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Rahmenlehrplanbezüge

„20 Jahre Land Brandenburg“ im zeitgeschichtlichen Profil der brandenburgischen Rahmenlehrpläne Geschichte und Politische Bildung

Grundschule

Der Rahmenlehrplan Grundschule Geschichte orientiert sich in den Jahrgangsstufen 5 und 6 naturgemäß an der Großchronologie, sodass auf den ersten Blick vielleicht nicht erkennbar wird, welche Bezüge sich zu dem Thema „20 Jahre Land Brandenburg ergeben“. Wichtige Bezugspunkte finden sich jedoch im Rahmenlehrplankapitel zur Gestaltung des Unterrichts. Im Umgang mit Landes- und Neuzeitgeschichte lassen sich die dort angeführten Prinzipien der Geschichtsbetrachtung vor allem projektbezogen fachübergreifend oder fächerverbindend optimal umsetzen.

In den Teilbereichen Demokratie in der Schule und Demokratie in der Kommune des Rahmenlehrplanes Grundschule Politische Bildung sind die Ansatzpunkte augenscheinlicher, richten sich doch die dort aufgeführten Anforderungen und Inhalte auf den unmittelbaren Nahbereich der Schülerinnen  und Schüler und damit auf ihre unmittelbaren Lebenszusammenhänge  und deren Entwicklungen im Land Brandenburg.

Im Rahmenlehrplan Grundschule Geografie wird im Themenfeld Wir erkunden Deutschland dazu aufgefordert, anhand verschiedener geografischer Quellen Aspekte des Strukturwandels in der Sozial- und Siedlungsgeografie zu erfassen. Die Schülerinnen und Schüler sollen Standortbedingungen kennen lernen, „die für Landwirtschaft, Industrie und Verkehr bedeutsam sind“, was sich sehr gut am eigenen Bundesland realisieren lässt. Als verpflichtende Anforderung zielt der Rahmenlehrplan in diesem Themenfeld darauf ab, dass die Schülerinnen und Schüler in der Lage sind, „Verflechtungen zwischen Stadt und Umland am Beispiel der Region Berlin/Brandenburg“ zu beschreiben.

Sekundarstufe I

Das Interesse an Fragen zur DDR-Geschichte und ihrer Aufarbeitung im Schulunterricht hat zu einer deutlichen zeitgeschichtlichen Profilierung der Rahmenlehrpläne Geschichte und Politische Bildung für die Sekundarstufe I geführt. Mit den ab dem Schuljahr 2010/2011 geltenden, überarbeiteten Rahmenlehrplänen rückt die Auseinandersetzung mit dem Wandel unserer Gesellschaft seit der Friedlichen Revolution 1989/1990 noch stärker in das Blickfeld des Unterrichts: So bieten die thematischen Längsschnitte, mit denen die Themen im Fach Geschichte ab der Doppeljahrgangsstufe 7/8 vertieft werden, zahlreiche Bezüge zur Zeitgeschichte, z. B. der Längsschnitt Wirtschaft in historischer Perspektive, z. B. Kriegswirtschaft im I. und II. Weltkrieg, Aufstieg und Niedergang von Standorten und Industriebetrieben, Plan- und Marktwirtschaft oder der Längsschnitt Wechselseitige Wahrnehmung der Deutschen vor und nach 1989; innere Einheit. Der Rahmenlehrplan regt an, ausgehend von den regionalen Begebenheiten dem gesellschaftlichen Wandel bis in die heutige Zeit nach zu gehen. Die Längsschnitte des Rahmenlehrplanes umfassen Aspekte der Kultur, der Gesellschaft, der Architektur und viel Weiteres aus unserem Alltag, das den Wandel im Land Brandenburg in besonderer Weise deutlich werden lässt und den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, eigene Fragen zu ihrer Geschichte in Brandenburg zu entwickeln.

