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Rundum Sprache 2017

Dokumentation der Tagung   

Rundum Sprache – Sprache(n) lernen – Sprache(n) verbinden  

Tagung für Lehrkräfte zur Begleitung und Förderung des Zweitspracherwerbs von Schüler*innen im Land Brandenburg

am 11. Dezember 2017    

Impressionen von der Tagung

Einstimmung   

Zur Einstimmung waren die Tische mit Papierblüten gedeckt, die außen mit Satzanfängen berühmter Philosophen und Dichter von Konfuzius bis Wittgenstein bedruckt waren – alle zum Thema Sprache. Die Teilnehmenden ergänzten diese Satzanfänge und kamen darüber mit dem Nachbarn ins Gespräch. Mit einer Zitaten-Postkarte (pdf - 250 KB) wurde das Rätsel um die fehlenden Satzenden aufgelöst.  

Die Tagung richtete sich mit ihren Angeboten an Brandenburger Lehrkräfte im Primar- und Sekundarbereich. 140 Teilnehmer*innen konnten im Landesinstitut für Schule und Medien in Ludwigsfelde begrüßt werden.  

Thema der Tagung  

Lehrkräfte stehen im Unterricht mit neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen ohne Deutschkenntnisse vor der Herausforderung, gemeinsames Lernen in sprachlich heterogenen Gruppen zu planen und dabei auch Lernsituationen bzw. Lerngelegenheiten für Lernende mit und ohne Alphabetisierungsbedarf zu organisieren. Eine Schule der Mehrsprachigkeit nutzt die Vielfalt der Sprachen als Ressource und stützt das Lernen von Sprachen nicht als Nebeneinander, sondern in der Beziehung zueinander. Die Anerkennung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt ist ein selbstverständliches Merkmal interkultureller Schul- und Bildungskultur und ist insbesondere im Teil B des neuen Rahmenlehrplans 1-10 Berlin-Brandenburg verankert.
Im Mittelpunkt der Tagung stand die Frage, wie sprachliche Kompetenzen der Schüler*innen kompetent gefördert werden können – mit dem Wissen über Sprache(n) und über Sprachentwicklung und einem damit verbundenen Perspektivwechsel. Neben Konzepten zur DaZ-Förderung und zum Unterricht für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche wurden auch die Curricularen Grundlagen für Deutsch als Zweitsprache (Uni Potsdam) und der neue Sprachenkalender (LISUM) vorgestellt werden. Es ging um das Ankommen in der Schule, die Verantwortung aller Beteiligten, um Mehrsprachigkeit als Potenzial und Lernbegleitung ein-schließlich Diagnose.
Für die Teilnehmenden der Tagung wurde ein vielfältiges Tagungsprogramm bereitgehalten mit Beispielen für Umsetzungsmöglichkeiten und einem Marktplatz mit den Besonderheiten verschiedener Sprachen.  

Zwei Workshop-Phasen boten zahlreiche Impulse zum gemeinsames Lernen in sprachlich heterogenen Gruppen mit neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen ohne Deutschkenntnisse.

Marktplatz Kalender

Nach der Mittagspause stellte Marion Gutzmann, Referentin am LISUM für DAZ und Deutsch den neuen immerwährenden Kalender „Viele Sprachen – eine Welt“ (Hrsg. LISUM) vor. 

Die Teilnehmenden setzen sich mit den Besonderheiten verschiedener Sprachen auseinander. Jedem wurde ein Sprachenkalender überreicht.

Vortrag

Herr Dr. Alexis Feldmeier García von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münsterhielt einen Vortrag zum Thema „Mehrsprachigkeit im Kontext interkultureller Bildung und Erziehung und durchgängiger Sprachbildung“ (pdf - 1,4 MB). Im Vortrag wurde ein Konzept von Mehrsprachigkeit vorgestellt, das eine ressourcenorientierte Sichtweise auf Schüler*innen mit Zuwanderungsgeschichte erlaubt. Vor diesem Hintergrund wurden Möglichkeiten der Förderung bildungssprachlicher Kompetenzen im Rahmen einer durchgängigen Sprachbildung besprochen. 

