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Unterrichtsvorschläge 3. Semester - Pflichtthemen

Die Vorgeschichte des 1. Weltkriegs lässt sich nicht ohne das vorhergehende “lange 19. Jahrhundert” verstehen. Prägend für diese Zeit war das erwachende politische Bewusstsein der Bevölkerung sowie das Ringen um Nationalstaaten. Ausgangspunkt für die Forderung nach politischer Mitbestimmung sind die Aufklärung, die Entstehung Amerikas sowie die Französische Revolution. Das Streben nach Nationalstaatlichkeit zeigt sich an den (wieder) entstehenden Nationalstaaten Polen, Griechenland, Italien aber auch Deutschland. Gerade am Beispiel Deutschlands zeigt sich das Nebeneinander der Forderungen nach Mitbestimmung und Einheit. Zunächst kämpften die “Deutschen” gegen Fremdherrschaft unter Napoleon für ein deutsches Vaterland, in dem das Volk mitbestimmen sollten. Diese Hoffnungen wurde jedoch 1815 bitter enttäuscht: Der Deutsche Bund wurde gegründet, an eine Mitbestimmung des Volkes war nicht zu denken. Dennoch traten die Gedanken immer wieder auf; dies zeigt sich am Wartburfest, dem Zollverein sowie den Ereignisse 1830/31 und 1848/49. Dennoch wurde erst unter Bismarck ein deutsches Kaiserreich gegründet, wenn auch ohne Beteiligung und ohne wirkliche Mitwirkungsmöglichkeiten des Volkes. Besonders deutlich wird das in der Präambel der Reichsverfassung von 1871, in der die Fürsten “einen Bund zum Schutz des Bundesgebietes” schließen. Mit dieser Verfassung werden zwar die nationalstaatlichen Forderungen erfüllt; die Mitbestimmung im Reich ist aber nicht gegeben.

Mit dem Ende der Herrschaft Bismarcks ändert sich das Auftreten Deutschlands in der Welt radikal. Nach dem Willen Wilhelms II. sollte das Reich weltpolitisch wesentlich stärker wahrgenommen werden. Das kolonialpolitische Engagement Deutschlands und seine Aufrüstung bewirkten, dass das Reich als ein Bedrohungsfaktor wahrgenommen wurde.

Besonders prekär war die Lage auf dem Balkan, wo nationalstaatliche Bestrebungen den Interessen des Osmanischen Reiches, Österreich-Ungarns und Russland entgegenstanden.

Der Erste Weltkrieg sollte primär problem- und wissenschaftspropädeutisch unterrichtet werden. Dabei könnten folgende Themen angesprochen werden:

- Ursachen und Anlass des Ersten Weltkrieges; Diskussionen um die Kriegsschuld

Hier könnte die aktuelle Forschung (G. Krumeich, Chr. Clark) mit herangezogen werden und eine Debatte über folgende Fragen geführt werden:

Welche Rolle spielte der Blankoscheck beim Kriegsausbruch? War der Krieg lokal begrenzbar oder gar vermeidbar? Welche Rolle spielten die Alliierten bei Kriegsausbruch?

- Kriegsziele im Wandel des Krieges (1914 – 1917 – 1918)

Je nach der Kriegsphase wandeln sich die Kriegsziele bei den Beteiligten. SuS können hier Vorträge halten

- Der Versailler Vertrag: ein Unglück für Europa?

Der Versailler Vertrag wurde in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gerne als Unheil und als Keim eines neuen Krieges angesehen. In der aktuellen Forschung wird betont, dass bei einer umsichtigen Politik aller Beteiligten die Chance bestanden hätte, Deutschland durchaus eine Großmacht geblieben ist und in der Weltpolitik nach und nach wieder mitspielen konnte. Diese These könnte im Unterricht diskutiert werden. Eine Gegenüberstellung verschiedener Positionen aus den verschiedenen Epochen bietet sich hier an.

Seit 1917 veränderten sich im Kaiserreich die politischen Rahmenbedingungen. Bestand zunächst ein Burgfrieden, in dessen Rahmen alle Parteien Kriegskredite gewährten, spaltet sich im April 1917 die USPD von der SPD ab und forderte einen sofortigen Friedensschluss. Auch die alte SPD, nunmehr MSPD genannt, schloss sich im Juli 1917 mit dem Zentrum, den Freisinnigen und Nationalliberalen zum Interfraktionellen Ausschuss zusammen, um eine Parlamentarisierung der Reichsverfassung zu erreichen.

