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Einladung inszenieren

Einladung inszenieren

"Das Verb lesen duldet keinen Imperativ. Eine Abneigung, die es mit ein paar anderen teilt: dem Verb lieben, dem Verb träumen ..."

Daniel Pennac: Wie ein Roman. Von der Lust zu lesen. 1998


Ein Buch lesen und in die Welt einer Geschichte eintauchen ... Wer so etwas tut, der tut es aus purer Lust. Wohingegen Hemmnisse bis hin zur Verweigerung von Lesen und Literatur meistens durch negative Erfahrungen mit Büchern und Lesesituationen bedingt sind.

Die Aufforderung zum Lesen wird meist nicht zum gewünschten Ergebnis führen, wenn sie nicht einer Einladung gleichkommt. Die bereits gemachte Erfahrung, dass alles, was mit Büchern zu tun hat, das eigene Versagen zu Tage bringt, wird so durch neue, positive Erfahrungen ersetzt.

Das kann zum einen ein offen gemachtes Angebot sein, zum anderen das Schaffen eines Rahmens, der ein Fest oder eine andere außergewöhnliche Situation markiert. Denkbar sind eine ungeplant-spontane und spannende Vorlesestunde genauso wie eine sinnliche Titeleinführung durch leckere Speisen, die, wie aus dem Buch entsprungen, real gekostet werden. Oder auch eine besondere Atmosphäre durch Licht oder Stoffe und Kissen, so dass das Klassenzimmer nicht mehr wiederzuerkennen ist. Die Literatur selbst bietet solche Übergänge in andere als die alltäglichen Welten - und macht es uns vor. Es sind Schwellen und Schlupflöcher, durch welche die Protagonisten in die Geschichte hineinschlüpfen und in deren Bann gezogen werden.

Bruno in "Ein Buch für Bruno" gelangt durch eine Buchseite ins Drachenland, Pit segelt "Nordwärts unterm Totenkopf", weil er einen Blick durch ein Fernrohr gewagt hat, und Fanny in "Der blaue Schal" befindet sich plötzlich in einem Gemäde des 17. Jahrhunderts. Alle überschreiten sie ein Schwelle um dann im Reich der Phantasie zu schwelgen. Die Schülerinnen und Schüler werden eingeladen, über diese Schwelle zu schreiten.

Katja Eder