen' zu können. Darin liegt durchaus eine Option – aber vor allem auch ein Risiko! Deshalb kommt es immer darauf an, wie und mit welcher Haltung Koranverse oder Berichte über Handlungen und Aussagen des Propheten Muhammad (Hadithe) verwendet werden: Sollen sie als Beweis für eine bestimmte Position dienen? Sollen Positionen und Überzeugungen der Jugendlichen mit ihrer Hilfe verändert werden? Dann verwenden Sie bitte keine Verse! Als pädagogische Fachkraft sind Sie keine Theologinnen bzw. kein Theologe (und meistens nicht einmal muslimisch). Die Verse stehen immer in einem Kontext, einfache Weis- und Wahrheiten lassen sich damit nicht behaupten – das tun nur Fundamentalistinnen und Fundamentalisten. Die Jugendlichen nehmen wahr, dass es darum geht, sie zu verändern – und werden sich eher zurückziehen oder in eine Abwehrhaltung gehen, die auch in ein unsinniges 'Suren- oder Verse-Pingpong' münden kann.

                                              Wenn also Jugendliche ihre Positionen mit Zitaten aus Koran und Sunna (Hadithe) begründen, können Sie mit der Gruppe über deren mögliche Bedeutungen ins Gespräch gehen: Was könnte damit gemeint sein? In welchem Kontext könnte eine Aussage so oder so verstanden werden? Wie lässt sich die Aussage auf unterschiedliche Sachverhalte aus der Lebenswelt der Jugendlichen übertragen? Falls Sie selbst Zitate aus Koran und Sunna verwenden, tun Sie das sensibel und lediglich als Anregung zur Reflektion, zum gemeinsamen Nachdenken und Abwägen. "Guckt mal, da ist ein Vers aus dem Koran, der vielleicht etwas mit unserem Thema zu tun haben könnte. Was denkt Ihr?" Hier gibt es kein Lernziel! Ziel ist es lediglich, einen Beitrag zum Gespräch unter den Jugendlichen zu leisten.

                                              Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich keine Auswahl von Zitaten aus Koran und Sunna bereit stellen. Wenn Sie sich selbst auf die Suche machen wollen – im Internet zum Beispiel – dann sollten Sie gefundene Zitate durchaus überprüfen. Dazu bietet sich u.a. die kommentierte Koranübersetzung von Hartmut Bobzin (2010) an, die auch über ein Register verfügt, mit dem sich nach Begriffen (z. B. "Gutes tun, gute Taten") suchen lässt. Weitere anerkannte Übersetzungen sind die von Rudi Paret (älter, wissenschaftlich, teils schwer verständlich), Adel Theodor Khoury oder Muhammad Asad (kommentiert). Eine Übersetzung ausgewählter Passagen bieten Kaddor / Müller im "Koran für Kinder und Erwachsene" (z. B. Kapitel 3: "Mitmenschen"). Auch in islamischen Religionsbüchern für den Unterricht finden sich Anregungen – z. B. bei Kaddor / Müller, Khorchide oder Uçar.

                                              Was bedeutet Diskriminierung im Alltag von Jugendlichen?

                                              Benachteiligungen bei der Wohnungs-, Arbeits- Ausbildungsplatzsuche, Anschläge auf Moscheegebäude, schräge Blicke, Skepsis und Ablehnung bis hin zu tätlichen Übergriffen – Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus sind alltägliche Phänomene nicht nur im Internet.

                                              "Die Deutschen", so ein 14-Jähriger in einem Workshop, "werden mich in 100 Jahren noch fragen, wo ich herkomme, nur weil ich schwarze Haare habe." So machen sehr viele Jugendliche alltäglich Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung. Viele erleben Diskriminierungen aber auch am Beispiel ihrer Eltern, was noch prägender sein kann als eigene Erfahrungen.  

                                              Tatsächlich zieht sich die Wahrnehmung von Menschen mit muslimischem Glauben (oder solchen, die als muslimisch markiert werden) als Problemgruppe quer durch die Bevölkerung. Das zeigen zahlreiche Umfragen schon seit Jahren. So unterstützten der Leipziger Mitte-Studie 2016 zufolge rund 41 % die Aussage "Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden". Islamfeindliche und rassistische Äußerungen tauchen überall dort auf, wo über Islam in Deutschland oder weltweit geschrieben oder gesprochen wird – in großen Zeitungen, in Talkshows, im Internet und selbstverständlich auch im Kollegium. So belegen Studien, dass Diskriminierung und Rassismus auch zum schulischen Alltag in Berlin gehören. Junge Musliminnen und Muslime lässt das nicht kalt und viele zeigen das Bedürfnis, über persönliche Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen und über ihre Sorgen im Alltag zu sprechen. 