Frau Birgit Nix vom MBJS begrüßte die Teilnehmer*innen und führte mit ihrem Vortrag „Vielfältige Unterstützung bieten“ in die Thematik ein. Im Anschluss stellten die Teilnehmenden Fragen an Frau Nix und Frau Bartsch vom MBJS

Workshop 1: Didaktische Schatzkiste im DaZ-Unterricht

Cornelia Böhme, Fontane-Oberschule Neuruppin
  
Kinder und Jugendliche, die aus anderen Ländern zu uns kommen und in unseren Schulalltag hineinwachsen sollen, sind vor vielfältige Übungs- und Lernaufgaben gestellt. Oftmals sind sie auch außerhalb der Schule mit unterschiedlichsten Herausforderungen konfrontiert.
Die Teilnehmer*innen dieses Workshops lernten eine Vielzahl an methodisch-didaktischen Kniffen kennen, mit denen Versagensängste, Frustration und Motivationslosigkeit in Erfolgserlebnisse, Neugier, Fleiß und Freude umgewandelt werden und die Schüler*innen schneller Zugang zu Kommunikation, Unterrichtsinhalten und Kooperationsverhalten finden.
Die Teilnehmenden erlebten, wie Sprachlernen freudvoll und motivierend gestaltet werden kann und erhielten zahlreiche Umsetzungsideen für die Praxis.

Handout zum Workshop (pdf - 2 MB)

Workshop 2: DSD als Motor des DaZ-Unterrichts – Prüfungsvorbereitung einmal anders

Annett Pölöskei, Libertasschule Löwenberg
 
Dieser Workshop richtete sich an Lehrkräfte der Sekundarstufe I und II, die fortgeschrittene DaZ-Lerner*innen in Förderkursen unterrichten. Im Vordergrund stand, wie Unterrichtsinhalte im Fach DaZ so vermittelt werden können, dass Schüler*innen quasi nebenbei und doch ganz gezielt auf die Prüfung zum Deutschen Sprachdiplom der Niveaustufe A2/B1 (DSD I) vorbereitet werden. Hintergrund ist, dass das DSD eine Sprachprüfung darstellt, die aus dem Unterrichtsgeschehen heraus resultiert und lediglich das erzielte Lernergebnis dokumentiert. Anders als andere Sprachprüfungen, bedient das DSD die Zielgruppe der schulpflichtigen Jugendlichen, orientiert sich an deren Erfahrungshorizont und verlangt Fertigkeiten, die sich in den Anforderungen des Regelunterrichts an deutschen Sekundarschulen wiederfinden, sodass die Schüler*innen gleichzeitig kompetente Handlungsfähigkeit für den Regelunterricht der Sekundarstufe erwerben. Daher lässt sich das im Workshop vorgestellte Unterrichtskonzept auch losgelöst von einer Teilnahme an der Prüfung gewinnbringend im DaZ-Unterricht einsetzen. Der Workshop bestand aus zwei Teilen, in denen einmal die schriftliche und einmal die mündliche Prüfung thematisiert wurde.

Workshop 3: Deutsch ist einfach – Internationalismen, Chunks und Lieder

Bartosz Baranski, Europaschule Storkow,
Yvonne Albrecht, Weidenhof-Grundschule Potsdam
   
Sprachen können miteinander verglichen werden. Sie sind miteinander enger oder entfernter verwandt wie die Mitglieder einer Familie. Anders als man auf den ersten Blick glaubt, erschließt sich die Bedeutung von Wörtern beim Lesen, beim Singen und Hineinhören in mögliche Ähnlichkeiten. Dann erscheint es gar nicht so schwer, Deutsch oder eine andere Sprache zu lernen. Am Beispiel der Arbeit mit Internationalismen wurde die Planung eines Unterrichtsbeispiels vorgestellt. Verschiedenste Lieder, Sprachspiele und der Austausch von Praxiserfahrungen rundeten den Workshop ab.

Workshop 4: Individuell heißt nicht allein – Lernen in sprachlich heterogenen Gruppen

Ulrike Handke, Berlin
 
Aktive Schüler*innen lernen mehr, aber es muss die Möglichkeit und einen Grund geben, aktiv zu werden. Kommunikation bedient in hervorragender Weise das „social brain“ und die Grundbedürfnisse von Menschen, Selbstwirksamkeit zu erfahren und gleichzeitig in der Gruppe ihren Platz zu finden. Der Workshop diente der Erprobung  von Aufgabenstellungen für (sprachlich) heterogene Gruppen mit dem Ziel,  kommunikative Handlungskompetenz zu erwerben.  Kooperative und binnendifferenzierende Lernsituationen unter Berücksichtigung gehirngerechter Methoden standen im Mittelpunkt. Praktische Phasen wechselten ab mit Phasen der Reflexion.