Auch im Unterrichtsfach Politische Bildung stellt der gesellschaftliche Wandel seit 1989 einen wesentlichen Inhalt des Unterrichts dar. Jeweils zwei Themenfelder sind während einer Doppeljahrgangsstufe auch unter Einbeziehung zeitgeschichtlicher Bezüge zu erarbeiten. So z. B. im Themenfeld Jugend und Politik“(7/8):  „Wandel der Lebenssituationen nach 1989“ oder im Themenfeld Gesellschaft (9/10): „Vereinbarkeit von Beruf und Familie als gesellschaftliche und sozialpolitische Herausforderung (aktuell, Rückblick)“. Das Fach Politische Bildung ist neben Geschichte und Geografie in der Sekundarstufe I Pflichtfach und leistet einen wichtigen Beitrag dafür, dass Schülerinnen und Schüler verschiedene Facetten des Wandels im Land Brandenburg nach der DDR-Diktatur beurteilen können und eigene Perspektiven für das gesellschaftliche Zusammenleben entwickeln.
Die verbindlichen Längsschnitte und die Wahlpflichtinhalte der aktualisierten Rahmenlehrpläne eröffnen gute und zahlreiche Bezüge zum Thema „20 Jahre Brandenburg“ Zeitgeschichte – sie sind insbesondere auch als Anregung für die fachübergreifende und fächerverbindende Projektarbeit  zu verstehen. Im Rahmenlehrplan Sek.I Geschichte werden Verbindungen der Längsschnitte zu den Fächern im gesellschaftswissenschaftlichen Lernbereich hervorgehoben. Der Besuch außerschulischer Lernorte, der auf der Grundlage der neuen Rahmenlehrpläne in diesen Fächern verbindlich ist, kann im Land Brandenburg die vielen Orte einbeziehen, an denen Wandel der letzten 20 Jahre erkennbar ist.

Berufliche Bildung

Curriculare Anknüpfungspunkte für den Jahrestag des Landes Brandenburgs bzw. der neueren Deutschen Geschichte lassen sich auch in der beruflichen Bildung finden. Die Unterrichtsvorgaben „Wirtschafts- und Sozialkunde, Politische Bildung, Politische Bildung/Wirtschaftslehre“  für die berufliche Bildung sind in 23 Module aufgeteilt, wobei einige dieser Module die deutsche Geschichte nach 1945 und Demokratieentwicklung als zentrale Themen aufweisen.

Bereits das Leitbild der Unterrichtsvorgaben geht davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler „mündige Bürgerin und der mündige Bürger in unserer Demokratie“ sind und dazu angehalten werden sollen „Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen“. Somit ist die demokratische Willensbildung bereits fest in die Unterrichtsziele und zu entwickelnden Kompetenzen der beruflichen Bildung verankert. Um die „politische Urteilsfähigkeit und Entscheidungskompetenz zu fördern, werden im Unterricht Themen behandelt, die sowohl in der Gesellschaft kontrovers diskutiert werden als auch konsensuale Grundlagen darstellen.“

Die größten curricularen Anknüpfungspunkte gibt es in den folgenden Modulen:

Modul 16: Für Grundrechte einstehen und eigene Rechte wahrnehmen (Handlungsfeld Gesellschaft – Staat)

Im Mittelpunkt des Moduls stehen die Grundrechte als Fundament einer demokratischen Gesellschaft, der Schutz des Bürgers durch diese Rechte sowie die Möglichkeiten des Einzelnen, seine Rechte einzufordern. Die Schülerinnen und Schüler sind zwar rechtsfähig und meist voll geschäftsfähig, stehen gleichwohl noch am Anfang ihres gesellschaftlichen Lebens in rechtlicher Mündigkeit. Eigene Interessen können sie zwar formulieren, aber häufig nicht wirkungsvoll vertreten. Die Kenntnis der eigenen Rechte und der Mittel, sie zu schützen bzw. zu wahren, ist der erste Schritt zur gesellschaftlichen Mündigkeit.

