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Vorwort

Vorwort

In der Bildungslandschaft Berlin-Brandenburg dazu beizutragen, Qualität zu entwickeln, ist ein Ziel des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM). Neben der Qualifizierung von Fachberaterinnen, Fachberatern, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren dienen auch die Publikationen des Instituts dieser Aufgabe. Nicht nur im Bereich der Gesellschaftswissenschaften hat dabei die Auseinandersetzung mit der deutsch-jüdischen Geschichte eine langjährige Tradition.

 

"Deutsch-jüdische Geschichte", so das Leo Baeck Institut für die Geschichte und Kultur der deutschsprachigen Juden in seiner Orientierungshilfe für den Unterricht, ist immer auch "integraler Bestandteil der Deutschen Geschichte."1 Dies beinhalte einen Perspektivwechsel: Die Rolle der Juden in der deutschen Geschichte dürfe nicht immer auf deren Status als Minderheit, auf deren Ausgrenzung und Verfolgung reduziert werden. Diesem Anspruch fühlt sich auch die Publikation "Jüdisches Leben in Berlin. Die Lindenstraße – Ideen zur historischen Projektarbeit an Schulen" verpflichtet. Sie bietet den Lehrkräften neben Informationen und Arbeitsanregungen zu Themen der Verfolgung von Juden auch solche, die sich mit deren produktiven und eigenständigen Rolle in Bereichen wie Architektur, Literatur, Politik, Presse und Kultur befassen. Der Bogen wird dabei vom 19. Jahrhundert bis heute geschlagen.

 

Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist immer auch dadurch motiviert, Lösungsansätze für gegenwärtige Probleme zu finden. In den Arbeitsanregungen wird dieser Gegenwartsbezug immer wieder hergestellt und dabei auch auf die kulturelle Heterogenität der Schülerschaft bezogen. Ideen für vertiefende Recherchen, Stadterkundungen und Präsentationen sollen Anregungen und Hilfestellung geben bei Planungen für die historische Projektarbeit oder aber auch für die neuen Prüfungsformen in der 10. Jahrgangsstufe und im Abitur.

 

Das Alleinstellungsmerkmal des Unterrichtsfaches Geschichte ist es, dass es etwas zum Gegenstand hat, was nicht mehr existiert – die Vergangenheit. Wie aber kann Schülerinnen und Schülern zeitliches Fernes nahe gebracht werden? Neben der Begegnung mit originalen Quellen aus vergangenen Zeiten und Zeitzeugen kann auch der Ort, an dem Geschichte stattgefunden hat, eine auratische Anmutung auslösen. So finden sich zum Beispiel in Berlin noch immer Gebäude, die Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg zeigen.

 

 

Die vorliegende Publikation nutzt das Prinzip der historischen Stadterkundung, um durch den Ort, durch die Topographie einen Zugang zur Vergangenheit zu bekommen. Sie widmet sich der Lindenstraße in Berlin – einer Straße, die reich an deutsch-jüdischer Vergangenheit ist. Wie diese Lindenstraße haben alle Lindenstraßen in Deutschland eine Vergangenheit. Insofern ist unser Beitrag zur Erforschung der deutsch-jüdischen Geschichte durch Schülerinnen und Schüler exemplarisch zu verstehen. Das LISUM präsentiert zwar ein Berliner Beispiel, es will aber auch Anregungen geben für lokale Erkundungen im Land Brandenburg.

 

Den Anstoß für das Projekt "Jüdisches Leben in Berlin. Die Lindenstraße" gab das Leo Baeck Institut in Frankfurt am Main, dessen Förderprogramm "Jüdisches Leben in Deutschland" vom Fonds "Erinnerung und Zukunft" und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung unterstützt wird.

 

Wir danken dem Leo Baeck Institut für die großzügige Förderung dieses Projektes. Unser Dank für die Mitarbeit geht außerdem an unsere Kooperationspartner, Tanja Groenke und Etta Grotrian vom Jüdischen Museum Berlin, Dr. Johannes Tuchel von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin sowie die Autorinnen Karin H. Grimme und Monika Ebertowski.

 

 

Dr. Jan Hofmann Direktor des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg

 

 

 

1 LBI-Kommission für die Verbreitung deutsch-jüdischer Geschichte (Hg.): Deutsch-jüdische Geschichte im Unterricht. Orientierungshilfe für Lehrplan- und Schulbucharbeit sowie Lehrerbildung und Lehrerfortbildung. Online verfügbar unter www.leobaeck.de, zuletzt aktualisiert am 10.04.2003, zuletzt geprüft am 07.11.2007.