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Kollegium

„Die lieben Kollegen“

Öffnung nach innen: Von der Kunst, das Kollegium einzubeziehen

Andere zum Mitmachen zu motivieren, ist in vielen Fällen leichter gesagt als getan. Es ist sinnvoll, sich zunächst zumindest einige Kollegen und Kolleginnen mit ins Boot zu holen, um eine breitere Unterstützung zu erfahren. Man stößt dabei allerdings häufig auf stark belastete Lehrer und Lehrerinnen, die zwar die Idee gut finden, aber Sorge haben, noch mehr Arbeit übernehmen zu müssen. Es gibt andere, die noch keine wesentlichen Erfahrungen mit kulturellen Bildungsprojekten gemacht haben und sich deshalb nicht sonderlich interessieren. Wieder andere haben sogar schlechte Erfahrungen gemacht: Sei es indirekt, weil Schülerinnen und Schüler in ihrem Unterricht fehlten, oder direkt – aufgrund einer unglücklich verlaufenen Kulturkooperation. Motor für ein besonderes Engagement für Kunst und Kultur ist aber fast immer die eigene positive Erfahrung und Begeisterung. Der Funke muss also zunächst überspringen!

 „Ich muss zuerst im Kollegium Öffentlichkeitarbeit für Kunst und Kultur machen!“ (Kulturbeauftragte einer Berliner Schule im Interview)

Sehr niedrigschwellige und einladende Angebote können dabei helfen, die Kolleginnen und Kollegen zu überzeugen, sich probehalber auf kulturelle Bildungsprozesse und Kulturkoope-

rationen einzulassen. Ziel sollte es sein, die Kulturpartner behutsam kennenzulernen und positive Erfahrungen zu machen. Dies bedarf einer sorgfältigen Planung der Aktivitäten und Auswahl der Kulturpartner. Sind die Angebote von hoher künstlerischer und pädagogischer Qualität, dann kann man eher alle Beteiligten überzeugen und Kolleginnen und Kollegen "in's Boot holen".

In jedem Fall sollten Vorbehalte und Sorgen ernst genommen werden. Wie sie genau in die Planung einbezogen werden können, hängt einmal mehr vom Einzelfall ab. Dennoch gibt es einige begünstigende Faktoren, die sich in vielen Fällen bewährt haben: Wichtigste Voraussetzung ist die Freiwilligkeit der Teilnahme an dem Angebot. Hilfreich ist darüber hinaus, dass sich die Kolleginnen und Kollegen nur für einen überschaubaren, kurzen Zeitraum verpflichten. So können sie die Angebote unverbindlich ausprobieren und die Kulturpartner kennenlernen, ohne dass sich daraus automatisch die Verpflichtung zu einem anschließenden Großprojekt ergibt.

 „Wir bringen einfach die Kunst zu den Kolleginnen und Kollegen!“ (Kulturbeauftragter einer Berliner Schule im Interview)

Für viele Pädagoginnen und Pädagogen ist die Aussicht reizvoll, durch das Angebot neue Kompetenzen zu erwerben und fachlichen Input zu erhalten. Die Herausforderung, sich mit den eigenen Fachkompetenzen in ein anderes Feld produktiv einbringen zu können, motiviert und macht Lust auf neue auch kooperative Erfahrungen.

Ein zusätzlicher Anreiz kann sein, dass das kulturelle Angebot nicht belastet, sondern sogar entlastet – zum Beispiel, wenn Kulturschaffende Teile des Unterrichts mitgestalten oder auch längere Phasen eigenverantwortlich übernehmen. Die Pädagoginnen und Pädagogen haben die Möglichkeit, die Jugendlichen aus einem anderen Blickwinkel wahrzunehmen. Weitere Kolleginnen und Kollegen lassen sich überzeugen, wenn die künstlerischen Projekte aktuelle Themen oder Probleme in der Klasse aufgreifen und so zu deren Lösung oder inhaltlichen Vertiefung beitragen.

Grundsätzlich lässt sich feststellen: Je besser die Angebote zur konkreten Arbeitssituation der Lehrkräfte passen, je mehr ihre individuellen Interessen und Ressourcen berücksichtigt werden, je mehr sie sich persönlich wahrgenommen fühlen, umso wahrscheinlicher ist es, dass sie mitmachen. Dies gilt selbstverständlich auch für die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen.


Redaktionell verantwortlich: Elisabeth Lemke, LISUM