                                               

                                              Wie aus Frust und Wut Ideologie werden kann

                                              Diskriminierungserfahrungen und die Hilflosigkeit vieler Jugendlicher, mit diesen Anfeindungen Gehör zu finden, bilden eines der Hauptfelder salafistischer Propaganda. Hier werden die Frustration und die Wut aufgegriffen und ihnen ein Raum gegeben: "Bei ihnen", sagen sie, "wirst du nie dazugehören. Sie werden dich immer schlecht behandeln. Komm zu uns, wir sind eine starke Gemeinschaft, hier bist du sicher und hier kannst Du was bewegen ..." Das sind 'schlagende Argumente', weil sie die Lebensrealität und die Wünsche der Jugendlichen ansprechen. In der Propaganda werden dann Enttäuschungen und Wut junger Musliminnen und Muslime instrumentalisiert. Die realen Erfahrungen werden zu ideologischen Deutungsmustern verdichtet und geschlossene Feindbilder konstruiert. Musliminnen und Muslime seien demnach eine von allen Seiten bedrohte Gruppe, die sich gegen Feindlichkeit und Rassismus wehren müsse – wenn nötig sogar mit Gewalt. Diese einseitige Sichtweise verhindert gleichzeitig ein aktives und konstruktives Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung.

                                               

                                              Was kann präventive Praxis tun?

                                              Der pädagogische Umgang mit Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen, Unmut, Unbehagen, aber auch mit Wut und Aggression sollte behutsam erfolgen. Gerade weil viele Jugendliche von Rassismus und Islamfeindlichkeit persönlich betroffen sind, gilt es zunächst vor allem zuzuhören und aufrichtiges Interesse zu zeigen. Nur wenn Jugendliche sich in ihrem Unwohlsein, ihrer Angst oder auch in ihrer Wut wahrgenommen und anerkannt fühlen, kann von ihnen erwartet werden, in einem zweiten Schritt eigenes Schwarz-Weiß-Denken und eigene Feindbilder zu hinterfragen. Es kann in diesem Zusammenhang sinnvoll sein, Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus als eine Spielart von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu vermitteln. Sobald Jugendliche nachvollziehen, dass unterschiedliche Arten von Diskriminierung, so zum Beispiel auch Sexismus, Abwertung von Menschen mit Beeinträchtigung, Homophobie oder Antisemitismus mittels ähnlicher Mechanismen funktionieren, gehen sie auch selbstkritisch mit eigenen Vorurteilen und eigenem diskriminierendem Verhalten um.

                                              Dabei geht es auch darum, diskriminierende Praxen in der eigenen Institution bzw. Schule zu erkennen und zu verändern. Folgende Fragen könnten hilfreich sein: Wie werden die eigene gesellschaftliche Positionierung und die pädagogische Praxis innerhalb rassistischer gesellschaftlicher Strukturen reflektiert? Wie werden Ungleichheits- und Diskriminierungsverhältnisse vielleicht manifestiert und/oder verschleiert? Positionieren wir uns als Einrichtung öffentlich gegen Diskriminierung und Rassismus?

                                              Gleichzeitig gilt es, "Identität" als Bildungsmoment zu relativieren und zu weiten: Wie wird kollektive Identität in einer Gesellschaft definiert, die von Einwanderung geprägt ist? Was und wer definiert das Deutsche bzw. deutsch sein? Wer darf Gesellschaft bzw. den Schulalltag mitgestalten und wer nicht? Welche Anerkennungsformen werden wem zugestanden und wem aber auch nicht? Jugendliche sollten in ihren vielfältigen Identitäten und Bezügen wahrgenommen und die Reproduktion von Rassismus, z.B. durch kulturalistische Zuschreibungen, vermieden werden.

                                              Das Aufgreifen von und die Sensibilisierung für Diskriminierungserfahrungen ist unserer Erfahrung nach eine wichtige Voraussetzung für gelingende präventive Arbeit. Dabei sind Angebote wichtig, die Jugendliche in ihrer Selbstwirksamkeit und Selbstbemächtigung unterstützen und stärken.

