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Studie der Stiftung Lesen

„Landkarte“ der außerschulischen Leseförderung in Deutschland

Studie der Stiftung Lesen beschreibt Angebote und Rahmenbedingungen

 

Kindertagesstätten, Bibliotheken, kommunale und freie Träger kultureller Jugendarbeit: Sie alle machen vielfältige Angebote, um Kinder und Jugendliche an das Lesen heranzuführen und sie dafür zu begeistern – denn Familien und Schulen allein können ein erfolgreiches Lesenlernen nicht immer gewährleisten. Welche Angebote und Maßnahmen außerschulischer Leseförderung gibt es? An wen richten sie sich und wen erreichen sie? Das Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen hat in einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie erstmals eine „Landkarte“ außerschulischer Leseförderung in Deutschland erstellt und die Angebote systematisch und strukturell beschrieben. Dafür wurden bundesweit Kindertagesstätten, Bibliotheken, Jugendämter und Träger kultureller Jugendarbeit – Vereine, Stiftungen, Kinder- und Jugend-häuser, Literaturhäuser und Leseinitiativen – zu ihren Maßnahmen zur Sprach- und Leseförderung, zu Zielgruppen, personeller und finanzieller Ausstattung, Kooperationen und Erfolgsfaktoren befragt.

 

Die wichtigsten Ergebnisse: Die Angebote außerschulischer Leseförderung sind vielfältig – sie reichen von Vorlesestunden und Veranstaltungen mit Autoren über Bibliotheksführungen, Buchausstellungen bis zu Kreativ-Angeboten. Im Fokus stehen dabei Kinder im Alter von zwei bis zwölf Jahren. Jedoch werden Maßnahmen nur selten auf bestimmte Zielgruppen, etwa Kinder unter drei Jahren oder leseferne Kinder und Jugendliche, zugeschnitten. Auch gehen die lesefördernden Aktivitäten in Ferienzeiten deutlich zurück. Nach Einschätzung von Dr. Simone C. Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung, liegt gerade hier gro-ßes Potenzial denn: „Entscheidend für den Erwerb von Lesekompetenz ist es, Freude am Lesen zu entwickeln. Deshalb sollte es ein Ziel außerschulischer Leseförderung sein, das Le-sen von Schule, Leistung und Bewertung abzukoppeln und mit Ferien, Freizeit und Vergnügen in Verbindung zu bringen.“

 

Für die gezielte Ansprache von Risikogruppen sieht das Institut Kommunikations- und Handlungsbedarf: „Die Relevanz zielgruppenspezifischer Förderung muss auf allen Ebenen deutlicher werden“, so Ehmig. Um Begeisterung für das Lesen gerade auch bei eher lesefernen Kindern und Jugendlichen zu wecken, empfiehlt das Institut, Ferienzeiten stärker für Angebote zur Leseförderung zu nutzen und Maßnahmen zu entwickeln, die Kinder und Jugendliche in eher unerwarteten Kontexten ansprechen. Hierfür bieten sich Kooperationen von Kitas und Bibliotheken außerhalb des Bereichs der Sprach- und Leseförderung an, z. B. mit Kinder- und Jugendhäusern, aber auch mit Sportvereinen und Spielgruppen. Für die gezielte Ansprache von Kindern unter drei Jahren sieht das Institut sowohl Potenzial in Kindertagesstätten – vor allem über die Schulung von Erzieherinnen und Erziehern im Bereich frühkindlicher Medienerziehung – als auch in Bibliotheken über die gezielte Ansprache der Eltern.

 
Die Studie „Außerschulische Leseförderung in Deutschland“ ist als Band 11 der Schriftenreihe der Stiftung Lesen erschienen. Sie steht als kostenloser Download zur Verfügung:

https://www.stiftunglesen.de/forschung/Vortr%C3%A4ge_und_Ver%C3%B6ffentlichungen/publikationen/publikationen?seite=2#liste

Redaktionell verantwortlich: Erna Hattendorf