Handout zum Workshop (pdf - 500 KB)

Workshop 5: Deutsch als Zweitsprache

Dr. Alexis Feldmeier García, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
 
Im Workshop wurden grundlegende Überlegungen zum Aufbau des Förderunterrichts Deutsch als Zweitsprache besprochen. Unterrichtsplanung, Durchführung, Evaluation wurden behandelt. Unterrichtspraktische Hinweise zum methodischen Vorgehen wurden gegeben.

Präsentation aus dem Workshop (pdf - 1,1 MB)

Workshop 6: Curriculare Grundlagen – Herzstück Profilanalyse

Dr. Jana Gamper, Dorothee Steinbock,

Prof. Dr. Christoph Schroeder, Universität Potsdam


Wie können sprachliche Kompetenzen von neu zugewanderten Schüler*innen diagnostiziert und systematisch gefördert werden? Viele Lehrende neu zugewanderter Schüler*innen stehen vor der Herausforderung, in ihrem Unterricht die unterschiedlichen sprachlichen Kompetenzen der Schüler*innen effektiv zu fördern. In den für das Land Brandenburg konzipierten Curricularen Grundlagen DaZ (2017), mit einem besonderen Fokus auf Vorbereitungsgruppen, wird ein erwerbsdiagnostischer Ansatz vorgestellt, der sich auf Erkenntnisse der Spracherwerbsforschung stützt und eine Möglichkeit zur Unterstützung aufzeigt. Studien zur zweitsprachlichen Entwicklung zeigen deutlich, dass sprachliche Strukturen im Deutschen in relativ robusten Etappen erworben werden. Mit Hilfe des Diagnoseinstrumentes Profilanalyse kann die jeweilige Erwerbsetappe der Schülerin bzw. des Schülers ermittelt und daraus resultierende Erkenntnisse unmittelbar in den Unterricht für eine effektive Sprachförderung übertragen werden. 
Im Workshop wurde den Teilnehmenden anhand von Praxisbeispielen die Arbeit mit der Profilanalyse nahegebracht.

Handout zum Workshop (pdf - 260 KB)
Präsentation aus dem Workshop (pdf - 1,6 MB)

Workshop 7: Kunst trifft Sprache: Warum malte Picasso blaue Bilder?

Regina Pols, LISUM

In einem Lernszenario zu Picassos Blauer Periode für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 wählen Schüler*innen Aufgaben aus, in denen sie sich ästhetisch-künstlerisch und sprachlich mit dieser Episode in Picassos Leben auseinandersetzen. Der Einstieg in die Arbeit erfolgt über einen differenzierten Text, mit dem die Lernenden unterschiedlich weiterarbeiten können.
Im Workshop erarbeiteten die Teilnehmenden analog zum vorgestellten Picasso-Lernszenario einen eigenen Text für die Arbeit mit sprachlich heterogenen Lerngruppen nicht nur im Kunstunterricht. Ein Artikel zu diesem Lernszenario kann hier heruntergeladen werden:

https://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/grundschulunterricht-deutsch/2016-4/warum-malte-picasso-blaue-bilder

Workshop 8: Der etwas andere Umgang mit Fachtexten – Lernszenarien

Sabine Both, Christiane Neubert, Berlin

In diesem Workshop wurde aufgezeigt, wie vielfältig der Umgang mit einem Fachtext im naturwissenschaftlichen Unterricht sein kann. Es muss nicht immer "markieren, unterstreichen und abschreiben" sein. Kreativität ist gefragt!
Ob Gedicht, Comic, Krimi, Rätsel, Reportage, Domino oder ..., alles ist machbar!
Im praktischen Teil des Workshops wurde ein Perspektivwechsel vollzogen und die Teilnehmer*innen probierten die vorgestellten Methoden an einem Beispieltext aus.

Redaktionell verantwortlich: Erna Hattendorf