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Eine Schule entdeckt einen Autor

Eine Schule entdeckt einen Autor/eine Autorin

Angeregt durch Ideen aus den USA starteten auch in Deutschland in den letzten Jahren vermehrt Aktionen, die eine Schule, ja eine ganze Stadt über die Lektüre eines Buches zusammenführten: z.B. Potsdam: "Eine Stadt liest ein Buch" und Lina-Morgenstern-Schule in Berlin-Kreuzberg: "Eine Schule liest ein Buch".


Eine sehr empfehlenswerte Variante dieser Anregung ist, sich als gesamte Schulgemeinschaft zur gleichen Zeit mit einer Autorin/einem Autor zu beschäftigen und sich in verschiedenen Klassen und Gruppen mit unterschiedlichen Texten auseinander zu setzen, um über das Lesen zu gemeinsamen Erlebnissen und Ergebnissen zu kommen.

Planung und Organisation

Wenn eine Schule grundsätzlich den Wunsch hat, dass sich alle Klassen mit der gleichen Autorin/dem gleichen Autor beschäftigen, sollte sie gemeinsam Kriterien für die Auswahl festlegen. Hauptkriterium wird sein, dass im Werk des Autors/der Autorin Texte für die verschiedenen Altersgruppen bzw. Klassenstufen der Schule vorhanden sind. Weitere Kriterien könnten z.B. sein:

  • Ursprungssprache des Autors/der Autorin (evtl. Bezug zum bilingualen Profil der Schule oder zu Herkunftssprachen von Schülerinnen und Schülern der Schule)
  • Herkunft des Autors/der Autorin (evtl. Bezug zur Herkunft von Schülerinnen und Schülern der Schule)
  • Bekanntheitsgrad des Autors/der Autorin und damit verbunden zu erwartendes Interesse bei den Schülerinnen und Schülern
  • Inhalt der Bücher des Autors/der Autorin mit Bezug zu aktuellen Themen von Kindern heute bzw. zu Lebensbedingungen der Schülerinnen und Schüler der Schule (z.B. Multikulturalität)
  • Bereitschaft des Autors/der Autorin, zu einer Lesung in die Schule zu kommen
  • Auseinandersetzung mit Klassikern (z.B. Astrid Lindgren, Erich Kästner)
  • Bezug zum Schulprofil, zum Namen der Schule (z.B. "Erich-Kästner-Grundschule")
  • ...

Aufgrund der vereinbarten Auswahlkriterien werden zu einem späteren Termin Autoren/Autorinnen vorgeschlagen, über die dann das Kollegium (evtl. unter Einbeziehung der Kinder) abstimmt und so zu "seinem Autor" bzw. "seiner Autorin" findet. 

Anschließend muss gemeinsam entschieden werden, ob dieses Vorhaben im Rahmen des Klassenunterrichts oder in einer Projektwoche verwirklicht werden sollte. Beide Möglichkeiten sind gut praktizierbar, beide haben Vor- und Nachteile: Eine Projektwoche ist einerseits ein besonders dichter, intensiver Beschäftigungszeitraum, andererseits benötigt das Lesen eines Buches und die Auseinandersetzung mit der Lektüre sowie mit dem Autor/der Autorin oft mehr Zeit als eine Woche.
Es ist sinnvoll, wenn sich für die weitere detaillierte Organisation eine Gruppe (z.B. Fachkonferenz Deutsch) bildet, die Bücher zusammenstellt, nach Rezensionen recherchiert, den Projektverlauf detaillierter plant, Absprachen trifft, evtl. Kontakt mit der Bibliothek aufnimmt, Vorschläge für die inhaltliche Gestaltung des Projekts macht und auch fachfremde Kolleginnen und Kollegen mit Anregungen kompetent unterstützt.


Wenn sich die Schule für einen zeitgenössischen Autor/eine zeitgenössische Autorin entscheidet, sollte zudem frühzeitig geklärt werden, ob es möglich ist, eine Autorenlesung zu arrangieren. Dies könnte ein echter Höhepunkt für den abschließenden Präsentationstag des gesamten Projekts werden. Anregungen zur inhaltlichen Gestaltung eines solchen Projekts sind u.a. in den Bereichen Leseaufgaben und Leseprozesse zu finden.

Ziele
  • sich als Schulgemeinschaft über die Lektüre von Texten eines Autors / einer Autorin verbunden fühlen
  • einen Autor/eine Autorin und seine / ihre Werke intensiv kennen lernen
  • Gespräche über Texte über das Klassenzimmer hinaus führen
  • bei einer Autorenlesung von der Autorin/vom Autor direkt erfahren, "was sie/er sich beim Schreiben gedacht hat".
Erfahrungen

Schulen, die ein derartiges Projekt durchgeführt haben, berichten von durchweg positiven Erfahrungen. Vorbereitung und Durchführung erfordern zwar besonderen Einsatz der Lehrkräfte, die dabei entstehenden Lern- und Arbeitsprozesse sowie die Ergebnisse machen diesen Aufwand aber sehr lohnenswert. Das gemeinschaftliche Arbeiten der ganzen Schule zu einem Autor/einer Autorin erzeugt tatsächlich eine positive und intensive Lernatmosphäre, die auch Nicht- und Wenigleser ein Stück weit mitnimmt. Als besonders wichtig erwähnen sämtliche Schulen zum einen den Präsentationstag bzw. die Präsentationstage. Hier stellen alle beteiligten Gruppen ihre Ergebnisse vor, z.B. in Form von Ausstellungen, Aufführungen usw., und das Lernen voneinander und miteinander wird dadurch sehr deutlich. Zum anderen wird eine persönliche Begegnung mit dem Autor/der Autorin bei einer Lesung von den Kindern als besonders bereichernd erfahren, was oft eine positive Auswirkung auf ihre Lesemotivation und ihre persönlichen Leseinteressen hat.

Redaktionell verantwortlich: Erna Hattendorf