1918 erhoffte die OHL, eine Friedensschluss auf der Grundlage von Wilsons 14 Punkten zu erreichen. Vorraussetzung hierfür war jedoch eine Demokratisierung der Reichsverfassung. Im Oktober wurde daher Max von Baden zum neuen Reichskanzler ernannt, der eine Regierung unter Mitwirkung der MSPD, des Zentrums und der Fortschrittlichen Volkspartei bildete. Mit dieser Oktoberverfassung LAG die Kontrolle des Reichskanzlers und der Reichsregierung nunmehr bei Parlament und nicht mehr beim Kaiser.

Fast zeitgleich kam es im November 1918 zu einer Revolution von unten. Weil die Hochseeflotte sich heldenhaft versenken lassen sollte, meuterten die Matrosen. Die daraufhin erfolgten Verhaftungen lösten iene große Welle der Unterstützung aus und führten letztlich zur Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten. Mit der Abdankung Wilhelms II. und der Übertragung der Regierungsgewalt von Prinz Max von Baden auf Fr. Ebert endete die alte Ordnung.

Wie es weitergehen sollte, war zunächst unklar, da Philipp Scheidemann die Republik ausrief, während Karl Liebkecht die Sozialistische Republik Deutschland ausrief.

Das Themengebiet könnte folgendermaßen behandelt werden:

- Wodurch unterschieden sich die Konzepte der USPD von denen der MSPD?

- Beurteilen Sie die Chancen und Risiken von direkter Demokratie, imperativen Mandaten und repräsentativen Demokratien

- Handelte es sich bei den Ereignissen vom November 1918 um eine Revolution?

- Vergleichen Sie die Forderungen Scheidemanns und Liebknechts mit der Weimarer Reichsverfassung und beurteilen Sie, inwiefern die Revolution gescheitert ist.

- Die Weimarer Reichsverfassung- ein Großer Kompromiss?

- Lehren aus Weimar – Ist unsere Demokratie durch das Grundgesetz ausreichend geschützt?

Zahlreiche Faktoren haben die Weimarer Republik belastet und somit die Akzrptanz der neuen poltischen Ordnung erschwert. Es bietet sich an, hier in einem arbeitsteiligen Vorgehen die SuS Belastungsfaktoren darstellen zu lassen:

- Schwäche demokratischer Traditionen, obrigkeitsstaatliche Grundeinstellung

- Strukturelle Schwächen der WRV

- außenpolitische Schwierigkeiten

- Versagen der Parteien und Politiker

- Aufstände und Putschversuche

- Antisemitismus, politische Morde als politisches Mittel bei gleichzeitiger parteiischer Justiz

- Der Ruhrkampf

- Die Inflation

Die Weltwirtschaftskrise war neben weiteren Belastungsfaktoren eine Art Katalysator für den Untergang der Weimarer Republik. Das Absinken der Produktion und die Illiquidität der Baken ließen die Zahl der Konkurse in die Höhe steigen; die Arbeitslosgkeit explodierte, Sozialleistungen sanken und höhere Sozialleistungen fielen an. An diesem Punkt zerbrach die Große Koalition. Mit Brüning begann die Zeit der Präsidialkabinette, die ohne parlamentarische Mehrheit regierte.

Der scharfe Deflationskurs Brünings mit drastischen Kürzungen der Staatsausgaebn, von Löhnen und Gehältern bei starken Steuererhöhungen bewirkten, dass weite Teile der Bevölkerung sich radikalisierten, sich radikalen Parteien zuwandten und nach einem “starken Mann” riefen.

Das Thema ließe sich unter folgenden Aspekten beleuchten:

- Ließ sich der Bruch der Großen Koalition 1930 vermeiden?

- Das Erstarken radikaler Parteien: eine Auswirkung wirtschaftlicher Krisen?

- Viele Parteien und keine Möglichkeit zur Regierungsbildung: Was können wir aus Weimar lernen?

Redaktionell verantwortlich: Jens Nitschke, LISUM