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Quellen

Quellen

Quelle 1: Warum ich sozialdemokratisch wähle

Die Sozialdemokratie hat allein von allen Parteien mit Energie das verderbliche Herrschaftssystem bekämpft, das uns in den Abgrund geführt hat.

 

Die Sozialdemokratie ist schärfste Gegnerin des Kriegs gewesen und hat ihn mit allen Mitteln zu verhindern gesucht. Als er gegen ihre Anstrengung ausgebrochen war, hat sie die Niederlage mit ihren entsetzlichen Folgen vom deutschen Volk abzuwenden gestrebt, gleichzeitig ist sie für einen rechtzeitigen Frieden der Verständigung mit allen Mitteln eingetreten.

 

Die Sozialdemokratie ist die einzige Partei, deren Sieg Gewähr dafür bietet, daß die neu errungene Freiheit dem deutschen Volke erhalten bleibt. Ihre Politik sichert die Errungenschaften der Revolution und bietet die beste Gewähr gegen reaktionäre Rückschläge.

 

Die Sozialdemokratie ist die einzige Partei, deren Programm die Durchführung des Sozialismus ohne Schädigung des Wirtschaftsorganismus ermöglicht. Die bürgerlichen Parteien wollen die Herrschaft des Kapitalismus verewigen, die linksradikalen Gruppen haben mehr die Zerstörung des Kapitalismus, als den positiven Aufbau des Sozialismus im Auge; ihre Pläne drohen, den ganzen Wirtschaftsapparat in Trümmer zu schlagen.

 

Die Sozialdemokratie allein sichert einen dauernden Frieden. Nur sie von allen Parteien ist imstande, wieder ruhige und friedliche Beziehungen zu den Nachbarvölkern anzuknüpfen und der internationalen Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen.

Die Sozialdemokratie vertritt die Interessen aller arbeitenden Menschen, ob Kopf- oder Handarbeiter, ob Arbeiter im engeren Sinne, Angestellte, Beamte, Handwerker, Landwirte, Gewerbetreibende usw. Sie will jedem Arbeitenden den vollen Ertrag seiner Arbeit sichern. Nur ihr geht das Recht des lebenden Menschen vor dem Recht des toten Kapitals. Die Sozialdemokratie erstrebt geistige Freiheit, Abschaffung jeglichen Gewissenszwangs, volles Recht der freien Meinungsäußerung für jedermann, gleiche Bildungsmöglichkeiten für alle und Aufstieg der Begabten.

 

Die Sozialdemokratie allein kann daher Deutschland aus dem Abgrund, in den es durch das Verbrechen der alten Machthaber hinabgeschleudert ist, erretten und einer höheren Stufe der Kultur und Gesittung, als sie bisher je erreicht wurde, zuführen.

 

Ich wähle deshalb sozialdemokratisch, denn Sozialismus bedeutet Glück, Wohlstand, Zufriedenheit, höhere Gesittung und persönliche Freiheit für alle geistig und körperlich schaffenden Menschen.

 

Zitiert aus: Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, vom 3. Januar 1919, 36. Jg., Nr. 5, S. 3

 

Quelle 2: Fünf Tage Verhandlungen – dann erst Sturm auf den „Vorwärts“

In der Nacht zum 6. Januar 1919 wurden der „Vorwärts“ und die Zeitungsdruckereien von Mosse, Scherl, Ullstein und Büxenstein, und das Wolffsche Telegraphen-Bureau mit bewaffneter Gewalt von Spartakusbanden besetzt. Ebenso wurden die Räume des Propaganda-Ausschusses der sozialdemokratischen Partei überfallen und alles vorhandene Werbematerial vernichtet. Die „Rote Fahne“ [publizistisches Organ des Spartakusbundes, d. Verf.] erklärte in ihrer Nummer 6 vom 5. Januar, daß die „Zurücknahme“ des „Vorwärts“ ein selbstverständlicher Akt revolutionärer Notwehr“ sei und sprach die Hoffnung aus, daß ihn die Arbeiterschaft sich diesmal nicht wieder entgleiten ließe. Die bürgerlichen Blätter sollten jedoch unter Kontrolle des A.- und S.-Rates [Arbeiter- und Soldatenrat, d. Verf.] weitererscheinen dürfen, d. h. sie sollten einer Spartakuszensur unterworfen werden. Damit war eine der hauptsächlichsten Errungenschaften der Revolution, die uneingeschränkte Pressefreiheit beseitigt. Sie wiederherzustellen, war die vornehmste Aufgabe der Volksbeauftragten und des Zentralrats. Zustände, die eine Schande für unsere junge Republik sind, mußten unter allen Umständen beseitigt werden.

 

Zitiert aus: Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, vom 14. Januar 1919, 36. Jg., Nr. 23, S. 2

Redaktionell verantwortlich: Jens Nitschke, LISUM