                                               

                                              Anlaufstellen und Anregungen für gesellschaftliches Engagement

                                               

                                              Anlaufstellen Diskriminierung und Rassismus

                                               

                                              Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS)

                                              Die Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS) ist eine unabhängige berlinweite Beratungsstelle, an die sich Schüler*innen, Eltern, Lehrkräfte und alle Schulbeschäftigten wenden können, die an einer Schule diskriminiert beziehungsweise aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, Kultur, Sprache, Hautfarbe, Religion oder Weltanschauung, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder einer Behinderung gemobbt, beleidigt oder benachteiligt wurden.

                                              www.adas-berlin.de 

                                              Netzwerk gegen Diskriminierung und Islamfeindlichkeit 

                                              "Das Netzwerk gegen Diskriminierung und Islamfeindlichkeit wurde im August 2010 gegründet, um aktiv gegen Diskriminierung von Musliminnen und Muslimen in unserer Gesellschaft vorzugehen.

                                              Das Projekt verfolgt einen Empowerment Ansatz. Ziel ist es, bei Betroffenen das Bewusstsein zu stärken, gleichberechtigte Bürger dieses Staates zu sein, und Ihnen Handlungsoptionen im Falle von Diskriminierung aufzuzeigen."

                                              www.netzwerkdiskriminierung.de 

                                              ReachOut

                                              ReachOut ist eine Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Berlin.

                                              www.reachoutberlin.de 

                                               

                                               

                                              Anregungen zum gesellschaftlichen Engagement

                                               

                                              JUMA – jung, muslimisch, aktiv

                                              JUMA ist ein Forum, über das sich junge Muslime gesellschaftlich einmischen und aktiv mitmischen können. JUMA steht für jung, muslimisch, aktiv. Die Macher sind bei JUMA die muslimischen Jugendlichen selbst. JUMA will jungen Muslimen eine Stimme geben und ihr gesellschaftliches Engagement für eine breite Öffentlichkeit sichtbar machen. In öffentlichen Debatten wird oft über, aber selten mit muslimischen Jugendlichen gesprochen.

                                              www.juma-ev.de/ 

                                              JIK – Junge Islam Konferenz

                                              Die Junge Islam Konferenz - Deutschland (JIK) ist ein Dialogforum und Multiplikatorennetzwerk junger Menschen im Alter von 17 bis 25 Jahren. Als bundesweites Forum bietet die Junge Islam Konferenz religiösen und nicht-religiösen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund eine Plattform für Wissensgewinn, Austausch und Teilnahme an gesellschaftlichen Debatten über die Rolle des Islam in Deutschland.

                                              http://www.junge-islamkonferenz.de/ 

                                              GLADT e.V. und MILES 

                                              GLADT und Miles bieten Schwulen, Lesben, Bi-, Trans- und Intersexuellen mit Migrationshintergrund Beratung z.B. beim Coming Out oder auch bei Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung. 

                                              http://www.gladt.de/ 

                                              https://berlin.lsvd.de/projekte/miles/ 

                                              Mädchentreff 

                                              Im Dünja Mädchen Treff in der MaDonna können sich Mädchen vernetzen. Angeboten werden: Beratung und Unterstützung bei privaten und schulischen Problemen, Freizeitgestaltung und viele spannende Projekte. 

                                              http://berlin.madonnamaedchenpower.de/ 

                                              moabiter-ratschlag.de/maedchen-treff-duenja/ 

                                              Amaro Drom e.V.

                                              Amaro Drom ist eine interkulturelle Jugendselbstorganisation von Roma und Nicht-Roma mit dem Ziel, jungen Menschen durch Selbstorganisation Raum zu schaffen, sich gesellschaftlich zu beteiligen.

                                              http://amarodrom.de/

                                              Black Diaspora School 

                                              Hier treffen sich Schwarze Jugendliche, lernen gemeinsam für die Schule und organisieren Projekte z.B. in den Bereichen Rassismus, Schwarze Identität oder afrikanische Geschichte. 

                                              http://eoto-archiv.de/black-diaspora-school/

                                              http://isdonline.de/young-gifted-black/ 

                                              Jüdisches Leben

                                              In ganz Berlin gibt es jüdische Gemeinden, die auch Jugendgruppen haben. Hier werden viele spannende Projekte rund um die Themen Judentum in Deutschland und Antisemitismus organisiert.