Modul 17: Historisch-gesellschaftliche Umbrüche in Deutschland nach 1945 verstehen (Handlungsfeld Gesellschaft – Staat)

Eine Vielzahl unserer Schülerinnen und Schüler assoziiert mit dem Begriff „Historische Umbrüche in Deutschland nach 1945“ nur wenige konkrete Inhalte. Gleichzeitig besteht jedoch ein wachsendes Interesse für die eigene Geschichte. Nicht selten werden diese Themen verdrängt, scheinen doch die gegenwärtigen Probleme viel relevanter und erklärungsbedürftiger zu sein. Das Wissen um die Ursachen und Entwicklungen im geteilten Deutschland im Kontext des Ost-West-Konfliktes ist jedoch notwendig, um aktuelle Erscheinungen in Politik und Gesellschaft einordnen zu können. Anhand ausgewählter historisch wichtiger Zäsuren soll eine Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geschlagen werden.

Inhalte:

  • Das Jahr 1945-Nachkriegssituation/ Die Potsdamer Konferenz
  • Die unterschiedliche Entwicklung der beiden deutschen Staaten ab 1949 an ausgewählten Beispielen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft
  • Krisensymptome und Umbruch in der DDR
  • Auf dem Weg zur deutschen Einheit
  • Prozess des Zusammenwachsens

Modul 18: An der politischen Willensbildung teilnehmen (Handlungsfeld Gesellschaft – Staat)

Das Grundgesetz räumt den Parteien eine zentrale Rolle in unserer repräsentativ-parlamentarischen Demokratie ein. Die Besonderheit dieser Parteien besteht darin, dass sie eine intermediäre Sonderstellung zwischen Gesellschaft und Staat einnehmen: Sie sollen zum einen für eine Transformation gesellschaftlich artikulierten Wollens in staatliches Tun sorgen, zum anderen stellen sie - „für den Bürger" - über die jeweiligen Parlamentswahlen die Repräsentanten in Parlament und Regierung. Insbesondere die „großen" Parteien haben Schwierigkeiten das Vertrauen in sie zu erhalten. Viele, auch junge Menschen nehmen häufig nicht an Wahlen teil. Zusätzlich verstärkt wird diese Entwicklung dadurch, dass Bürger in der Regel an innerparteilichen Entscheidungsprozessen wie beispielsweise die Aufstellung von Parlamentskandidaten nicht teilnehmen: Nur sehr wenige Bürger sind Parteimitglieder, und selbst die meisten Mitglieder von Parteien nehmen kaum an Aktivitäten ihrer Organisation teil. Daraus können sich vielfältige Probleme für die Stabilität unserer parlamentarischen Demokratie ergeben. Es ist daher unerlässlich, die Ursachen und Folgen dieser Entwicklung aufzuarbeiten.

Inhalte:

  • Wahlen beispielsweise Landtags- und Kommunalwahlen, zum Bundestag oder zum Europaparlament
  • unterschiedliche Grundpositionen von Parteien im Wahlkampf; Wahlkampfmethodenföderales Regierungssystem: Parlament, Regierung und Gerichtswesen; Bund und Länder
  • Einflussnahme von Parteien, Verbänden, Medien, Bürgerinitiativen und Bürgern; Grundlagen der Demokratie im Grundgesetz der BRD

Modul 19: Bewusst in einer globalisierten Welt leben (Handlungsfeld Globale Welt – Globalisierung)

Als Kern des Phänomens der Globalisierung gilt die immer stärkere Durchdringung nicht nur der Güter-, sondern auch der internationalen Faktormärkte (Arbeits- und Kapitalmärkte) sowie die Beschleunigung wirtschaftlicher Transaktionen mit ihren vielfältigen Chancen und Risiken für Konsumenten, Arbeitnehmer, Arbeitssuchende, Unternehmen, die erweiterte EU, Entwicklungs- und Schwellenländer, Parteien und Interessenverbände. Die Bedeutung der Globalisierung ist um so eher abzuschätzen, wenn sie als ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren und Tendenzen erkannt wird, die in der Lage sind, persönliche berufliche Entfaltungsmöglichkeiten wesentlich mit zu beeinflussen.