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Abenteuer versprechen

Abenteuer versprechen

"Die Phantasie nimmt überhand, die Nerven vibrieren, das Herz rast, das Adrenalin spritzt hervor, die Identifikation funktioniert in allen Himmelsrichtungen, und das Gehirn hält (vorübergehend) ein alltägliches X für ein romanhaftes U ..."

Daniel Pennac: Wie ein Roman. Von der Lust zu lesen. 1998


Durch eine Inszenierung von Räumen und Situationen, die den "Ort" zwischen der Realität der Kinder und des literarischen Textes markieren, kann man eine Tür zum Abenteuer öffnen. Es entstehen "magische Momente", in denen Gelesenes und Erlebtes ineinander verschweben, eins werden und doch voneinander unterschieden werden können. Dieses lässt sich besonders intensiv in Lesenächten gestalten, da dort die Atmosphäre der Nacht noch ihr übriges tut. Die Methode steht hier im Zusammenhang mit dem Begriff des "Situationsmodells". Dieser Begriff aus der Leseforschung verweist auf eine wichtige Kompetenz des Lesers bzw. der Leserin.

Um einen Text verstehen zu können, muss man im Kopf eine Art Skizze von der im Text beschriebenen Situation entwerfen können. Gerade diese Fähigkeit ist bei leseschwachen Schülerinnen und Schülern wenig entwickelt. Dieser "Zwischen-Ort" ist jedoch in besonderem Maße prädestiniert für ästhetische Erfahrungen und damit auch für Erfahrungen mit dem Entwurf des Selbst.

Die richtige "Folie" für Abenteuer kann bei Jungen und Mädchen unterschiedlich sein, eben entsprechend ihrer jeweiligen Identifikationsmuster gerade ab einem Alter von 11 und 12 Jahren. Insbesondere für Jungen kann der Bezug für Abenteuer auch in einem Sachthema hergestellt werden. Umsetzungsideen für die Bücher Prinzessin Eierkuchen, Titanic und Bartimäus.

Katja Eder