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Passende Textmodelle für junge Leserinnen und Leser

Präliterial-symbolische Strategie

Kennzeichen   

  • Dreidimensionale Körper können auf zweidimensionale bildliche Darstellungen bezogen  werden.
  • Symbolische Darstellungen werden verwendet. (z. B. ein Herz für Liebe) .
  • Schrift wird als Bedeutungsträger erkannt: Lesen wird nachgeahmt – "so tun als ob".

Geeignetes Textmodell zum Selbstlesen   

  • „Vignettentext“ (nach Ina Nefzer). Im Text sind wichtige Nomen durch Bilder ersetzt. Die Vorleserin/der Vorleser liest den Text. Das Kind „liest“ die Bilder.    

Textbeispiel  

Christian Seltmann: Kleiner Ritter Kurz von Knapp. Arena, Würzburg 2012   

Weitere passende Angebote mit Lesevermittler(in)    

  • erzählende Bilderbücher (mit und ohne Text)   
  • Sachbilderbücher (mit und ohne Text)  
  • die phonologische Bewusstheit anregende Bücher (Reime,  Sprachspiele …)   
  • interaktive, zum Handeln anregende Bilderbücher bzw. Apps, Bücher mit Hörstift  

Diese Angebote unterstützen besonders dabei, Schrift als Bedeutungsträger zu erkennen.


Logografische Strategie

Kennzeichen 

  • Das Kind erkennt, dass Buchstaben Zeichen sind, die Bedeutung haben und ein Wort bilden können.
  • Wörter werden ohne Einsicht in die Lautstruktur unserer Sprache an visuellen Merkmalen erkannt.
  • Wörter werden „ganzheitlich“ gelesen, häufige Orientierung am Anfangsbuchstaben (führt oft zu falschen Hypothesen).
  • Kind kennt zunächst nur wenige einzelne Lautwerte, Ende/Rest muss dazu assoziiert werden.  

Geeignetes Textmodell zum Selbstlesen

  • „Tandemtext“ (nach Ina Nefzer). In Tandemtexten wechseln sich längere Textabschnitte für Vorleser(innen) und kurze Textabschnitte (oft nur Wörter) für Erstleser(innen) ab. Das Kind „liest“, indem es seine Wörter auswendig lernt.

Textbeispiel   

Anne Maar: Fußball und Zitroneneis. Tulipan, München 2012

Weitere passende Angebote mit Lesevermittler(in)   

  • erzählende Bilderbücher (mit und ohne Text) 
  • Sachbilderbücher (mit und ohne Text)  
  • interaktive, zum Handeln anregende Bilderbücher bzw. Apps   
  • Bücher mit Hörstift   

Alphabetische Strategie

Kennzeichen 

  • Das Kind hat Einsicht in die Lautorientierung unserer Schrift gewonnen: Jedes Graphem repräsentiert ein Phonem. 
  • Der Kontext wird zunächst oft ausgeblendet, da die komplexe lautliche Analyse vom Kind höchste Konzentration erfordert. 
  • Grapheme werden Phonemen zugordnet, sie müssen jedoch  im weiteren Verlauf zu größeren Einheiten (Silben, Wörtern) synthetisiert werden.   Das Kind erkennt, dass Buchstaben Zeichen sind, die Bedeutung haben und ein Wort bilden können.

Geeignete Textmodelle zum Selbstlesen

  • „ABC“ (nach Ina Nefzer): Kurze Texte mit kurzen Wörtern und Wortwiederholungen, an denen das Kind die Synthese vollzieht, z. B. gereimte Vierzeiler, in denen ein bestimmter Anlaut  häufig vorkommt.    
  • „Tandemtext“ (nach Ina Nefzer): Wörter, kurze Sätze werden beim abwechselnden Vorlesen/Partnerlesen vom Kind selbstständig erlesen/synthetisiert.  

Textbeispiel   

Paul Maar: Das Schul-ABC. Oetinger,Hamburg 2013

Weitere passende Angebote mit Lesevermittler(in)   

  • „Vignettentext“ (nach Ina Nefzer): Text wird selbstständig erlesen.  
  • Bücher (mit Hörstift), Apps, die die Kontextnutzung anregen.  
  • Wiederholungs-Klappbücher: Wörter werden in leicht verändertem Kontext immer wieder neu gelesen und damit zunehmend automatisiert. 

Textbeispiel   

Markus Weber: Meine kleine Satzwerkstatt. Moritz Verlag, Frankfurt am Main 2015    


Orthografische Strategie

Kennzeichen 

  • Funktionale Einheiten werden schneller gelesen: z.B. häufig vorkommende Silben (z.B. -fen, -gen)
  • Orthografische Besonderheiten werden mühelos gelesen.
  • Der Sichtwortschatz wird zunehmend erweitert.
  • Die Lesekompetenz wird auf der Satz- und auf der Textebene weiter ausgestaltet.
  • Das Lesen wird weitgehend automatisiert.    

Geeignete Textmodelle zum Selbstlesen

  • Bildergeschichte (nach Ina Nefzer): illustrierte Erstlesebücher mit relativ hohem Anteil an Bildern  
  • Geschichte“ (nach Ina Nefzer): Erstlesebücher für Fortgeschrittene mit weniger hohem Bildanteil   

Textbeispiele   

Mo Willems: Das Buch über uns. Klett Kinderbuch, Leipzig 2015  
Anne Fine: Tagebuch einer Killerkatze. Moritz Verlag, Frankfurt am Main 2016

Weitere passende Angebote mit Lesevermittler(in)   

  • „Tandemtext“ (nach Ina Nefzer): Mit wachsendem Lesevermögen steigt der Anteil des Selbstlesens. Studien zeigen, dass regelmäßiges Lautlesetraining/Partnerlesen die Leseflüssigkeit steigert.
  • Buch mit Hör-CD: Ein Lautlesetraining mit Hörbüchern wirkt ähnlich effektiv wie Lautlesetraining/Partnerlesen.

Textbeispiel   

Christian Seltmann: Kommissar Ping und das Kaugummi-Geheimnis. Arena, Würzburg  2014


Literaturhinweise

Die hier präsentierten Leseangebote für junge Leserinnen und Leser sind in Anlehnung an Ina Nefzer1 zusammengestellt. Diese sind am am Stufenmodell des Schriftspracherwerbs orientiert2.

1 Vgl. Nefzer, Ina (2015): Eine Gattung, viele Gesichter. In: JuLit, Heft 2/15, S. 24-30   
2 Günther, Klaus B. (1995) Ein Stufenmodell der Entwicklung kindlicher Lese- und Schreibstrategien. In: Balhorn, H./ Brügelmann, H. (Hrsg.): Rätsel des Schriftspracherwerbs. Lengwil, S. 98-121


Redaktionell verantwortlich: Erna Hattendorf